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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Häufige Fehler in erotischen Kurzgeschichten

Mein Befinden war erregt und andere Fehler


In der Literatur findet man es kaum, im Schulaufsatz hingegen häufig: die Substantivierung der Gefühle, die Passivform und das Urteil statt der Beschreibung. In der Regel kann man schlechte Schreiber daran erkennen, dass sie alle drei Elemente häufig benutzen, gelegentlich sogar in Kombination.

Einige Beispiele dazu:

Die Entkleidung erwies sich als diffizil.
Meine Nacktheit verwirrte mich.
Meine Erregung wuchs.
Die Gefühlsentwicklung war explosiv.
Mein Befinden war erregt.
Meine Knie zitterten.
Mein Herz flatterte.
Ich hatte Schmetterlinge im Bauch.
Meine Nerven waren spannungsgeladen.
Meine Gefühle spielten verrückt.


Zum Vergleich als Glosse: Der Beifall war endenwollend. (Buchtitel)

Was gut klingt, kann mies sein - ein Knie zittert nicht aus sich selbst heraus

Nun kann man sicher darüber streiten, ob „meine Knie zitterten“ oder „mein Herz flatterte“ schlechte Beschreibungen sind. Aus meiner Sicht sind sie es: Knie zittern nicht, ohne dass wir etwas fühlen, das sie zum Zittern bringt, und ähnlich verhält es sich mit dem Herzen, das nicht von sich aus flimmert.

Ich gebe zu: Gefühle zu schildern ist verdammt schwierig, zumal in Kurzgeschichten. Du kannst nicht so viel schreiben, wie du willst, aber du musst dennoch das tun, was Medienleute „Gefühle rüberbringen“ nennen. Das heißt: Die Gefühle müssen bei deiner Leserschaft ankommen.
Wenn du Gefühle knapp beschreiben musst, solltest du sie ganz nahe an die Person herabringen. Frage dich immer: „Was passiert deiner Heldin oder deinem Helden, wenn …?“

Beispiel „Meine Knie zitterten“
Ich spürte, wie meine Knie zu zittern begannen. Ich fürchtete, sie würden einknicken und mir den Dienst versagen, mich aufrecht zu halten. Ich ergriff das Kaminsims, um Halt zu finden.

Beispiel: „Mein Herz flatterte“.

Mein Herz kam aus dem Takt und schien zu flattern. Es war, als ob jede meiner Adern in einem anderen Rhythmus vibrieren würde, und auch mein Hirn schien aus dem Takt zu kommen.

Gefühle müssen immer geschildert werden, auch in Kurzgeschichten, und ganz besonders in erotischen Kurzgeschichten. Die Formel dafür heißt:

Was passiert mir gerade, wie wirkt es sich aus und welche Bedeutung hat das?


Auch dies will ich ihnen an einem Beispiel erläutern.

Beispiel: Alternativen für "Schmetterlinge im Bauch"

Wir neigen leider dazu, unsere Gefühle plakativ zu beschreiben, etwas in „Ich bekam Schmetterlinge im Bauch.“ In einem anderen Beispiel bewertet der Autor die Gefühle bereits, bevor wir sie geschildert haben: „Meine Gefühle spielten verrückt.“

Gefühle sehen anders aus: Sie sind bunt, unbestimmt und flüchtig, gelten nur für den Moment – da jedenfalls sollten wir uns für Kurzgeschichten vornehmen.

Kommen wir noch einmal zurück auf die Schmetterlinge. Wie wäre es damit?

Der Anblick seines nackten Körpers verursachte ein leichtes Kitzeln, das sich über meine Brüste in den Bauch fortsetzte, um schließlich ein Zucken in meiner Muschi zu verursachen, gerade soviel als würde sie ein Schmetterlingsflügel berühren.

Kürzer und einfacher? Solange sie die Regel „Was es ist, wie es wirkt und welche Konsequenzen es hat“ befolgen, können Sie Gefühle beliebig kurz oder lang schildern. Hier habe ich einige kurze Schilderung für Sie, die alle unter „Meine Gefühle spiele verrückt“ fallen

Beispiel: Meine Gefühle spielen verrückt

Wenn die Gefühle verrückt spielen, ist es gut, sie wenigstens kurz zu skizzieren:

„Ein Schauer fuhrt mir durchs Rückenmark, erreichte meine Möse, die sich nicht mehr kontrollieren lassen wollte.“

„Ein Penis – an meine Lippen? In meinem Kopf kämpfte ich gegen die Schlange, die mich verderben wollte, aber meine Lippen gehorchten mir nicht.“


Falls euch das alles zu „scharf“ ist, hier noch die Super-Vanilleausführung.

„Eine wunderschöne Rose aus seiner Hand: Ich fühlte innerlich, wie die Rosenblätter meine Brüste streichelten, doch was würden die Dornen mit mir tun?“

Dieses Thema ist so vielschichtig, dass wir stundenlang aus unserer Erfahrung drüber sprechen könnten. Und ihr? Habt ihr Lust, etwas dazu zusagen? Was macht ihr so, wenn ihr schreibt?

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