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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

In Wahrheit keine Innovationen beim Online-Dating

In den 2010er-Jahren war Online-Dating zwar auf dem Höhepunkt seines Erfolgs – aber schon damals wurde klar, dass es an Innovationen fehlt. Allerdings hatte zu dieser Zeit kaum jemand mit dem Siegeszug der Dating-Apps gerechnet, die ab 2012 nach und nach Fahrt aufnahmen.

Das Smartphone (Handy) sorgte für Umsatz - aber nicht für bessere Erfolge

Dennoch änderte sich wenig. Das Smartphone ist und bleibt ein Mittelding zwischen Informationsmedium und Spielzeug, und genauso wird es auch genutzt. Das bedeutet letztlich: Weder die Anzahl der „User“ noch die Umsätze sagen etwas über die Effektivität der Partnersuche aus. Die Erfolgsquote in Prozent lag zuletzt überwiegend im Bereich der einstelligen Zahlen, wenn man von den traditionellen Marktführern und gewissen Nischenanbietern einmal absieht. Nur PARSHIP veröffentlichte bis vor einiger Zeit Zahlen – sie lagen bei gegen 35 Prozent. Der Singlebörsen-Vergleich bestätigt 2018 diese Zahl in etwa. (1)

Vor längerer Zeit: Der Selbstläufer Online-Dating stolpert

Doch all das ändert nichts daran, dass es keine echten Innovationen gab – und dies seit Beginn der deutschen Online-Dating-Szene. Dazu schreibt die Wirtschaftswoche (2):

Außer ein paar kosmetischen Updates – etwas Swiping hier, einem „AI-Algorithmus“ dort – haben sich Datingplattformen in ihrem Kern kaum verändert. … Jede noch so schöne Oberfläche ändert nichts daran, dass Onlinedating 2022 Onlinedating 2005 verwirrend ähnlich sieht. Smartphone und technischer Fortschritt haben die Benutzung zweifelsfrei sehr verbessert. Wirkliche Innovation sieht jedoch anders aus.

Das liegt vor allem daran, dass Online-Dating als „Selbstläufer“ geplant war. Denn die Partnersuch-Maschinen, einmal programmiert, liefen sozusagen „wie am Schnürchen“. Wer wissen wollte, wie denn die „tollen Passungen“ (Matches) funktionierten, wurde stets nassforsch mit dem Argument des „Geschäftsgeheimnisses“ abgefertigt. Das allerdings hinderte niemanden, eigene, ebenso undurchsichtige „Algorithmen“ zu programmieren.
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Die Partnersuche läuft jetzt ... ja, wie denn bitte?

Über den Sinn von Artikel über die Partnersuche kann man streiten - über diesen kaum. Er erschien bei Heise und betrachtet die Dating-Apps, die in den letzten Monaten oftmals verflucht wurden.

Doch die Alternativen belieben nebulös: Eine alternative Partnervermittlung in New York City? Und noch eine Lebensberaterin und Heiratsvermittlerin aus den USA, mit ebenfalls nur dürftig belegten Fakten?

Wäre da nicht die vollmundige Überschrift, hätte ich den Artikel gar nicht gelesen: Vergesst Tinder: Die Partnersuche im Netz läuft jetzt anders.

Ja, anders - da sollte mal jemand was finden, was da „anders laufen“ könnte, denn viele haben die Nase voll von den Tinderellas.

Nur - zwei Namen hinzuwerfen, die wenig Popularität genießen und zwei Konzepte, die eher nebulös geschildert werden - das ist eben nicht die Zukunft.

Jede Partnersuche hat ihre Tücken

Die Dating Branche ist sehr bemüht, uns weiszumachen, sie hätten die Wege gefunden, uns zu glücklichen Paaren zusammenzuschweißen. Das Einzige, was sie dafür wollen, ist unser Geld. Immerhin verlangen sie nicht gleich unsere Seele. Je nach Unternehmen kommen zwei Drittel bis zu „nahezu alle“ als Single wieder heraus. Das scheint ganz normal zu sein: Du zahlst viel und bekommst wenig.

Soweit die Meinungen vieler, die enttäuscht wurden. Doch was ist die Wahrheit?

Eine Datenbank, ein paar Algorithmen - na und?

Partnersuchende vergessend dabei oft, dass die Online-Partnervermittler bestenfalls über Datenbanken und ein paar Algorithmen verfügen, aus denen heraus Vorschläge entstehen. Und die Klügeren unter den Partnersuchenden ist klar: Da muss ich mir vor allem mal selber klar darüber werden, wen ich wirklich will. Und aktiv werden, sonst passiert gar nichts. Die weniger Belichteten glauben offenbar, dass Maschinen Beziehungen herbeizaubern können. Mögen sie damit selig werden.

Nun ergibt sich jedoch die Frage: Was ist mit den anderen? Mit all diesen wunderbaren Apps? Sie leben von anderen Mythen. Einer der neuesten ist: „Weil dies App von einer Frau entwickelt wurde, ist die zuverlässiger.“ Ich höre oft ähnlichen Blödsinn. Mythen sind Marketingargumente – die Realität ist schnöde und spielt kaum eine Rolle. Wundert sich da noch jemand, wenn Partnersuchende inzwischen selbst an Realitätsverlust leiden?

Geht es schneller? Geht es anders? Viele Fragen. Wenig Antworten.

Traditionelle Partnervermittler(innen)

Die „traditionellen Partnervermittler“ sind teuer. Das müssen sie sein: Kleine Datenbanken, Menschen mit erheblich überzogenen Forderungen, teure Akquisition. Was aber nicht heißt, dass sie jemanden finden werden.

Dating Apps

Dating-Apps und auch Single-Börsen sind Jahrmärkte, auf denen sich Menschen für nahezu alles anbieten, was geht. Denn unter dem Schirm des „Datings“ geht eigentlich alles. Anders ausgedrückt: Es ist mehr drin, als draufsteht, aber es gibt massenweise Nieten und nur wenig Gewinnlose. Was nun wieder heißt: Es ist ziemlich viel Glück notwendig, um die goldenen Haarnadeln aus dem Heuhaufen herauszuziehen. Sex ist deutlich schneller zu finden.

Blogs, Online-Ratgeber, Bücher

Na ja, ich führe selbst ein Blog, aber ich führe es selbstlos. Normalerweise erfährt man in „professionellen“ Blogs nach ein paar durchaus interessanten Hinweisen, dass es da eine Methode gibt, die absolut unschlagbar ist – vielleicht. Oder auch nicht. Wenn sie ein Buch anpreisen, das antiquarisch im Buchhandel zwei Euro kostet, machst du nichts falsch. Bei einem Online-Kurs für 50 Euro kann das schon anders aussehen. Ansonsten gilt: Alle kochen mit Wasser. Vor allem online. Und sie schreiben nahezu alle von anderen ab.

Richtige Kurse und Coaching

Das Problem mit Kursen dürfte bekannt sein: Man braucht das „Allgemeine“, um die Interessen aller Teilnehmer zu berücksichtigen. Was wieder heißt: Auf deine speziellen Probleme kann der Leiter (die Leiterin) nur sehr begrenzt Rücksicht nehmen. Und so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du am Ende zwar klüger bist, aber dennoch keinen Partner findest. Und eines bleibt dir mit Sicherheit nicht erspart: Du brauchst einige Dates, um das, was du gelernt hast, auch im „echten Leben“ zu erproben. „Coaching“ ist individueller, teurer aber keinesfalls sicherer. Am Ende, so schrieb eine Bloggerin, musst du es doch noch umsetzen.

Sie können dir alle dieses Tricks und Tipps verraten, die du willst, aber am Ende ist es eben ein Mensch, den du willst, und sie verkaufen keine Menschen. Werde dir also klar, wofür du sie bezahlst und dass du dich mit dem wohlfühlst, was du von ihnen bekommst.


Sie – wie auch ich – verkennt keinesfalls, dass es Hemmungen, Flaschenhälse, Ängste und „schlechte“ Erfahrungen gibt, die durchaus überwindbar sein können. Aber dazu reicht das „Coachen“ kaum, vor allem nicht das heut übliche „zielgerichtete“ Coachen auf ein bestimmtes Ereignis nicht.

Warum ich das sage? Weil die Beziehungen zwar mit einem gelungenen Date anfängt, aber dann noch lange nicht gefestigt ist.

Zitat von Shani Silver.

Die Zukunft des Online-Datings - rosig oder dunkelgrau?

Nein, sie strömen derzeit nicht alle zum Online-Dating
Ja - jetzt geht FACEBOOK an den europäischen Markt. Da sagen die einen: Typischer Fall von „na, die nun auch - bisschen spät, was?“, die andren sagen: „Oh, das wird aber hart für die Wettbewerber“.

Im Moment scheinen die Wettbewerber allerdings nicht zu zittern - jedenfalls nicht von FACEBOOK. Ihr eigentliches Problem ist die lange Phase des „Austrocknens“. „Dating“ ohne echte Dates kann man sich schönreden, aber die aufgeschminkte Zuversicht ist schnell als Maske erkennbar.

Niemand kennt den Trend

Derzeit weiß niemand genau, wohin der Trend geht, wobei man durchaus nachfragen darf: „Welcher Trend denn?“ Dating-Apps stehen im Ruf, weitgehend eine Art „Freizeitvergnügen“ zu sein - und das widerspricht eigentlich ihrem Zweck. Casual Dating ist riskant, weil sich wechselnde Paare abseits von allen Hygieneregeln begegnen. Und Matchmaking (Online-Partnervermittler)? Sie verbreiten den Glauben, dass zunächst alles ohne „Anfassen“ geht und die zukünftigen „echten“ Begegnungen viel erfolgreicher werden.

Fragwürdigen Marktprognosen

Die Prognosen, die wird derzeit lesen, sind so gut wie alle nicht für Journalisten, sondern für Investoren bestimmt. Dabei weiß niemand, wohin die Trends gehen. Ist die Pandemie einmal überwunden, wird es vermutlich kurzfristige Steigerungen geben, danach wird der Umsatz wieder stagnieren.

Woher die Glaskugelseher ihre enorm positiven Prognosen für 2024 hernehmen (45 Prozent Zuwachs gegenüber 2020), ist mir schleierhaft. Denn so viel ist sicher: Online-Dating ist zwar ein Standard geworden, aber er ist inzwischen ein ungeliebter Standard. „Erste Dates“ haben nun einmal eindeutig die Tendenz, negativ auszugehen. Und das ist schwer zu begreifen, obwohl es im Grunde logisch ist. Warum sollte das erste Date mit einem Unbekannten zum Verlieben führen?

Der Traum vom Online-Dating - aufgeheizt

Gegenwärtig ist die Situation auch ohne Covid-19 heikel: Viel zu viele Menschen stürzen sich auf „Online-Dating“, ohne zu wissen, auf was sie sich einlassen. Wenn sie merken, was es für sie bedeutet, reagieren sie enttäuscht. Und nicht wenige sind „richtig sauer“, weil sich ihre Wünsche nicht erfüllen lassen - weder „online“ noch sonst wo.

Der Benutzer - der Kunde - Du?

Was bedeutet Online-Dating oder ein „erste Date“ wirklich?

Es bedeutet, mit sich im Klaren zu sein und sich auf andere einzulassen. Schon daran scheitern viele Partnersuchende. Die hohen Erwartungen, die ein Online-Partnersuchende an seine Partner(innen) stellt, sind zumeist kaum erfüllbar. Das Ziel, mit möglichst wenigen Begegnungen einen perfekten Partner zu finden, erweist sich recht bald als unerreichbar. Zudem bemerken die meisten Partnersuchenden, dass sie ihre zeitliche und emotionale Belastbarkeit falsch eingeschätzt haben. Und beides kann an den persönlichen Ressourcen zehren.

Stagnation? Vor allem im Denken der Suchenden

Ein Umdenken ist kaum zu erwarten. Die sogenannten „Ansprüche“ steigen solange, bis sie zu Staub zerfallen. Konnte man in den 1980ern noch Personen über 30 finden, die absichtslos „aus dem Raster“ fielen, so ist dies heute anders. Recht viele Menschen suchen so lange mit unsinnigen Ansprüchen, bis sie buchstäblich „auf der Resterampe“ landen.

Was wird die Zukunft bringen?

Die Zukunft ist nichts als die Fortsetzung der Gegenwart. Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es kaum noch wirklich innovative Ideen für „ernsthafte“ Partnersuchende. Nahezu alle, die heute ernsthaft suchen, leben in und mit diesem Dilemma. Ich fürchte, sie werden es noch einigen Jahre tun müssen - und es liegt nicht allein an den Online-Dating-Anbietern.

Eine rosigere Zukunft wird nur möglich sein, wenn es zu einer Erwartungs- und Verhaltensänderung seitens der Partnersuchenden kommt. Ob dies im Sinne der Anbieter ist, muss bezweifelt werden. Sie leben wirtschaftlich sowohl vom Erfolg wie vom Frust - auch ohne Wandel oder Innovationen.

Vergleiche gerne diesen Artikel mit den betont positiven Prognosen - hier.

Sind Online-Dater „Psychopathen“?

Partnersuchende online - Seelenlose, selbstbezogene psychische Wracks?
Wenige Probanden, viele Vermutungen und spektakulär aufgemachte Ergebnisse - das ist die Masche, die bei vielen „wissenschaftlichen“ Veröffentlichungen verwendet wird.

Diesmal waren es Wissenschaftler aus Linz, die ein dreiwöchiges Experiment an 555 erwachsenen Personen durchführten. Man untersuchte ihr Verhalten an Smartphones unter Einbeziehung von Dating-Apps und baten die Teilnehmer zusätzlich, an zwei Tests teilzunehmen. Einmal unterwarfen sie sich den „Big Five“, der vielfach auch von Online-Dating-Firmen verwendet wurde. Dann aber auch einem Test auf die „Dark Traits“, also Eigenschaften, die von Psychologen negativ bewertet werden.

Ihr Ergebnis vorab, so wie es in die Presse kam (Forbes):

Bei emotional weniger stabilen Personen war die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie Dating-Apps verwendeten.

Was heißt das für Dich, wenn du Dating-Apps benutzt?

So gut wie gar nichts. Wer einen Partner sucht, muss seine Persönlichkeit zwangsläufig in den Vordergrund stellen. Und er benutzt dazu, wie die meisten Säugetiere, oftmals eine übertriebene Werbung, die imponieren soll. Der/die Partnersuche steht dabei in Konkurrenz zu vielen anderen. Dabei ist auch klar, dass er/sie „nicht teilen“ will – seine/ihre soziale Aufgabe sieht er/sie darin, den Partner „für sich selbst“ zu finden, und dies höchst eigennützig.

Eigennutz und Gemeinnutz bei der Partnersuche

Wer aus Eigennutz, zum Beispiel aus Fortpflanzungswillen handelt, kann, unabhängig von den Methoden, mit denen er/sie sucht, durchaus als „sozialverträglicher Mensch“ angesehen werden. Sobald Eigennutz auch der Gesellschaft zugutekommt, verliert das Wort seinen bösen Beiklang. Und: Sind sich „Wissenschaftler“ eigentlich klar, dass sich Partnersuchende (aber auch nach simpler sexueller Befriedigung Suchende) in Ausnahmesituationen befinden, die eben nicht der „Alltagsnormalität“ entsprechen? Offensichtlich nicht.

Zwischenbilanz - keine schlüssigen Beweise für "emotionale Instabilität"

Für diejenigen die nicht weiterlesen wollen, weil sie Details hassen:

Die Forschung hat keinesfalls den Beweis erbracht, dass Benutzer von Dating-Apps Psychopathen sind - und auch nicht, dass sie emotional generell weniger stabil sind.
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