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Schreiben: Gefühle in der Liebe, der Lust und der Leidenschaft

Wie bei Foto und Film: Nah herangehen an die Protagonisten

Wenn ein Schüler gebeten wird, Gefühle zu beschreiben, wird er sich zunächst wundern, wie das zu bewerkstelligen wäre, und dann hoffentlich nachdenken. Tut er dies nicht, dann schreibt er „ich fühlte, wie“ oder „ich fühlte, dass“. Man kann Schüler lehren, Gefühle anders auszudrücken, beispielsweise:

- Kribbeln oder Schmetterlinge im Bauch haben.
- Erröten, rot werden, rot anlaufen.
- Plüschaugen, Schlafzimmeraugen, verliebte Augen bekommen.
- Das Herz hüpfen, schneller schlagen lassen.

Beschreibt man nun aber als Autorin die Liebe, die Sinnlichkeit, die Lust oder die Leidenschaft, so versagen sowohl die Adjektive wie auch die Redewendungen. Woran liegt das?

Ganz einfach: Jenseits des Schulaufsatzes sind plakative Redewendungen schnell aufgebraucht. Wir benötigen deshalb andere Methoden. Dabei werden die Gefühle nicht geschildert, sondern die Autroin versucht, die im Kopf der Leserin (manchmal auch dem Leser) entstehen lassen. Im Grunde ist dies selbstverständlich, denn die Liebe ist ein zwiespältiges, unordentliches Gefühl, und ein Teil davon besteht aus einem rauschhaften Erleben und nicht beschreibbaren ekstatischen Körperreaktionen. Um sie darzustellen, geht man möglichst nahe „an die Person(en) heran.“

Daüfr habe ich zwei Beispiele vorbereitet.

Zuerst eine Beschreibung (1):

Als er gedämpft zu mir sprach, richteten sich meine Brustwarzen allein allein durch seine Worte auf. Ich bemerkte ein Ziehen in meiner Vulva, das bis zu den Brüsten aufstieg. Dabei sah er mich unverwandt an.


Nun die bildhafte Version:

Seine gedämpfte Stimme kam stoßweise, in demselben Takt, in dem inzwischen auch meine Vulva pulsierte. Von ihr ging ein Ziehen aus, das sich bis zu meinen Brüsten fortpflanzt, und bei jedem Stoß seiner Worte zog sich meine Haut zusammen und richtete meine Klitoris und meine Brustwarzen auf. Seine Augen vertieften sich in die Einbuchtung zwischen meinen Brüsten, die er Zentimeter um Zentimeter inspizierte.


Es ist erstaunlich, wie erotisch diese Schilderung wirkt, obgleich kaum etwas geschieht. Da ist ein Mann, der stoßweise zu einer Frau spricht. Sie kann durchaus noch in irgendeiner Weise bekleidet sein, ja, sogar noch in einer Bar neben ihm sitzen. Denn glauben wir, an einer erregenden Sexszene teilzunehmen.

Im folgenden Beispiel werden im Grund gar keine Gefühle geschildert, und doch glauben wir, an den Emotionen der beiden Frauen teilhaben zu können. Beide sind gewöhnliche Freundinnen, hatten aber bisher keine lesbische Beziehung.

Mit wenigen Sätzen leitet die Autorin dazu über, und entwickelt dabei still und ohne Anstrengungen die Gefühle der Heldin. (1)

«„Brauchst du Liebe?“ Ich hatte nicht erwartet, dass Jenny sie in dieser Weise fragen würde, aber ich war klug genug, zu erkennen, dass ich den Dingen nur noch ihren Lauf lassen musste. Ich lächelte Jenny mit halb geschlossenen Augen an wie ein Teenager, sagte aber nichts. Durch die Augenwinkel sah ich, wie sich Jenny Gesicht näherte, und ihr Parfüm umspielte dabei meine Nase. Gleich würde ich meinen ersten intimen Kuss von einer Frau bekomme, und ich öffnete meine Lippen einen kleinen Spalt, um ihre Zunge willkommen zu heißen.»


Es lohnt sich, eigene Beispiele zu entwickeln und sie zu variieren, um herauszubekommen, wie bildhaft eine Schilderung werden kann, und wie man „Gefühle erzeugen kann, ohne Gefühle zu schildern“. In der Literatur heißt diese Methode auch: „Show, Don ‘t Tell.“ Ich bevorzuge dennoch den Begriff „bildhafte Schilderung“.

(1) Versuchen Sie bitte nicht, die Texte im Internet zu finden. Es sind abgewandelte Texte aus einem älteren erotischen Roman, die wir hier bewusst vereinfacht und eingekürzt haben.

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