Skip to content
  Werbung

Die Woche: Ehebruch light, die Lust am "Aua", Dating und Unsinn

Die Woche war wirklich nervig - ich hätte euch gerne etwas wirklich Hübsches vorgetragen. Es begann mit CNM -einer dieser Wortschöpfungen, mit denen sich Leute unglaublich wichtig machen wollen. Welche Leute? Wissenschaftler. Und wer faselt alles nach, was von Wissenschaftlern abgesondert wird? Journalisten. Man kann’s Letzteren nicht mal verdenken, denn zur Zeit gibt es kaum sinnvolle Themen. Und das heißt (auch für mich) entweder Wiederkäuer werden oder aus den Rossäpfeln noch die verbliebenen Nährwerte herauszuholen. Und weil das CNM auch sogenannte Cuckcold-Beziehungen beinhaltet, haben wir uns gleich mal daran gemacht: Auch solche Themen darf man nicht den Interessengruppen (S/M, Pornofilmern und Swinger) überlassen. Und weil all das etwas im traditionellen Sinn etwas mit „Ehebruch“ zu tun hat, haben wir gleich malgeforscht, was eigentlich am meisten nervt beim Grasen in Nachbars Garten. Ehebruch "light"? Nö, das ist wirklich kein sehr hübsches Thema

Warum ist Lust mit "Aua" so beliebt?

Unsre bestreben, etwas „Authentisches“ über die Gefühlswelt der Würdigen, Unwürdigen und Merkwürdigen zu bringen, haben wir uns mal wieder um etwas gekümmert, das mit „Aua“ zusammenhängt. Zum Beispiel: Macht es Frauen Spaß, Männer zu schlagen? Und warum möchten manche Frauen erotisch geschlagen werden? Klar haben Psychologen darauf Antworten - aber mit denen kann man in der Lebenswirklichkeit nichts anfangen. Wir wollen nicht wissen, woher das rührt, was sie tun, sondern was ihnen HIER und JETZT dabei Freude bereitet.

Bei der Gelegenheit haben wir gleich mal aufgezeigt, was eigentlich eine Domina ist.

Dates - es geht nicht um "Fehler", sondern um falsche Ansätze

Kommen wir mal zu Dates: Das ist ja zu Corona-Zeiten kein leichtes Thema - aber es gibt eine Zeit danach. Wir sehen immer wieder, wie die Leute das Pferd „kennenlernen“ von hinten aufzäumen: „Was täten wir wohl, wenn wir schon ein Paar wären?“ Das ist echt Scheiße, Leute. Erstes seid ihr noch kein Paar, und außerdem habt ihr einen Sparren im Hirn, und der geht so:

„Was würden wir machen, wenn wir ein Paar wären und die Interessen, Verhaltenseisen und Lebensziele (insbesondere Sport und Hobbys) so blieben, wie sie heute sind?“

Wer das nicht begreift, den rette ich nicht mehr. Und ich sage auch nichts mehr dazu. Nachdenken hilft.

Ökonomie des Datings und falsche Annahmen darüber

Was dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zum Dating“ einfiel, kann ich nicht nachvollziehen. Sinngemäß shoppen die Singles Menschen, weil sie zu Narzissten geworden sind und denken, sie handeln dabei ökonomisch. in dem Artikel steht noch mehr Zeug, das ich für unzusammenhängend und wenig sinnvoll halte. Am Ende wird auf eine App hingewiesen, die angeblich alles ändert. Dazu sag ich mal: Plus ça change, plus c'est la même chose“. (1)

Der Handel mit Emotionen - vom Spiel bis zum Betrug

Ich persönlich mag nicht, wenn Frauen mit Emotionen „handeln“. Und Frauen mögen nicht, wenn Männer mit Emotionen handeln. Wenn sie es selbst tun ... na schweigen wie lieber davon. Die Wirklichkeit sieht ohnehin ein wenig anders aus: Der Handel mit Emotionen blüht, und dabei meine ich sowohl kleine, flirtive und spielerische Aktionen wie auch gigantische Betrugsmaschen. Das Fazit: Verschließt die Augen nicht, weil angeblich nicht sein kann, was nicht sein darf. Der Handel mit Emotionen ist so alt wie die Kulturgeschichtlich der Menschheit.

Marginalien

Ein Foto hat mich überzeugt. Ich sage mal klar und klipp, dass mich nicht mehr viele Fotos überzeugen. Und ich habe ein Motto für November gewählt. „Vorräte einsammeln und genießen.“

Zum Motto hier noch ein Hinweis: Nutzt das, was gerade noch geht ... verschiebt nichts und gebt euch mit dem zufrieden, was euch über den Weg läuft. Und natürlich: Wohl dem, der schon weiß, mit wem er sich einkuscheln könnte.

Ich wünsche euch im Namen aller eine fröhliche Woche trotz "Lockdown Light" und natürlich beste Gesundheit auf all euren Wegen.

Das Liebepur-Team

(1) Je mehr sich ändert, umso mehr bleibt alles gleich.

Die Cuckold-Beziehung – was ist das eigentlich wirklich?

Klischees über Cuckolds
Der Artikel "Die Cuckold-Beziehung – was ist das eigentlich wirklich?" befasst sich mit den Hintergründen, der Lebenswirklichkeit und den Fantasien von Männern, die ihren Ehefrauen beim "Fremdgehen" zusehen wollen.

Ein recht bekannter Autor und Kritiker von Erotik-Literatur schreib neulich (1),

Eine große Anzahl meiner Geschichten basieren auf Erfahrungen mit „Hotwives“ und ihren Ehemännern, die „Cuckolds“ sind. „Hotwives“ sind ein populäres Thema in der erotischen Literatur, und es macht Freude, über sie zu schreiben.

Was ist an den "Hotwives" so sexy?

Beginnen wir mal mit den Grundlagen: Was sind Hotwives und warum sind sie so sexy?

Hotwives sind überwiegend verheiratete Frauen, die sich in einem Milieu bewegen, das „Sex“ als eine Art „experimentelles Vergnügen“ ansieht. Die üblichen Emotionen wie Verliebtheit, Eifersucht und „emotionale Bindung durch Geschlechtsverkehr“ sind ihnen fremd oder mit den Jahren verloren gegangen. Worauf das zurückzuführen ist, wurde noch niemals untersucht. Sie selbst würden sich wahrscheinlich als „sexpositiv“ bezeichnen.

Treibt der Ehemann die Ehefrau zu sexuellen Experimenten an?

Die Frage nach dem „Warum“ ist immer müßig. Eine gängige Theorie, die auch in der einschlägigen Literatur ständig vorkommt, besteht darin, dass der Ehemann die treibende Kraft ist. Das heißt: Es wären dann seine Träume, die er mithilfe der Ehefrau verwirklichen will. Dem entgegen steht der Gewinn für die Frau, die auf diese Weise zu wechselnden Liebhabern kommt, ohne heimlich „fremdgehen“ zu müssen. Mit einem Satz: Falls die Frau den Wunsch hat, mit mehreren Partnern sexuell zu verkehren, kommt Cuckolding neben Triolen, Partnertausch, Swinger-Dasein und die Teilnahme an Orgien durchaus infrage.

Cuckolding in Frauenträumen?

Nach einer gängigen Überlegung ist jede Frau „sexy“, die sich als sexuell offen erweist. Mit ihr will jeder Mann flirten, und jeder, der den Mut hat, versucht, sie von sich als Mann und Liebhaber zu überzeugen. Wir wissen, wie sehr Frauen davon träumen, die Wahl zwischen mehreren Männern zu haben – sozial, emotional und sexuell. Wie so oft in der Welt der überzogenen sexuellen Fantasien, bleibt es zumeist beim Träumen.

Nach einer anderen Überlegung ist es der Mann, der sexuell oder emotional die Lust entwickelt, „seiner“ Frau dabei zuzusehen, wie sie mit einem Mann geschlechtlich verkehrt. Auch dieser Effekt ist oft beschrieben worden.

Die Frage nach der Initiative

Wenn eine unangenehme Frage ansteht, möchten viele Personen nicht die ersten sein, die einen Vorschlag machen. Das gilt auch für Paare, die sich nach „Erweiterungen“ sehnen. Insofern hoffen Paare oft, dass „der/die andere“ den Vorschlag unterbreitet. Wie die Entscheidungen zustande kommen, ist dennoch ziemlich unklar. Manche steuern „Brotkrumen“ aus, in der Hoffnung, der andere möge die Gedanken erraten, andere benötigen eine Sektlaune, um ihre Wünsche zusammenzutragen. Nirgendwo ist erkennbar, dass die Initiative ausschließlich „vom Cuckold“ oder „vom Hotwife“ ausgeht.

Die Verzerrung durch Pornografie

In der Pornografie wird das Thema außerordentlich häufig behandelt. Dabei werden Klischees verwendet, die nicht dazu dienen, eine Cockold-Beziehung zu erhellen, und es sind dies insbesondere fünf Punkte:

1. Der „Dritte“, auch „Bull“ genannte, muss weder maskuliner noch dunkelhäutiger sein als der Ehemann.
2. Die Bedeutung des „Dritten“ wird in der Pornografie übertrieben. Er wird offenbar eher „benutzt“ um das Szenario mit Inhalt zu füllen. Auch in der Literatur hört man wenig über seine Motive.
3. Der Ehemann muss nicht in einer „Weiblich dominierten Beziehung“ (FLR) leben.
4. Es gibt keinen Grund, beim Ehemann einen „kleinen Penis“ zu vermuten.
5. Es ist nicht üblich bei Paaren, Keuschheitsgeschirre im Einsatz zu haben.

Die Realität

Fasst man all dies zusammen, so bleibt eine Triole, in der das Geschehen von der Frau bestimmt wird. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass sich der Ehemann zunächst nicht beteiligt. Diese „Nichtbeteiligung“ wird der Fantasie wie auch in der Pornografie oft „erzwungen“. Wie die „Realität“ aussieht, weiß niemand – schon allein deswegen, weil das Geschehen ja nicht, wie etwa bei Swingern, „öffentlich“ abläuft. Spekulativ könnte man annehmen, dass die Paare eher erpicht darauf sind, diese „kleinen Geheimnisse“ zu wahren, weil sie für beide Teile ehrenrührig werden könnten. (2)

Da einzige, was wir an plausiblen Schilderungen finden konnten, war diese Aussage (3):

Ich weiß nicht, ob Cuckolding wirklich populärer wird. Die plötzliche Popularität” führe ich eher auf Pornografie oder auf Untergrund-Zirkel zurück, die Vanille-Sex ablehnen.

Können wir die Aussage verifizieren?

Theoretisch ist die Erfüllung einer sexuellen Sehnsucht immer davon abhängig, wie groß der Wunsch danach ist, wie hoch die emotionalen Hürden sind und letztlich, wie hoch der Aufwand ist, dahinzukommen. Bei Paaren kommt noch die Schwierigkeit dazu, Einigkeit über die Vorgänge an sich und über die Abläufe zu erzielen.

Beim Cuckolding (ausschließlich bei heterosexuellen Männern) geistert eine Zahl von 52 Prozent (4) durch das Internet – sie wirkt seriöser als viele andere. Obgleich in anderen Studien nicht explizit nach „Cuckolding“ gefragt wurde, sind die geheimen Träume am Zusehen, an Triolen und an Orgien weit verbreitet – auch bei Frauen.

Große geheime Lüste und feuchte Träume - wenig Realität

Wir stellen also fest: Die geheimen Lüste sind offenbar hoch anzusetzen. Dafür spricht auch die Popularität von „schmutzigem“ Cuckolding in der Pornografie. Die emotionalen Hürden sind vergleichsweise hoch - das gilt im Übrigen für jeden „Dreier“, besonders aber für FMM-Dreier, die von Frauen angestoßen werden. Und das Angebot an tatsächlich geeigneten „Dritten“ ist vergleichsweise niedrig.

Wer ist eigentlich interessiert?

Noch recht wenig Licht fiel bislang auf Männer, die ihrer Partnerin beim Verkehr mit einer Frau zusehen wollten. Aber auch auf Frauen, die dabei zusehen wollten, wie ihr Ehemann oder fester Partner sich mit einer Frau oder einem Mann vergnügt. Offenkundig glaubt die Welt, es sei stets der Mann, der sich der Spermienkonkurrenz aussetzen möchte und deshalb andere Gefühle billigend in Kauf nimmt.

Hinweise:

Dieser Beitrag ist in Teilen ein Meinungsbeitrag. Du kannst helfen, ihn zu verifizieren oder auch zu falsifizieren.

(1) Erotica Readers
(2)Psychology Today
(3) Nicht szenentypische Aussage in einem Forum.
(4) Washington Post.

Bild © 2020 by Liebesverlag.de

Seitensprünge, Sex, Propaganda und CNM

CNM kann alles sein ...
Die Welt der Abkürzungen ist um eine reicher geworden: CNM.

Wer es nicht weiß und es auch nicht „Googeln“ kann: Es bedeutet Consensual Non-Monogamy oder auf Deutsch: „Einvernehmliche nicht-monogame Beziehungen“.

Sehen wir uns zuerst an, was Menschen üblicherweise tun: Sie gehen Ehen und feste Beziehungen ein und bleiben ihrem Partner dabei möglichst lange „treu“. Kurze, zufällige, rein sexuell motivierte und verschwiegene Seitensprünge werden normalerweise unter den Tisch gekehrt. Sie kommen relativ häufig vor, bleiben aber zumeist unerkannt.

Der Begriff CNM ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche sexuelle Verhaltensweisen, deren Gemeinsamkeit lediglich zwei Punkte umfasst.

1) Die Protagonisten sind eine Ehe oder fest Beziehung eingegangen.
2) Sie haben vereinbart, dass für einen der Beteiligten oder beide außereheliche sexuelle Beziehung möglich sind.

Deswegen lesen wir in einem Zitat (1) auch:

CNM-Beziehungen kommen in unterschiedlichen Formen, von Polyamorie über offene Beziehungen bis hin zu Swinging oder Cuckolding. (2) Es gibt viele unterschiedliche Strukturen, und … verschiedenartige Personen bevorzugen möglicherweise sehr unterschiedliche Arrangements.

Unglaublich viele notorisch untreue Ehepartner?

Eine recht neue und oft gelesene Behauptung geht nun dahin, dass es „unglaubliche viele Paare“ gibt, die gemeinsam oder getrennt lustvolle sexuelle Erlebnisse mit Dritten haben. Diese Behauptung wird gewöhnliche aufgestellt, um zögerliche Personen zu überreden, einfach mal „mitzumachen“.

Wissenschaft, Mischmasch und Wahrheit

Handelt es sich um „wissenschaftliche“ Berichte oder Umfragen, muss man sehr genau auf die Wortwahl und die Quellen achten. Wenn eine von fünf Personen schon einmal in eine „offene Beziehung“ verstrickt war, heißt das nicht, dass er darüber vorab eine Vereinbarung hatte. Noch fragwürdiger sind „Befragungen“, die darauf hinauslaufen, ob die Probanden eine solche Beziehung eingehen würden. Und schließlich gibt es immer noch eine Studie, die uns sagt, wie viele Personen davon träumen würden, mit einem Dritten oder einer Gruppe sexuelle Vergnügungen auszuleben – diese Personen waren zwar ehrlich, sprachen aber über sexuelle Fantasien.

Wie die Presse auf das "Phänomen" aufmerksam wurde

Die Presse wurde auf das „Phänomen“ der CNM erst aufmerksam, als Wissenschaftler behaupteten, dass es solch ein Phänomen gäbe. Dabei wurden sehr wenigen Probanden nach sehr viel befragt. Nach mir vorliegenden Informationen waren es lediglich 123 Personen „gewöhnlichen“ Beziehungen und 76 Personen in CNM-Beziehungen. Die Ergebnisse sind keinesfalls spektakulär, sondern bilden lediglich das Befinden von Personen mit unterschiedlichen sexuellen Vorstellungen ab.

Und die Wahrheit?

Nimmt das Interesse an Monogamie wirklich ab? Und sind verschwiegene Seitensprünge bereits ein Indiz dafür? Müssen wir uns auf eine ganz andere Welt der Beziehungen einstellen? Oder fallen wir auf eine gezielte Verführung von Interessengruppen herein?

Das wird weitgehend davon abhängen, ob wir „nur Sex“ oder „nur erotisches Spiel“ von der tiefen Liebe und Zuneigung abtrennen können. Die Frage ist wissenschaftlich zwar geklärt, aber das heißt nicht, dass diese Erkenntnisse mit unserem eigenen Lebensstil, unseren sozialen Gegebenheiten und unserem Wunsch übereinstimmen. Mit anderen, einfachen Worten: Die Eifersucht oder das Schämen kann heftig sein, auch wenn uns klar ist, dass es „nur“ Sex war.

Interessengruppen versuchen, Einfluss auf Berichte zu nehmen

Kein Zweifel besteht hingegen daran, dass es Interessengruppen gibt, die den Seitensprung „hoffähig“ machen wollen. Neben den Verlautbarungen der „üblichen Verdächtigen“ aus der einschlägigen Szene wurde nun auch eine Umfrage bekannt, nach der „Monogamie an Beliebtheit“ verliert. 3600 Personen wurden befragt, und dabei kam angeblich heraus, dass.

Monogamie zunehmend ein Rohrkrepierer ist, da Menschen, die sich (derzeit) verabreden, keine Single-Partner-Beziehungen mehr bevorzugen.

Und wer hat es festgestellt? „Seeking Arrangements“, ein Portal, das „Sugar Babys“ und „Sugar Daddys“ zusammenbringt. Na denn …

(1) Zitat Lehmiller (Blog)
(2) Polyamorie - Liebe auf mehrere Personen aufteilen, Swinging - Wechsel der Geschlechtspartner in Anwesenheit des ständigen Partners. Cuckolding - Geschlechtsverkehr eines Dritten mit der ständigen Partnerin.
(3) Zitat unten: Toronto Sun
(4) Daten und Fakten: Psychology Today sowie ausführlich in sagepub.

Liebeszeitung: Was machen wir anders oder gar besser?

Gestern habe ich euch berichtet, warum wir eigentlich so sind wie alle anderen „Lifestyle-Magazine“ auch: Wir schreiben über Themen, die gerade in der Luft liegen, die aber eigentlich nicht „wirklich“ aktuell sind.

Doch was machen wir anderes? Was können wir besser?

Wir beleuchten Hintergründe - ohne Ehrfurcht

Vor allem beleuchten wir die Hintergründe. Vor allem bei „wissenschaftlichen“ Artikeln. Die Ehrfurcht mancher Redakteure vor „den Wissenschaften“ ist enorm. Fast möchte man meinen, sie verwechselten die Wissenschaft mit der Religion – was von dort kommt, darf nicht hinterfragt werden.

Wir hinterfragen gezielter

Ich stelle die Fragen. Aus welchem Grund wurde geforscht? An wem wurde geforscht und an wie vielen Probanden? Welche Mittel wurden dabei eingesetzt? Sind die Grundlagen und Verfahrensweisen glaubwürdig? War die Fragestellung übereghaupt relevant, und wenn ja, für wen? Und die Ergebnisse? Welche Fakten haben die Wissenschaftler wirklich zutage gebracht und wie viel Interpretation steckt darin?

Ich behaupte: Die Liebeszeitung kann es besser. Wir schreiben über Forschungen – wir schreiben nicht ab, was Forscher uns in die Feder diktieren.

Auch wir haben unsere schlechten Tage

Ich will nicht verleugnen, dass wir gelegentlich überkritisch sind, um dann wieder etwas unkritisch zu sein. Das war bei „Sugar Babys“ ebenso der Fall wie bei einer abgeblichen Cuckold-Studie. Wir halten dies aber für erotische Randthemen. Wenn es um uns alle geht, um unsere Existenz als Lebewesen, als Mensch, als Frau oder Mann, dann sind wir kritischer. Und einen Satz muss ich unbedingt hinzufügen:

Definiert euch selbst – lasst euch nicht von anderen definieren, bewerten oder gar entwerten.

Cuckolding - der mehrfach verfälschte Begriff

Das Urbild: der gehörnte Ehemann
Im Grunde ist „Cuckolding“ nichts anderes als Ehebruch oder Betrug der Ehefrau gegenüber dem Ehemann. Dabei setzt die Ehefrau dem Mann „Hörner auf“, sodass er zum Hahnrei wird. Das Wort „Cuckold“ geht auf die Eigenschaft des Kuckucksweibchens zurück, ihre Eier in fremde Nester zu legen und dort bebrüten zu lassen.

In der „neuen“ Bedeutung, die man dem Wort gegeben hat, wird ein Graubereich der Pornografie einerseits und des sexuellen „Lifestyles“ andererseits angesprochen. Dabei wird „Cuckolding“ als eine Art „mitwirkender Ehebruch“ bezeichnet.

Wie funktioniert "Cuckolding"?

Rein von der Verfahrensweise geht "Cuckolding" so:

Einer der Partner eines festen Paares wünscht sich, dass der andere Partner beim Ehebruch zusieht. Die „klassische Situation“ besteht darin, dass die Ehefrau den Ehemann betrügt, währen dieser anwesend ist, und zwar mit dessen Einwilligung. Der Ehemann wird also zum Voyeur beim Geschlechtsakt seiner Ehefrau mit einem Fremden.

Realität, Szenerien und Verwirrung

Solche Praktiken werden manchmal in erotischen Romanen beschrieben. In pornografischen Filmen ist der „Dritte“, im Gossenjargon der Szene auch „Bull“ genannt, deutlich kräftiger und besser „bestückt“ als der Ehemann.

Die Rolle des „Dritten“ ist - darüber sind sich alle einig, die darüber schreiben, ausschließlich sexueller Natur. Eine Beziehung wird weder erwartet noch ist sie erwünscht.

Die Szenerien, in denen Cuckolding“ betrieben wird, sind erstens die Swinger-Szene und zweitens die BDSM-Szene, also im Grunde Szenerien, die dem Normalbürger befremdlich erscheinen.

Es gibt Autoren, die den Begriff den Bedürfnissen der Szene anpassen, was sich dann so liest:

(Heute) kann das Cuckolding in jeder Zusammensetzung durchgeführt werden, unabhängig davon, wer beobachtet und wer Geschlechts mit einem Dritten oder einer Dritten hat.

Mittlerweile mischen sich auch bereits Therapeuten in die Diskussion ein und empfehlen Cuckolding zur Lösung von Eheproblemen.

Cuckolding ist eine großartige Möglichkeit, die Kommunikation in einer Beziehung zu stärken ... Paare, die es mit Cuckolding versucht haben, berichten oft, dass es die Bindung zwischen ihnen stärkt, da sie sich gegenseitig vertrauen und offen über ihre Wünsche sprechen können.

Cuckolding als Ehetherapie?

Dabei werden zwei Aussagen vermischt, die im Ursprung nichts miteinander zu tun haben: Die Fähigkeit, über sexuelle Sehnsüchte zu sprechen und daraus etwas zu folgern, ist ohne Zweifel positiv. Negativ ist hingegen, diese Praktik als Heilmittel für angeschlagene Ehen zu empfehlen.

Allerdings ist diese Methode inzwischen ziemlich üblich geworden: Die Mainstream-Presse übernimmt den Jargon der Abweichler, um daraus mithilfe von fragwürdigen Wissenschaftlern neue Regeln für Lust und Liebe zu kreieren.

Letztendlich kann der Leser (oder auch ein hilfesuchendes Paar) dabei nicht unterscheiden, ob man gerade ein Porno-Märchen liest oder ob ernsthafte Menschen vertretbare Ratschläge geben.

Bild: historische britische Darstellung
Zitate aus "Cosmo", UK englisch, Autorin: Emily Gulla