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Ein Manifest gegen die Prostitution macht von sich reden

Verherrlicht und verteufelt: Prostitution


Ein Manifest gegen die Prostitution macht von sich reden - doch ist es die Wahrheit?

Dieser Tage erscheint Rachel Morans Buch „Was vom Menschen übrig bleibt: Die Wahrheit über Prostitution“ in deutscher Sprache, und es wird – wie könnte es anders sein – die Kontroverse um die Prostitution erneut auslösen.

Die Presse hält das Buch für authentisch – und ist unkritisch

Die Presse weiß jedenfalls weiß jetzt schon, dass hier ein Meilenstein gesetzt wird im Kampf gegen die Prostitution, und dabei bleiben keine Klischees unberührt: beispielsweise, dass Männer „in Frauen onanieren“, (Literaturkritik.de), Emma hält das Buch für „Die Wahrheit über die Prostitution“ und die WELT vergleicht die Prostitution gleich mal mit der Sklaverei: Wenn man das eine abschaffen konnte, wäre es ein Leichtes, auch das andere zu beseitigen.

Erstaunlich ist dabei, dass für heutige Journalisten immer das zutrifft, was populistisch verwertbar ist. Das Fähnchen der Presse dreht sich dabei jeweils nach dem Wind, und der Wind weht derzeit erheblich aus der Richtung der Prostitutionsgegner. Allein der Titel „Die Wahrheit über Prostitution“ dürfte manchem deutschen Redakteur ausgereicht haben, um den Inhalt als das akzeptieren, was auf dem Titel steht.

Mal verteufelt, mal verherrlicht: Prostitution und verwandte Branchen

Wie schon in anderen Publikationen, in denen gewöhnliche Prostitution und andere Sexarbeiten wahlweise verteufelt oder verherrlich werden, ist allerdings fragwürdig, inwieweit das Buch authentisch ist. Diese Frage wurde bereits bei der Veröffentlichung in englischer Sprache diskutiert, doch nimmt man von den berechtigten Hinweisen hierzulande kaum Notiz.

Populismus und feministischer Jargon oder Bericht einer Betroffenen?

Auffällig ist auch, dass dass dieses Buch von feministischen Statements durchsetzt ist, beispielsweise vom Erhalt des Patriarchats durch Verdinglichung der Frau. Das sind Worte, die an Universitäten gebraucht werden, um griffige Verallgemeinerungen aus der Sozilogenkiste zu holen. Die Methode, Figuren der Sex-Szenerie aus dem Nichts hervorzuzaubern ist allerdings weder neu noch besonders originell, wofür es zahlreiche Beispiel gibt. Neben vileen anderen dubiosen Berichten wurde vor einigen Jahren die relativ positive Lebensgeschichte von „Londons berühmtester Domina“ veröffentlicht - nur, dass diese niemand in der Londoner BDSM-Szene kannte. (1)

Wie wirklich ist die Wirklichkeit der Rachel Moran?

Ähnliches wird aus Insiderkreisen auch von der Autorin Rachel Moran (englischer Titel: „Paid for: My Journey Through Prostitution“) behauptet, die angeblich als Straßenhure in der recht kleinen und überschaubaren Dubliner Szene gearbeitet haben will. Recherchen sollen allerdings ergeben haben, dass sich dort niemand an sie erinnert. Die Art der Veröffentlichung erinnert zudem an den „offenen Brief“ einer gewissen „Tanja Rahm“, die ebenfalls behauptete, vor ihrer Zeit als Therapeutin drei Jahre lang als Prostituierte gearbeitet zu haben. Mit einem vor Männerhass triefenden Beitrag in ihrem Blog, der zuvor wenig Beachtung fand, kam sie in die Weltpresse. Im Januar 2014 gelang ihr damit der Durchbruch an Popularität, der allerdings nicht lange anhielt.

Die Wahrheit bleibt weiter im Dunkel

Genaue Analysen und objektive Berichte über Prostitution sind selten. Wer den Teufel an die Wand malen will, blendet die schillernde ökonomische Seite des Gewerbes aus, und sieht die Erniedrigung, den Schmutz, die Sucht und das Verderben. Wer die Prostitution „schön schreibt“, tut das Gegenteil: Die mit dem Beruf verbundene Abwertung wird ausgeblendet, wohingegen das luxuriöse und aufregende Leben hervorgehoben wird. Beide Sichten können nicht als „objektiv“ bezeichnet werden, denn „die Prostitution“ gibt es nicht, und die Märkte, auf denen sich Frauen mit Männern gegen Bezahlung treffen, sind so vielfältig, verschlungen und verschwiegen, dass ein einziger Bericht darüber gar nichts aussagt.

In Wahrheit ein Manifest gegen die Prostitution

Das Buch von Frau Moran ist ganz offensichtlich als Manifest gegen die Prostitution gedacht, und möglicherweise wurde es unter Verwendung echter Aussagen von Straßenhuren erstellt. Wer es so sieht, wird auch den Stellenwert erkennen, den es einnimmt. Ob dies jedoch ausreicht, „die Prostitution“ zu beschreiben, mag jeder selbst entscheiden.

(1) Dominatrix. A MEMOIR, London 2002