Befriedigt das "erste Mal" Körper und Seele?

Geschrieben von © induna • Donnerstag, 9. September 2010 • Kategorie: liebe an sich


das erste mal hat zwei seiten - körper und seele


Das erste Mal – immer wenn ich dies höre, bin ich versucht zu fragen: welches „erste Mal“ denn nun eigentlich? Es gibt doch viele „erste Male“ innerhalb und außerhalb der Sexualität, oder etwa nicht?

Natürlich: Kaum etwas interessiert Menschen mehr als der Sex der anderen – und Forscher, diese Quälgeister mit Edelanspruch, die in Wahrheit längst eine von Populismus getriebene Gruppe von effektheischenden Schwätzern sind, wollen es natürlich auch wissen.

Wie war es also, dein erstes Mal? Nun, und weil Forscher eben alles ganz genau wissen wollten, fragten Sie nicht nur nach dem schnöden körperlichen Empfinden, sondern auch noch nach der emotionalen Befindlichkeit von Damen und Herren nach der ersten Kopulation.

Forschung und das erste Mal - kaum Bedeutung, viel Effekthascherei

Weil meine Leserinnen und Leser vielleicht nicht ganz vertraut sind mit den sogenannten „Forschungen“, will ich euch noch verraten, dass man heute fast ausschließlich an Studentinnen und Studenten forscht, weil es einfacher und billiger ist, die Probanden für diese Art von Forschung zu bekommen. In dem Fall, von dem ich gelesen habe, waren es 1986 weißhäutige und schwarzhäutige Studentinnen und Studenten im Alter von 18 bis 25 Jahren.

Die Studie unter der Leitung von Jenny A. Higgins ist im Internet bislang noch nicht veröffentlicht worden Kristen Mark will sie aber gelesen haben und berichtet, dass nur 25 Prozent der Frauen in dieser Studie physische Befriedigung empfanden, während dies für 65 Prozent der Männer zuträfe.

Das erste Mal - Befriedigung nicht ausgeschlossen - aber auch nicht sicher

Ob uns dies nun überrascht oder nicht – was bedeutet es? Aus meiner Sicht: gar nichts. Das sogenannte „erste Mal“, also die vaginale Penetration, ist ein Vorgang, den die Natur den Menschen abverlangt, unabhängig davon, ob er dabei geistige, soziale, physische oder psychische Befriedigung empfindet. Nötig ist lediglich die Bereitschaft, „es“ zu tun, und sonst gar nichts. Man mag sich darüber streiten, wer da wen „bedrängt“, und ob man den Vorgang „schöner“ oder „weniger schön“ erleben kann, und selbstverständlich hoffe ich, dass immer mehr Menschen ihr „erstes Mal“ wirklich zufriedenstellend erleben. Aber selbst beste Voraussetzungen nützen nichts – der Vorgang selbst ist ein natürlicher Prozess, der nicht beschönigt werden sollte: Er kann auch bei besten Voraussetzungen als eklig, schmerzhaft oder unbefriedigend empfunden werden.

Übung macht die Meisterin und den Meister - auch in der Liebe

Besonders Letzteres gibt zu denken: Warum sollte ein „Erstes Mal“ eigentlich körperlich und emotional völlig befriedigen sein? Ist eure erste Sauce béarnaise oder eure erste Mousse au Chocolat etwas auch gleich ein Meisterwerk geworden? Muss man nicht das Schreiben auch erst lernen, bevor man einen Literaturpreis bekommt? Bitteschön – und dann soll das „erste Mal“ in der weitaus schwierigeren Kunst der Liebe auch gleich ein Meisterwerk der Gefühle werden?

Ich denke, dass Übung die Meisterin oder den Meister macht. Es mag ja sein, dass die Männer ihre physische Lust schneller gewinnen, aber auch sie werden später erfahren, dass es dabei noch Geschmacksvarianten gibt – und Frauen gewinnen gar nichts dabei, wenn sie sich nicht ein wenig in der Kunst der Liebe üben, sondern das „erste Mal“ gleich als „die Liebe“ ansehen und damit völlig überbewerten.

Den eigenen Körper oder Geist anzubieten, kann immer schmerzhaft sein

Wer seinen Körper, seinen Geist oder auch seine Seele sinnvoll und behutsam einem anderen Menschen anbieten will, wird immer auch Leid empfinden, sei es in der Intimität einer Zweierbeziehung oder in einer breiten Öffentlichkeit. Nichts auf dieser Erde garantiert völlige körperliche, geistige, soziale oder mentale Befriedigung. Ich vermag nicht einzusehen, warum ausgerechnet ein so ursprünglicher Vorgang wie „das erste Mal“ mit einer solchen Befriedigung einhergehen soll. Die Märchenwelt, in der man völlig schmerzlos und absolut glücklich in den Armen eines Prinzen erwacht, hat mit der Realität des Lebens absolut nichts zu tun – und die Forderung nach einem „schönen ersten Mal“, die oft von Sozialromantikern erhoben wird, mag gut gemeint sein, doch überfordert sie die meisten Menschen dieser Erde. Nehmen wir doch das „erste Mal“ als das, was es ist: eine Notwendigkeit von Mutter Natur, die wir ein wenig gestalten können, aber letztendlich niemals wirklich emotional beherrschen könne.

titelbild © 2007 by wildfire

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