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Warum die Unwahrheit siegt

Noch in meiner Jugendzeit wusste ich, was wahr ist und was falsch: Was ich sehen, messen und analysieren konnte, war richtig. Was man also weder sehen, noch messen, noch analysieren konnte, musste nicht besprochen werden. Es war nichts als Ansichtssache. Ich wusste, wie wenig ich auf die alten Weiber hören durfte, die ihre Allerweltsweisheiten hinausschnatterten.

Für diejenigen Leser, die sich mit dem Begriff der „Wahrheit“ auskennen, räume ich gerne ein, dass es zwei Kategorien von Wahrheit gibt: Die eine lässt sich objektiv von jedermann feststellen, die andere entsteht durch Kommunikation. Letztere ist nur den Menschen zugänglich, die sich an dieser Kommunikation beteiligen. Alles, was im „zwischenmenschlichen Bereich“ herumwuselt, sind Wahrheiten, die durch Kommunikation entstehen und durch sie auch verändert werden können.

Wahrheit ist nicht Weisheit

Mit den Jahren lernte ich, hin und wieder nicht der Wahrheit, sondern der Weisheit zu folgen. Sie ist die schöne Schwester der Wahrheit, weil sie uns lehrt, gelassen damit umzugehen, wie eiskalt und unbarmherzig die Wahrheit bisweilen sein kann. Wahrheiten fühlen sich selten kuschelig an, Weisheiten hingegen schon.

Böse Schwestern: manipulierte Wahrheiten und Illusionen

Beide, Wahrheit wie Weisheit, haben böse Schwestern. Bei der Wahrheit ist es besonders schwierig, diese zu beschreiben, denn es ist weder die offenkundige Lüge noch die leichte Verfälschung, die dieser Schwester eigen ist, sondern die ganze verlogene Bandbreite der „Korrekturen der Wahrheit“. Die böse Schwester der Weisheit ist ebenso kuschelig wie die Weisheit selbst – mann nennt sie gemeinhin Illusion.

Beide – die „manipulierte Wahrheit“ wie auch die Illusion, bilden heute den Alltag von Arbeiterinnen in der Konservenfabrik bis hin zu gestandenen Akademikern. Die Bandbreite reicht vom Glauben an Volksweisheiten, Religionsinhalten und Hexenwerk bis hin zu einer vermeintlichen „Kultur des Abendlandes“ oder dem Glauben an die Grundwerte der Psychoanalyse.

Gaukler, Magier, Priester, Geschäftemacher und Journalisten

Unwahrheiten und Illusionen wurden einst von Gauklern, Magiern und Priestern verbreitet, bevor es so etwas gab wie Massenmedien. Mit dem Aufkommen der Monats- Wochen- oder Tagespresse gerieten sie in die Hände von Journalisten, die es mit der Wahrheit oft nicht so genau nahmen. Seit es nun das Internet gibt, kann jeder Unwahrheiten, Halbwahrheiten oder Lügen verbreiten. Wer sich genau ansieht, was in Suchmaschinen ganz oben steht, wird feststellen: Es ist selten der kompetenteste Artikel. Geschäftemacher, Boulevardjournalisten oder Umstandskrämer stehen fast immer ganz oben in den Suchmaschinen, sodass die Wahrheit kaum eine Chance erhält, ans Volk zu gelangen. Es ist wie damals, nur moderner. Einst war man umgeben von Altweibergeschnatter, heute ist man umgeben vom Informationsmüll.

Das manipulierte Internet - nicht ernst nehmen, bitte schön

Kann man ein Internet noch ernst nehmen, in dem die Suchenden verunsichert werden und in dem jedes auch noch so exotische kommerzielle Interesse vor der Wahrheit rangiert? Ich meine: nein. Die bereite Masse wird durch das Internet nicht klüger, sondern verwirrter, und nur die Eliten der Informationsgesellschaft können die Spreu noch vom Weizen trennen.

Das Einzige, was uns noch retten könnte, wäre eine konsequente Ausbildung in Medienkompetenz in unseren Schulen. Fragte sich nur, ob alle Lehrer darüber verfügen.

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