Skip to content
  Werbung

Unheilige Weihnachten

Nein, Weihnachten ist heute noch nicht. Aber Winteranfang und Wintersonnenwende war gerade ebene. Singles bekomme jetzt Tiefaugen, überprüfen ihre Alkoholvorräte, sehen ins Fernsehprogramm und denken „ich scheiß auf all den sentimentalen Quatsch“.

Die Weihnachtsmärkte verabschieden feierlich ihre Weißbärtigen, die letzten Weihnachtsferien wurden überstanden, sogar die meisten Jul-Frühstücke. Letztere sind wegen ihrer Länge, ihrer Vielfalt, ihres Alkoholkonsums und mancher anschließender Seitensprünge beliebt und gefürchtet.

Die Zwölf Weihnachtstage – und Weihnachtsnächte - kommen noch. Sie sind zugleich der Übergang von christlichen Weihnachten zu den heidnischen Weihnachten. Das wiederkehrende Licht wir mit Radau, viel Licht, bösen Streichen, Ritualen und manchmal mit ausschweifendem Sex gefeiert.

Es ist irgendwie wie jedes Jahr: Weihnachten rührt das Fernsehen die Menschen mit Familienkitsch an, und die Gedanken der etwas Nachdenklicheren unter uns gehen „in Großvaters Haus“:

Wihnachenobend
denn goht wie no boben,
denn pingelt de Klocken,
denn danzt de Poppen,
denn piept de Müs‘
in Grooßvadder sien Hüs‘.


Was letztlich heißt: Sie erinnern sich an das, was Weihnachten einmal für sie war – und nicht nur Weihnachten. Denn wenn die Puppen tanzen, man sich also an das Gute erinnert, und die Mäuse piepen, was wenig Gutes verheißt, dann hat man so ungefähr das, was die Erinnerung an die Vergangenheit, durch Großvaters Haus“ bezeichnet, ausmacht.

Ja, ich weiß, WEIHNACHTEN ist für die meisten von euch das, was Wikipedia verkündet:

Weihnachten, auch Weihnacht, Christfest oder Heiliger Christ genannt, ist das Fest der Geburt Jesu Christi.


Das Christfest mag ja das Christfest sein, aber Weihnachten ist für mich wie für viele andere Menschen des Nordens ist es die Rückkehr des Lichts, so wie es die Germanen und die Römer sahen. Es hat aus meiner Sicht überhaupt nichts mit Religion zu tun, sondern mit einem Naturereignis. Selbst Wikipedia muss zugeben, dass erst der Papst Julius das Fest des Sol durch ein Christenfest ersetzen ließ. Und, Wikipedia: die Natur war immer zuerst da – ihren Verlauf haben Menschen schon beobachtet, bevor sie die seltsame Kunde aus dem vorderen Orient hörten.

Ob es nun für euch die Glocken sind, die derzeit ja angeblich niemals „süßer Klingen“ als derzeit, ob es die Puppen sind, die zwischen den Jahren tanzen, oder die Mäuse, die euer Versagen noch einmal frei nagen – ich wünsche euch frohe Festtage, was immer ihr feiert.

(Zitat oben von Rudolph Kinau, niederdeutscher Schriftsteller)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen