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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Der Teufel flüstert: Benimm dich so und so, dann ...

Mal flüstert dieser, mal warnt jener ... und doch entscheidest du ...
Wir alle (und ich nehme mich da nicht aus) haben diesen kleinen Teufel hinter dem Ohr: „Kind, benimm dich!“ Ob Kerl oder Deern (1), wir alle haben das schon einmal gehört. Manche sagen, es sei der Teufel, andere, es seien die Engel. Aber in Wahrheit ist es der „innere Erzieher“, den wir nicht loswerden. Ob Spatz, Maus oder Eltern-ICH, Teufel, Engel oder Tante Hermine - alles wurscht. Das „Ding“ pfeift, wenn du etwas wagst.

Die klinische Sexologin Dania Schiftan sagt euch (hier den Frauen, Männer dürfen aber auch zuhören):

(Achten Sie im Alltag darauf) ... wann ihnen der Teufel auf ihren Schultern sagt, wie sie sich benehmen und zurückhalten sollen – wenn der Ausschnitt zu tief oder das Gelächter zu laut ist.

Sie sagt noch mehr, aber das ist mal der Anfang. Die Frage „was willst du wirklich?“ ist entscheidend, nicht die Frage, was diese oder jene Gruppe jetzt sagen wird, wenn du dies oder jenes tust oder unterlässt.

(1) Norddeutsch für Frau, fast in Vergessenheit geraten.
Quelle des Zitats: Schweizer Illustrierte.
Bild: Nach einem Groschenroman, ca. 1950

Zu heftig – nicht heftig genug

Die Voraussage über das Fühlen ist so gut wie unmöglich ...
Die Liebeszeitung vertritt, wie jedes andere vernünftige Magazin auch, meist einen moderaten, liberalen Standpunkt. Aber wie alle anderen Magazine, die über die Sinnlichkeit, die Lust und die Liebe schreiben, stehen wir damit im Konflikt.

Wir haben im Grunde drei Möglichkeiten, nämlich neutral-beschreibend, realistisch-gefühlsbetont oder sanft-beschönigend.

Nach unserer Selbsteinschätzung versuchen wir zumindest, möglich „beschreibend“ zu argumentieren. Damit lassen wir aber jene aus, die wissen wollen, wie sich etwas „wirklich“ anfühlt. Gerade Seitenthemen wie Analverkehr, Triolen, Rollenspiele aller Art oder S/M schreien im Grunde danach, die Details sehr realistisch zu schildern - physisch wie emotional.

Beispiel Lustschmerz: Wie ist es beim "Ersten Mal"?

Ich versuche es mal mit einem Beispiel: Wer an Flagellationen interessiert ist, der will wissen, wie sich die Schläge und Schmerzen emotional und vielleicht gar physisch auswirken. Im Grunde will er oder sie also wissen, wie es einem „Novizen“ oder einer „Novizin“ ergeht, wenn sie sich zum ersten Mal darauf einlässt.

Nun, das geht nur, wenn man genügend authentische, nicht von Randgruppen oder Ideologen beeinflusste Berichte vorliegen hat. Allein die Prüfung, ob sie authentisch sind, ist schwierig. Es reicht auch nicht, sich auf einen „Feldversuch“ einzulassen, obgleich auch dies schon vorkam.

Hätte man diese, so müsste man dennoch eine gewisse „Weichspülung“ darüberlegen – denn es gibt immer Menschen, denen solche Texte psychisch „zu nahe gehen“. Und der Zensur will wirklich niemand anheimfallen.

Auch beim "Normalen" ist nicht alles bekannt

Das alles gilt nicht nur für „Spezialbereiche“, sondern auch für die meisten sexuellen Aktivitäten, die über das hinausgehen, was man heute „PiV“ (1) nennt. Solange ein Penis in die Vagina eindringt, kann immer noch angenommen werden, es handele sich um Fortpflanzungsversuche. Das ist weitgehend akzeptiert, und selbst die Freude daran kann inzwischen beschrieben werden.

Doch alles andere - und das das „Andere“ überwiegt eben oft – wird mit wenig Vehemenz, schwachen Emotionen und überwiegend plakativ beschrieben. Das bringt die Langeweile in Kurzgeschichten und erotische Romane. Und für unsere Artikel bedeutet das: Unsere Leser(innen) bekommen nicht das, was sie gesucht haben. Und das sind ausführliche Informationen über die „Gefühle, die man dabei empfindet“.

Was leider gar nicht möglich ist

Im Grunde suchen manche Leser(innen) aber nach mehr. Und zwar nach etwas, das wirklich nicht möglich ist: Sie wollen wissen, welche Gefühle SIE dabei empfinden. Und da muss jeder Autor passen und den einen, denkwürdigen Satz sagen: Du weißt es, nachdem du es getan hast.

(1) PiV - "Penis in Vagina"
Bild: Archiv.

Ganz gewöhnliche Paare und Vibratoren

Funktion eines Vibrators: Auf den Exzenter-Motor kommt es vor allem an
Zugegeben: Eine Studie mit 49 als heterosexuellen bezeichneten Männern in Beziehungen ist eigentlich keine Studie, sondern ein Fragment. Dennoch ist aufschlussreich, was die Männer meinten, denen ein Paarvibrator „ins Nest gelegt wurde“. Bei „Paarvibratoren“ handelt es sich (jedenfalls in der Werbung) um speziell für Paare entwickelte Vibratoren, die beide Partner während des penetrativen Geschlechtsverkehrs stimulieren können, also „wenn sie ganz gewöhnlichen Sex haben“.

Allerdings ist bekannt, dass Paare auch „normale“ Vibratoren nutzen können. Außer der Form spielt für viele Anwendungen vor allem die Intensität der Vibration eine Rolle – schließlich muss die Vibration ja beide Partner durchdringen.

Wie fühlt sich der Mann, wenn ein Vibrator als "Dritter" hinzukommt?

Doch was fühlen eigentlich die Männer, die dergleichen „Spielzeug“ dem üblicherweise ablehnen?

Nun, die Vibration sorgt bei den Männern offensichtlich für eine zusätzliche Erregung – das körperliche Vergnügen wird also gesteigert.

Offenbar tat die Vibration aber auch der Partnerin gut, die auf diese Weise schneller und sicherer zum Orgasmus kam. Dazu hieß es:

Zu sehen, wie ihr Partner zufrieden ist, steigerte das eigene Vergnügen der Männer, wie Kommentare von Teilnehmern wie "Ich genieße Sex mehr, wenn mein Partner es tut."

Genannt wurde auch ein interessanteres, längeres „Vorspiel“, wie sie denn überhaupt angaben, dass sie die neue Vielfalt begeistert, die mithilfe des Paarvibrators möglich war.

Erstaunlicherweise sagten die meisten Männer, dass die Verwendung eines Vibrators die Intimität zwischen ihnen und ihrer Partnerin verbesserte, und sie dabei „paarorientierte“ Erfahrungen machten.

Paarvibratoren - Realität oder eher eine Behauptung der Hersteller?

Wer im Internet sucht, wird bald finden, dass es „den“ Paarvibrator nicht gibt – es kommt eben sehr darauf an, worauf man sich einlassen will. Zumeist werden solche Vibratoren als „Paarvibratoren“ bezeichnet, die während der Penetration in die Vagina eingeführt werden können. Dabei können (nach Herstellerangaben und dem Vernehmen) die Klitoris und der G-Punkt stimuliert werden, während der Penis in die Vagina eingeführt bleibt.

Gewöhnliche Vibratoren, besonders die besonders vibrationsstarken, können nach Berichten auch „äußerlich“, also beispielsweise am Damm genutzt werden. Wer sie jedoch einführen will, sollte auf die Größe achten und darauf, dass sie sich auch bei Erregung noch „handhaben“ lassen.

Letztendlich stehen für Paare zahlreiche „zusätzliche“ Analstimulationen zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise P-Punkt-Vibratoren (für Männer) oder sogenannte Analplugs, und sicherlich gehört auch das Zubehör für „Pegging“ dazu, welches allerdings eher den Mann begeistert.

Hinweis und Erklärung: Dies ist weder ein gesundheitlicher Rat noch eine Empfehlung, und der Artikel wurde von niemandem gesponsert oder anderweitig beeinflusst.

Das Zitat sowie einige Informationen entstammen dem Blog von Dr. Lehmiller. Ergänzende Informationen bekamen wir von "self" und einigen anderer Quellen. Die Studie ist bei "SAGE" verfügbar. Bedauerlicherweise bringt die Suche im Internet nach "Paarvibratoren" kaum mehr als Werbung hervor.

Sind Minderheiten die neuen Spießer?

Etiketten der Vergangenheit: Alte Jungfer, Hagestolz
Es gibt sie, die neuen Terroristen des Geistes. Sie blühen überall auf: Links und Rechts sowieso. Das wissen wir. Doch parallel dazu finden wir Gruppen, die wir nirgendwo verorten können. Sie alle haben hohe und höchste Ziele, was uns denken lässt, sie wären gut im Sinne von moralisch hochstehend. Doch das ist gar nicht der Fall. Diese Menschen kämpfen allein oder in ihren absurden Kampfgruppen für sich selbst und gegen alle anderen.

Ich zitiere dazu die NZZ (1):

«Hohe» und vor allem «unverhandelbare» Ziele eignen sich bestens zur Pflege unnachgiebiger Gesinnungen. Extremisten, Fundamentalisten und sonstige ideologische Sklerotiker (2) rechtfertigen sich gerne im Aufräumpathos damit, dass sie gegen dekadenten Kompromiss, politisches Spiessertum, konforme Mehrheit antreten, und dies im Namen eines als sittlich «rein» empfundenen Rigorismus, der sich durch nichts beirren lässt. Unbeirrbarkeit aber ist ein untrügliches Anzeichen von Wahn.


Extremisten und Separatisten des Geistes

Das mögen harte Worte sein. Doch was unterscheidet radikale Feministinnen von Incels(3)? Und wieso ist „Gendern“ wertvoller als die freie Wortwahl, die viel besser über die Zungen geht? Was machte einen Transmann oder eine Transfrau so wichtig, dass sie (und ihre Wissenschaftsvorreiter) auch noch den gesamten Rest der Menschheit katalogisieren können?

Die Sache hat eine lange Geschichte. Sie begann damit, dass Homosexuelle zuerst gar keine waren, sondern Anhänger der „Mannmännlichen Liebe(4)“. Das war eine Beschreibung: Aha, diese Männer lieben andere Männer. Damit konnte man leben oder nicht, zumal die Liebe unter männlichen Freuden damals gleichfalls „intensiv“ war, wenngleich auf einer geistig-erotischen Ebene.

Der Beginn der Einordnung: Was ist das Gegenteil vom Urning?

Die Philanthropen, die sich zuerst damit beschäftigten, nannten die einen „Urninge“(5), die anderen „Dioninge“ – einfach so, mal zum Unterschied. Mag sein, dass niemand im „guten Bürgertum“ ein „Dinoning“ (6) genannt werden wollte – aber die Macht der Wissenschaft hatte sich noch nicht die Namensgebung gekapert. Die Autorin Hanne Blank (7) beweist in eindrücklicher Weise, dass die Homosexualität als Begriff und der Aufstieg der Sexualforschung zeitlich zusammenfielen. Und wie die ersten Philanthropen, stellten die neuen Forscher bald fest, dass sie zwar im Bereich der Homosexualität relativ eindeutige Aussagen verbreiten konnten, die viel beachtet wurden, dass sie andererseits zu der von ihnen „kreierten“ Heterosexualität nicht das Geringste zu sagen wussten.

Homosexualität als Einstieg zur Etikettierung aller

Erst als der „Homosexuelle“ als Begriff existierte und sich verbreitete, wurde plötzlich eine Manie daraus, auch alle anderen Menschen zu klassifizieren. So entstanden Heterosexuelle und Bisexuelle – sozusagen aus dem Zauberhut der Wissenschaft. Die neueste Manie besteht darin, die Menschen in „Queer“ (8) und Cis“ einzuteilen. Das sehen die betreffenden „Wissenschaftler“ als einen wichtigen Beitrag zur Geschlechterforschung an.

Die neuen Spießer

Sie alle irren. Denn je genauer wir Menschen klassifizieren, umso mehr Minderheiten (und manchmal Mehrheiten) bekommen Namen. Und je mehr Namen sie bekommen, umso fester wird betoniert, dass sie bedeutend sind.

Am Ende müssen wir (ja, wir) die Katalogisierung übernehmen oder uns gegen die Bevormundung wehren. Das fällt schwer, weil die Wissenschaft am längeren Hebel sitzt. Sie entwertet uns, indem sie uns abstempelt.

Nehmen wir einmal homophobe Menschen, also erklärte Gegner der Homosexualität. Sie als Spießer zu bezeichnen, fällt uns nicht schwer: verbohrte Betonköpfe, die sich nicht an der Realität orientieren wollen. Homosexuelle Menschen selbst sind ganz gewöhnliche Teile der Gesellschaft, auch wenn sich das nicht überall herumgesprochen hat.

Doch müssen wir nicht jene ebenfalls Spießer nennen, die uns sagen, ein jeder und eine jede müsse ihre Ansichten über sich selbst kennenlernen? Und dies auch noch dann, wenn sie kleinen oder kleinsten Minderheiten angehören? Und noch mehr: Sind alle anderen dann das Gegenteil von dem, was sie sind?

Die Macht der Etiketten als Schutz?

Indem wir dies sagen, finden wir heraus, was Sache ist: Kein Mensch ohne Etikett schafft das. Sobald er oder sie sich aber ein Etikett zulegt, hat er im Drachenblut gebadet: Nun ist er/sie unverwundbar. Nun kann er/sie aus dem Etikett heraus argumentieren und muss die eigene Meinung nicht mehr rechtfertigen. Und was haben wir dann? Einen Spießer oder eine Spießerin? In jedem Fall jemanden, der nicht mehr aus sich selbst heraus argumentiert.

Wenn wir uns wirklich emanzipieren und von Mensch zu Mensch miteinander reden wollen, müssen die verdammten Etiketten weg. Oder wie Eduard Kaeser schreibt: Der einzige Weg zur Emanzipation führt über das Individuum.

Quellen und Erklärungen

(1) Zitate aus der NZZ.
(2) Ideologisch verhärtete Menschen.
(3) Männer, die Frauen hassen, weil sie keinen Zugang zum Geschlechtsverkehr bekommen.
(4) Ausführlich im Projekt Gutenberg)
(5) In alten Lexika noch präsent: Die Urningsliebe.
(6) Auch ausführlich: Dioning.
(7) "Straight", Boston 2012.
(8) Eigendefinition der Gruppierung: Queer.
(9) Definition aus dem LdL.
Bild: Aus einem Theaterplakat, 19.JH

Ein bisschen Geduld ...

Liebe Leserinnen und Leser,

Im August haben wir leider zu wenig Kapazität, um an jedem Werktag einen Beitrag zum Thema „Dating“, zur Sinnlichkeit oder zur Liebe zu veröffentlichen. Im September geht es dann mit „Volldampf“ wieder los. In der Zwischenzeit bemühen wir uns, euch dann und wann ein „Leckerli“ zu präsentieren.

Euer Honey Bunny.