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Was bedeutet eigentlich „Emotionshaushalt“?

Das Wort „Emotionshaushalt“ ist in der Bevölkerung unbeliebt, weil nach dem romantisch geprägten, und damit verniedlichenden Menschenbild die Gefühle nicht in den Bereich der Wirtschaft gehören. Deswegen wird auch der Begriff „Ökonomie der Gefühle“ gehasst.

All dies führt zu einer völlig sinnentleerten, akademischen und teilweise romantisch verklärten Diskussion darüber, ob man Gefühle in der Gesellschaft „einsetzen“ darf wie Geldscheine oder ob sie einen „höheren Wert“ haben.

Die gesamte Diskussion, wie sie heute geführt wird, ist ein Beispiel dafür, was falsch läuft: die Formel „Bewertung vor Information“ ist eine Volkskrankheit der Stammtische, die allerdings mehr als verbreitet ist und von der auch angeblich intellektuelle Autoren bisweilen erfasst werden.

Die „Ökonomie der Gefühle“ ist vielmehr die Grundlage des sozialen Zusammenlebens und einer der wichtigsten Säulen psychischer Gesundheit. Ein ökonomisch sinnvolles Gefühlsleben erlaubt es, Friede mit sich selbst, dem Lebenspartner, den Kollegen und dem gesamten Volk zu finden. Es gestattet aber auch, diese Gefühlsleben zu erweitern, Ausnahmesituationen zu gestatten und zu bewältigen und sich dynamisch zu entwickeln. Ein von vornherein unökonomisches Gefühlsleben hingegen kennt keinen „Normalzustand“, sondern ist ständig im „Ausnahmezustand“. Typisch für ein solches Gefühlsleben ist die suchtähnliche Begierde nach Liebe und Leidenschaft sowie die Begierde, ständig neue Sensationen aller Art erleben zu wollen.

So gesehen dürfte sich die Bewertung eines ausgewogenen „Emotionshaushalts“ ändern. Zwei Tatsachen sollte man dabei im Auge behalten. Erstens: Das biochemische Repertoire des Körpers, das unsere Emotionen wesentlich beeinflusst, setzt auf Ausgleich und nur in Ausnahmesituationen auf ein Überschwappen der Gefühle. Zweitens: Das Gegenteil emotionaler Ökonomie ist die Abhängigkeit von Emotionen, die man auch als „Sucht nach Emotionen“ bezeichnen könnte.

Wer als Autor die Ökonomie der Gefühle verteufelt, sollte sich scharf überlegen, wem er damit einen Dienst erweist.

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die liebeszeitung am : Liebe – Absauger, Spender und Femmes fatales

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Ein stabiler Mitmensch zeichnet sich vor allem dadurch aus, seinen Emotionshaushalt immer halbwegs in Ordnung zu halten. Hat man zu viel Gefühle, die hinaus wollen, so gibt man sie an die Umgebung so ab, dass niemand eine unverträgliche Überdosis beko

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