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Alt und Jung - schräge Rollen der Liebe

Das Alter steht nur im Pass
In früheren Jahren hat man sich die Mäuler zerrissen, wenn ein 40-jähriger Mann eine 20-jährige Frau heiratete oder wenn er gar eine wesentlich jüngere Frau zu seiner Geliebten machte. Heute hat sich das etwas beruhigt, wenngleich den „üblichen Verdächtigen“ immer noch der Schaum vor dem Mund steht, wenn sie darüber geifern.

Der ätere Mann - zweiter Frühling oder "Edelfreier"?

Ob ich es selber toll finde oder fände, spielt eigentlich keine Rolle, weil es mich persönlich nicht betrifft. ich überlasse es den Männern, die es betrifft, damit zurechtzukommen. Oftmals wird den Männern unterstellt, dass sie einen „zweiten Frühling“ erleben wollten - doch was ist eigentlich ihre Rolle? Fühlen sie sich als Sponsor, vielleicht gar als „Edelfreier“, wenn es sich um eine jugendliche Geliebte handelt, an die regelmäßig Geldsummen fließen? Jedenfalls wird niemand dem Mann unterstellen, er würde eine Vater-Tochter-Beziehung führen ... da lachen ja die Hühner, oder?

Die ältere Frau - einfach lustvoll oder in einer "Mutterrolle"?

Tja, und wenn ein Mann eine Frau heiratet, die deutlich älter ist als er selbst? Oder wenn der Jüngling zu einer Frau ins Bett kriecht, die sein Alter um 20 Jahre übertrifft? Oder gar um 30 Jahre? Dann plappern die Plappermäulchen, bis die Lippen schmerzen. Hält sie ihn aus? Hat sie es wirklich so nötig? Führt sie gar eine Mutter-Sohn-Beziehung mit ihm? Und als Krönung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein junger Mann mit einer SO alten Frau noch vögelt - da muss etwas anders dahinterstecken.“

Die Realität der MILF - barrierefreie Lust

Gut - jeder junge Mann hat schon einmal von den Vorzügen der MILF gehört. Bei Gefallen jederzeit barrierefreier Zugang, nicht mal im Ansatz verzickt. Sie ist zwischen 30 und 45, erfahren (möglicherweise gar eheerfahren) und sie weiß, was ihr guttut. Und der junge Mann? Welche Rolle spielt er? Ist er ihr Lover? Und warum „nimmt“ er sich eine SO alte Frau?

Weil es ihm Lust bereitet, jedenfalls überwiegend. Und weil er vor den Türen der 25- bis 30-jährigen keine Affentänzchen aufführen will, bis sie sich öffnen.

Und warum die GILF oder COUGAR?

Bliebe noch die GILF (gestern wurde sie im Fernsehen erwähnt, deshalb erlaube ich mir, euch mir, euch mit dem Ausdruck zu nerven). Bei ihr ist die Altersdifferenz noch deutlich größer. Man nennt sie auch Cougar, nach dem weiblichen Puma. Von dieser Spezies weiß man nicht so genau, ob sie jagt oder gejagt wird. Jedenfalls soll ihr Habitat sich in schummrigen Bars befinden, in denen die Beleuchtung stark heruntergedimmt ist. Üblicherweise ist sie optisch noch hinreichend begehrenswert, hat beachtliche weiche Brüste, und trägt Blusen, Röcke oder Kleider, die atemberaubend sind. Klischees? Ja. Fantasien? Nein. GILFS oder Cougars sind Frauen ab etwa 45, die jederzeit mit jüngeren Konkurrentinnen mithalten können, wenn es um die Verführungskünste geht.

Keine Liebe zur "Großmutter" - sondern Lust an der Frau

Ja, und warum umschwärmen die jungen Männer nun auch noch die Frauen, die früher als „Großmütter“ galten (daher der Name GILF)? Fragt mich nicht ... jedenfalls scheint da etwas zu „beider Nutzen“ abzulaufen, sonst gäbe es diese meist heimlich gelebte Beziehung nicht. Und die Rollen? Ja, die sind wahrscheinlich einfach weggepustet, außer dass sich die Cougar (oder GILF) dabei um 20 Jahre jünger fühlen dürfte. Ist ja auch mal nett - und alle Tage gibt’s das auch nicht.

Irgendwann versagt die Einordnung der Rollen. Dann ist eine Frau einfach eine Frau, und ein Mann einfach ein Mann, und dass Spiel heißt: Lust kennt keine Grenzen.

Alter und Partnersuche

In jeder Altersstufe haben die Menschen andere Vorstellungen von ihren Partnern. Wie sollte es auch anders sein? Zu Anfang hat man viel mehr Zukunft als Vergangenheit, zuletzt viel mehr Vergangenheit als Zukunft.

Die junge Frau wünscht sich einerseits einen etwas älteren, sportlichen, hübschen Jüngling mit Hirn, andererseits schielt sie nach der Erfahrung der „gehobenen mittleren Jahre“. Der junge Mann wünscht sich eine wunderschöne, kluge und sexaktive „gleichaltrige“ Freundin, doch vermutet er, dass eine erfahrene Frau ihm wesentlich mehr barrierefreie Befriedigung bieten kann.

Betrachten wir nun Menschen über 50, so wünscht sich die Frau einen etwa gleichaltrigen, möglichst aber etwas älteren Mann. Sie hält es für unangemessen, sich einen jüngeren Mann zu suchen und befürchtet, im Alter von ihm verlassen zu werden. Der Mann hingegen glaubt, dass ihm die Welt aller Frauen von 25 bis 55 offensteht, und er strebt nach der erotischen Frische der jüngeren Frau.

Soweit die Klischees, die leider allzu oft auch zutreffen.

Dieser Tage las ich (Zitat):

Vermutlich ist … (meine Präferenz) … dadurch begründet, dass ich mir einen Partner wünsche, der sich in einer Lebenssituation befindet, die meiner sehr ähnelt und durch die Gemeinsamkeiten hergestellt werden könnten. Zu nennen wären hier Dinge wie Karriereziele, gefestigte Hobbys, oder dass man sich zumindest schon einmal Gedanken um Familiengründung gemacht hat.


Ich sehe das etwas „runder“. Statt „Karrierezeile“ würde ich „berufliche Zufriedenheit“ einsetzen, statt „gefestigter Hobbys“ eher „passende Interessen“ – und sicher – die Familiengründung interessiert Frauen zumeist etwas mehr als Männer - erwarten sollten Frauen es besser nicht.

Alter ist ein Kriterium - aber es gibt wichtigere

Die Kernfrage des Zusammenlebens ist eigentlich: „Was wäre, wenn …“, und das heißt: Wie würden WIR zusammen wohnen, wie und wo würde SIE/ER und ICH dann arbeiten? WAS würden wir zusammen tun können, was nur getrennt? Und vor allem: Was bin ICH bereit, für den anderen aufzugeben?

Ja, Alter spielt eine Rolle. Aber die Frage ist eben auch, welche Art von Leben man führen möchte. Ich habe (einige) „mitreisende Ehefrauen“ und (wenige) „mitreisende Lebenspartner“ kennengelernt. Sie haben sich für ein Leben entschieden, in dem der Eine dem Anderen folgt. Das mag die Ausnahme sein. Aber es ist eben spannend und voller Abenteuer. Und deshalb zählen manche Dinge, die euch als „wichtig“ erscheinen, im Grunde nicht so viel.

Die Entscheidung, mit über 50 eine deutlich jüngere Frau zu heiraten und mit ihr nochmals eine Familie zu gründen, ist zwar gerade so ein „Promi-Ding“ – doch es ist ziemlich selbstsüchtig. Kinder mögen junge Eltern. Wenn die Tochter gerade ihr Abi macht, während der greise Vater seinen 75. Geburtstag feiert, dann scheint mir irgendetwas in Schieflage zu sein.

Gehe niemals mit jemandem aus …

Nein, nein ... geh 'niemals mit ihr aus ...
Gehe niemals mit jemandem aus … der acht Jahre jünger oder älter ist als du. Sagt jemand, der sich für schlau hält. Ist es wirklich so klug, die Grenzen so eng zu setzen?

Oh, es gibt es eine neue Regel für die Partnersuche. (Gibt es immer noch nicht genug?) und sie heißt:

Gehe niemals mit jemandem aus, der acht Jahre jünger oder acht Jahre älter ist als du.


Damit Ihnen das Rechnen erspart bleibt:

- Wenn Sie 18 sind, geht‘s nur nach oben – bis 26.
- Sind Sie 28, dann ist der Toleranzbereich 20 bis 36.
- Sollten sie 38 sein, so ist es 30 bis 46.

Klingt nicht gut, nicht wahr? Ziemlich einschränkend, was den Erfahrungstransfer betrifft. Und warum wird dergleichen veröffentlicht? Wissen wir nicht.

Ein gewisser Scott Spinelli, der von sich behauptet, gegen 30 Jahre alt zu sein, hat es irgendwann einmal geschrieben. Zuerst erschienen ist es – in „Elite Daily“, das sich selbst als „Magazin für die Y-Generation“ bezeichnet, und die „Freundin“ hat es irgendwie gelesen und hielt dies (und Herrn Spinelli) für wichtig. Also dieser Herr Spinelli meint, er hätte schon viele Dates gehabt, aber offensichtlich waren all seine Damen, die er hier meint, wesentlich jünger. Ja, und mit denen hat er sich wohl nicht so recht verstanden.

Oh, natürlich. Wenn jeder dritte Satz der jungen Dame ist: „Meine Eltern meinen“, oder „mein Professor sagt immer“ oder sie sich ständig auf eine der gängigen Fernsehserien bezieht, dann wird es wohl nichts mit der Beziehung. Und mal ehrlich, auch im Bett stört es kolossal.

Doch wie war’s noch umgekehrt? Wenn der junge Mann sich einmal nach Strich und Faden von einer Dame verwöhnen lässt, die mehr als acht Jahre älter ist? Und die ihm Möglichkeiten der Liebe, der sozialen Umgebung oder der Karriere aufzeigt, auf die er zuvor nie gekommen wäre?

Sagen wir’s doch mal so: Wenn ohnehin erst im Alter von etwa 30 Jahren geheiratet wird, warum solle sich eine junge Frau oder ein junger Mann nicht die lange Zeit zuvor vergnügen, mit wem sie oder er es will? Ausgehen heißt ja nicht gleich heiraten ... oder?

Neue sexuelle Erfahrungen auch noch mit 40?

Etwas Neues? Nieeeee ...
Soll, kann und darf man noch neue sexuelle Erfahrungen mit 40 sammeln? Oder sogar noch mit 50 oder 60? Eigentlich ist die Frage doch Quatsch, oder? Erfahrungen kann man immer sammeln. Fragt sich nur, ob man es will oder nicht. Gerade hab' ich einen tollen Spruch gefunden:

Lebenserfahrung sorgt dafür, dass ich besseren Sex bekomme, und sexuelle Erfahrungen bereichern mein Leben – es funktioniert zweiseitig.


Das sagt eine Bloggerin mit dem Pseudonym Girly Juice (1), auf die ich in diesem Fall leider mal wieder nicht verlinken kann – der Artikel ist NSFW. Und die Frau, die so etwas geschrieben hat, ist kurz über 20. Und da haben wir ja schnell eine Meinung drüber, nicht? Das Küken … was will uns die denn schon sagen über das Leben?

Ach ja, wirklich?

Wir glauben ja alle, dass Lebenserfahrung etwas Gutes ist, nicht? Und lebenslanges Lernen auch, oder wie war das?

Nur beim Sex, da sollen wir mit 30 oder 40 aufhören und anständig werden und (um Himmels willen) keine Abenteuer mehr eingehen. Gerade erst hat eine Bekannte mir mit Entrüstung gesagt: „So etwas käme für mich nieeeee infrage“, wobei sie das „i“ noch viel länger gezogen hat.

Na ja, ich hätte sagen können. „Sag niemals nie.“ Aber irgendwie sagt mir nun meine Lebenserfahrung, dass Leute, die so ein ganze langes „I“ im „nie“ haben, sich lange, lange damit beschäftigt haben und eigentlich sagen wollen: Ich will es auch endlich.

Mal ganz, ganz ehrlich: die meisten von uns haben doch Sehnsucht nach einem Abenteuer, so einem richtig tollen, mit Schweiß und Lust und so Sachen. Na ja, und was wir nicht wollen mögen, das lesen wir eben. Es gibt ja Bücher.

Eigentlich ist das ja ganz in Ordnung, oder? Tue es oder tu es nicht. Aber behaute nicht ständig, dass es dich anekelt, bevor du’s ausprobiert hast. Zungenküsse hast du bestimmt auch mal eklig gefunden, oder etwa nicht?

(1) Wer ist Girly Juice? Das erfährst du hier.

Grafik nach einer historischen Zeichnug