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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Warum Liebe durch (und unter) die Haut geht

Gorillas und Affenliebe
Die Haut dient normalerweise dazu, uns zu schützen. Nachdem wir Menschen nahezu haarlos sind, legen sie zum weiteren Schutz gegen allerlei Umwelteinflüsse, Kälte und voyeuristische Neigungen Kleidung an. Das ist sozusagen ihr „Fellersatz“. Legen sie das Ersatzfell ab, so fühlen sie sich verletzlich, besonders bei Berührungen. Das ist die Ausgangslage.

Das Spiel damit, mehr oder weniger Haut zu zeigen, die Haut durchscheinen zu lassen oder blickdicht zu verdecken, ist der Beginn des Flirts wie auch der Verführung – und selbstverständlich auch ein Showeffekt.

Liebe geht durch die Haut - und Haut zu spüren, heißt auch "Intimität"

So viel ist jedenfalls sicher: „Liebe“, dieses oft missbrauchte Wort – ist etwas, das „durch die Haut geht“. Gegen wir dazu in den Zoo. Ein Gorillamännchen erlebt die sprichwörtliche Affenliebe wie ein menschlicher Säugling – durch die Haut. Das war es dann auch - für das Männchen. Das Gorillaweibchen wird normalerweise wieder Mutter und setzt so den Kreislauf fort: Liebe empfangen haben – Liebe geben – und somit die Liebe in die nächste Gorillageneration übertragen.

Über die Haut geht Liebe auch unter die Haut

Bei den Menschen wird „Liebe“ oft mit „Intimität“ gleichgesetzt. Je mehr Haut wird dem anderen zeigen, je mehr Berührungen wir zulassen, umso mehr reden wir von „Intimität“. Irgendwann paar sich der Wunsch nach Intimität mit dem Fortpflanzungstrieb, dann reden wir davon, dass sie oder er „gevögelt“ haben.

Sex ohne nackte Haut

Warum das auch ohne nackte Haut geht? Sehr einfach. Sexuelle Begierde wird auch durch Düfte und Gesten ausgelöst. Und manchmal sind es eben nur bestimmte Vorstellungen oder Gegebenheiten, die zum Sex führen. Wenn „sie“ sich bereits vorstellt, dass der Abend nicht ohne Sex ausklingen soll, und er auch schon mit halbsteifem Penis dasitzt, reicht oft ein Satz, um den Bann der Wohlanständigkeit zu brechen.

Rituale, Haut und Lüste

Wir erkennen darin: Liebe geht durch die Haut und erzeugt sehr unterschiedliche Übereinstimmungen. Manche Paare nutzen Liebesrituale, die „unter die Haut gehen“, wie etwa einander zu streicheln oder zu küssen. Etwa so, wie Entenpaare vor dem Sex zusammen Wasser trinken. Wenn sie sich dabei wohlfühlen, nennen sie diese Prozeduren auch „erfüllenden Sex“, weil er mehr bedeutet, als sich zu paaren und weil die Gefühle auch länger anhalten. Sie mögen das nennen, wie sie wollen, aber meist unterstützt die Natur diesen „Liebesrausch“ durch Botenstoffe.

Einige Fragen bleiben

Das Thema ist damit nicht erschöpft. Wir verstehen bis heute nicht genau, warum Menschenfrauen auf Rituale bestehen, bevor sie sich dem Geschlechtsakt hingeben, obwohl sie selbst darauf zusteuern. Wir bezeichnen dies gerne als „Liebesspiel“, und zumindest die Männer sagen, es folge stets den Regeln, die die Frau dafür aufstellt. Wir kennen auch die Gründe nicht, warum Schmerz und Lust oftmals eine Symbiose eingehen.

Aber wir wissen, dass es geschieht. Erwachsene Menschen sind Spieler mit der Lust – erwachsene Gorillas leisten sich diesen Luxus nicht. Und sicher nicht nur, weil sie weitgehend von Fell bedeckt sind.