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Männerfang mit zehn Qualitäten

Hat sie alle Eigenschaften?
Warnung: Männerfang mit zehn Qualitäten ist eine Satire auf Online-Frauenzeitschriften und Blogs von Frauen, die damit Werbung betreiben.

Ich bin neugierig und lese mal, wie ich - unabhängig von meinem Aussehen - einen Mann ergattern kann. Und natürlich will ich wissen, wie ich zu einem Date gehen müsste, um das zu erreichen.

1. Meine Kleidung

So geht es los - mit Klamotten. Text: „Frauen sind oft unsicher darüber, was sie bei einem Date anziehen sollen, damit sie dem Mann gefallen, den sie treffen. Frauen mit Geschmack wissen, was sie tragen müssen.“ Ja, rührend nicht? „Kleider machen Frauen?“ Na, wenn das so weitergeht ...

2. Mein verführerisches Parfüm

Männer mögen, wenn eine Frau gut riecht. Ich soll den Duft gut verteilen: auf die Handgelenke, rund um meinen Haaransatz, hinter den Ohren und „unterhalb des Schlüsselbeins“. Wo war noch gleich das Schlüsselbein? Na, irgendwo zwischen Hals und Brust. Und auf die Oberschenkel nicht? Jedenfalls verbrauche ich bei der Anleitung ziemlich viel Parfüm. Welches Parfüm? Das, was am besten verführt. Aha.

3. Meine emotionale Bildung

Nun staune ich: Meine wundervollen Emotionen als Frau reichen nicht, um Männer zu begeistern? Ich soll ihnen zeigen, was für ein kluges Mädchen ich bin? Und wie mach ich das? „Sei aufmerksam und lache über seine Witze.“ Das macht also eine Frau mit „emotionaler Bildung“ aus?

4. Mein IQ

Naja, den musst du erst einmal haben, den hohen IQ - und aufpassen, dass sich der Mann dann nicht unterlegen fühlt. Fazit: Wenn du mit „ihm“ reden kannst, wie ein Mann mit Männern diskutiert, dann bist du fein heraus, behaupten die Autoren. Über Autos? Über Whisky? Oder über Frauen? Vielleicht sogar über Politik? Ich behalte mal meinen IQ im Auge, wenn ich das nächste mal mit einem Mann rede.

5. Mein Lächeln - nur nicht gekünstelt!

Ich lese: Männer sind ganz verrückt danach, dass eine Frau sie anlächelt. Glaube ich. Aber: Mein Lächeln soll „echt und süß“ wirken. Und ich soll - schon wieder - über seien Witze lachen. Hi, hi.

6. Ich soll ihm meine ehrliche Meinung sagen

Nun geht’s ans Eingemachte: Ich soll ihm meine ehrliche Meinung sagen, wenn mit etwas nicht gefällt, aber ich darf ihn dabei nicht verletzten und „kein Problem daraus machen“, und das heißt: Ich darf nichts Negatives sagen. Darf ich ihm jetzt sagen, dass ich über keinen seiner Witze wirklich lachen konnte?

7.. Ich soll psychisch stärker werden

Ich habe keine Ahnung, warum ich beim Date emotional stärker werden muss, um zu gefallen, aber offensichtlich will mir da jemand ein Seminar verkaufen.

Wirken, nicht nanfassen ...
8. Ich soll den Kerl offensiv anmachen - aber wehe, ich tu es

Wieder lese ich: Wenn ich ihn scharfmachen will, musst ich eine „unartige“ Frau werden. Mus ich „geile Sachen“ sagen? Nein, aber ich könnte ihm „körperlich näher rücken.“ Wie frivol! Und gleich kriege ich einen Dämpfer: „Wenn du es tust, dann lerne, dass du es nicht zu offensichtlich machst. Was denn? „Tu es, aber tu es besser nicht?“

9. Ich soll nie zeigen, wie sehr ich ihn mag

Er muss mich erst einmal verdienen. Er muss zuerst zeigen, dass er mich mag, bevor ich es ihm sage. Und er muss sich anstrengen. Hoffentlich gibt der Typ dabei nicht auf. Und wenn doch? Na, dann ist er mich nicht wert, ist doch klar, oder?

10. Ich soll mir ein interessantes Hobby zulegen

Ach nee - ein „ein Hobby zu haben und es leidenschaftlich zu betreiben, beeindruckt die Männer. Leider surfe ich nicht und spiele auch nicht Golf. Ob Schach spielen zählt? Oder Stofftiere sammeln? Vielleicht Masken? Äh, nur ein Scherz.

Und noch: Ich soll nett zu meinen Mitmenschen sein

Hab ich mir schon gedacht. ich soll eine „nette Frau“ sein - immer und überall. Ob ich auch Babys küssen und Katzen streicheln muss? Nein, so lese ich weiter, es ist vor allem, weil ich meine Menschlichkeit ausdrücken muss. um zu gefallen.

Nach diesen zehn Geboten, um einem Mann- unabhängig vom Aussehen - zu gefallen, gehe ich zurück ins Lockdown. Unabhängig von meinem Aussehen, aber überzeugt davon, dass jemand diesen Unsinn tatsächlich glaubt.

Hinweis zu den Ursprüngen: Der Originalartikel, der offensichtlich als PR-Aktion geplant war, erschien in mehreren englischsprachigen Online-Magazinen - die Ursprungsquellen vermuten wir bei einem Seminar-Anbieter. Einer der Titel: 10 Eigenschaften, die einen Mann verrückt nach dir werden lassen.

Die Theorie und die Praxis des Verliebens

Nicht jedes Bild bringt das Blut in Wallungen
Für manche Menschen besteht die Welt aus einem Teil, den man mal grob mit „biologisch“ bezeichnen kann, für andere aus einem geheimnisvollen Gebilde, dass wir „Emotionen“ nennen oder als „psychisch“ bezeichnen. Nun ein verschwindend kleiner Teil macht sich Gedanken darüber, welche Rolle das Gehirn spielt, bevor und nachdem die Hormone produziert und die Botenstoffe abgelassen wurden. Ja, es ist nicht einmal wirklich klar, wie die Impulse, die von außen kommen, verarbeitet werden.

Kommen wir mal zu den Unterschieden:

Alle nur biologisch?

Die „biologisch“ orientierte Gruppe meint, dass die „zuständigen“ Botenstoffe produziert werden, sobald man einen „erotisch begehrenswerten“ Menschen sieht. Andere Botenstoffe sorgen dann dafür, dass die Verliebtheit „in die Verlängerung geht“, während wieder andere dafür sorgen, dass man sich endgültig zusammenkuschelt.

Das Gedankengebäude ist aus biologischer (neurologischer) Sicht schlüssig – es erklärt aber nicht, warum die Prozesse nicht erkennbar „identisch“ ablaufen, so wie es bei den meisten anderen Säugetieren der Fall ist.

Alles nur emotional?

„Emotional“ wie auch „psychisch“ sind (jedenfalls für die Liebe) Wörter, die wir immer verwenden, wenn wir sagen wollen: „Es bewegt uns, aber wir wissen nicht, woher es rührt.“ Und wir finden dabei leicht heraus: emotionale Sichtweisen sind niemals wissenschaftlich abgesichert, sondern schwer erfassbare Zustände des Gemüts, die sich nicht messen lassen. Dazu passt auch, dass „Verliebtheit“ höchst unterschiedlich beschrieben wird.

Alles eine Frage des Denkens?

Das „Denken“ wird zu Unrecht verdächtigt, kalt und gefühllos zu sein. In Wahrheit steckt darin die Erfahrung – also die Möglichkeit, eine Situation vorauszuplanen und auf eine angemessene Weise auszuführen.

Dabei mögen „emotionale“ Impulse ebenso beteiligt sein wie die biologischen Drogen (Botenstoffe, Neurotransmitter) – das interessiert den Teil des Gehirns, der unser Handeln bestimmt, allerdings wenig.

Beispiele – wissen wir, was wie wirkt?

Nehmen wir mal mehrere Beispiele:

Person A. masturbiert. Sie benötigt dazu einen emotionalen Impuls, aber auch den Willen, es zu tun. Die Biologie stellt die nötigen Stoffe für die Kontinuität und die Belohnung bereit.

Frau B. flirtet heftig. Dieser Impuls ist angeboren und bedeutet zunächst gar nichts, aber sie weiß, was sie damit erreichen könnte. . Der Mann, den sie anflirtet, ist aber nicht interessiert. Nun denkt sie darüber nach, warum es nicht funktioniert hat.

Frau C. flirtet, ist sich aber dessen nicht bewusst. Sie handelt also aus einem Impuls heraus, der seinen Ursprung in einer natürlichen Funktion hat. Ein Mann näher sich und bekundet sein Interesse an ihr. Sie weist ihn empört zurück.

Herr D. sieht eine Frau und will unbedingt Sex mit ihr. Der Impuls ist ihm nicht fremd, aber auch nicht unbedingt üblich. Er denkt sich eine Möglichkeit aus, wie er die Frau überzeugen kann.

Frau E. geht zu einer Verabredung mit dem festen Vorsatz, einen Lebenspartner kennenzulernen und auf keinen Fall sofort „Sex zu haben“. Schon nach 30 Minuten spürt sie die Wirkung von Botenstoffen, die sie „feucht“ werden lassen. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht und versucht, so schnell wie möglich mit dem Mann ins Bett zu kommen.

All diese Beispiele lassen sich nicht „eindeutig“ auf emotionale, gedankliche oder biologische Prozesse zurückführen. Sie sind, im Gegenteil, für die Betroffenen nahezu undurchschaubar.

Was wissen wir wirklich?

Wir können sagen: Die Biologie ist für alle gleich, aber sie wirkt nicht bei allen in der gleichen Weise. Die Impulse (psychisch, emotional, entwicklungsbedingt) lassen sich nur schwer oder gar nicht erklären. Und was am Ende gedanklich oder gar in Handlungen herauskommt, ist nicht vorhersehbar, kann aber beeinflusst werden.

Bild: nach einem Zeitungsartikel über das Schlafen in fremden Betten, ca. 1950
Und eure Meinung zum Thema?

Eine Online-Präsenz haben, schreiben und beachtet werden

Entspannt nachdenken über mein Handeln
Wer einen eigenen Online-Auftritt hat, wird danach beurteilt, was er schreibt. Dein Sein, deine Persönlichkeit und dein Denken werden danach eingeschätzt.

Wir Autoren wissen natürlich, dass es nur Facetten und Aspekte der Persönlichkeit sind, die wir in Worte fassen. Aber ein Teil unserer Leserschaft (leider auch sogenannte Intellektuelle) glauben, sie können ein Urteil über uns fällen.

In Wahrheit ist das, was wir schreiben, ein mehrfach gefilterter, gelegentlich sogar wohlabgewogener Auszug aus dem, was wir denken und nur ein Flügelschlag dessen, was wir fühlen. Nein, wir haben keine fühlbaren Körper, keine nackt daliegenden Emotionen. Wir schreiben, was andere lesen und verstehen können – das hoffen wir jedenfalls.

Möglich, dass meine eigenen Worte über die Seiten streichen wie Sand an der See und dass deshalb nicht davon übrig bleibt. Indessen bin ich überzeugt, irgendjemanden mit meinen Worten Freude zu machen. Und wenn ich wirklich gut war, dann konnte ich jemandem helfen, sein Leben besser in den Griff zu bekommen. Vielleicht gelingt es mit heute noch.

Wer ich bin und warum ich all die Mühe auf mich nehme? Diese Frage hat man mir einmal gestellt, als ich gegen 38 Jahre alt war. Die Antwort war: Wer ich bin, geht dich nichts an, und was ich mache, tue ich, weil ich es tun muss.

Und ein Nachsatz: Frag niemanden, warum er etwas tut, von dem du nichts verstehst. Du könntest ihn damit dazu verleiten, den guten Weg zu verlassen.

Liebe – Absauger, Spender und Femmes fatales

femme fatale

Ein stabiler Mitmensch zeichnet sich vor allem dadurch aus, seinen Emotionshaushalt immer halbwegs in Ordnung zu halten. Hat man zu viel Gefühle, die hinaus wollen, so gibt man sie an die Umgebung so ab, dass niemand eine unverträgliche Überdosis bekommt. Hat man hingegen zu wenig, so versucht man eine Quelle anzuzapfen, die üblicherweise gerne ein wenig davon abgibt. Nur in der Liebe bricht zuweilen das Gefühlschaos aus – aber selbst diesen Ausnahmezustand der Natur können Menschen üblicherweise beherrschen.

Leider sind dazu nicht alle Menschen in der Lage. Mögen die allzu großzügigen Spender von Emotionen auch manchmal Unbehagen auslösen, so sind die eigentlich lästigen Mitmenschen die Sauger. Sie kommen, saugen und gehen und sagen deinen Freunden und Dir, du hättest noch lange nicht genug gegeben. Sie flehen, betteln und drohen, wenn du ihnen nicht sofort alles gibst, was sie gerade an Liebe benötigen.

Die weiblichen Exemplare der Gattung nennt man nicht ohne Grund „Vamp“ – Vampire also, Emotionssauger, Blutsauger, Gefühls-Abzocker. Früher nannte man sie auch „Femmes fatales“, eine Art von Frauen, denen man sich besser nicht nähern sollte, weil sei einen unheilvollen Einfluss auf die Männer hatten. Eigentlich sind die Femmes fatales nicht einmal Abzocker – sie tauschen ihre erotisch motivierende Gesellschaft gegen echte Gefühle, die ihnen entgegengebracht werden. Das alleine aber macht noch keine wirkliche „Femme fatale“ aus, denn auf diesen Tausch verstehen sich viele Frauen. Doch während „ganz normale Frauen“ die Kannen niemals leersaugen, die Liebe, Ansehen und gelegentlich auch ein neues Kleid garantieren, saugt die Femme fatale alles an Gefühlen ab, was verfügbar ist. Sie ist maßlos – und wenn sie alles aufgesaugt hat, was sie an Emotionen eines Menschen aufnehmen konnte, dann steigt sie über die Gefühlsleiche hinweg und sucht sich neue Opfer.

Wer einmal einem Menschen begegnet ist, der Gefühle absaugt und nie genug davon bekommt, weiß in den meisten Fällen, dass diese Menschen eine gewisse Faszination ausstrahlen, eine erotische Kraft, die unmittelbar unter die Haut geht. Es ist eine Mixtur aus vermeintlicher Stärke der Persönlichkeit, die in Wahrheit nur ein starkes Gerüst ist, und der erbärmlichen Schwäche, von den Emotionen anderer leben zu müssen.

Angesehen oder anerkannt sind sie kaum, die Blutsaugerinnen und Blutsauger. Das liegt zum Teil daran, dass sie oft gar nichts zum Tauschen haben: Nicht jeder Mensch, der sich von Emotionen andere nährt, ist eine erotisch interessante Persönlichkeit. Doch auch diejenigen, die ihre erotische Anwesenheit gegen echte Gefühle tauschen, werden schnell als Falschmünzer enttarnt: Sie können sich die angebliche erotische Kraft, die von ihnen ausgeht, anziehen und ausziehen wie ein Kleid: Sieht man sie des Nachts alleine in der Single-Wonung sitzen, verfallen sie oft wie Dracula im Sarg: Jede Faszination ist von ihnen gewichen.

Man wird selten zum Opfer eines Emotionsabsaugers, wenn man sich selbst und den Diebinnen und Dieben der Gefühle klare Grenzen setzt. Es ist besser, als „hartherzig“ angesehen zu werden, als eines Tages emotional am Boden zu liegen. Die Absaugerinnen und Absauger arbeiten so gut wie alle nach der Salami-Taktik: Gibt man ihnen eine kleine Scheibe, dann nehmen sie nach und nach die ganze Wurst. Wichtig ist aber auch, nicht nach den Lüsten zu gieren, die sie im Austausch anbieten, denn auch hier besteht sozusagen eine „umgekehrte Salamitaktik“: Erst großzügig geben, dann immer mehr einschränken.

Die Femme fatale und ihre Schwestern und Brüder sind eigentlich armselige, hilfebedürftige Menschen – aber auch Hilfe lässt sich „absaugen“. Helfer sind daher in Gefahr, selber hilflos zu werden, wenn sie einer Femme fatale helfen wollen.

Titelbild von © 2009 Sabrina Campagna