Neues vom Dating-Profilfoto - in brav und frivol

Das Internet und die Flut der miesen "Profilfotos"
Als die ersten „Singlebörsen“ im Internet auftauchten, war man schon einen Schritt weiter. Nun konnte man mit dem eigenen Foto für sich werben, wobei die Qualität der Fotos noch reichlich zu wünschen übrig ließ. So sehr, dass manche der Bilder eher abstießen, als zum Kontakt anregten. Das änderte sich zunächst auch nicht, als Digitalkameras populär wurden. Kein „absoluter Laie“ wusste, wie man gute Porträtfotos machte – und genau diese Art von Fotos wurden zunächst bevorzugt. Man wollte aus Augen, Gesichtsform und Mimik herauslesen, wie der andere Mensch „tickte“ und aus der Kleidung versuchte man, Rückschlüsse auf den Beruf und das Einkommen zu schließen.
Die Ratschläge überschlugen sich - taugten sie auch etwas?
Als das Internet boomte, wurden Bilder zur Schaubühne. „Lass dich bei deiner Berufstätigkeit fotografierten“, sagten die einen, „Nein, besser ist es bei einem Hobby“. Dabei lernten die Partnersuchenden, wie gut es ist, „ganz viel Sport zu machen“, damit sie „gut rüberkommen“. Schließlich gab es noch „ich und meins“, wobei meins besser kein Kind war, sondern ein Hund. Oder ein Fahrzeug der Oberklasse, falls man als Mann Eindruck schinden wollte.
Geschönte Fotos ... heute fast üblich geworden
Äh ... Fotografen, also Leute, die so etwas wirklich beherrschen? Nein, nicht einmal begabte Amateure. Und so versuchte man dann, wenigsten die Porträtfotos zu „schönen“ – mit entsprechenden Programmen heute kein Problem mehr. Der Weichzeichner sitzt ja nicht mehr vor dem Objektiv (oder in demselben) sondern wird später durch einen Effekt hinzugefügt.
Bei so viel „Verschönerungen“ am Aussehen und am Sein können wir kaum noch erwarten, dass wir dem Profilbild ähnlichsehen. Dieser Tage las ich einen Artikel über die moderne Art, sich darzustellen. Ich zitiere nur einen Satz: (1)
„Egal, welche Fotos man nimmt, man muss diesen ersten Eindruck aber auch durchhalten.“
Ja – beim Auftritt, beim Sitzen, beim Gang in den Waschraum – und vor allem im Gespräch. Dabei kann der Eindruck in der Tat schnell wechseln. Zum Beispiel, weil die meisten Menschen ein eher langweiliges Leben führen. Oder weil sie nicht einmal selbst in der Lage sind, sich zu beurteilen.

Habe ich etwas vergessen? Ja, den gesamten Bereich der Angebote, die von vornherein den Geruch von sexuell erfüllten Nächten (oder einigen Stunden) aussenden. Da gilt natürlich etwas anderes – denn der Eindruck, den das erotische Foto hinterlässt, kann durchaus ein paar Stunden aufrechterhalten werden. Oder mit bösen Worten: Frauen, die erotische Profilbilder von sich veröffentlichen, sehen nicht aus, wie sie sind - sondern wie sie gerne gesehen würden.
Weitere Informationen:
Zitat von Thomas R. Köhler aus (auch sonst lesenswert) beim SWR.
Bilder:
Oben: Bearbeitetes historisches Foto (im Original anonym).
Unten: Foto aus einem Wäschekatalog, technisch verbessert - historisch, vermutlich 50er Jahre.

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