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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Frigidität: Heilung oder Verderben durch lesbische Kontakte?

Lerneffekte, Liebe oder Fall für die Psychiatrie?

Wenn man ältere Herrenzeitschriften durchblättert, kann man schon schmunzeln – oder besser: Schmunzeln nach bedenklichem Stirnrunzeln. Und bevor Sie weiterlesen: Dieser Findelsatire basiert auf einer tatsächlichen Veröffentlichung aus dem Dezember 1971.

Ich traf gerade auf einen als „Wissenschaftlich“ bezeichneten Artikel, der (wie damals in den USA nicht unüblich) vermutlich komplett „aus dem Finger gesogen“ wurde. Autor ist ein Schriftsteller namens Norton McVickers, der mehrere Beiträge für das Magazin „Real Men“ schrieb und 1979 das Buch „sexy-sexy“ veröffentlichte. Andere Beiträge für “Real Men” waren „Sex by Mail“ (1963), „Sex Parties“ (1964) und „Nudist Parties“ (1967). Der Artikel, aus dem die Beispiele gezogen wurden, stammt vom Dezember 1971 und trägt den Titel: „Lesbisch – die Antwort auf die Probleme frigider Frauen.“

These: Lass erst mal eine Lesbe an dich ran - die macht dich Männerfit

Behandelt wurde die Frage, ob man die weibliche Frigidität nicht dadurch behandeln könne, dass die Frau vorübergehend auf eine lesbische Beziehung einlässt. Sozusagen: lass mal die Lesbe ran zum eher zärtlichen „Einreiten“, oh Pardon, zum Vorbereiten auf die Lust am Orgasmus.

Um den Artikel aufzubauen, beginnt der Journalist mit der betrüblichen Tatsache, dass gegen 17 Prozent der US-amerikanischen Frauen frigide sind – also keine Lust auf Sex haben. Ein Albtraum und gelegentlich, mindestens in den 1960ern, eine traurige Tatsache für viele Ehemänner.

Ein Wissenschaftler wird erfunden

Aber es gibt da eine Lösung, im fernen Europa, wo die Menschen sexuell freizügig sind, besonders natürlich in Skandinavien – denn da vermutet der Durchschnitts-Prolo aus den USA die Sünde pur. Und nun lässt der Journalist wie aus dem Nichts einen skandinavischen Arzt auftauchen, einen Dr. Helmar Alviggsen. Der muss erst einmal sagen, dass die Amis von "ihren Mädchen" zu viel erwarten. “In meinem Teil der Welt“, so lässt der Journalist den Arzt sagen, „werden junge Frauen ermuntert, sexuell zu experimentieren.“ Ja und womit? Mit lesbischen Beziehungen, ganz klar – die schaden nicht, sondern helfen der jungen Frau, sich auf die Ehe vorzubereiten. Das folgt einem allgemein akzeptierten Vorurteil des 19. Jahrhunderts: Wenn sie erstmal sexuell erweckt sind, werden sie Selbstläufern.



Ein zweiter Experte: erst lesbisch verführen lassen, dann wieder "umdrehen"

Natürlich reicht ein Wissenschaftler nicht, um die These zu untermauern. Also erfinde man einen Zweiten, hier den „österreichischen Professor Heinrich Gohler“.

Nachdem der erfundene „Professor“ die Frigidität zergliedert hat, was sehr wissenschaftlich klingt, kommt er auf den Punkt. Er glaubt nämlich, jenen Frauen durch lesbische Kontakte helfen zu können, die unter einer „generellen anti-männlichen psychischen Struktur“ leiden. Bei jenen empfiehlt er die Behandlung unter Einbeziehung einer lesbischen Partnerin. Hat die lesbische Beziehung die Frau von ihrer Frigidität geheilt, dann ist sie auch für Männer nutzbar. Man müsse sie nur anschließend wieder „in die richtige Richtung bringen“ – und dann ist sie fit für Geilheit im Ehebett.

Ja, aber – die Europäer sind doch sowieso pervers, oder?

So, nun wird es aber Zeit zu warnen, weil diesen Europäern ja eigentlich nicht zu trauen ist, nicht wahr? Also wird nun geschwenkt: Lesbische Neigungen können nämlich viel gefährlicher sein als Frigidität, oder besser: Durch die lesbische Infiltration würden die Frauen nicht williger, sondern dauerhaft pervers.

Die "geheilten" 99 Prozent des Mr. Beame

Also muss ein US-Amerikaner her: Peterson Morley Beame, der angeblich für eine US-amerikanische psychosoziale Vereinigung arbeitet – soweit bekannt, ebenfalls eine fiktive Gestalt. Der angebliche „Experte“ ventiliert das Thema der Frigidität nochmals ausführlichst und kommt zu dem Schluss, dass es viele Wege gibt, die Damen von ihrer eisigen Gefühlskälte zu heilen, und zwar unabhängig von den vielfältigen Ursachen. Wer nach Hilfe fragt, dem wird auch geholfen, meint er – und sagt, dass 99 Prozent der Hilfe suchenden von ihrer Frigidität geeilt würden.

Nun muss der Autor nur noch beweisen, dass Europäer sowieso nicht alle Tassen im Schrank haben. Und das liegt daran, dass die Frauen in Europa sowieso lesbisch durchseucht sind.

In Europa sind die Frauen sowieso lesbisch

Die Fantasie geht dann so weiter: Die übliche Europäerin sei sowieso „doppelt gepolt" (AC-DC) und das sei in Europa so gewöhnlich, dass niemand auf die Idee käme, so etwas täte ihr nicht gut. Schließlich flogen die (für 1970) äußert sensationellen Zahlen (Quelle natürlich unbekannt), dass in der Spitze der Europäerinnen eben ein Viertel lesbisch ist, angeführt von diesen Schwedinnen, die ja schon immer für sexuelle Libertinage standen. Das – so folgert der Sensationsschreiber, stünde je nun wohl im krassen Gegensatz zu den edlen und noch nicht pervertierten Frauen in den USA, von denn allenfalls vier Prozent lesbisch wären.



Ja, und nun: Klar ist mal, dass US-Frauen keine Europäerinnen sind und auch keine nackten Wilden. Und überhaupt: Igitt, sind die pervers, diese gottverdammten Europäer. Denn „nahezu alle US-amerikanischen Ärzte“ seien sich einig, dass lesbisch sein eine echte Abnormalität sei, die auf allen und jeder Ebenen der Gesellschaft bekämpft werden muss. Vielleicht nicht gleich mit Folter und Inquisition, aber sicherlich mit psychiatrischer Hilfe, denn diese „Krankheit“ bedürfe selbstverständlich einer Behandlung.

Hinweise: Bitte vergessen Sie nicht, dass die Inhalte erst heute als Satire verstanden werden. 1971 wurde der zugrundeliegende Artikel als absolut "ernsthaft" veröffentlicht.
Da ich nicht annehme, dass sie mir glauben werden, habe ich Schnipsel aus der Publikation in englischer Sprache eingefügt.

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