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Die Partnersuche wird entwertet – durch Apps

Virtuell zu lieben ist viel schöner ... oder?
Ganz zu Anfang der Appedemie(1) habe ich einmal behauptet, das Online-Dating würde durch die „neuen“ Dating-Apps entwertet.

Selbstverständlich hat man mich nicht erst genommen. Die Branche kennt nur eines: Profit um jeden Preis – und warum auch immer – noch läuft das Geschäft mit ständig neunen „Apps“, die eigentlich das Geld nicht wert sind, das die Investoren dafür hinausgeworfen haben – wenn nicht - ja, wenn es nicht immer wieder einen Bedarf gäbe.

Und jetzt? Angesicht der Pandemie und der Körperkontakt-Sperren fällt etwas Licht auf Apps, das eigentlich von vornherein klar war: Die jungen Leute, die es heute nutzen, sehen darin eine Art Spielzeug, das zur virtuellen Welt gehört wie die verdammten Netzwerke, in denen sie ihre Zeit vertrödeln. Oder mal in einer klaren Ansage (Zitat, 2):

Die 18-Jährigen, die heutzutage die App nutzen, sind im Gegensatz zu ihren Vorgängern … in Social-Media-Apps aufgewachsen und sehen diese virtuelle Welt als etwas ganz Natürliches an, (denn) bei Online-Spielen dieser Generation geht es nicht nur darum, ein Treffen im wirklichen Leben zu organisieren, sondern auch darum, Online-Erfahrungen zu sammeln.

Und die Zukunft? Wenn es nach den App-Gurus gehen würde, dann wäre die digitale Welt der natürlichen Welt absolut gleichwertig, was nur logisch ist: denn am Kontakt in der natürlichen Welt verdienen die Dating-App-Produzenten keinen müden Cent. Warum sollten sie dann daran interessiert sein?

Und was sagt der Autor der BBC dazu, der den Artikel über die Entwicklung in der App-Szenerie führte? Zunächst das Zitat (3):

In einer Welt anhaltender sozialer Distanzierung muss dieses Credo möglicherweise auch in gewissem Maße auch von älteren Partnersuchenden akzeptiert werden.

Was geschehen würde, wenn wir die reale Welt der virtuellen gleichstellen würden, wage ich nicht einmal zu denken. Und die Jugend mag ja in manchen Punkten merkwürdig sein, aber virtuelle Kontakte gegenüber physischen Kontakten zu bevorzugen – so meschugge kann eigentlich niemand sein.

(1) Appedemie - Seuche der sich epidemisch sich verbreitenden "Apps".
(2) Elie Seidman von "Tinder"
(3) Dougal Shaw, BBC Mitarbeiter.

Bleib zuhause ... und die Online-Dating-Hölle

Die Hölle - sobald du deinen Begierden nahe kommst, verschwinden sie ...
Die Hölle ist der Ort, an dem es jede beliebige Art der Verführungen gibt, aber keine Befriedigung. Versuchst du, nach dem Begehrenswerten zu greifen, dann verschwindet die Erscheinung, die dir etwas verheißen hat.

Dieses Bild der Hölle vor Augen, muss ich an diejenigen denken, die jetzt Dating-Apps durchpflügen und sich dem Wahn von Video-Chats hingeben.

Zunächst: Frauen und Männer - ich kann euch verstehen. Ich habe auch Verständnis für eure von Sinneslust und Bedürftigkeit zerfressenen Seelen. Und ich spüre mit euch die Sehnsucht, irgendwie aus euerer Misere herauszukommen.

Einem Klischee folgend, sind Männer Drängler, die gar nicht warten können, bis sich der Reißverschluss öffnet, während Frauen eher zärtlichkeitssüchtige Romantikerinnen sind, die nicht mögen, wenn ihnen die Tür des Hosenstalls sozusagen ins Haus fällt. Jenseits der Klischees frönen Männer und Frauen aber durchaus jenen Leidenschaften, die sich überwiegen im Bereich der Lenden abspielen.

Männer mit Schaum vor dem Mund im Rampenlicht?

Bleiben wir einen Moment bei den Männern, und betrachten wir nur jene, die schon Schaum vor dem Mund haben, Für sie sthet gegenwärtig nicht einmal ein Bordell zur Verfügung, was letztlich heißt, dass sie in den gleichen Teichen fischen wie diejenigen, die dringend auf einen ONS oder einen anderen feuchten Genuss „auf die Schnelle“ warten. Wer das für „an den Haaren herbeigezogen“ hält, weiß vermutlich nicht, dass „Dating“ völlig wertneutral ist, ebenso wie das deutsche Äquivalent „Begegnungen“. Das galt schon immer, aber die modernen Apps haben als Brandbeschleuniger der Begierden gewirkt. Klartext: Apps dienen dazu, die Begierden möglichst schnell zu verwirklichen.

Auch Frauen sehen sich nach Sex

Dabei kommen wir zu den Frauen. Ein Teil von ihnen ist bedürftig im Sinne von Geborgenheit zu empfinden, jemanden zu küssen, sich von einem Mann hautnah berühren zu lassen. Ein anderer Teil ist „bedingt Notgeil“, was bedeutet, das gegenwärtig die erstbeste, als halbwegs sicher erkannten Gelegenheit genutzt wird, um endlich wieder „Sex zu haben“. Im Resultat unterscheiden sich Frauen und Männer also weniger als gedacht.

Was willst du eigentlich im Chat?

Nun aber ist die Frage: Was erwartet jemand eigentlich von einem Chat, dessen einziges konkretes Ergebnis ist, dass es kein Treffen geben wird? Einen weiteren Chat? oder wie viel Chats noch, bevor dir das Herumreden zum Hals heraushängt?

Ist es nicht die Hölle, erstens in der sozialen Distanz zu stecken, zweitens Verführungen ausgesetzt zu sein und drittens nicht einmal auf Monate hinaus ein Ende dieses Zustands zu sehen?

Mir ist nicht klar, warum dies so vielen Menschen empfohlen wird, und ich vermute, dass es dabei ausschließlich um „kommerzielle Interessen“ geht.

Verführung zum Opfer?

Leider bedenkt dabei kaum jemand, dass Verführungen auch darin bestehen können, die soziale Distanz zu überwinden und aus der Isolation auszubrechen. Ja sicher ist das „verboten“, aber auf Verbote hat schon mancher gepfiffen, wenn die Genitalen jucken. Und was passiert? Junge Frauen werden bedrängt, sich dennoch zu treffen, um den Sexnotstand der jungen Männer zu beenden. Das ist ein gefundenes Fressen für Frauenzeitschriften - nicht nur for feministische. Wie schön sind doch Klischees.

Soziale Medien als Gutmenschen-Foren?

Und was passiert? Das alle geht über die notorisch sensationssüchtigen sozialen Medien und „interessierte Kreise“ am Ende an in die Presse, in der Männer wieder einmal als Sozialschweine vorgeführt werden können.

Wie schön für die Presse. Da kann man über Gutmenschen berichten, die so etwas anprangern und ein bisschen - nun ja: Stasi spielen. Freilich alles im Namen der Menschlichkeit - das macht sich immer gut.

Zum Date per Chat gezwungen werden?

Wie ich darüber denke?

Niemand wird gezwungen, zu „Pandemie-Zeiten“ die Dating-Hölle der sozialen Distanz zu betreten und dort zu chatten. Und wer es dennoch tut, läuft Gefahr, sich zu verbrennen. Heißt aber auch: Wer mit distanzierten Chats umgehen kann und sich dadurch nicht verführen lässt, kann durchaus Vergnügen dabei empfinden - mein Ding wäre es nicht.

Lest nach, wenn ihr mehr wissen wollt: Der Standard oder seine Quelle, Mashable.

Kann Apple die Dating-App-Seuche eindämmen?

Reden wir mal von einer „etwas anderen“ Pandemie - der Verbreitung absolut sinnloser Dating-Apps. Ich wundere ich ja immer, warum es nach wie vor Menschen gibt, die ihr Geld in die Entwicklung in äußerst fragwürdige „Apps“ stecken. Es gibt nicht nur genug davon, es gibt viel zu viele und ein großer Teil davon ist fragwürdig.

Dating-Apps nur noch mit "Mehrwert"

Nun hat Apple angekündigt, in Zukunft keine Furz- und Rülpsapps mehr zuzulassen (gab es die?), aber auch keine Wahrsage-, Dating- und Kamasutra-Apps. Vor allem, weil es zu viele davon gibt, und zweitens, weil sie qualitativ größtenteils minderwertig sind.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Demnach wird Apple nach seinen AGB für Entwickler diese Apps weiterhin zulassen, wenn sie ein „einzigartiges und qualitativ hochwertiges Erlebnis“ darstellen.

„Dating“ ist vielfach in Verruf geraten. Einmal dadurch, dass sich zu viele Firmen damit beschäftigen, die ausschließlich aus Profitinteressen handeln und ihre „Kunden“, die ohnehin als „Unser“ abqualifiziert werden, nicht wirklich ernst nehmen. Dann aber auch dadurch, dass Sexdating und Prostitution Nahtstellen haben, die vielfach gerügt worden sind. Und schließlich dadurch, dass niemand nachweisen muss, wirklich genügend echte Partnersuchende in seiner Datei zu haben, um seriöse Geschäfte zu machen.

Online-Dating - kann der Begriff wieder "zurück zur Seriosität" finden?

Sollte es wirklich gelingen, „Online-Dating“ wieder zu einem seriösen Begriff zu machen? Ich zweifle daran. „Dating“ wird mehr und mehr zu einem Geschäft mit Sehnsüchten, die mindestens teilweise unerfüllbar sind. Und sogenannte „anspruchsvolle“ Suchende tragend dazu sogar im etwas seriöseren Teil des Online-Datings bei.

Deutsch auch in Netzwelt.

ProSiebenSat.1 setzt offenbar weiter auf „Dating“

Fernsehen war gestern - sagen jedenfalls viele Leute - und die wollen auch wissen, dass davon die verlässliche Grundlagen der „Privaten“ Fernsehsender betroffen ist: die Werbung.

Schon vor längerer Zeit hat man bei ProSiebenSat.1 „in Dating“ gemacht, mit PARSHIP, ElitePartner und zuletzt auch eHarmony.

Nun höre ich, dass man (Zitat) ...

mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic das US-Datingportal Meet für eine halbe Milliarde Euro übernehmen und mit der Partnervermittlung Parship zusammenlegen (will).

Was es mich angeht? Gar nichts mehr. Seit der Erfindung und epidemieartigen Verbreitung der Dating-Apps habe ich mich ganz aus dem Geschäft herausgehalten. Ich habe dennoch nachgesehen, wer die Meet Group ist und was sie so tut.

Vorsatz Nummer eins: Den Dummbacken nicht zu widersprechen

Normalerweise nehme ich nichts vor für das neue Jahr. In diesem Jahr mache ich eine Ausnahme: Ich werde nicht mehr auf jeden Idioten, der sein Maul über „Partnersuche“ aufreißt, reagieren.

Das Thema Partnersuche ist inzwischen in die falschen Hände geraten:

1. Geschäftemacher, die im Gewand von Beratern auf dem Rücken der Suchenden ihr Süppchen kochen. Sie können beliebige Ausbildungen haben, von gar keiner Ausbildung über Esoterik bis zur Psychotherapie. Es ist eine Einstellungssache, wie man mit Menschen umgeht, keine Frage der Fachmannschaft. Hilfe zu suchen ist nicht falsch – es ist aber bedenklich, auf Heilsversprechungen hereinzufallen.
2. Unternehmen, die nur noch am Profit interessiert sind und die ihre antiquierten Methoden immer noch mit Wissenschaft aufhübschen. Zu ihrer Verteidigung kann man sagen: Sie bauen hohe finanzielle Hürden und hakelige Tests auf, um nicht jeden hineinzulassen. Das halten viele Kunden für positiv.
3. Unternehmer, die niemals einen Bezug zur Partnersuche hatten, sondern Spiele entwickeln, die als Dating-Apps vermarktet werden.
4. Wissenschaftler, die „Seitenaspekte“ der Partnersuche beforschen oder einfach alte Forschungsergebnisse neu bewerten. Gut – die müssen ja beweisen, dass sie zu etwas nütze, sind. Aber eben nur füreinander. Für Partnersuchende fällt dabei kaum etwas ab.
5. Schlimmer als die Wissenschaftler sind Journalisten, die aus den Ergebnissen Unsinn ableiten und daraus „Tipps“ generieren.
6. Zudem Journalisten, die auf andere Journalisten hereinfallen, die neue Begriffe erfinden, um in die Presse zu kommen und populär zu werden. Such eine Folge von sogenannten „sozialen Netzwerken“, aus denen sich der Journalismus immer mehr bedient.

Nun wisst ihr, warum ich von dem größten Teil der großspurigen Schwätzer und kleinkarierten Erbsenzähler die Nase voll habe. Ob ich meine Vorsätze halte? Ich bin mir noch nicht sicher. Im Allgemeinen sind diese Leute einfach nur geil darauf, erwähnt zu werden – und ich will nicht länger ihr Erfüllungsgehilfe sein.