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Wahre Liebe nervt

Etwas, das mich wirklich nervt, ist der Missbrauch des Begriffs „wahre Liebe“.

Zunächst entwertet er den Begriff „Liebe“, mit dem ohnehin jeder Soziologe, Psychologe oder Buchautor nach Belieben herumferkelt. Wem „Liebe“ etwas bedeutet, der weiß, dass „Liebe“ am besten allein steht. Das Wort „wahre“ vor „Liebe“ ist ein unverschämter Übergriff: Es sagt aus, dass „Liebe“ eigentlich nicht „wahr“ ist.

Im Sprachgebrauch steht die Liebe für eine „innige“ Zuneigung. Im weiteren Sinne geht dieses Gefühl dem Wunsch gegenüber körperliche Nähe zum anderen Menschen (meist zum anderen Geschlecht) zu spüren.

Was Liebe „genau“ ist, entzieht der Definition, weil es auf zwei ähnlichen, aber nicht deckungsgleichen Gefühlen beruht, die sich ständig weiterentwickeln.

Die Verwirrung durch Frauenzeitschriften

Ich weiß, wie sehr Frauenzeitschriften darum bemüht sind, dümmliche Ratschläge zum „Erkennen wahrer Liebe“ zu verbreiten. Sie nutzen dabei die Gefühlsunsicherheit ist, die allen Menschen gegeben ist. Doch die Selbstbewussten unter den Frauen sagen sich: „Na schön – aber ich darf Fehler machen und mich auch dann der Liebe ergeben, wenn sie nicht so ganz wahr ist.“ Der Bodensatz der Unsicheren aber klebt an den Sätzen, die Frauenzeitschriften nahezu beliebig absondern. Sie alle wirken „gefällig“, sodass ihnen kaum jemand widersprechen möchte – aber sie sind ebenso keine „Beweise“ für die wahre Liebe.

Der Wunsch nach dem Beweis „wahrer Liebe“ endet normalerweise in einem amüsanten Spiel – jedenfalls dann, wenn sich das Paar klar darüber klar ist, dass sich Liebe nicht völlig verifizieren lässt. Im Extremfall ist das Spiel zerstörerisch, wie es Ronald D. Laing sehr plastisch in seinem Buch „Liebst du mich?“ beschreibt.

Und deshalb: „Wahre Liebe“ nervt.

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