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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Die Woche: Wahrheiten, Avatare, Dating als Spielerei und Männerängste

Der Unterschied zwischen den Behauptungen der Dating-Branche einerseits und der Realität andererseits wird immer größer. Während die Branche versucht, mit allerlei Pseudo-Wissenschaft, angeblichen Studien und aus der Luft gegriffenen Behauptungen versucht, Kunden anzulocken, bleibt die Realität nüchtern.

Richtig daten ist ein falscher Rat

Und die ist: zu viele Menschen versuchen, sich zu verhalten, wie es angeblich „richtig“ ist. Beispielsweise haben sie gelesen, sie sollten sich Fragen überlegen oder ganze Fragenkataloge mitbringen. Und letztlich sollen sie eine überzeugende Rolle spielen. Und was dazu kommt: unbedingt „geschlechtsspezifisches Verhalten“ zu zeigen. Was für ein Unsinn … du gehst „als du selbst“ zum Date, nicht als ein Fleisch gewordener Dating-Avatar.

Dating im Land der Fantasien?

Klar, die App-Betreiber, die Nachhaltigkeit versprechen, wollen möglichst Kunden, die sich „ernsthaft binden“ wollen. Also verbreiten sie Meldungen, wonach das gerade ein Megatrend ist. Andere setzen bewusst auf den Spieltrieb, der einst mit „Hot or Not“ begonnen hatte und seither vielfach kopiert wurde. Und schließlich waren da noch die virtuellen Welten, die ihre Avatare auf uns ansetzten. Und nun haben beide einen PR-Kampf begonnen, wer die besseren Matches liefert.

Die angebliche Furcht der Männer vor Begegnungen mit Frauen

Auf eine App-PR ist auch eine „Studie“ zurückzuführen, die belegen soll, welche Ängste Männer beim Dating haben. Ich habe das tatsächlich gelesen und festgestellt: Ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Und es gibt Tipps für Männer, die nicnt aus der Luft gegriffen sind und keine Werbung für etwas oder jemanden.

Mehr Dates in kürzerer Zeit

Unser Beitrag klingt zunächst zu simpel: Du brauchst mehr Dates, nicht weniger. Aber im Artikel beweisen wir euch, dass viele, gezielte Dates innerhalb einer relativ kurzen Zeit (bis zu sechs Monaten) wesentlich effektiver sind als die „lange Bank“. Viele Dates über viele Jahre sind Spielereien von Menschen, die sich oft selbst maßlos überschätzen.

Gib mir Feedback: Wie war ich?

Ach so – wenn du deine Partnerin nach der ersten Nacht fragst: „Wie war ich“, dann ist das schon blöd genug. Aber sage bitte nie, du hättest „Feedback angefordert“.

High Fidelity oder Strapse?

Auf Halbakten, Wäschefotos oder anderen „frivolen“ Bildern der 1970er-Jahre kann man gelegentlich teures Hi-Fi-Equipment sehen. Ich glaube ja nicht, dass viel von euch dorthin schauen – aber solche Geräte waren eigentlich erst in den 1970er-Jahren populär. Ich hatte es wegen der auffälligen Strapse ursprünglich auf die 1950er/1960er-Jahre datiert. Das habe ich inzwischen korrigiert.

Tröten statt zwitschern

In eigener Sache: Ich zwitschere nicht mehr – aus und vorbei. Im Moment lasse ich mir die Nachrichten noch ans E-Mail-Postfach anliefern, aber ich werde nicht mehr aktiv. Allerdings bin ich in ein neues Netzwerk eingestiegen – mastodon. Der Name erinnert an die inzwischen vergessene Bezeichnung für „Rüsseltiere“. Falls ihr denkt, dass dort nur männlichen Mitgliedern Zugang gewährt wird: Nein, absolut nicht. Nicht weil die Gattung der Mastodonten auch „Zitzenzähner“ genannt wird – sondern sowieso. Ich rate also allen Menschen mit Langmut und Elefantengedächtnissen, mich dort zu suchen.

Abgesang

Diesmal waren wir vielleicht etwas einseitig auf die Datingbranche konzentriert. Nächste Woche haben wieder „heiße“ Themen gegen die kalte Witterung zu bringen. Sie liegen schon im Brutschrank. Wie auch immer – die Liebeszeitung versucht, sich mit einem minimalen Budget über Wasser zu halten. Und euch wünsche ich, dass ihr trotz des kalten Wochenendes noch einige wundervolle Erlebnisse habt.

Die Woche – Apokalypse, Trends und Moralapostel

Viel entblättert haben wir im Oktober noch nicht – weder Gänseblümchen, noch Körper, noch Geist, noch Psyche. Die Frage ist ja: Was passiert, wenn du (oder DU?) dein Wohlanständigkeitskorsett ausziehst? Und die Antwort: Du fürchtest dich davor, wie jeder andere Mensch auch. Apropos: Das langsame Entblättern von angezogenen feinen Damen zu ganz gewöhnlichen Nacktfröschen mit „niedlichem“ Gesicht ist aus der Mode gekommen. Also verlangt bitte keine Halbakte von uns.

„Gemischte“ Paare aus dem Norden, Süden, Westen und Osten

Politisch stehen Ost-West-Paare an der Spitze der „echten“ deutschen Einheit. Ich denke, das musste mal gesagt werden, solange im sogenannten „Ostdeutschland“ immer mehr „Spaltpilze“ aus dem Boden wachsen. Also: Ein Tusch für Paare, die in Ost-West oder Nord-Süd-Beziehungen leben.

Behauptungen über Dating-Trends – frei erfunden

Meine Vermutung, dass „Slow Dating“ eine nachträglich „wissenschaftlich veredelte“ Behauptung von PR-Fritzen aus der Branche ist, bestätigt sich immer mehr. Das Paradoxe daran: Auch die gegenteilige Form, nämlich „übereilte Bindung“ wurde innerhalb der Dating-Branche erfunden – „Apokalypsing“. Ob beides wirklich „Trends“ sind? Das ist völlig unbewiesen. Aber gewisse Teile der Presse greifen jeden Blödsinn auf.

Die „neue Moral“ und der Weg in die Unfreiheit

Gut 60 Jahre nach der letzten „sexuellen Befreiung“ der Frauen melden sich junge Autorinnen, die jene Zeit werde kennen noch verstehen, um eine „Neue Moral“ in die Welt zu pusten. Leider ist es die alte Moral – die von ungefähr 100 Jahren aufgegeben wurde, um dem Gedanken der Freiheit und Selbstbestimmung Raum zu schaffen. Es ist, wie es ist: Freiheit ist bisweilen schwer zu ertragen, aber sie ist ein Menschenrecht. Der Weg zurück ist der Weg in die Zwänge. Und: Nein, von Frauen wird nicht verlangt, „verfügbar“ zu sein.

Aus diesem Grund brauchen wir auch keine „neue Sexualmoral“ – nicht, solange sie zu einer Reduzierung unserer Freiheitsrechte. Führen. Wenn ich „unsere“ sage, meine ich das Volk, das die Menschenrechte ohne „wenn“ und „aber“ genießen darf. Frauen übrigens ebenso wie Männer.

Polyamorie – und sinnvolle Themen für „frische“ Paare

Das einzige Thema aus der Grabbelkiste für Minderheiten in dieser Woche: Polyamorie. Wer darin eintauchen will, sollte wissen, worauf er/sie sich einlässt. Nur – bei gewöhnlichen Dates ist es wesentlich wichtiger, die Eigenständigkeit zu erörtern, die man auch in der Ehe für sich in Anspruch nehmen will.

Das gilt für alle Paare. Solche Fragen wären zum Beispiel: Wer folgt wem beim Ortswechsel? Was ist, wenn der Partner Freundeskreise hat, in denen er/sie mehr Freizeit verbringt als mit dem Ehepartner? Wie intim darf das Verhältnis auf geistiger, sozialer oder emotionaler Ebene zu einer Person des anderen Geschlechts sein? Klar – auch das sind nicht unbedingt Themen für das erste Date, aber es sind Fragen, die nicht auf Ideologien basieren. Und solche, die sich Paare früher oder später stellen müssen.

Marginalien und Ausblick

Nächste Woche werde ich – wenn ich kann – wieder darauf achten, dass mehr Gänseblümchen entblättert werden und ein paar emotionale Korsetts fallen. Diese Woche hatte ich einfach zu viel Trubel.

Ich hoffe, das wird in den nächsten Tagen besser. Ein bisschen Entspannung tut nicht nur mir gut, sondern vielen von uns, nicht wahr? Und in diesem Sinne dann: ein schickes Wochenende – ob mit Vanilleschoten oder Chilis.