Der Muschelglanz der Brüste

Geschrieben von © induna •Sonntag, 5. September 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


perlmuttglanz auf der brust - und diese augen!


Zu Zeiten, als der Genuss eines weiblichen Körpers noch ein Kostbares, weil seltenes und bisweilen teures Gut war, dichteten die Männer über Frauen in wild gesetzten, erotischen und begierigen Worten:

„Gazellenscheu im Wüstensand der Lüste,
Erzittern sie vor der gesuchten Gier“


Da wird der „Muschelglanz der Brüste“ beschrieben und die „Irrlicht-Augen“, doch am Ende weiß man, was man doch eigentlich immer ahnte: Man muss ihnen zuerst ein Getränk bestellen. Dann tasten sie die Brieftasche ab, kalkulieren das Risiko der Begegnung und erklären bei positivem Ausgang, dass man ja noch an einen anderen Ort gehen könne, wenn der Herr dies wünsche.

Falls Sie jetzt an „Prostitution“ denken, dann haben Sie vermutlich recht. Doch der Gegenstand des Geschäfts war nicht, dem Herrn gegen eine feste Summe eine präzis definierte Leistung zu erbringen. Es war überhaupt kein Geschäft, sondern ein Spiel um den Inhalt seiner Brieftasche, den sie ganz und gar für sich selbst wollte, während sie dem Herrn das gab, was sie für ihn erübrigen konnte - mal mehr, mal weniger.

Der Dichter der damaligen Zeit beschreibt es so:

„Wer sind Sie? Opfer oder Henkerin?
Wie lügen Sie? Wie werden Sie belogen?
Was geben Sie, was gibt man Ihnen hin?“



Aus „Das Bar-Sonett“ von Ferdinand Hardenkopf (1876 -1954 ). Das Gedicht könnte 1921 zum ersten Mal erschienen sein.

Bild © 2008 by poolski (Kyrill Poole)
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Früh übt sich, wer einmal Mutter werden will

Geschrieben von © Miss Y. •Samstag, 4. September 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


ist sie nicht süß?


Bevor man weiß, wie man Mutter wird, muss man offenbar wissen, wie man einen Säugling stillt. Deshalb hat eine spanische Firma eine Puppe entwickelt, die einen „echt saugenden“ Säugling imitiert. Man muss ja für alles einmal ein Gefühl entwickeln, oder? Das Bild ist stammt aus dem Video.


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Erotische Geschichten schreiben – Einführung und Warnung

Geschrieben von © Ubomi Ulobi •Mittwoch, 1. September 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


erotische geschichten schreiben
sinnlichlichkeit statt pornografie - das ist das ziel


Du willst erotische Geschichten schreiben? Liebe Freundin, lieber Freund, – ich rate dir ernstlich davon ab. Ich ahne, dass du meiner Warnung kaum Folge leisten wirst, doch bedenke bitte dies:

- Die erotischen Geschichten bringen dir weder große Anerkennung noch ein akzeptables Einkommen. Lohnt es sich, zu darben und verfemt zu werden? Ich glaube nicht.
- Die Beschäftigung mit erotischem Schrifttum lenkt davon ab, sich dem richtigen Leben zuzuwenden und dort sinnliche Erlebnisse zu haben. Willst du wirklich in ein Fantasiereich eintauchen, statt die Liebe in ihrer natürlichen Schönheit zu genießen?
- Wenn du dich wirklich intensiv in das Metier hineinarbeiten willst, wirst du früher oder später in Grenzbereiche vorstoßen, die dir befremdlich sind. Du wirst nicht nur Frau und Mann in einer Person sein müssen, um dich in die Rollen hineinzufühlen, sondern auch Verführer und Verführte, Sadist und Masochist. Du wirst Persönlichkeiten von deiner eigenen abspalten müssen, und deine Gedankenwelt wird Risse erhalten. Denke nach, ob du diesen Weg gehen willst.

Du willst das Positive hören? Nun, hier ist es:

- Als erotische Autorin oder erotischer Autor kannst du alles sein, was du willst, jede Rolle annehmen, die du willst und eine erotische Wunderwelt für dich selbst und andere schaffen, die so wundervoll und so schrecklich ist, wie nur du sie schaffen kannst.

Wenn du es willst, Fremde oder Fremder, dann folge mir … ich entführe dich in die Abgründe der Lust und des Schreckens, doch ohne Fleiß kein Preis – das gilt in der Liebe wie beim Schreiben.

Frag dich bitte nicht, wer ich bin. Frag dich, wer du bist.

Anmerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen in der Liebeszeitung keine Auszüge aus der erotischen Literatur, da dies immer wieder zu Missverständnissen führt. Alle Artikel, die her erscheinen, enthalten also lediglich den „neutralen Teil“ der Betrachtungen. Wir werden aber auf konkrete Beispiele aus der Literatur verweisen und unser Autorenteam bitten, Beispiele für uns zu schreiben. Wenn Sie selber Textbeiträge beisteuern wollen, die anderwärts veröffentlicht werden können, dann wenden Sie sich bitte an die Redaktion.

Sie lesen Beiträge zu diesem Thema ab 1. September jeden Mittwoch.
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Das Spektrum der Frauen – Rolle oder Sein?

Geschrieben von © induna •Dienstag, 3. August 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


Manche Frauen spielen ständig eine Rolle – sie sind niemals sie selbst. Andere sind so sehr „sie selbst“, dass sie nicht einmal die Rollen der Geliebten spielen können oder wollen.

Die Psychologie dreht ihren Eselschwanz in der Regel nach der Mode: Mal ist es ganz normal, Rollen zu spielen oder sogar bewusst spielerisch mit sich selbst und der Umgebung umzugehen, dann ist es wieder angesagt, allzeit „authentisch“ zu sein und „zu sich selbst zu stehen“: Edel sei die Frau, hilfreich und gut.

Bei all der Verwirrung weiß „frau“ oft nicht, wohin der Weg eigentlich gehen soll – hätten wir de Hilfe?

Ja, und zwar aus der Transaktionsanalyse, und das machen wir sogar ganz kurz:

Wenn eine Frau in Augenhöhe mit dem Mann aus ihrer vollen Persönlichkeit heraus spricht und nicht erkennbar flirtet, dann ist das der Zustand, in dem sie üblicherweise keine Rolle spielt, sondern nichts als „Person“ ist. Die Person spricht zur Person – das Erwachsnen-Ich paart sich mit dem Erwachsenen—Ich, um wie „erwachsene Menschen“ miteinander zu kommunizieren.

Wenn eine Frau allerdings die Option „Liebe“ wählt, dann spielt sie damit, Kind zu sein und nimmt dabei auch Rollen an oder tritt in Verkleidungen auf – möglicherweise sogar in solchen, die für die Rolle nicht passen: nuttig dargebotene Brüste zu unschuldigem, flehenden Ich-Brauche-Hilfe-Blick, beispielsweise. In der Regel wird der andere Spieler, meist wohl ein Mann, nun beginnen, den Boden der Fakten zu verlassen und mitzuspielen – so lange, bis beide sich entscheiden haben, worauf das Spiel hinausgehen soll.

Was daran allein wichtig ist: Erkennen, dass die Liebe ein spielerischer Vorgang ist, eine Ausnahmesituation, die uns erlaubt, uns einmal wieder ganz in Rollen zu fügen, die wir in unserer Erwachsenen-Persönlichkeit nicht zulassen würden. Lediglich Frauen, die im Leben ständig wechselnde Rollen spielen und sich niemals in „ihrer Mitte befinden“, sollten sich mal einen Moment gönnen, um sich hinzusetzen und zu fragen: „Verdammt, wer bin ich eigentlich wirklich?“ Sonst kommt frau schnell in die Zickenecke – und das ist das Leben wirklich nicht komfortabel
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Gibt es Homophobie bei Männern?

Geschrieben von © induna •Donnerstag, 15. Juli 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


wenn frauen das gleiche tun, ist es dennoch nicht das selbe


Homophobie ist die Angst vor Homosexualität – vor der eigenen wie auch vor der des Fremden. In den letzten Jahren hat sich das soziale Phänomen, das vom Wort ebenfalls getroffen wird, weitgehend gelegt: Schwule Frauen und Männer, gemeinhin Gays und Lesben genannt, werden nicht mehr wegen ihrer Veranlagung bedroht oder diffamiert, sonder sie reihen sich problemlos in die Gesellschaft ein.

Ganz anders verhält es sich mit der persönlichen Näherung heterosexueller Männer an alles, was ein bisschen nach „Schwulsein“ riecht: Von sexuellen Aktivitäten angefangen, die allgemein der männlichen Homosexualität zugerechnet werden, über den Austausch von Zärtlichkeiten mit anderen Männern bis hin zum bloßen sozialen Kontakt: Männer sträuben sich bisweilen die kleinen Nackenhaare, wenn sie auch nur an die Berührungen mit Männern denken. Auch käme es keinem Mann in den Sinn, sich über eine „Beste Lesbische Freundin“ einen Zugang zur Erlebniswelt der Frauen zu verschaffen. Lediglich die Lust an lesbischen Aktivitäten öffnet sich dem männlichen Voyeur: So sehr, dass manche Frauen sich bewusst ein „bisschen Bi“ geben, um Männer auf sich aufmerksam zu machen.

Merkwürdig, wie anders Frauen handeln: Die Näherung fällt ihnen nicht schwer, kleine Intimitäten unter Frauen gehören zum Alltag, eine Lesbe unter den Freundinnen stört keinesfalls, und zum guten Ton jeder emanzipierten, lustvollen Frau gehört es, einen „Besten Schwulen Freund fürs Leben“ zu haben (einen „Gay Best Friend Forever“, auch GBFF abgekürzt). Frauen lieben zudem, Männer in Frauenrollen zu erleben – vorzugsweise mit High Heels. Offenbar haben sie auch kaum Berührungsängste mit schwulem Sex unter Männern – und sei es nur, weil sie neugierig sind.

Manchmal werden Männer gefragt, warum sie einander eigentlich nicht küssen, liebkosen oder sonst wie zärtlich miteinander sind. Die einen bekommen dann versteinerte Gesichter, die anderen ein Flackern in den Augen. Aber eine Antwort wissen sie eigentlich alle nicht – nur soviel dürfte klar sein: An manchen stillen Orten besorgen echte Damen, käufliche Huren, lustvolle Bi-Paare oder Ladyboys die eine oder andere Aktivität, die sie öffentlich niemals zugeben würden. Öffentlich pflegt der Mann von Stand die Homophobie, die von ihm erwartet wird.

Bild © 2008 by Karoly Czifra
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Küsse – was der Po mit den Lippen zu tun hat

Geschrieben von © induna •Dienstag, 6. Juli 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


Was der Popo der Frauen mit den Lippen gemeinsam hat, erklärt die Wissenschaft – wer sonst. (Gemeint sind die Mundlippen, nur damit keine Missverständnisse aufkommen). Zum Weltkusstag werden wir darüber informiert, dass unser Vorfahren dereinst durch „Belecken und Beriechen des Hinterteils“ Paarungen vorbereiteten, während der Homo sapiens diese Tätigkeit von „unten nach oben verlagerte“.

Na also – das wollten wir doch wissen, nicht wahr? Nun begreifen wir, warum sich Huren nicht auf den Mund küssen lassen und manche Männer das Bedürfnis haben, die Küsse in anderen Körperregionen zu platzieren – und noch so manche andere Dinge, die wir vorher nur ahnten.

Das alles zum Weltkusstag – was denn sonst? Habt ihr euer Kussgeschwader für körperoberflächendeckende Küsse eigentlich schon bestellt?
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Dein Mann: Netter Bonobo oder aggressiver Schimpanse?

Geschrieben von © Miss Y. •Donnerstag, 1. Juli 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


© 2008 by sehpferd, Budapest


Netter Bonobo oder Schimpanse? Das könnt ihr euch ja mal fragen, wenn ihr zu einem Mann geht, bei einem Mann seid oder von einem Mann kommt. Also ich verrate nur soviel: Schimpansen sollen viel, viel aggressiver sein. Na, und wie ist es mit euren Männern? Eher Bonobos, wie die meisten?

Nö, ich habe keinen Sonnenstich - nur bei der Liebepur nachgelesen.
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Sind Bräute nichts als Zombie-Püppchen?

Geschrieben von © induna •Sonntag, 6. Juni 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


muss die entpersönlichung der braut sein?


Es gibt einen Tag im Leben einer Frau, in dem sie die Prinzessin ist – der Tag des Hochzeitsfestes – so denken jedenfalls viele Frauen. Doch wie ist es wirklich? Ist es nicht ein Tag, an dem sie weder Mädchen noch Frau, weder Weib noch Person ist, sondern ein Püppchen in einer kitschigen Prinzessinnenverkleidung? Ein Dekorationsstück zum Vorzeigen? Ein aufgetakelter, überschminkter weiblicher Zombie?

Selbst moderne Bräute wissen: Je traditioneller die Hochzeitsfeier ist mit "angesagter" Kirche, Feuerwehrkapelle, Kammermusik und 500-Personen-Hochzeitsfeier im gemieteten Schloss, umso mehr verkommt die Braut zu einem Popanz. Ausgerechnet an ihrer Hochzeitsfeier ist sie nichts mehr als eine bestenfalls noch small talkende, verkleidete Darstellerin einer auswechselbaren Figur, Braut genannt. Nach der Person sucht man vergeblich, gleich, ob Lieschen Müller oder Frau Professor Müller heiratet.

Gewiss, die Sache ist ein bisschen überzogen – aber muss man Frauen am Tag der Eheschließung eigentlich völlig entpersönlichen und sie veranlassen, eine solche Kostümrolle zu spielen?

Am Tag danach ist alles nichts mehr Wert – die Feier hatte auch drei Nummern kleiner ausfallen können, der Fotograf hätte ruhig ein bisschen mehr Sorgfalt beim Abpudern der Braut verwenden können, von den hoffnungslos überstrahlten Bildern der Aufnahmen im Park einmal abgesehen- schweineteuer war er trotzdem. Das aufwendig genähte Brautkleid kommt auf den Dachboden, wo es fortan ein tristes Dasein führt, nur die Braut – nun, sie darf endlich wieder alles sein, was sie will. Man muss das Possenspiel ja nur einen Tag spielen, das hält man schon durch.

Apropos Hochzeitsfoto: Es ist Mode gewordene, unheimlich viel Geld für schlechte Leistungen auszugeben. Da werden sogar noch die Brautjungfern an besondere Lokationen gekarrt, um die tollen Fotos zu bekommen – und dann „vergisst“ der Fotograf für Aufhellung der Schatten zu sorgen. Bezahlen muss man natürlich dennoch, obwohl sich für die Hochzeitsfotos außer der eigenen Mutter kaum jemand interessiert. Nach spätestens einem Jahr will sie ohnehin niemand mehr sehen – warum auch? Gekünstelt hingestellte Figuren in Kostümen? Den Erinnerungswert sucht man oft vergeblich – das waren eben Hochzeitsfotos, aber nicht die wirklichen Erinnerungen an die Eheschließung.

Mich wundert nur, dass all diese emanzipierten, selbstbewussten Damen sich für diese Kostümfarce aus der Blütezeit des Bürgertums hergeben. Muss das eigentlich noch sein? Oder ist es so wie damals: Man will mal so richtig zeigen, wie man mit Geld herumprotzen kann und was für doll ausstaffierte Püppchen man vor den Traualtar schleppen kann? Dann wäre es an der Zeit, den dollen Püppchen zu sagen: Sagt mal, wer seid ihr eigentlich, hey? Habt ihr eigentlich gar keinen Stolz, dass ihr euch so degradieren lasst? Oder habt ihr echt Freude daran, einen Tag lang im Prinzessinnenkostüm herumzuwuseln?

Euer Widerspruch ist willkommen.

Bild © 2007 by dearbarbie

Idee zum Artikel: YourTango
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Paartherapeuten kontra „Matching-Experten“

Geschrieben von © Gebhard Roese •Freitag, 28. Mai 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


Manchmal wollen uns die modernen, willfährigen Psychologen klar machen, es gäbe nur noch eine psychologische Weltsicht: die, mit der man auf elegante Art Geld scheffeln kann.

Beispiel: Diese Psychologen (und nur sie) wollen angeblich die Kriterien kennen, die Paare zusammenhalten, in der Fachsprache „Matchingkriterien“ genannt.

Merkwürdig, dass Paartherapeuten über solche Fragen ganz anderer Meinung sind, nicht wahr? Unsere Redaktion hat sich umgehört und ist dabei auf völlig andere Ergebnisse gekommen als die Psychologen, die für Online-Partneragenturen arbeiten.
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Der Wortbetrug: „Soziales Netzwerk“

Geschrieben von © Gebhard Roese •Donnerstag, 27. Mai 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


netzwerk

Es ist an der Zeit, sich über soziale Netzwerke zu unterhalten, und zwar radikal: Inzwischen wissen nämlich die meisten Menschen nicht mehr, was sie sind. Netzwerke sind nämlich tatsächlich „Vernetzungen“ zwischen Menschen, die dadurch in die Lage versetzt werden, gemeinsam zu denken und zu handeln, wobei das „sozial“ eigentlich nur ein Fremdwort für „gemeinschaftlich“ ist – man bildet also gemeinsam und auf Gegenseitigkeit eine Vernetzung an oder nutzt eine bereits bestehende Vernetzung, um sich ihr anzuschließen. Die Familie ist ein natürliches Netzwerk, die Schulklasse oder Arbeitsgruppe ist ein zwar künstliches, aber über lange Zeit beständiges Netzwerk, und die Gewerkschaft oder der Berufsverband sind Interessengruppen mit sozialem Netzwerkcharakter.

In Deutschland heißt „Netzwerk“ eigentlich „Verbund“ oder auch „Verband“, womit seine Nähe zum Verein von gleichgesinnten hervorgehoben wird. Sogenannte Peer-to-Peer-Netzwerke hießen früher „Arbeitsgemeinschaften“ oder „Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit“, Raiffeisenbanken oder Produktionsgenossenschaften – und damals hatten sie tatsächlich einen Sinn. Fragen wir einen Deutschen, was „sozial“ heißt, dann bekommen seine Augen Edelcharakter: „Sozialleistungen“, Sozialversicherung“ und „soziale Verantwortung“ kommen dann schnell über seine Lippen. Und weil dies alles so ist, muss ein im Internet befindliches „Soziales Netzwerk“ natürlich auch etwas Wertvolles und Edeles sein: mindestens so edel wie die Genossenschaft.

In Wahrheit verhält sich die Sache anders: Schlaue Kerlchen haben sie aufgebaut, um damit schnell Kohle zu machen, haben es teilweise ebenso schnell wieder an mächtige Verleger verkauft oder als Aktiengesellschaft versilbert - und spielen das Spiel: „Wir da oben – ihr da unten“. Die sogenannten „User“ durchschauen dieses Spiel nur selten, obwohl sie durch diese Netzwerke nur äußerst begrenzte Vorteile haben: Ihre Urheberrechte sind oft dahin, weil sie bei Anmeldung gleich einkassiert wurden, und ihre persönlichen Daten schwirren durchs Netz wie die Kolibris.

Jugendliche können angeblich gar nicht mehr anders handeln, als sich hier zu vernetzten –was vom Prinzip her Blödsinn ist. Für Erwachsene wäre es hingegen gut – alte Freunde oder Kollegen wiedertreffen, die man aus den Augen verloren hat, Schulkameraden wiederfinden, Geschäftskontakte schließen.

Wer „drin“ ist, weiß dies: Hört sich alles besser an, als es ist. Gewiss habe ich einen Schulfreund wiedergetroffen – und festgestellt, dass wir uns nicht mehr viel zu sagen hatten. Eine der Klassenkameradinnen war zufälligerweise eine Medienfrau geworden – da ging es schon eher. Doch war da nicht noch der Geschäftskontakt?

Nun, hier geht es ja nur um den Wortbetrug, und der wird am deutlichsten in den vielen Massen-Netzwerken. In Wahrheit ist dies lediglich eine Ansammlung von Leuten, die sich nur sehr bedingt miteinander vernetzen und auch kaum „soziale“ Ambitionen im Sinne von „Verantwortung tragen“ haben. „Allgemeinzugänglicher, unverbindlicher globaler Freizeitverein“ wäre für die meisten dieser Einrichtungen mit der Bezeichnung „Soziale Netzwerke“ richtiger.

Ich könnte ohne diese Netzwerke leben – und ich bin sicher, die meisten anderen Erwachsenen könnten es auch. Ich bin im Übrigen sehr bewusst nur noch in einem Netzwerk (XING) aktiv – ein anderes vergaß ich leider rechtzeitig zu kündigen. Sie sehen, so etwas passiert sogar mir.
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Sexualität - Psychoanalyse als Kirche Nummer zwei?

Geschrieben von © Gebhard Roese •Mittwoch, 19. Mai 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


Wie die katholische Presseagentur Österreichs meldete, habe die 65-jährige Psychoanalytikerin Rotraud Perner die angeblich „umfassende Kommerzialisierung von Sexualität“ beklagt. Wie Frau Penner im Kirchgen-Magazin „inpuncto“ sagte, sei „die derzeitige gesellschaftliche Position zur Sexualität zu freizügig, einseitig und entwicklungshemmend.“ Was sie vermisse, sei eine "spirituelle, ja sakramentale Dimension".

Ach, wie interessant, nicht wahr? Da die Kirche die „spirituelle“ Dimension der Sexualität, zu der sie im Grunde genommen nie etwas zu sagen hatte, nunmehr offenbar ganz verspielt hat, steht schon eine Psychotherapeutin vor der Tür und beansprucht ihrerseits das Definitionsrecht an der menschlichen Sexualität.

Fragt sich, was schlimmer ist: die Übergriffe der Kirche auf die Sexualmoral oder die Übergriffe der Psychotherapie. Wir neigen dazu, zu sagen: Jeder, der sich der Definition der menschlichen Liebe bemächtigt, hat bereits einen Schritt zu viel gewagt – und das mit der „Kommerzialisierung“ sehen offenbar immer diejenigen, die gerade nicht verliebt sind – oder würde ein einziger Liebender von der „Kommerzialisierung“ seiner Sexualität sprechen?

Machen wir uns nichts vor: Sexualität wird kommerzialisiert – übrigens bereits seit der Erfindung mittelalterlicher Badehäuser. Aber interessiert dies die Liebenden wirklich? Und wieso meldet sich dazu eine Psychotherapeutin?
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Sind Künstler potenzielle Kinderschänder?

Geschrieben von © induna •Dienstag, 11. Mai 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


jungmädchenanmut bei Henry Ryland


Ich weiß nicht, wes Geistes Kind der eine oder andere Kolumnist deutscher Zeitungen ist – möglicherweise sind immer noch ein paar Männer dabei, denen es nicht recht ist, wenn katholischen Priester an den Pranger gestellt werden. Ach, die armen Priester! Mit viel Mühe sucht das deutsche katholische Establishment nun, doch auch andere Buhmänner zu finden, die zwar keine Priester waren, aber den 1968ern nahe standen – und wenn sie auch nicht viel taugen, um den Katholizismus doch noch reinzuwaschen, dann müssen eben die Künstler her.

Allerdings machen die Journalisten einen groben Fehler, die unsere Moralvorstellungen von 2010 (oder meinetwegen von 1960) auf die Zeit von 1910 oder nach früher transportieren wollen, und sie sollten auch nicht vergessen, dass Pfarrer und Künstler zu allen Zeiten durchaus unterschiedliche Aufgaben zufielen: Pfarrer sollen Traditionen vermitteln, Künstler müssen der Zeit einen Schritt voraus sein und bereits das zeigen dürfen, was andere noch nicht einmal zu denken wagen.

Die gegenwärtige angebliche „Diskussion“ um das Werk des deutschen Malers Ernst Ludwig Kirchner ist so biedermännisch verseucht, dass man kaum noch Worte findet: „Nackte Mädchen habe er gemalt, minderjährige gar noch … ei, pfui Teufel“. Und schon brüskiert sich die schnatternde, aber überwiegend kulturlose Leserschaft namhafter deutscher Presserzeugnisse.

Man vergisst dabei, dass es im 19. Jahrhundert und eben auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Künstlerinnen und Künstler gab, die von der Anmut junger Mädchen fasziniert waren – von Schriftsteller Lewis Carroll über den deutschen Maler Ernst Ludwig Kirchner bis hin zum Maler der jungen Mädchen, Balthus (gegen 1930) oder der Fotografin Irina Ionesco (gegen 1970) – und alle genannten hatten schon einmal „ihren“ Skandal.

Der „Skandal“ ist dabei immer das, was in den Hirnen allzu fantasiebegabter Bürger abgeht, denn obgleich man sich gelegentlich nicht so benahm, wie es in Bürgerkreisen üblich ist, hatte man sich doch nichts vorzuwerfen. Selbst im Konflikt um die Minderjährige Alice Pleasance Liddell (das Vorbild der Heldin von "Alice im Wunderland) und dem Schriftsteller Charles Lutwidge Dodgson (Lewis Carroll) gab es keine Beweise irgendwelcher Übergriffe.

Es ist die Anmut gewesen, das vermeintlich paradiesische, der Jugendschmelz, der Künstlerinnen und Künstler aller Epochen an Jugendlichen begeisterte. Dass die Nacktheit von Kindern möglicherweise ausgenutzt und ausgebeutet werden könnte, und dass insbesondere Mädchen nicht nackt dargestellt werden sollten, ist eine Erkenntnis, die sich erst ab etwa 1970 wirklich durchsetzte – etwa zum gleichen Zeitpunkt, als die Frauenemanzipation ihren Fokus darauf richtete, auf keinen Fall wegen ihrer Weiblichkeit verehrt zu werden. Die schwärmerische Romantik, die kurz zuvor noch hoch gehalten wurde, verschwand auf der ganzen Linie.

Heute ist alles wieder ganz anders. Wir nehmen die Kinderrechte sehr ernst, was gut und richtig ist, und haben solche Begriffe wie „Jugendschmelz“ und „Anmut“ längst zu den Akten gelegt. Wir sehen in den Jungen und Mädchen der heutigen Zeit weit mehr als früher eigenständige Persönlichkeiten, die wir als solche auch ernst nehmen. Wenn man so will, leben wir in einer sehr strengen Zeit und keinesfalls in dem Sündenpfuhl, den uns Gesellschaftskritiker einreden wollen. Was viele Menschen auch vergessen: Heute haben wir festgeschriebene Kinderrechte, die auch tatsächlich eingehalten werden – vor 1924 gab es sie nicht.

Bild: "Perlen" von Henry Ryland, britischer Maler, datiert 1897,

Wer Korrektes über Kirchner erfahren will, meidet am besten deutsche Zeitungen: Ich empfehle die NZZ.
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Das „Hier und Jetzt“ und die Liebe

Geschrieben von © induna •Montag, 10. Mai 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


Einst haben es uns die Gurus unter den Psychologen von ihren damals noch wohlgepolsterten Nestern heruntergezwitschert: „Lebt im Hier und Jetzt“. Der wohlmeinende Rat freilich war nichts mehr als ein ziemlich hirnrissiger Trend, eine neue „Hype“, wie man wohl hier sagen würde. Aus der Elfenbeinturm-Sprache in die Menschensprache übersetzt, heißt der Rat so viel, wie: „Lebe bitte in der Gegenwart“ - doch hätten man einfach dies gesagt, dann hätten die Menschen dem entgegengehalten: „Tun wir doch, wo sonst“?

Menschlich ist das „Leben im Hier und Jetzt“ nicht – eher schon tierisch. Menschen können, dürfen und sollen zurückschauen. Sie müssen aber gleichwohl auch nach vorne sehen – komme, was da wolle. Wer heute nicht sät, erntet morgen keine Frucht. Wer sich heute nicht um einen Partner bemüht, findet morgen keinen. Das reine Leben im „Hier und Jetzt“ ist vielleicht eine Hippie-Philosophie, aber kein Lebensstil für einen Erwachsenen.

Findet die Liebe denn im „Hier und Jetzt“ statt? Möglich, dass sie im Jetzt stattfindet, also in der Gegenwart – aber die Liebe findet nie im „Hier“ statt. Liebende entschwinden in Sphären, die nur sie selbst kennen, und die bestimmt nichts mit dem „Hier“ zu tun haben.

Anders als die Liebe hat die Partnersuche von vornherein nie etwas mit dem „Hier und Jetzt“ zu tun. Sie ist immer auf die Zukunft ausgerichtet, denn dafür schließen wie sie ja. Machen wir uns also davon frei, nur immer im „Hier und Jetzt“ leben zu wollen und leben wir lieber in der Gegenwart mit dem Fokus auf die Zukunft. Dann leben wir niemals falsch.
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Lob des Zahlens

Geschrieben von © induna •Freitag, 30. April 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion




Für die meisten Deutschen ist der Gedanke völlig abwegig einen Menschen dafür zu bezahlen, dass er sich Zeit nimmt. Vielleicht liegt es daran, dass so wenige Deutsche ihre Psychotherapeuten bezahlen, wie es in den USA üblich ist, oder für einen Besucher am Krankenbett, wie es die Italiener tun. Der Deutsche sieht in der Zuwendung eines Menschen eine Dienstleistung, und er glaubt, für diese Leistung zu bezahlen. Typisch dafür ist das Verhältnis eines Deutschen zu einem Berater: Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, seine Zeit angemessen zu bezahlen. Der Deutsche will das Resultat der Beratung bereits, bevor er überhaupt sein Problem genau geschildert hat. Er sieht nicht, dass er in erster Linie die Zeit für einen präzisen Zuhörer bezahlen muss und erst in zweiter Line das Resultat.

Dabei wäre es sinnvoll, wenn wir uns liebevolle Zuhörer kaufen würden, oder hübsche Begleiterinnen. Zahlen ist sehr sinnvoll. Es enthebt uns von der Schuld, die wir dem anderen gegenüber haben. Wer jemals einen Liebesdienst oder einen sinnvollen Rat empfangen hat, weiß, wie gerne er denjenigen in irgendeiner Form bezahlen würde, der ihn gegeben hat. Ja, die Person hatte abgelehnt. „Dafür nicht“, hat sie gesagt, hat das Geld zurückgewiesen, das wir ihr geboten haben. Doch wir fühlen, dass wir in der Schuld des anderen Menschen bleiben. Wir fühlen uns nicht wohl, wenn wir nicht gezahlt haben.

Wer zahlt, kann stolz sein. Er muss nichts erbitte oder erbetteln. Er zahlt dafür. Am Ende bleibt auch keine Schuld offen: Bezahlt ist bezahlt. Zahlen schlichtet, es macht Frieden.

Es ist nicht unvernünftig, für eine lustvolle Zeit mit einer schönen Frau zu bezahlen. Ob dabei Sex involviert ist oder nicht, spielt eigentlich nicht die wirklich entscheidende Rolle. Was passiert denn einem Mann, der ein wirklich tolles Gespräch mit einer wundervollen Frau hatte und am Morgen in ihrem Bett aufwacht? Er fühlt sich schuldig. Er glaubt, dass er ihr eigentlich etwas schuldig ist – mindestens sollte er ihr seine Telefonnummer geben, für alle Fälle. Eigentlich sollte er sie wiedertreffen. Eigentlich sollte er ihr sagen, dass er verheiratet ist. Eigentlich, eigentlich, eigentlich.

All diese Sorgen hat er nicht, wenn er bezahlt, was er bekommt. Abgerechnet ist abgerechnet, und gewährt ist gewährt. Das ist ein glattes, sauberes Geschäft.

Sich Zeit zahlen lassen? Ja, warum denn eigentlich nicht? Ich gebe zu, es ist noch ungewöhnlich, die reine Überlassung von Zeit, das reine Zuhören oder das reine Verständnis zu verkaufen. Aber es hat viel mehr Sinn, als sich zu ärgern, dass schon wieder jemand kommt, der einem die Zeit stiehlt, die Ohren vollquatscht oder sich seinen Bedarf an Zärtlichkeiten ergaunern will.

Ein Lob des Zahlens darf nicht enden, ohne die Liebe zu erwähnen. Die kann man nicht kaufen – aber man kann eine wohlige Umgebung, etwas Zärtlichkeit und den Genuss der sinnlichen Geborgenheit kaufen – und die Zeit einer Dame oder eines Herrn, der diese Illusion vermitteln kann. Warum eigentlich nicht?
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Dating: der Krieg der Psychologen

Geschrieben von © induna •Dienstag, 27. April 2010 • Kategorie: kultur, psychologie, religion


Die Psychologie mag ihren Privatkrieg führen, ob „Gleich und Gleich“ die richtige Formel für die Liebe ist oder „Gegensätze ziehen sich an“. Die Liebeszeitung hingegen sagt klar: Eine solche Formel gibt es nicht. Alles, was die Psychologie uns dazu sagt, sind unbewiesene Annahmen.

Übrigens: Gleich und Gleich lässt sich am leichtesten feststellen, deshalb verwenden viele Psychologen diese Formel – bei Gegensätzen ist die Sache wesentlich schwieriger – es kommt nämlich darauf an, welche Gegensätze sich anziehen, abstoßen oder ergänzen. Wer mehr darüber lesen möchte, soll bitte der Liebeszeitung schreiben: Wir haben einen Experten dafür.
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