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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Wie du (nicht) jede Frau haben kannst

na, wie wäre es

Wenn du deinen Weg mit einem von diesen überheblichen Marktschreiern machen willst, dir die ins Ohr dröhnen: „Du kannst jede Frau haben“, bitte schön – dann tu es. Es gibt jede Menge Ratgeber unter zehn Euro (antiquarisch noch erheblich billiger), in denen in etwa Folgendes steht: Gehe in eine Bar, mache eine Tusse mit Cocktails so weit besoffen, dass sie noch aufrecht stehen, aber nicht mehr aufrecht denken kann, dann laber sie voll, bis ihr Hirn vernebelt ist. Schließlich lege sie irgendwie irgendwo flach, pump sie voll und bleibe nicht zum Frühstück.

In Deutschland gibt es kaum Bars zum "Aufreißen"

Das Problem dabei ist natürlich zuerst überhaupt mal, in Deutschland so eine Bar zu finden, in der die „Hühner“ (so sagt man in England tatsächlich) so auf der Stange sitzen wie im Vereinigten Königreich oder in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Auch dort sind die Damen übrigens recht unterschiedlich: Wenn sie besonders „posh“ sind, dann sind sie nur dann zu haben, wenn du selbst beweisen kannst, dass du „dazugehörst“ – einfach als dahergelaufener Gigolo wirst du schnell taxiert, abgestempelt und abserviert. Bei den Landmädchen in der einen oder anderen „Winebar“ mag es einfacher gehen: Hier reichen eine Flasche südafrikanischer Wein (sehr alkoholhaltig) oder zwei Flaschen Sekt (für die Frau, versteht sich) und ein Porsche oder ähnlich für den Mann. Natürlich geht es auch ohne teure Weine und ohne Porsche – da musst du vor allem das „gewisse Etwas“ haben, was überall zählt. Wenn du die Plätze aufsuchst, wo Damen über 35 verkehren und selbst ein (vielleicht gar jüngeres) schnuckeliges Kerlchen bist, dann ist sowieso fast gar nichts nötig – außer „irgendwie in Kontakt zu kommen“.

Abschreiben, was das Zeug hält: Verführer-Ratgeber

Bevor ich vergesse, dies zu sagen: In den Büchern unter 10 Euro steht das Gleiche wie in den online verkauften Wunderlehrgängen für mehr als 40 Euro – und soweit die Bücher von Amerikanern verfasst wurden oder dort abgeschrieben wurden, nützen sie dir in Deutschland so gut wie gar nichts. Zwar behauptet fast jeder Autor, er habe nicht abgeschrieben, und alleine sein Prinzip der Verführung würde funktionieren, aber das ist einfach typische für diese Kategorie von Autoren. Ihr Verhältnis zu Frauen ist nämlich ungefähr so wie ihr Verhältnis zu Leser: „Du interessierst mich nicht wirklich, ich will nur, dass du mein Buch kaufst“ völlig analog zu „du interessierst mich nicht wirklich, es reicht, wenn du die Beine breitmachst“.

Die von mir sehr geschätzte Cassy Bouffier schreibt:

„Sich als Frauenkenner zu bezeichnen, nur weil die eigene Masche bei ein paar Frauen funktioniert hat, ist mehr als dreist. Das dann noch als ultimativen Ratgeber zu verkaufen, eine Unverschämtheit“.

Nicht alle diese Bücher, aber doch die meisten, greifen zudem einen ekelhaften Zeittrend mit pubertärem Gestank auf – "sei nicht du selbst, sondern Mister Größenwahn" (hier nochmals Cassy)

„Außerdem sind Ratgeber, die Männer dazu verleiten, sich in irgendeiner Form zu verbiegen oder etwas darzustellen, was sie nicht sind, schlicht und ergreifend Schrott“.

Wie aber ist es wirklich?

Jede Masche kann funktionieren - aber ohne Masche liebt es sich besser

Sagen wir zuerst mal: Jede Masche kann funktionieren. Es gibt immer wieder Frauen, die gerade heute besonders leichtfertig sind, sich volllaufen lassen wollen und dann im Bett keinen Widerstand mehr zeigen. Ich habe einmal eine solche Frau gesprochen. Sie sagte „Man mach es halt mit, weil man schon mal mitgegangen ist, und die Kerle freuen sich ja auch, wenn man es tut“.

Aber auf der anderen Seite: Wer ohne Masche, aber mit Charisma daherkommt, hat bessere Karten. Charisma ist schwer erklärbar – am besten noch so: Es ist eine Form des Auftretens. Man kommt in den Raum und die Damen blicken auf. Ein Teil davon ist angeboren und langjährig anerzogen, aber einen Teil kann man auch im Erwachsenenalter noch lernen. Man kann es auch noch ganz anders sagen: Dezent flirtbereit zu sein und auf Signale zu reagieren ist bei Weitem besser als mit einem platten Spruch auf die Dame raufzubrummen. Gerade für die berühmten „Kurzzeitbeziehungen“ gilt ja: Eine Frau, die sowieso bereit ist, möchte nur noch ihr Spiel spielen, bevor sie sich „ganz einlässt“. Eine Frau, die eigentlich nicht bereit ist, muss hingegen erst ausgetrickst werden. Ist es da wirklich nötig, den zweiten Weg zu gehen? Viele Frauen sind auf „kurzzeitige“ Beziehungen eingestellt, weil sie wissen, dass Männer an ihnen nicht lange kleben bleiben – warum sollte ein Mann diese Bereitschaft nicht nutzen, statt mit dem Hämmerchen auf Granitgestein zu klopfen, bis es bricht?

Was man mitnehmen kann:

Versucht, offen, natürlich und flirtbereit zu sein. Redet einfach mit Frauen, ohne sie gleich zu beflirten – die Frau wird das Gespräch selbst in einen Flirt umkehren, wenn sie Lust auf euch hat. Achtet auf Flirtsignale von Frauen, und zeigt, dass ihr sie aufgenommen habt. Lasst sie ruhig zu ihren Bedingungen spielen – aber passt auf: Kurz bevor ihr am Ziel seid, kann es sein, dass sie blockt – zumeist, um festzustellen, ob ihr es wirklich ernst meint. Dann wird es Zeit, etwas intensiver zu flirten und ihr klar zu machen, dass ihr sie wirklich als Person schätzt und von ihr fasziniert seid und sie sehr begehrenswert findet … nun, ein paar Sätze werdet ihr ja wohl selbst noch zusammen bringen, oder?

Zitate von: Cassy Bouffier

Bild © 2006 by savaman

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