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Hurendienste werden konsumiert – wie alles andere auch

Spiele, Illusion, Konsum? In Deutschland: Sexkonsum

Bequem kann man kann nur über etwas berichten, das sichtbar ist. In manchen Ländern wäre es unmöglich, eine Dokumentation über Huren und Freier zu erstellen, weil es sie dort nach offizieller Lesart nicht gibt, zum Beispiel im angeblich hurenfreien Schweden. Prostitution in Deutschland ist nun aber sichtbar, legal und deshalb auch dem Fernsehen zugänglich, und also kann man sie beleuchten. Das tat die ARD gestern Abend, schilderte kühl, ohne Moralinsäure, was in deutschen Puffs, auf deutschen Straßen und auf deutschen Sex-Portalen im Internet geschieht. Ohne Pathos, teils schrecklich, teils erschreckend normal.

Die Bilder, so der Kritiker der „Süddeutschen“, zeigten „eine Welt, die sich eine Gesellschaft nicht wünschen kann.“ Doch mit diesem Satz wird klar, wie fragwürdig das ganze Unternehmen „Dokumentieren wir mal Puff“ ist. Denn „diese Welt“ ist nicht wünschenswert, aber nicht etwa, weil in Deutschland Prostitution legal ist. Denn wer sich so durch die Sätze der Sendung durchhechelt, wird bald merken: Hier treffen drei unerwünschte Grundeinstellungen aufeinander, die nichts mit dem Puff zu tun haben:

1. Das schnelle, unverbindliche und gnadenlos auf Konsum und Verbrauch ausgerichtete Geschäft boomt, und dabei gehen viele Unternehmen nicht gerade zimperlich vor – siehe Elektronik- und Textilbranche. Was auf Prostitution zutrifft, können sich viele Branchen in die Bilanz schreiben: Eher geringe Qualitäten werden unter Einsatz von billigen Arbeiterinnen und Arbeitern vermarktet – diejenigen, die den Lohn empfangen, bekommen am wenigsten vom Kuchen.
2. Zu viele Menschen träumen vom schnell verdienten Geld. Es ist kein Wunder, dass die Möglichkeit, es zu verdienen, Menschen anlockt, und zwar bis in den bürgerlichen und akademischen Bereich hinein. Strippen, Cybersex und Prostitution sind (nicht nur in Deutschland) auch das fette Brot angehender Akademikerinnen.
3. Alles ist heute „Markt“ geworden. Auf dem heutigen Markt erzeugen die Angebote die Nachfrage, nicht umgekehrt. Warum sollte dies bei Huren anders sein?

Freudloser Sex? Nur den Trieb abreagieren?


Der Film im ARD schildert einen Fleischmarkt ohne Qualität und ohne Anspruch – sozusagen ein Schnäppchenmarkt für Sex. Im Interview mit einer Hure wird dies sinngemäß deutlich: Möglichst sollten die Herren bitte in fünf Minuten abspritzen, eine Illusion der Liebe zu bieten, sei lästig. Geschäftsmäßige Kälte auf der einen Seite, eiskalter Sexkonsum auf der anderen Seite – das erinnerte an die alten „Fleischmärkte“ in Frankreich, in denen Männer im 10-Minuten-Takt bedient wurden. 50 Freier pro Frau waren da keine Seltenheit.

Schnäppchen. billig, keine Qualität - wie Deutschland verhurt

In einer Welt, in der alles auf Schnäppchen, billigen Konsum von allem und allen ausgerichtet ist, indem Qualität und Herkunft weder bei Waren noch bei Dienstleistungen eine Rolle spielt – eine solche Welt ist nicht wünschenswert. Doch Deutschland will diese Welt offenbar genau so, wie sie ist. Erdbeeren, die wir Wurzelgemüse schmecken, BHs für 9,98 Euro, Hühnerbrüste, die keinen Eigengeschmack haben, und Huren, die keine Wollust spielen wollen. Nein, diese Welt ist nicht wünschenswert.

Ich habe einmal gewagt, gegen die Billig-Erdbeeren zu wettern, die wie Rüben schmecken. Daraufhin erhielt ich zahllose Proteste von Eltern: „Warum sollen wir unseren Kindern nicht einmal diese Erdbeeren gönnen, wenn wir uns doch keine anderen leisten können?“

Ja, warum wohl?

Bild oben: Nach einem historischen Vorbild, koloriert, Bild unten: Hurenwerbung, Bild technisch manipuliert.