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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Schämst du dich deiner Lüste?

Was ist es? Scham? Furcht? Anspannung?
Sexualität ist voller Widersprüche und Paradoxien. Genau das macht sie so faszinierend und gibt ihr den Reiz.

Die Sexualtherapeutin Diane Gleim

Das Erste, was ich dir sagen will, wenn du dich schämst: Du bist nicht allein. Eine Sexualberaterin schrieb vor Kurzem:

Niemand ist vor sexueller Scham gefeit, nicht einmal Mediziner und Psychologen. Manchmal ist die sexuelle Scham einer Person so tief verwurzelt, dass sie sich nicht vorstellen kann, jemals ohne Schamgefühle zu sein.

Auf der anderen Seite fallen Menschen auf, die offenbar kein Schamgefühl kennen und sich erotischen Themen unbefangen nähern. Wir sind dann schnell bei der Hand, jemanden abzuwerten, zu verurteilen oder zu katalogisieren. Wenn du eine Frau bist, wird man dich vielleicht „Schlampe“ nennen, während der Mann häufig als „sexsüchtig“ angesehen wird.

Scham ohne Ideologie - Nutzen und Schaden

Das alles bringt uns nicht weiter. Ein kühler Kopf hilft uns, der Sache auf den Grund zu gehen. Welchen Nutzen haben wir von unserer Schamhaftigkeit?

Zunächst bewahrt sie uns davor, etwas zu tun, worauf wie nicht vorbereitet sind. Sich zum ersten Mal ausziehen vor einem Menschen, dem wir zugeneigt sind? Oder uns plötzlich schon halb entkleidet, zu erinnern, dass wir nicht wissen, wie und ob wir auf die Wünsche unserer Sexpartner reagieren sollen?

Wie du siehst, stehen wir immer wieder vor dem Zwiespalt, etwas zu tun, was uns möglicherweise schaden könnte, das uns aber andererseits ein großes Vergnügen bereiten könnte. Irgendwann können wir uns nicht herausreden, unvorbereitet zu sein. Wir müssen zugeben, einfach zu fürchten, dass uns der Geschlechtsverkehr also solcher verändert – oder eine neue Praxis, die wir erproben wollen.

Gewöhnlicher Sex und lustvolle Wünsche

Wenn du – wie ich hoffe – keine Furcht mehr vor dem „gewöhnlichen Sex“ hast, wirst du meist dennoch Vorbehalte gegen das „ungewöhnliche“ hegen. Typisch für nahezu alle „konservativ“ erzogenen Frauen und Männer ist, zu behaupten, sie genössen ausschließlich den „ganz gewöhnlichen Sex“. Doch fast alle fragen sich, ob das wirklich „alles“ war und träumen von mehr Sinnlichkeit oder mehr Ekstase.

Wenngleich wir also erlernt haben, dass sogenannter „penetrativer“ Sex (PiV) etwas Gutes ist, sind wir im Zweifel, ob die intensiveren und sinnlicheren Lüste „gut für uns“ sind.

Alles, was unsere Sinne reizt, kann „gut“ sein. Lange, ausgiebige Vorspiele, heftige Hautreizungen, Oralsex oder Analsex. Es ist immer dann schlecht, wenn wir uns schämen, ekeln oder dergleichen aus religiösen oder normativen Gründen ablehnen.

Wenn Schamgefühle die Sinnlichkeit verhindern

Die meisten Schamgefühle haben Menschen, die religiös, moralisch oder ideologisch vorgeprägt sind. Wenn sie sich darüber hinaus krampfhaft kontrollieren und sich ihren Ängsten unterwerfen, sind sie meist dagegen, sich einem Vergnügen hinzugeben. Diese Personen glauben, dass sie Dämonen verfallen könnten, wenn sie sich dem Vergnügen hingeben würden – also tun sie es nicht.

Die drei Schwellen, die dem „ganz gewöhnlichen“ Menschen am schwersten Fallen, sind nahezu immer ähnlich:

1. Alle sinnlichen Körperteile des Körpers zu erkunden und zu stimulieren, also nicht nur Genitalien.
2. Sich davon zu befreien, typisch feminin oder typisch maskulin zu handeln, sondern der Lust den Vorrang zu geben.
3. Die Kontrolle über das Geschehen zeitweilig dem Partner zu überlassen, also die Rolle zu wechseln.

Allen Menschen, die glauben, sie seien besonders schamvoll, sollten sich überlegen, ob sie nicht einfach besonders ängstlich sind. Und da hilft dieser Satz, den du sicher schon einmal gehört hast: „Was kann den schlimmstenfalls passieren?“

Was ab er sagt uns die Wissenschaft? Ist Scham nützlich?

Ist Scham naturgegeben, nützlich oder schädlich?

Das Schamgefühl entstammt der Evolution und es ist eng verbunden mit der Anpassung an unsere soziale Umgebung. Aus diesem Grund ist es nicht bedeutungslos. Andererseits ist der Nutzen umstritten, vor allem, wenn die Sexualität betroffen ist. Denn solange es nur um das geht, was zwei erwachsene Menschen in Freiheit und Gleichheit sexuell miteinander tun, verliert das Schamgefühl seine Bedeutung. Dominiert es uns dennoch im Erwachsenenalter, so wird es Zeit für uns, darüber nachzudenken.

Hinweise: Unser Autor hat ausführliche und verlässliche Quellen genutzt. unter anderen die Zitatenquelle: Psychology Today und als ergänzende Information Quarks.

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