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Wie pervers ist es eigentlich … aus Liebe zu schlagen?

Die Lust, jemandem Lust zu schenken, ist auch Lust
Diese Frage ist wesentlich heikler als die Frage, ob es pervers ist, geschlagen werden zu wollen. Denn wer schlägt, gilt als krank, pervers, sadistisch oder gar verbrecherisch. Au ha! Und das ist nicht diskussionsfähig, nicht wahr? Doch, ist es. Denn nur der ist pervers, der andere unkontrolliert aus Wut oder niedrigen Beweggründen schlägt – aber nicht derjenige, der einem anderen damit einen Liebesdienst erweist.

Es ist nicht pervers, jemandem Lust zu schenken - auch nicht durch Schläge

Bei allen Lüsten sprechen wir immer von demjenigen, der genießt: vom Feinschmecker, aber nicht vom Bauen, vom Gemüsehändler oder vorm Koch. Und bei der Lust der Flagellanten sprechen wir gerne von „Schmerzlust“, aber nicht vom Hersteller der Schlegel, nicht von der Qualität seiner Produkte und vor allem nicht von denjenigen, der den Genuss erst ermöglicht.

Und da können wir nur sagen: Die Lust daran, jemandem Lust zu bereiten, kann nicht falsch sein. Im Lexikon findest du mehr unter "Flagellation".

In dieser Serie vertreten unsere Autoren ihre persönliche Meinung, aber nicht ihre persönliche Praxiserfahrung. Das Wort „pervers“ wird hier im Sinne des bürgerlichen Gebrauchs im 19. Jahrhundert verwendet. Die Verbreitung als Fantasie liegt bei ungefähr 43 Prozent bei Männer und immerhin noch gegen 25 Prozent bei Frauen.

Bild: historische Illustration.

Was ist an Peitschen-Ladys so sexy?

Auch im Dschungel billige Fummel - Groschenheft (oben) und Filmplakat (unten) zum Thema
Lange bevor sich Frauen für „Shades of Grey“ interessiert haben, fanden Männer ihre lustvolle Literatur in Groschenheftchen, in denen Peitschenladys und andere dominante Frauen ihre Schlagfertigkeit an Männerkörpern erprobten. Oder in denen wenigstens suggeriert wurde, dass sie es tun könnten.

Mal war’s die Frau Baronin, mal die Tierlehrerin, die auch mal gucken wollte, ob sie den strammen Muskelmann zähmen konnte. Und oftmals war es die böse Feindin des edlen Kämpfers, der seinen Leib in Nazi-Deutschland, Korea, oder sonst wo malträtierten lassen musste.

Was ist an diesen Frauen so sexy?

Wir haben da mehrere Ideen:

1. Die Lust daran, von dem als „unterlegen“ geltendem Geschlecht einmal ernstlich malträtiert zu werden.
2. Die Schmerzgeilheit, die viele Männer verbergen.
3. Die Lust, einer selbstbewussten Frau zu begegnen, auch wenn der Mann nicht gerade auf Schläge mit der Peitsche steht. Die Symbolkraft reicht.

Natürlich gibt es da auch noch die ander Seite: Frauen, die sich von Frauen peitschen lassen, und Frauen, de das Opfer peitschenschwingender Männer werden. Wir haben ein paar Bilder zusammengestellt und – wo nötig - die Frauen herausgearbeitet.

In dem Magazin wir der Film „She Devils Island“ erwähnt, etwa „die Insel der weiblichen Teufel“ – das Filmplakat sehen Sie unten links. Interessant ist, dass die Herrin der Insel in einem ausgesprochen billig ausdehnenden Dessous-Fummel dargestellt wird.

Achtung! Die bildlichen Darstellungen werden hier nur zu Dokumentationszwecken veröffentlicht. Es handelt sich um historische Magazine bzw. Darstellungen, deren &coypy; weitgehend unbekannt ist.

Eine Anmerkung zur Darstellung weiblichen Dominanz

Plakative Darstellung - nahezu üblich bei weiblicher Dominanz
Zu der Artikelserie von Isidora Fecekazi über weibliche Dominanz in der „Liebeszeitung“ habe ich noch einige Ergänzung.

Es ist ein großer Unterschied, ob wir unsere Meinungen über das Abstrafen von Herren (und Damen, selbstverständlich) aus Büchern, Filmen oder dem eigenen Schlafzimmer beziehen. Wenn wir über „weibliche Dominanz“ reden, müssen wir noch weiter ausholen: Da ist die Dominanz, die in Videos gezeigt wird, jene, die in Romanen beschrieben wird, und jener, die in SM-Kreisen praktiziert wird. Hinzu kommt noch die Art von Dominanz, die von professionellen Dienstleisterinnen vermarktet wird. Doch keine dieser Varianten entspricht dem, was lüsterne Paare im Alltag tun. Denn die meisten von ihnen reden nicht darüber - außer in einigen kleinen, aber feinen, teils anonymen Blogs.

Die Dominanz im Video ist fast immer unecht

In Videos sehen wir wenig von der Dominanz, die von der Person ausgeht. Eine Porno-Darstellerin mit großen Brüsten in Huren-Outfit man optisch erregend wirken, doch die Dominanz wirkt meist aufgesetzt und unecht, starr und abgeschmackt. Soweit es sich um „echte“ Domina handelt, also Frauen, die für Videos in der eigenen Rolle posieren, wirkt die Dominanz eher noch gekünstelter. Das liegt daran, dass „echte“ Dominas für ihre Kunden eine Illusion produzieren, die nur zum geringen Teil auf optische Effekte setzt. Die Domina Adrianna Taylor (1) macht einen der Unterschiede deutlich:

In einem Video sind die Spuren auf dem Hintern des Bestraften eine normale Folge, die zu erwarten ist. In der Realität haben viele (der Kunden) eine Familie, zu der sie wieder heimgehen.


Doch das ist nur eine Äußerlichkeit. Jede Domina wird Ihnen sagen, dass sie nicht in erster Linie mit der Peitsche arbeitet, sondern dass sie aus den Wünschen des Kunden ein Schauspiel aufbereitet, das tief in seine Seele eindringt. Es ist der Nachhall der Stimme, der Umgebung, der Hiebe, die Hingabe und Wehrlosigkeit, unter der die Männer die Erniedrigungen und Strafen empfangen.

In Romanen könnten die Autorinnen und Autoren diese Gefühle ausbreiten. Das tun sie aber kaum, weil Oberflächlichkeiten wie Peitschenhiebe mit Striemen aufs nackte Gesäß sich einfacher beschreiben lassen als der Schmerz, der über die Nervenbahnen in die Seele eindringt und dort Purzelbäume schlägt.

Was Paare wirklich tun, wie gut oder schlecht dies für ihre Wohlbefinden ist, ob es ihrer Beziehung nützt oder schadet und wie geil oder abgestumpft sie dabei werden, das steht in den Sternen, die noch nicht nicht vom Himmel geholt wurden. Schade, wie ich finde.

(1) Taylor, Adrianna "The Story of Control", Hungerford 2014.

Kann ich wagen, einen Mann zu dominieren?

ImZweifel fragt:

Nachdem ich die “Shades of Grey” gelesen habe, frage ich mich oft: “Bin ich diese Art Frau?“ Ich muss dazu sagen, dass ich nie zufrieden war mit „normalen“ Beziehungen. Sex ist schön, aber ich finde nicht, dass er wirklich aufregend ist. BDSM finde ich interessant, aber muss ich erst einmal unterwürfig sein, bevor ich eine gute Herrin werden kann? Und sollte ich nicht doch erst eine „normale Beziehung“ versuchen, bevor ich „an so etwas“ denke? Eigentlich würde ich lieber jemanden dominieren als mich zu unterwerfen. Und außerdem habe die Nase voll von diesem Geplänkel mit den Männern. Aber wie kann ich eine Beziehung eingehen, die interessanter ist als das „Übliche“? Muss da vorher alles „klargemacht“ werden?


Ina antwortet

Hallo, ImZweifel,

ich habe mich ein bisschen mit Isidora abgesprochen, bevor ich dir antworte, weil sie mehr vom Thema versteht.

Wichtig ist nicht, wie du anfängst, sondern dass du überhaupt irgendwo anfängst. Denn eigentlich geht bei der Lust alles nach der Versuch-und-Irrtum-Methode. Und die heißt: Versuch es, und wenn es geht, mach damit weiter. Wenn nicht, lass dir etwas anderes einfallen. Dominant zu sein, ist etwas schwieriger als unterwürfig zu sein, weil du aktiver und kontrollierter sein musst. Ich schlage vor, du beginnst mal damit, deine Wunschrolle einfach mal auszuprobieren. Wir sagen hier immer: Wenn es dir gelingt, dass dir jemand die Finger einzeln ableckt, dann hast du Talent zur Dominanz. Versuch mal, von einem Kerl etwas zu fordern, dessen er sich schämt. Tut er es, kannst du das als Erfolg verbuchen.

Manche Leute nehmen alles schrecklich ernst, was mit SM zu tun hat. Ich denke, es ist erst mal ein Spiel, zum Beispiel: „was ich jetzt auch mit dir anstelle, du darfst dich nicht wehren.“ Oder „du ziehst dich jetzt nackt aus, und ich bleibe völlig angezogen.“ Man kann auch einfach „Durchkitzeln“ spielen oder so etwas in der Art. Lust ist dazu da, um Freude zu mache, nicht, um bestimmte „Normen“ zu erfüllen.

Wie schnell du einen Kerl dazu bringst, mit dem „üblichen Geplänkel“ aufzuhören und dir zu folgen, liegt eigentlich nur an dir. Wenn er beim Date nach einer „süßen Fortsetzung“ fragt, kannst du ihm ruhig sagen: „Ja, du kannst noch zu mir kommen, aber ich habe besondere Wünsche.“ Oder „Machst du auch alles so, wie ich es von dir verlange?“

Finde deinen Weg, egal, wohin er führt. Tu, was dir Freude bereitet, und lass dich zu nichts zwingen. Folge keinen Regeln außer deinen eigenen, dann funktioniert auch das Ungewöhnliche.

Und bei allem, was du planst: Sei mutig, aber nicht übermütig, und versuche einfach, den anderen in die Unterwerfung „hineingleiten“ zu lassen, statt ihn sogleich massiv zu fordern. Isidora meinte, dass Männer sich viel zu gerne einmal dominieren lassen – vor allem, wenn du die „richtige Ader“ dafür hast.

Viel Glück dabei!

Deine Ina (aka Miss Y.)