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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Der Trieb, die Lust, die Verliebtheit, dein Gehirn und Du

Wie entstehen eigentlich Lust und Verliebheit?
Heute will ich euch eine Kurzfassung zu einem Thema geben, das ich kürzlich hier angerissen habe - wie die Lust in dir entsteht und was dabei herauskommt.

Habt ihr euch je gefragt, was nötig ist, damit ihr euch spontan verliebt? Und wie das alles funktioniert?

Ich versuch das in knappen und einfachen Worten zu erklären.

Nehmen wir an, dein Körper befindet sich in absoluter Ruhe, aber du wärest offen dafür, jemanden „an dich heranzulassen“.

Ein einziger Impuls kann die Lust auslösen

Nötig ist, dass es einen Impuls gibt. Ob du ihn durch einen Flirt auslöst oder du jemanden entdeckst, der dir optisch gefällt oder ob dich jemand berührt, und diese Berührung magst, ist nicht so wichtig. Du brauchst nur den einen Impuls, der dich „anstößt“.

Der nächste Schritt wäre, dass genau dieser Impuls von einem Teil deines Gehirns als „Vorbereitung auf eine sinnliche Begegnung“ gewertet wird.

Wenn das so sein sollte, setzt dein Körper chemische Botenstoffe ab, die dich „bereit“ machen. Die körperlichen Anzeichen wirst du selbst kennen, so hoffe ich jedenfalls.

Nachgeben, beeinflussen oder verweigern?

Je nachdem, wie du reagierst, insbesondere, ob dein Verstand „eingelullt“ wird oder ob er gegen den Angriff der Körperchemie arbeitet, wirst du dich entscheiden, möglichst schnell Geschlechtsverkehr aufzunehmen, damit noch zu warten oder aber auf „Ablehnungen“ umzuschalten. Das heißt, du kannst dem Naturtrieb nachgeben, ihn modifizieren oder ihn ablehnen.

Was kam am Ende dabei heraus?

Das weißt nur du. Und wie genau dein Verstand damit umgegangen ist, von Botenstoffen überflutet zu werden und dabei dennoch Daten aus deinem Leben verarbeitet zu haben, das weißt nicht einmal du - jedenfalls nicht nachvollziehbar.

Was du wissen kannst: Da ist ein Prozess vor sich gegangen, bei dem ein enorm starker Trieb wachgerufen wurde. Und er ist in einer höchst merkwürdigen Weise in einen Entscheidungsprozess übergegangen. Dabei wurden Daten aus deiner Vergangenheit und der aktuellen Situation verarbeitet - und am Ende gab es eine Entscheidung.

Solche ein Vorgang ist absolut normal. Und tatsächlich lässt sich dieser Entscheidungsprozess kaum nachvollziehen, weil viel zu viel unbekannte Daten verarbeitet wurden, die dazu beigetragen haben, wie du dich entscheidest.

Die Bereiche unserer Entscheidungen, in die wenig oder gar kein Licht fällt, nennt man eine „Black Box“ - der Begriff ist etwas aus der Mode gekommen, aber er ist sehr bildhaft. Du weißt, was dich angeregt hat und du kennst das Resultat - mehr nicht.

Die Frage, ob und wie du den Angriff der körpereigenen Drogen lenken kannst, bleibt leider unbeantwortet. Es kommt darauf an, wie offen du bist, ob du dich gerne auf die überwältigenden Gefühle einlassen möchtest, was dich beflügelt und was dich gegebenenfalls hemmt.

Die Theorie und die Praxis des Verliebens

Nicht jedes Bild bringt das Blut in Wallungen
Für manche Menschen besteht die Welt aus einem Teil, den man mal grob mit „biologisch“ bezeichnen kann, für andere aus einem geheimnisvollen Gebilde, dass wir „Emotionen“ nennen oder als „psychisch“ bezeichnen. Nun ein verschwindend kleiner Teil macht sich Gedanken darüber, welche Rolle das Gehirn spielt, bevor und nachdem die Hormone produziert und die Botenstoffe abgelassen wurden. Ja, es ist nicht einmal wirklich klar, wie die Impulse, die von außen kommen, verarbeitet werden.

Kommen wir mal zu den Unterschieden:

Alle nur biologisch?

Die „biologisch“ orientierte Gruppe meint, dass die „zuständigen“ Botenstoffe produziert werden, sobald man einen „erotisch begehrenswerten“ Menschen sieht. Andere Botenstoffe sorgen dann dafür, dass die Verliebtheit „in die Verlängerung geht“, während wieder andere dafür sorgen, dass man sich endgültig zusammenkuschelt.

Das Gedankengebäude ist aus biologischer (neurologischer) Sicht schlüssig – es erklärt aber nicht, warum die Prozesse nicht erkennbar „identisch“ ablaufen, so wie es bei den meisten anderen Säugetieren der Fall ist.

Alles nur emotional?

„Emotional“ wie auch „psychisch“ sind (jedenfalls für die Liebe) Wörter, die wir immer verwenden, wenn wir sagen wollen: „Es bewegt uns, aber wir wissen nicht, woher es rührt.“ Und wir finden dabei leicht heraus: emotionale Sichtweisen sind niemals wissenschaftlich abgesichert, sondern schwer erfassbare Zustände des Gemüts, die sich nicht messen lassen. Dazu passt auch, dass „Verliebtheit“ höchst unterschiedlich beschrieben wird.

Alles eine Frage des Denkens?

Das „Denken“ wird zu Unrecht verdächtigt, kalt und gefühllos zu sein. In Wahrheit steckt darin die Erfahrung – also die Möglichkeit, eine Situation vorauszuplanen und auf eine angemessene Weise auszuführen.

Dabei mögen „emotionale“ Impulse ebenso beteiligt sein wie die biologischen Drogen (Botenstoffe, Neurotransmitter) – das interessiert den Teil des Gehirns, der unser Handeln bestimmt, allerdings wenig.

Beispiele – wissen wir, was wie wirkt?

Nehmen wir mal mehrere Beispiele:

Person A. masturbiert. Sie benötigt dazu einen emotionalen Impuls, aber auch den Willen, es zu tun. Die Biologie stellt die nötigen Stoffe für die Kontinuität und die Belohnung bereit.

Frau B. flirtet heftig. Dieser Impuls ist angeboren und bedeutet zunächst gar nichts, aber sie weiß, was sie damit erreichen könnte. . Der Mann, den sie anflirtet, ist aber nicht interessiert. Nun denkt sie darüber nach, warum es nicht funktioniert hat.

Frau C. flirtet, ist sich aber dessen nicht bewusst. Sie handelt also aus einem Impuls heraus, der seinen Ursprung in einer natürlichen Funktion hat. Ein Mann näher sich und bekundet sein Interesse an ihr. Sie weist ihn empört zurück.

Herr D. sieht eine Frau und will unbedingt Sex mit ihr. Der Impuls ist ihm nicht fremd, aber auch nicht unbedingt üblich. Er denkt sich eine Möglichkeit aus, wie er die Frau überzeugen kann.

Frau E. geht zu einer Verabredung mit dem festen Vorsatz, einen Lebenspartner kennenzulernen und auf keinen Fall sofort „Sex zu haben“. Schon nach 30 Minuten spürt sie die Wirkung von Botenstoffen, die sie „feucht“ werden lassen. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht und versucht, so schnell wie möglich mit dem Mann ins Bett zu kommen.

All diese Beispiele lassen sich nicht „eindeutig“ auf emotionale, gedankliche oder biologische Prozesse zurückführen. Sie sind, im Gegenteil, für die Betroffenen nahezu undurchschaubar.

Was wissen wir wirklich?

Wir können sagen: Die Biologie ist für alle gleich, aber sie wirkt nicht bei allen in der gleichen Weise. Die Impulse (psychisch, emotional, entwicklungsbedingt) lassen sich nur schwer oder gar nicht erklären. Und was am Ende gedanklich oder gar in Handlungen herauskommt, ist nicht vorhersehbar, kann aber beeinflusst werden.

Bild: nach einem Zeitungsartikel über das Schlafen in fremden Betten, ca. 1950
Und eure Meinung zum Thema?