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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Jugendliche ratlos ohne das Dr.-Sommer-Team?

Besser gut beraten als ratlos: Jugend


Die BRAVO hatte einstmals ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen ähnlichen Teenager-Magazinen: „Dr. Sommer“- die Anlaufstelle für Teenager mit Sexproblemen.. Anders als derzeit in der Presse berichtet, waren es keinesfalls immer „Fachleute“, die die Sexberatungsspalte in BRAVO füllten – die erste Beraterin war von 1964 bis 1969 die Erfolgsautorin Marie Louise Fischer, die als „Dr. Christoph Vollmer“ für BRAVO beriet. Der Markenname „Dr. Jochen Sommer“ wurde eingeführt, als der Arzt und Psychotherapeut Martin Goldstein 1969 die Beratungssparte übernahm. Er war derjenige, der „Dr. Sommer“ zu dem machte, was die Marke ausdrücken sollte: kompetente Sexualberatung. Goldstein verließ BRAVO erst 1986. Seither beriet bei BRAVO das „Dr.-Sommer-Team“, das von der Diplom-Sozialpädagogin Jutta Stiehler geleitet wurde- deren Ära geht nun durch Kündigung zu Ende – und mit ihr, so die „Süddeutsche Zeitung“, wohl auch die bisherige, persönliche Sexualberatung.

Alternative gesucht - und immer noch nicht wirklich gefunden

Ist das Internet eine Alternative? Ja und nein. Die gesamte individuell angestrichene Sexualberatung hat sich in Foren verlagert, die mehr oder weniger kompetent sein können, in jedem Fall aber kaum Eindeutigkeit bieten. Zumeist ist eine Art „Gegenseitigkeitsberatung“ ähnlich wie bei Selbsthilfegruppen, doch muss die Kompetenz gelegentlich angezweifelt werden. Kompetent ist nach dem Selbsthilfeprinzip, wer betroffen ist und aus seiner Betroffenheit in der Lage ist, anderen Rat zu erteilen. Das beste, wenngleich inhaltlich auch oft zweifelhaft, scheint derzeit "med1" zu sein.

Den offiziellen „Anlaufstellen“ wie „loveline“ oder private Initiativen wie SexMedPedia, ProFamilia oder ZerVita Girl (für Mädchen) sind oft schwer zu handhaben und geben nur selten die gewünschten Sofort-Auskünfte, die sich vor allem Jugendliche wünschen. Die interessanteste und kompetenteste Informationsquelle war jahrelang das bebilderte Sexwörterbuch von Hilde van der Ploeg, die im Februar 2007 verstorben ist, während das segensreiche Aufklärungswerk kurz darauf aus dem Netz verschwand.

Jugend zwischen dürftiger, fragwürdiger und komplizierter Sexualinformation?

Die heutige Jugend schwankt also zwischen der eher dürftigen schulischen Aufklärung, den fragwürdigen Internet-Foren und den überladenen „offiziellen“ Seiten einerseits und den unerwünschten Pornografie-Seiten andererseits.
Keine dieser Informationen wird im Zweifel wirklich die persönliche oder personalisierte Beratung ersetzen – und damit sage ich nicht einmal etwas Neues. Denn während sich vor allem konservative Pädagogen und Politiker sich ständig über die Pornografie echauffieren, tun sie andererseits extrem wenig, um eine sinnreiche Sexualaufklärung zu gewährleisten. Auch das ist keinesfalls neu, sondern ein Merkmal der entsprechend gepolten Spießer.

Andererseits wird man kaum noch annehmen, dass Zeitungen und Zeitschriften diesen Service in Zukunft wirklich bieten können, denn gerade für Jugendliche wird Gedrucktes immer mehr zum Exoten-Medium. So gesehen wäre es nicht einmal schade, wenn sie Sexualberatung in Zeitschriften wegfallen würde.

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