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Die Lust am Körper des Anderen

Falsche Zungenschläge über Erotik kommen nicht nur von den Kirchen - auch US-Amerikaner bemühen sich, die Liebe moralisch zu versauern, und sie versuchen dabei durchaus, eine Art Welt-Moralpolizei zu spielen. Unser Autor weist darauf hin, dass wir Europäer das geschichtliche Erbe der Erotik bewahren sollten - gegen die Angriffe des Klerus ebenso wie gegen die Ansichten der sogenannten "Gutmenschenschaft", die versucht, ihre Moralinsäure in die Liebe hineinzudrücken.



Der Chor der falschen Zungenschläge, der einst von der Wissenschaft gesungen wurde, hat heute noch böse Nachwirkungen. Die Bewunderung weiblicher Brüste heißt dort immer noch „Brustfetischismus“ und die Liebe zu wundervollen weiblichen Füßen nennt man nach wie vor „Fußfetischismus“. Wenn ich mich gar nach den Vorstellungen des US-amerikanischen Spießbürgers und der mit ihm verbundenen Politgruppen richte, dann wäre es schon falsch, überhaupt eine Erotik des weiblichen Körpers zu unterstellen. Doch sollten wir uns ausgerechnet an US-amerikanischen Kleinbürgern und ihren Bildungsstand orientieren? Wohl kaum. Europa hat eine erotische Kultur zu verteidigen, die auch Elemente aus dem Vorderen Orient umfasst, und als deren Hüter wir uns heute fühlen dürfen.

Ob nun die Evangelikalen sind, die uns mit Moralinsäure nerven, oder die Katholiken, die sich besserwisserisch in der Moral hervortun: Die Erotik ist so alt wie der König Salomo, und nicht nur dichterisch:

„Dein Brüste sollen sein wie Trauben,
und der Atem deiner Nase wie Äpfel,
und dein Mund wie köstlicher Wein,
der meinen Gaumen sanft eingeht
und Lippen und Zähne mir netzt“


Mag unsere Liebe auch dem Menschen als Ganzes gehören – unser Liebesverlangen wird vom Körper ausgelöst: von den Augen, den Ohren, den Wangen, dem Mund, den Brüsten und letztendlich auch den Füßen der Geliebten. Die Lust, und wie wir sie leben, ist privat – doch was Salomon dufte, das dürfen wir Lebenden schon lange: Unsere Lüste einem anderen Menschen schildern, solange wir die geschilderte Person verehren. Das ist der eigentliche Sinn erotischer Darstellungen – und es ist keine Pornografie.

Wenn ein Mund des andren Menschen Mund berührt, wenn sich beider Zungen finden und in wildem Spiel die Wollust aufpeitschen – dann ist dies offenbar nicht erotisch – ich kann es auf der Titelseite einer Illustrierten zeigen. Wenn aber eben diese Zunge die Brüste umspielt, die Finger oder die Zehen, dann sollte ich es nicht beschreiben und zeigen dürfen? Dann ist es Pornografie, Fetischismus oder wie sich die Gralshüter dieser perfiden Moral sonst ausdrücken mögen?

Nein – es ist alles ein Ausdruck der Liebe. Kein Kuss unter Erwachsenen ist moralisch verwerflich, und kein Kuss, der von den Partnern im freien Willen ausgetauscht wird, ist „pervers“.

Es ist an der Zeit, uns dies ins Gedächtnis zu rufen und die falschen Moralisten in das Zwielicht zu bringen, in das sie ständig die Liebe zum menschlichen Körper stellen.

Titelbild: Rudolf Ernst, auch Rodolphe Ernst, Österreichischer Maler, 1889 (Ausschnitt)

Partnersuche ist eine europäische Sache

gebunden sein - das wollen viele ostfrauen


Viele Männer klagen darüber, wie anspruchsvoll, ja sogar selbstherrlich westdeutsche Frauen auftreten. Sie haben die Versprechungen der Emanzipation endlich verwirklicht, haben Macht, Geld und Ansehen, und wollen sich jetzt den besten Mann „kaufen“, der dazu passt.

Die Frauen ihrerseits haben schlechte Karten: Wo sie fischen, da fischen alle – und nicht alle, die dort suchen, haben Macht, Geld und Ansehen - mancher reicht auch Durchtriebenheit, eine schicke Hülle und eine hoch entwickelte Liebeskunst, um zum gleichen Ziel zu kommen.

Auf diese Weise ist ein schwacher und mit vielen Risiken behafteter Heiratsmarkt entstanden, der sich zynisch so beschreiben ließe: Die hochnäsigen Frauen bleiben so lange am Markt, bis sie kurz vor dem Vergammeln sind – dann verschleudern sie sich selber unter Wert.

Wie können Männer Partnerinnen finden?

Wie bereits angedeutet: Die erste Wahl ist schnell ausverkauft, und in den Regalen der Marktstände liegt die zweite Wahl herum und bietet sich zu Schleuderpreisen an, während die dritte Wahl versucht, in kostenlosen Singlebörsen mit „Dynamitfischen“ ihr Glück zu versuchen – eine erbärmliche Methode.

Befriedigen ist dies weder für die deutschen (wie übrigens auch die österreichischen und schweizerischen) Frauen und Männer nicht. Wo man hinkommt, hört man die Klagen: Passende Männer seien schwer zu finden, passenden Frauen aber auch. Man behilft sich, so gut es geht: hier mal eine Dreimonatsbeziehung, dort mal ein Bett für eine Nacht. Weder Frauen noch Männer wollen heute ohne Sex leben – aber ohne Lebenspartner? Ja, das geht schon.

Es geht, aber es geht natürlich nicht so gut. Das Glück, sich etwas aufzubauen, was nach Ehe, Familie, Geborgenheit und Rückzugsgebiet riecht, ist einfach nicht dabei.

Was kann man tun? Warten, bis es besseres Heiratswetter gibt?

Wären die deutschen Männer auch nur ein klein wenig flexibler, so hätte sie längst entdeckt, dass sie mittlerweile Bürger Europas sind und dass die Möglichkeit, eine Partnerin kennenzulernen, nicht an den deutschen Grenzen endet. Die schweizer Männer, die noch etwas mehr unter der stolzen Haltung ihrer weiblichen einheimischen Bevölkerung leiden, haben dies auch schon getan, als sie Europa noch fern waren, doch das, was sie taten, roch immer ein bisschen nach „Frauenimport“.

EU-Bürgerinnen: die Partnerin aus dem Nachbarland?

brautkleider werden verliehen
Heute muss niemand mehr solche Ausdrücke fürchten – zumal, wenn er eine EU-Bürgerin kennenlernt, und die EU erstreckt sich weit in den Osten. Man muss nur eines wissen: Ostfrauen (auch deutsche Ostfrauen) haben ein ganz anderes Verhältnis zur Emanzipation als westdeutsche Frauen. Sie sind von vornherein Frau und Persönlichkeit im Doppelpack, was gelegentlich für West-Männer schwer zu verstehen ist. Die Budapesterin beispielsweise will um jeden Preis als Frau gefallen, bevor man ihre Verdienste als Rechtsanwältin lobt, und für sie ist ganz selbstverständlich, dass der Mann sie behandelt wie ein Juwel – trotz Emanzipation, und selbstverständlich wollen Budapester Frauen Kinder – möglichst früh, damit man sie noch bauchfrei, im Minirock und mit Plateauschuhen durch den Millennium-Park schieben kann.

„Gemischte“ europäische Ehen mit Kindern sind in den gebildeten Kreisen Budapests keine Seltenheit, wie denen überhaupt die „Europa-Ehe“ meist von gebildeten Menschen angestrebt wird – nicht ganz zufällig, wie mir scheint. Manchmal ist es die Auslandstätigkeit, die heute bei deutschen und österreichischen Firmen üblich geworden ist, gelegentlich aber auch die gezielte Absicht interessierter gebildeter Ostfrauen, sich West-Männern zu nähern. Voraussetzung ist aber, dass man Zugang zu den Kreisen hat, in denen so etwas möglich ist: Und für Osteuropäerinnen geht der Zugang zum westeuropäischen Mann über Sprache und Bildung – schließlich kann man sich in Bildungseinrichtungen und bei Kulturveranstaltungen unbefangen kennenlernen. Tatsächlich ist es selbst in Budapest so, dass nur ganz wenige junge Menschen fundierte westliche Sprachkenntnisse haben, die sich auch verwenden lassen – anders als man dies beispielsweise von Kopenhagen gewohnt ist, wo man normalerweise beliebige Passanten auf Englisch ansprechen kann oder in Helsinki, wo sogar die Verkäuferinnen im größten Warenhaus alle Fähnchen tragen, in welchen Sprachen sie Verkaufgespräche führen können.

Lohnt es sich für Männer, über die Grenzen zu gehen?

blondinen in ungarn
Ja, es lohnt sich. Freilich muss man sich von vornherein klar darüber werden, dass es außer der geschichtlichen Situation der Emanzipation noch andere Probleme geben kann – wieder am Beispiel: Ungarische Frauen gelten nicht nur als erotisch, sondern auch als temperamentvoll – und sie erwarten eben trotz aller Gleichheit vom Mann auch Führungsstärke. Wer überhaupt gen Osten geht, sollte sich klar werden, dass die Grundwerte, das Temperament und die Lebensumstände oft ganz anders gesehen werden, als dies bei einer deutschen Frau der Fall ist. Ich werde oft gefragt, ob es gut ist, sich „Frauen aus dem Ausland zu holen“, wie sich die Männer gerne ausdrücken, und dies ist sicher nicht gut: Viel besser ist es, die Nähe osteuropäischer EU-Frauen in Deutschland zu suchen – beispielsweise an Hochschulen – oder aber sich in die entsprechenden Länder versetzen zu lassen, was heute vielfach durchaus möglich ist.

Was man Männern in jedem Fall raten sollte: Mit dem Partnerwunsch in der EU bleiben, sich nicht verblüffen lassen von dem „großen Angebot“ an Ost-Frauen, sondern sich dies klar machen: Einer von beiden wird eines Tages seine Heimat verlassen müssen. Das kann ein harter Einschnitt sein, und er will wohl überlegt sein. Andererseits bieten sich für EU-Paare und ihre Kinder allerdings auch tolle Möglichkeiten dadurch, in zwei Kulturen zu Hause zu sein – und Europa schreit ohnehin nach Integration. Schon heute gibt es ungarisch-skandinavische Paare, deren gemeinsame Sprache Deutsch ist, und ungarisch-deutsche Paare, deren gemeinsame Sprache englisch ist – und manchmal leben und arbeiten beide in einem Land, in dem keiner von beiden geboren wurde.

Nun, was meint ihr dazu?

Titelfoto: © 2008 by ckaroli