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ESC – Jamala jubelt, Jamie-Lee landet im Erdgeschoss

Es ist so wenig ein „European Song Contest“ wie ein Chanson-Festival, sondern die größte Ansammlung dreister und verwirrender Showeffekte, die man bisher in einem angeblichen Liederwettbewerb sah.

Man fragte sich: „Was zählt da eigentlich noch?“ Und überraschenderweise zählte tatsächlich nicht nur die Bühnenshow, sondern vor allem – das Lied. Es mag sein, dass es einen politischen Einschlag gab, bei der mit zwar knappem, aber deutlichen Vorsprung gewählten Siegerin Susana Jamaladinova, genannt „Jamala“. Das Lied ist – ohne textlichen Hintergrund – leider absolut banal und die Stimme von Jamala hat eher eine begrenzte Ausstrahlungskraft, aber immerhin – das war ein Song.

Russland hingegen, der Drittplatzierte, brachte einen smarten, begabten und tapferen Jüngling, der einen belanglosen Schlager ablieferte – aber Russlands Sergey Lazarev landete eben einen Publikumshit – und das zählte wohl auch bei der Jury.

Richtig gefallen hat mir eigentlich nur der Beitrag aus Australien – da stimmte einfach alles zusammen – Show, Song und Stimme, wobei die Stimme bei mir den Ausschlag gab.

Deutschland - Interpretin mit Klein-Mädchen-Charme, Song wie vom Fließband

Und Deutschland? Die Zeitungen lassen heute nichts unversucht, diese „Jamie-Lee“ zu loben. Ja, der Song sei gut gewesen, sie habe alles richtig gemacht (was immer das bedeutet). Und überhaupt sei völlig unverständlich, warum sowohl die Jury wie auch das Volk die arme Deutsche so stark abgewertet hätte. Möglicherweise, weil Klein-Mädchen-Charme mit Micky-Maus-Look derzeit alles andere als gefragt ist. Doch eigentlich ist das Liedchen „Ghost“ weder intelligent noch gefällig, weder charmant noch ein Ohrwurm, sondern wirkt „wie am Fließband“ produziert. Und mit der Stimme ist’s auch nicht ganz so weit her, wie immer behauptet wird. Allerdings stand die Sängerin Jamie-Lee nicht allein auf der Bühne: Auch der Song, geschrieben von den Autoren Anna Leyne, Thomas Burchia und Conrad Hensel fiel durch bis ins Erdgeschoss.

Mehr Liebe in Deutschland – geht das?

Venus hat wenig Chancen in Deutschland

Angeblich ist es die „soziale Ungerechtigkeit“, die Deutschland teilt. Doch mit der Behauptung, in Deutschland herrsche „soziale Ungerechtigkeit“ oder „soziale Ungleichheit“ kommen wir auch nicht weiter. „Soziale Gerechtigkeit“ gibt es nicht, und „soziale Gleichheit“ ist gesellschaftspolitischer Unsinn, weil sie nicht berücksichtigt, dass sich Menschen mit den Geschenken handwerklicher Gaben, der Kraft des Geistes oder der Macht der Emotionen von der Masse abheben wollen. Merkwürdig, dass es den Menschen, die „soziale Gleichheit“ fordern, oft an Respekt für die Andersdenkenden fehlt.

Erst Respekt, dann Liebe?

Ich wäre froh, wenn wir mehr Respekt voreinander hätten, wenn wir gegenseitige Standpunkte anerkennen würden und uns dennoch aufeinander zubewegen würden. Im Alltag müssen wir das. Im täglichen Arbeits- oder Geschäftsleben müssen wir das. Bei der Partnersuche müssen wir das. Warum erheben wir es dann nicht zu unserem gemeinsamen Motto als Volk?

Deutsche erkennen den Wert der Liebe nicht mehr

Was Deutschland mehr fehlt als alles andere, ist den Wert der Liebe zu erkennen. Wenn Menschen einander lieben, dann finden sie den Weg zueinander, und wenn sie den Weg zueinanderfinden, dann können sie soziale Netze bilden, die sie beliebig dicht weben können.

Familienpolitik in Deutschland? Vergessen Sie es!

Die Liebe kann allerdings nicht verordnet werden, und alle versuche, Familien mithilfe von Geld auszubauen und zu erweitern, sind unter den wechselnden Regierungen und Koalitionen gescheitert. Die Politik füttert stets angejahrte Mittelstandfamilien, um sie als Wähler bei der Stange zu halten, aber sie sieht keinen Weg, wie sie jungen Menschen die Vorzüge der Zweisamkeit oder der Familiengründung erläutern soll.

Was die Frauenpolitik angeht, so gibt es schwammige, vieldeutige Konzepte, die nicht als verwirren: Auf der einen Seite wird die liberale Leistungsgesellschaft vertreten, in der alle Frauen ihres Glückes Schmiedin sind. Auf der anderen Seite wird die Anspruchsgesellschaft gefördert, wo von „Frauenquoten“ die Rede ist, und schließlich wird die Hausfrauenehe propagiert, indem man „Herdprämien“ auslobt oder – wahlweise – dafür sorgen will, dass die Rente „erkindert“ werden kann. Wie soll eine deutsche Frau da noch auf die Idee kommen, dass sinnliche, emotionale, wahlweise auch geistige, geschäftliche oder soziale Erfüllung das Lebensziel sein könnte?

Dies ist kein politischer Artikel, wie Sie vielleicht meinen – im Gegenteil. Die Politik kann für die Liebe, die Lust, die Freude, die Ehe oder die Familie kaum noch etwas tun - und genau genommen konnte sie das nie.
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Paradoxie: Wer Huren hasst, spricht in ihrem Namen

Eine Hure? Eher eine Art Hure ...

Die Diskussion um Prostitution ist überall wieder aufgeflammt – auch in Deutschland, wo angeblich ein Schlaraffenland für Bordellbetreiber existiert. Die Frage, ob das neue Prostitutionsgesetz den Frauen genützt hat, ist für die ARD - und damit für deutsche Fernsehzuschauer - bereits mit „Nein“ beantwortet. Nach deren Auskünften haben Bordellbesitzer gewonnen – und der Staat, der jetzt die Hand aufhält und Steuern kassiert. Doch wenn sie nicht gewonnen haben, haben sie dann verloren?

Zehn Punkte über Huren und Freier, die gerne verschwiegen werden

Auffällig ist dies:

1. Es gibt in Deutschland etliche Menschen, dir für die Einhaltung von Menschenrechten sorgen wollen – auch für die Rechte der Huren. Wo sind sie?
2. Einige Behörden sind intensiv damit beschäftigt, Migranten abzuwehren – ihnen müssten sogenannte „Zwangsprostituierte“ auffallen.
3. Es gibt nicht eine einzige verlässliche Statistik über den Anteil von „Zwangsprostitution“ am Wirtschaftszweig „Sexuelle Dienstleistungen“. Warum nicht?
4. Immer wieder wird behauptet, „keine Frau würde freiwillig in die Prostitution gehen“ – warum tun es dann nach Tausenden zählende Escorts?
5. Ausstiegsprogramme werden ständig gefordert – aber kaum eine Hure (gemessen an der Gesamtzahl) nimmt den Ausstieg wahr. Die Frage nach dem „Warum“ erübrigt sich, wenn man weiß, was in diesem Gewerbe verdient werden kann.
6. Die Aussage, dass „Freier betraft werden müssen“, weil sie „eine Leistung fordern, die es sonst nicht geben würde“ ist absoluter Unsinn – es sei denn, man hätte Beweise für die These, aber die hat man nicht. Und so bleibt es dabei: In der Prostitution ist das Angebot stets größer als die Nachfrage, weil Prostitution lukrativ ist.
7. Es gibt so viele Arten von Prostitution, dass sie niemand wirklich überblickt – und es gibt genau so viel unterschiedliche Freier-Typen. Wer glaubt, dass jeder Mann, der für Sex bezahlt, scharf auf einen Discount-Puff ist, der muss schon die deutsche „Schnäppchen-Mentalität“ gepachtet haben, sonst würde er dies nicht behaupten.
8. Wenn Huren von den Straßen und aus den Bordellen vertrieben werden, sind sie gezwungen, im Untergrund zu arbeiten, ihre Tätigkeit umzubenennen oder sich über Internet-Agenturen zu verabreden.
9. Freizeit-Huren sind ein Teil der Branche, der immer bedeutender wird. Üblicherweise bezeichnet man sie auch als „Hobby-Huren“, aber in Wahrheit sind sie Nebenerwerbshuren. Dazu gehören auch Angehörige durchaus „edler“ Berufsstände sowie Studentinnen.
10. Gar nicht gezählt werden diejenigen Frauen, die sich mit jeweils zwei bis fünf „festen“ Liebhabern durchs Leben schlagen, die ihren Lebensunterhalt finanzieren. Stichworte sind hier das „Sugar Baby“ und die ganz konventionelle „Geliebte“.

Trostlose Straße im Herbst


Erstaunlich ist immer wieder, dass die Befürworter schärferer Gesetze gegen Freier, Huren oder Bordelle die Huren als Personen nach wie vor verachten. Insofern erscheint es fragwürdig, ob es den Seilschaften, die für schärfere Gesetze kämpfen, wirklich um dasjenige geht, was sie vorgeben: einen besseren Schutz der Frauen, die den Beruf ausüben. Ähnliche gilt ja nicht nur für Huren, sondern auch für andere Sex-Dienstleisterinnen wie etwa Dominas – und darüber hinaus für Stripperinnen und sogenannte „Porno-Darstellerinnen“.

Lesen Sie dazu bitte auch den erhellenden Artikel im „New Scientist

Hurendienste werden konsumiert – wie alles andere auch

Spiele, Illusion, Konsum? In Deutschland: Sexkonsum

Bequem kann man kann nur über etwas berichten, das sichtbar ist. In manchen Ländern wäre es unmöglich, eine Dokumentation über Huren und Freier zu erstellen, weil es sie dort nach offizieller Lesart nicht gibt, zum Beispiel im angeblich hurenfreien Schweden. Prostitution in Deutschland ist nun aber sichtbar, legal und deshalb auch dem Fernsehen zugänglich, und also kann man sie beleuchten. Das tat die ARD gestern Abend, schilderte kühl, ohne Moralinsäure, was in deutschen Puffs, auf deutschen Straßen und auf deutschen Sex-Portalen im Internet geschieht. Ohne Pathos, teils schrecklich, teils erschreckend normal.

Die Bilder, so der Kritiker der „Süddeutschen“, zeigten „eine Welt, die sich eine Gesellschaft nicht wünschen kann.“ Doch mit diesem Satz wird klar, wie fragwürdig das ganze Unternehmen „Dokumentieren wir mal Puff“ ist. Denn „diese Welt“ ist nicht wünschenswert, aber nicht etwa, weil in Deutschland Prostitution legal ist. Denn wer sich so durch die Sätze der Sendung durchhechelt, wird bald merken: Hier treffen drei unerwünschte Grundeinstellungen aufeinander, die nichts mit dem Puff zu tun haben:

1. Das schnelle, unverbindliche und gnadenlos auf Konsum und Verbrauch ausgerichtete Geschäft boomt, und dabei gehen viele Unternehmen nicht gerade zimperlich vor – siehe Elektronik- und Textilbranche. Was auf Prostitution zutrifft, können sich viele Branchen in die Bilanz schreiben: Eher geringe Qualitäten werden unter Einsatz von billigen Arbeiterinnen und Arbeitern vermarktet – diejenigen, die den Lohn empfangen, bekommen am wenigsten vom Kuchen.
2. Zu viele Menschen träumen vom schnell verdienten Geld. Es ist kein Wunder, dass die Möglichkeit, es zu verdienen, Menschen anlockt, und zwar bis in den bürgerlichen und akademischen Bereich hinein. Strippen, Cybersex und Prostitution sind (nicht nur in Deutschland) auch das fette Brot angehender Akademikerinnen.
3. Alles ist heute „Markt“ geworden. Auf dem heutigen Markt erzeugen die Angebote die Nachfrage, nicht umgekehrt. Warum sollte dies bei Huren anders sein?

Freudloser Sex? Nur den Trieb abreagieren?


Der Film im ARD schildert einen Fleischmarkt ohne Qualität und ohne Anspruch – sozusagen ein Schnäppchenmarkt für Sex. Im Interview mit einer Hure wird dies sinngemäß deutlich: Möglichst sollten die Herren bitte in fünf Minuten abspritzen, eine Illusion der Liebe zu bieten, sei lästig. Geschäftsmäßige Kälte auf der einen Seite, eiskalter Sexkonsum auf der anderen Seite – das erinnerte an die alten „Fleischmärkte“ in Frankreich, in denen Männer im 10-Minuten-Takt bedient wurden. 50 Freier pro Frau waren da keine Seltenheit.

Schnäppchen. billig, keine Qualität - wie Deutschland verhurt

In einer Welt, in der alles auf Schnäppchen, billigen Konsum von allem und allen ausgerichtet ist, indem Qualität und Herkunft weder bei Waren noch bei Dienstleistungen eine Rolle spielt – eine solche Welt ist nicht wünschenswert. Doch Deutschland will diese Welt offenbar genau so, wie sie ist. Erdbeeren, die wir Wurzelgemüse schmecken, BHs für 9,98 Euro, Hühnerbrüste, die keinen Eigengeschmack haben, und Huren, die keine Wollust spielen wollen. Nein, diese Welt ist nicht wünschenswert.

Ich habe einmal gewagt, gegen die Billig-Erdbeeren zu wettern, die wie Rüben schmecken. Daraufhin erhielt ich zahllose Proteste von Eltern: „Warum sollen wir unseren Kindern nicht einmal diese Erdbeeren gönnen, wenn wir uns doch keine anderen leisten können?“

Ja, warum wohl?

Bild oben: Nach einem historischen Vorbild, koloriert, Bild unten: Hurenwerbung, Bild technisch manipuliert.