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Wie viel Prostitution steckt in einer Prostituieren?

Klischee der Prostitution - die Hure in der Seitengasse trifft den Geschäftsmann auf Abenteuersuche
Wie viel Prostitution steckt in einer Prostituieren? Sie meinen, das sei keine Frage? Dann stelle ich die Gegenfrage: wie viel Prostitution steckt in Ihnen? Haben Sie jemals einen Hauch von Gunst oder eine kräftige Portion Sex geschenkt, um dadurch einen Vorteil im Leben zu erhalten?

Prostitution ist ein relativ schwammiger Begriff – vor allem im Volksmund. Ist jede Frau, die den sozialen Aufstieg oder ihre berufliche Laufbahn, ihr Vermögen oder ihren Wohlstand mit „Gefälligkeiten“ bezahlt, schon eine Prostituierte? Nein, wir werden diese Frage nicht beantworten können – aber wir sind so frei, sie zu stellen.

Prostitution ist die gewerbsmäßige Ausübung sexueller Handlungen. Das Wort „gewerbsmäßig“ besagt, dass damit ein Gewinnstreben verbunden ist. Dieser Begriff hat sich seit über einem Jahrhundert kaum geändert, so etwa in Meyers Konversationslexikon von 1885.


Selbstpreisgebung eines Frauenzimmers zur Unzucht, wenn dieselbe mehr oder minder offen als Gewerbe betrieben wird.


Entsprechend meint auch Brockhaus (1894).

Die gewerbsmäßig betriebene Hingabe weiblicher Personen zur Befriedigung geschlechtlicher Triebe.


Etwas differenzierter wird Meyers erst später (1908):

Die von einem Weib öffentlich gewerbsmäßig betriebene Preisgebung des eignen Körpers gegen Entgelt an jeden Beliebigen. Zwischen dieser Form des geschlechtlichen Verkehrs und dem in einer aus Liebe geschlossenen Ehe liegen sehr viele andre, die je nach dem Standpunkte des Beurteilenden auch zur Prostitution gerechnet werden oder nicht.


Der Unterschied zu vorausgegangen Definitionen ist bemerkenswert: Es sind nicht mehr sexuelle Handlungen als solche, sondern es ist auch die vollständige Preisgabe des Körpers, allerdings nur dann, wenn er „jedem Beliebigen“ angeboten wird.

Ist nur die offenkundige Preisgabe gegen Geld Prostitution?

Gelegentlich wurde – und wird – der Begriff der Prostitution noch durch das Wort „notorisch“ (offenkundig) ergänzt. Demnach wird eine Prostituierte ihre Leistungen durch Worte oder Gesten bekannt geben oder ankündigen. Im Gegensatz dazu werden Frauen, die sich nicht „offenkundig“ präsentieren oder sich nicht an „jeden beliebigen“ wenden, nicht als Prostituierte bezeichnet, auch wenn sie einem Austausch von Sex gegen Geldeswert zustimmen. Darauf berufen sich zum Beispiel die teuren Callgirls oder „Sugar Babys“ und alle anderen Frauen, die sich „für ihre Gesellschaft“ bezahlen lassen. Teilweise werden dafür von diesen Frauen bestimmte Summen vorausgesetzt – etwa monatliche, an keine Bedingungen geknüpften Zahlungen von Unterhalt.

Eine weitere Unsicherheit besteht darin, ob jede sinnliche, erotische, oder sonst wie am nackten Körper vollzogene Tätigkeit eine „sexuelle Handlung“ ist und ob sie deshalb unter den Begriff der „Prostitution“ fällt.

Interessant ist auch, wie wenig von Prostitution die Rede ist, wenn ein Geschenk oder eine Geldsumme angenommen wird, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Gewährung von Geschlechtslust steht.

Der Begriff der „Prostitution“ ist also mehrdeutig – und dies ist hier nicht im juristischen Sinne gemeint. Vielmehr geht es darum, wie Frauen angesehen werden, die Geld oder Geldeswert gegen Begleitung, gespielter Zuneigung oder Sex tauschen.

Lesen Sie im zweiten Teil demnächst:

Zuneigung gegen soziale Vergünstigungen und andere Vorteile

Zitate: (Brockhaus, Meyers) und weitere auf retrobibliothek.de.

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