Skip to content
  Werbung

Jetzt den Partner mit Substanz finden?

Wie bleibt man in Zeiten der Corona-Krise als „Expertin/Experte“ populär?

Indem man etwas sagt, was schon andere gesagt haben, nur man selbst hat es eben noch nicht gesagt.

Und da staune ich doch:

Singles haben jetzt massenweise Zeit, mögliche Kandidaten per Facetime genauer kennenzulernen.

Ich bin (wahrscheinlich, weil ich nicht genügen „IN“ bin) zunächst mal über FACETIME gestolpert. Das ist ein Chat-Dienst von Apple, und ich habe keine Apple-Geräte - muss ich also auch nicht wissen.

Dann fand ich das Wort „genauer“ eigenartig. Man lernt sich also virtuell genauer kennen als von Person zu Person? Finde ich ziemlich gewagt..

Und ich lese, dass sich nun eine günstige Gelegenheit ergäbe, Partner mit „Substanz“ zu finden.

Ach so, jetzt? Wie schön, wenn man so etwas als Journalistin, Pardon, als „Beziehungsexpertin“ verkünden kann.

Zitate: Berliner Kurier.

Was sollen eigentlich Expertenmeinungen zur Partnersuche bewirken?

Die Welt ist voller Negativberichte über Dates. Dieser Tage las ich mehrfach einen Beitrag des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“. Das versucht, unter dem Deckmantel der Objektivität und mithilfe eines Paartherapeuten so mehrdeutig wie möglich zu antworten. Ich gestehe: Wüsste ich nichts von der modernen Partnersuche, so würde ich von diesem Artikel abschrecken lassen.

Zitat (Frage an den Therapeuten und Antwort) :

Wie stehst du zu Online Dating? Ich habe mich oft etwas rausgewunden aus den Fragen. Weil ich fast nur Negatives höre über Online Dating.


„Ich höre nur Negatives“ als Argument? Sicher, der Herr Therapeut benutzt einen Nachsatz, um alles zu relativieren:

Dies kann natürlich auch daran liegen, dass erfolgreiche Online-Dater nicht unbedingt bei mir landen.

Schön und gut – aber was ist die Botschaft? Weißes Rauschen? Redundanzen?

Alles Wissen nur vom Hörensagen?

Was der Therapeut „weiß“, ist nichts wirklich Besonderes: Frauen sind begehrt, ihre Briefkästchen sind voll von Angeboten. Da stimmt, aber nicht für jede Altersgruppe. Aber selbst, falls die richtig sein sollte: Ist es deshalb ein Argument gegen Online-Dating? Irgendeine dusselige Verhaltensregel bestimmt, dass sich Frauen suchen und umschwärmen lassen müssen, und diesem Unsinn folgen viel zu viele Frauen da draußen. Besser wäre, selbst aktiv zu suchen.

Zum Zweiten sagt er dies: „Altersunterschiede sind groß“. Nein, das sind sie nicht … aber die Wünsche und Hoffnungen sind unterschiedlich. Vor allem, wenn man die Jagdmentalität der Männer als Maßstab nimmt: Der ältere Mann sucht was Schnuckeliges zum Vorzeigen und was Bewegliches fürs Bett – und was er dabei an Land zieht, muss nicht unbedingt für eine Langzeitbeziehung taugen. Ebenso flüchten manche „jüngere Männer“ in das Königreich der Erfahrungen, dass sie am ehesten bei etwas älteren Frauen finden.

Und sonst? Die Redundanzen nehmen kein Ende. Wir lesen, dass Dating-Situationen „etwas Künstliches“ hätten, und man „mehr Menschen treffen müsse, als einem lieb ist.

Wer am Ende des Artikels klüger geworden ist? Ich weiß es nicht.

Ich selbst wäre verwirrt, wenn ich dem Artikel Glauben schenken müsste und keine eigenen Erfahrungen oder sonst einen Einblick in die Partner-Märkte zu haben.