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Schreiben ... Lust oder Therapie?

In diesem Blog schreibt niemand „über sich selbst“. Das liegt in erster Linie daran, dass Journalisten dies „normalerweise“ nicht tun. Zum Zweiten aber auch daran, dass es niemandem etwas angeht, wie wir uns persönlich „fühlen“ - und dann eben auch, weil niemand seine Persönlichkeit aus dem Fenster hängen sollte. Denn es gibt immer wieder bösartige Nager, die dies ausnutzen - übrigens völlig unabhängig vom Bildungsstand oder der zur Schau gestellten Moral. Einen Absatz will ich euch schreiben, dann aber wirklich nichts mehr zu mir:

Schreiben ist einfach eine Lust. Aus Fragmenten und hingeworfenen Textbrocken einen brauchbaren Text zu machen, der auf dem beruht, was man so in seinem Hundenäpfchen gefunden hat, ist ein großartiges Gefühl. Jedenfalls für mich. Ich weiß, was ich weiß, ich kann, was ich kann, und ich kann „einfach mal die Fresse halten“ wenn ich nichts weiß.

Wenn Schreiben eine Lust ist, dann hinaus damit ... und zwar, bevor dir die Worte im Hals stecken bleiben.

Solle Schreiben aber eine Therapie für sich sein - dann lass es "in der Öffentlichkeit" bleiben. Selbst, wenn Menschen vorgeben, sich dafür zu interessieren. Denn es ist auf keinen Fall gut, die Extrakte seines Befindens, auch Gefühle, Emotionen, Herz oder Seele mit Gießkannen zu verbreiten.

Wenn es "therapeutisch" sein soll - führe ein geheimes Tagebuch

Wenn es denn „therapeutisch“ sein soll, dann schreibt euer „Logbuch“ zuhause und behaltet es dort. Sagt uns nicht, wenn ihr wann kennengelernt oder gevögelt habt, wann ihr euch medizinische Einläufe habt geben lassen, was die Kartenschlägerin über euch gesagt hat und wie ihr belogen und betrogen wurdet.

In den letzten Wochen habe ich viele Blogs gelesen, die irgendwann aus einer Sehnsucht entstanden waren und von denen eine „therapeutische“ Wirkung“ erwartet wurde. Heute beschweren sie die Urheberinnen über Angriffe, Schreibunlust oder eine generelle Ermattung, die bis zur Depression reicht.

Habe ich jemanden verletzt? Wahrscheinlich. Aber ich verrate gerne das Geheimnis, wie sich all das vermeiden ließe, was viele Blogger heute bewegt:

Entweder, du liebst dich und das, was du schreibst, oder du versuchst endlich, dich zu ändern und Ordnung in dien Leben zu bringen.

Danke, dass ihr dies gelesen habt.

Die Wahrheit und die Sex-Blogger

Manche schreiben Fakten, manche geben sich Fantasien hin … doch jeder lesenswerte erotische Blog muss ein Ausdruck der Wahrheit sein.


Euphorisches Zitat einer Sex-Bloggerin

Ist das so? Und muss das so sein?

Jede und jeder, der im Internet Gefühle preisgibt und sie eben auch, als „seine“ ausweist, ist in Gefahr, mit dem Schmutz beworfen zu werden, den die „Wohlanständigen“ für solche Fälle aus ihren mentalen Toiletten holen.

Wer ein sogenanntes „Sexblog“ führt und dabei über sich selbst schreiben will, muss beispielsweise ein exzessives Sexleben führen – das normale Leben der üblichen Vanille-Gestalten interessiert keinen Menschen.

Was dann geschrieben steht,, soll wahr sein – doch wie wahr? Menschen schreiben ja ganz bewusst Fantasie-Gechichten, weil die Wahrheit nicht halb so schon ist wie die Lust mit Zuckerguss und Sahnehäubchen: Wohlige Orgasmen, animalische Ejakulationen, begleitet von einer schönen Umgebung, sanfter Musik und edlem Champagner.

Ich las:

Die ehrliche Sexbloggerin ringt in der Öffentlichkeit mit ihrem Ego, ihren Zweifeln, ihren Sehnsüchten und vielen Variation davon.


Die Idee in Ehren – doch habe ich in den letzten Wochen mehr über Zweifel, Verzweiflung und Frust „ehrlicher“ Sexbloggerinnen gelesen. Der Grund liegt größtenteils im Älterwerden, teils auch darin, bewusster zu werden - udn manchmal daran, dass ihnen die Schuppen von den Augen fallen: Das soll mein Leben gewesen sein?

Wer sich bewusst wird, was er schreibt, muss sich zwangsläufig eine andere „ehrliche“ Frage stellen: Hat es (noch) irgendeinen Sinn, mein Sexleben nach außen zu kehren? Und vor allem: Ist das, was ich da an in „aller Ehrlichkeit“ schreibe, wirklich die ganze Wahrheit? War immer alles Freude, Freude, Eierkuchen? Und überhaupt: Wäre nicht etwas anderes wichtiger gewesen, als möglichst oft zu vögeln?

So gesehen sind erotische Blogs, die absolut authentisch sind, entweder langweilig oder verlogen oder peinlich.

Und deshalb: Nein, ihr müsst nicht authentisch sein. Es reicht, wenn ihr wirklich gut und sinnlich schreiben könnt.

Erotische Tagebücher im Netz

Ich gebe eines gerne zu: Ich lese die wenigen noch verbliebenen erotischen Blogs. Ihre Inhalte schrecken mich einerseits ab, und andererseits animieren sich mich, die interessantesten und sinnvollsten Informationen auch weiterzugeben.

Das Abschreckendste, was ich lese, ist stets: „Ich kann mich nicht mehr retten und ich finde den Ausweg nicht - aber sonst mache ich alles richtig.“ Das Lapidarste sind diese dummdreisten „gesponserten“ Posts. Und das Sinnvollste steht oft in einem Nebensatz, den ich dann aufgreife.

Vor- und Nachteile erotischer Blogs

Erotische Blogs haben einen Vorteil: ihre Autorinnen (und wenige Autoren) sind unglaublich offen und zögern oft nicht, über ihre „inneren“ körperlichen und psychischen Befindlichkeiten zu schreiben. Sie bieten deshalb einen tiefen Einblick in das, was sonst eher verschwiegen wird: die Lust am Sex, die Lust am eignen Körper und die Lust an der völligen Hingabe.

Und sie haben Nachteile: Einseitigkeit, geschönte Informationen und psychische Verzweiflung, die sich merkwürdig mit übermäßiger Wollust paart.

Und die Wahrheit?

Einige von den Blogs, die ich noch nicht las, sollen von „Betrug am Partner“, sei er Ehebruch oder Vertrauensbruch, berichten. Angeblich wird „eine Menge“ darüber geschrieben, zum Beispiel um (1):


- Sich zu revanchieren, weil der Partner sie schon betrogen hat.
- Um der Langeweile (in der Beziehung) zu entfliehen.
- Zur Selbstbestätigung (ich bin noch attraktiv)
- Um besseren Sex zu finden und zu genießen.

Dabei wäre für mich die Frage, ob die Autorinnen (oder Autoren?) dies veröffentlichen, weil es so „chic spektakulär“ ist oder ob sie wirklich losziehen, um ihre Lüste und Bedürfnisse auszuleben.

Führst DU ein erotisches Blog oder ein anderes erotisches Tagebuch? Dann sag es einfach.

(1) Nicht wörtlich, aber sinngemäß nach einem Artikel in "medium".

Du bloggst? Gut – aber was machst du mit deinem Leben?

Bis vor einiger Zeit las ich noch gerne die Blogs jener Frauen, die ihr Sexleben öffentlich zelebrieren und dabei gelegentlich auch noch interessante Lebensweisheiten daraus ableiten. Jenen, die es wirklich schaffen, wünsche ich weiterhin viel Glück – und zwar von Herzen. Einer Tätigkeit zwischen Schwarzlicht und Rotlicht nachzugehen, dabei sein Selbstbewusstsein zu behalten und noch gut zu verdienen, ist nicht einfach.

Doch die anderen, die ständig schreiben, wonach ihre Seele dürstet und wie schwer es ist, sie mit Glück zu füllen, denen die Einkünfte niemals reichen, und die zwischen Euphorie und Verdruss schwanken, was ist mit ihnen?

Ich denke, viele sehen sich gerne im Rampenlicht und laben ihre Seele an den Speichelleckern, die ihnen „schön tun“ – was übrigens nicht nur für Erotik-Bloggerinnen gilt. Jedes „Like“ und jede andere positive Bewertung kann ein Lob sein – aber ebenso gut auch ein Fliegenschiss. Nein, ein Blog ist kein Lebensinhalt. Vor allem gilt dies für jene, die im Grunde endlich ihren Platz im Leben erobern müssten, aber genau diesen Platz nicht finden können.

Wenn die Gesundheit längst benagt ist, das soziale Leben wie eine Kartenhaus zusammenfällt und die Psyche fällig für die Mauser ist, dann gilt es, sich zu besinnen. Das eigene Leben ist zu wichtig, um es an obskure Existenzen zu verschwenden – gleich, ob sie Frauen oder Männer sind oder sich als Retter oder Samariter aufspielen.

Öffentlich seine Meinung zu vertreten, ist Herausforderung genug, zumal, wenn sie nicht dem Mainstream entspricht. Aber dafür muss man Zeit haben und unabhängig sein. Und wer anderwärts auch nur 10 Euro, Pfund oder Dollar pro Stunde verdienen kann, der sollte es tun.