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Glück, Unglück und wie man beides verändern kann

Ich weiß nicht, ob es Ihnen schon auffiel: Auf der einen Seite wurde noch nie so viel über den Weg zum Glück geredet und geschrieben wie derzeit, auf der anderen Seite wird heftig gegen die Eigenverantwortung für das Glück polemisiert.

Was ist denn eigentlich "Glück"?

Worüber reden Menschen eigentlich, wenn sie von „Glück“ reden? Was meinen sie mit diesem etwas windigen Begriff „Glück?“ Der Volksmund weiß es noch: „Glück gehabt!“, heißt es, wenn eine Sache, deren Ausgang etwas fragwürdig war, wirklich ein gutes Ende nimmt. Das Glück ist also eine unverhoffte Zugabe, das „Quäntchen Glück“ der entscheidende Faktor, den wir benötigen, damit unsere Dinge sich zum Guten entwickeln.

Kann man das Glück beeinflussen?

Fragen wir uns, ob wir das Glück beeinflussen können, dann treffen wir zunächst einmal auf die beiden üblichen konträren Fraktionen der geistigen Extremisten:

1. Die einen sagen, dass Glück stets eine Frage des Schicksals sei, man habe es entweder oder man entbehre es. Diese Meinung hört man oft in saturierten, konservativen Kreisen oder in der Welt der Religionen.
2. Das andere Extrem: Bücher über das Glück. „Forscher“ können uns angeblich sagen, wie wir Glück „machen“ können – und schreiben Bücher, die ein paar Gemeinplätze zusammentragen und tausend anderen Ratgebern ähneln, in denen wir dies alles auch schon gelesen haben.

Nehmen wir einmal an, dass die letzte These richtig wäre, dann müssten wir alle auf einfache Art glücklich werden können: „Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König“.

Der sehr kritische „Seelenklempner“ von Dr. Ankowitsch geht von einer ganz anderen These aus: Uns fehlt nicht etwa das Glück, sondern wir sind der festen Überzeugung, dass die anderen das Glück haben, während wir unglücklich sind. Zitat:

Während es (das Schicksal) die anderen gut behandelt, hält es für uns bloß Unglück, totales Unglück und noch mehr Unglück bereit.


Diese Aussage ist deswegen so wichtig, weil sie ein Prinzip des Glücks beinhaltet: Wenn Sie keine eigenen Maßstäbe für das Glück finden, sind sie gezwungen, Ihr Glück mit dem Glück anderer Menschen zu vergleichen. Es wäre ein bisschen zu kompliziert, hier zu erläutern, warum dies unweigerlich dazu führt, dass Sie Ihr persönliches Glück (oder Unglück) falsch einschätzen. Nehmen Sie es einfach als Tatsache: Sobald Sie vergleichen, haben Sie beim Glück schon verloren.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Überprüfen wir einen weiteren Spruch des Volksmunds: „Jeder ist seines Glückes Schmied“, einem der ältesten Sprüche über das Glück schlechthin. Es hat eine gewisse Faszination, denn hier steht der Schmied“ im Mittelpunkt, also der gediegene und kraftvolle Handwerker, der aus einem Stück Eisen ein Werkzeug oder einen Kunstgegenstand herzustellen vermag. Das Sprichwort offenbart uns, woran das Glück tatsächlich besteht: In der Kunst, aus den sogenannten Ressourcen (Herkunft, Talent, Fertigkeiten) und den gegebenen Umständen die Zufriedenheit und das Wohlergehen herbeizuschmieden.

Sehen Sie, es heißt ja nicht: „Jeder ist seines Glückes Trampeltier“ oder „jeder ist seines Glückes Zufallsgenerator“, sondern ganz bewusst wird der Schmied gewählt – und er muss sicherlich an einem Werkstück hart arbeiten. Es geht also nicht darum, dass „jeder für sein Glück verantwortlich ist“, sondern darum, dass jeder das rohe Eisen zunächst einmal anpacken muss, um daraus sein Glück zu schmieden. Tut er es nicht, darf er sich nicht beklagen.

Glück: Nicht von Neidhammeln verwirren lassen

Die Gerechtigkeitsfanatikern und Neidhammeln allerdings ziehen den Umkehrschluss: Wenn jeder für sein eigenes Glück verantwortlich wäre, dann wäre ja auch jeder für sein Unglück verantwortlich. Weil wir aber niemanden für sein Unglück verantwortlich machen dürfen (dem stimme ich zu) dürfen wir auch niemandem raten, sein Glück zu schmieden.

Man mag diesen Lapsus bei Kabarettisten und anderen flinken Links-Denkern durchgehen lassen. Sobald dies aber ernsthaft in politische, soziale oder psychologische Diskussionen eingebracht wird, sollten wir die Notbremse ziehen und energisch widersprechen - und vor allem dann, wenn wir an Glück, Liebe und Partnerschaft denken.

Sagen wir es klar: Zufriedenheit (denn um die geht es eigentlich) ist keine Leistung, sondern das Gefühl, mit dem Leben richtig umgegangen zu sein und manchmal eben das „Quäntchen“ Glück dazubekommen zu haben, das uns auch den Erfolg brachte. Sie vermissen die Liebe? Ja, ist sie etwa nicht davon abhängig, wie wir persönlich mit dem Glück umgehen?

Zitat von Dr. Ankowitsch aus dem "Kleinen Seelenklempner", Berlin 2009

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