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Unterwerfung – „typisch für Frauen“ oder eine Frage der Macht?

Die alte Formel lautet: Wir Menschen haben mehrere Gehirnteile, und in unsrem alten Säugetiergehirn lauert die Unterwerfung der Frauen unter die Männer. Das modernere menschliche Gehirn enthält demnach im Gegensatz zum Alt-Gehirn unsere erlernten kulturellen Erkenntnisse, die durchaus wandelbar sind.

Wenn es so wäre, dann wäre dies richtig: „Manchmal geraten diese beiden Teile des (weiblichen) Gehirns in einen Krieg miteinander. Sie weiß, dass sie unabhängig und selbstbewusst ist … aber im Geheimen oder Unbewussten, träumt sie vielleicht davon, sich einem Mann zu unterwerfen.“

Dies klingt für viele Frauen, insbesondere auch für viele intellektuelle Frauen, absolut plausibel. Die Zweiteilung des Gehirns, der Konflikt von Kultur und Natur – ja, das alles haben wir gelernt, nicht wahr?

Dazu gehört dass Frauen keine Affentänzchen aufführen, sondern herumzicken, dass sie ihre Rivalinnen nicht auf die Schnauze hauen, sondern sie durch Intrigen vernichten … und … wollen Sie noch mehr Vorurteile hören?

das alte prinzip: wer macht hat, sucht auch unterwerfung
Bleiben wir mal bei der Unterwerfung: Ich habe niemals von einem schwachen Menschen gehört, der sich aus Lust unterwirft. Mir ist bewusst, dass es einzelne Exemplare der Gattung „Mensch“ gibt, die sich schwache Frauen oder Männer suchen, um sie zu knechten – aber dann schrammen wir schon die Grenze von Fällen für die Psychiatrie oder den Staatsanwalt.

Wer hingegen aus freien Stücken die Unterwerfung sucht, der tut dies aus einer Mischung eines machtvollen Lebens, verbunden mit der lustvollen Fantasie, erotisch dann und wann auf der anderen Seite zu stehen.

Machen wir es kurz: Unterworfen werden wollten bislang vor allem machtvolle Männer, und ihre Erniedrigerinnen waren so gut wie immer bezahlte, ihre Rolle perfekt spielende Frauen.

Das biologische Modell versagt hier. Eher ist es so, dass der Mann sich zurück in eine Situation wünscht, in der noch keine Verantwortung hatte, und in der andere noch Macht über ihn hatten.

Die Frage der Macht wird viel zu selten gestellt. Könnte es sich bei dem Wunsch der „neuen Frauen“ nach stilvoller (und bitte niemals stilloser) Unterwerfung darum handeln, zurück in die Verantwortungslosigkeit zu gehen? Zurück in einen Zustand, der aus Gehorsam, Wohlverhalten und Strafen besteht? Eine simple Welt, in der kleine Vergehen durch Strafpredigten, Liebesentzug, Taschengeldkürzungen, Hausarrest oder Teppichklopferschläge vollständig gesühnt wurden?

In der Welt der Macht gibt es keine Sühne für Vergehen gegen eigene Prinzipien. Die Personalchefin muss selbst damit fertig werden, 20 Mitarbeiterinnen entlassen zu haben, die man vielleicht nicht unbedingt hätte entlassen müssen. Jeden Tag Entscheidungen, Entscheidungen und wieder Entscheidungen – mindestens eine davon schmerzt täglich, aber das ist niemand, der die Machtinhaberin richtet oder straft. Sie hat die Wahl, ihre Entscheidungen zu verdrängen, zu ersäufen oder sich dafür abstrafen zu lassen. Ob der Beichtstuhl, das eine strikte Domina oder ein strenger Dominus dafür die richtige Wahl ist?

Wir werden sehen. Immer mehr Frauen wächst Macht zu, und deshalb werden immer mehr Frauen daran zerbrechen oder sich für die Ausübung abstrafen lassen – wie zuvor schon die Männer. Die kennen sich da schon aus - die Frauen noch nicht.