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Weltfrauentag – sind Frauen wirklich nicht klüger?

So ganz scheint es nicht zuzutreffen ...


Eine bekannte Partner-Agentur veröffentlicht zum Weltfrauentag gelegentlich eine dieser Zehn-Punkte-Listen, die im Internet sehr beliebt sind. Dass dabei 2015 die gleiche Liste wie 2014 veröffentlicht wurde - Schwamm drüber. Und vielleicht auch, dass der ermittelte Zahlensalat dann als „Fakten“ verkauft wird. Übrigens: das Internet vergisst nichts - auch nicht die entsprechende Liste von 2011.

Wenn wir uns mal den „Highlights“ zu – dann:

- Erwarten 84 Prozent der Umfrage-Teilnehmerinnen (2014) „von der Liebe einen intellektuellen Austausch.“ Wohlgemerkt: „Von der Liebe“.
- Machen 74 Prozent (2011) „Erfolg(e) im Berufsleben glücklich“.
- Würden 69 Prozent keine Kompromiss-Beziehung eingehen (2014).
- Streben 68 Prozent „im Leben vor allem nach nach einer glücklichen Beziehung“ (2014)
- Glauben 62 Prozent an die „Liebe auf den ersten Blick“ (2011).
- Bezeichnen 61 Prozent ihr Leben als glücklich. (2014). (1)

Der intellektuelle Austausch der Liebe

Von der Liebe einen intellektuellen Austausch erwarten? Das ist, mit Verlaub, eine sprachliche Verhöhnung. Richtig hieße es: „Wenn ich mich verliebe, dann erwarte ich von meinem Partner einen intellektuellen Austausch.“ Nun gut – Dummheit ist nicht strafwürdig. Allerdings widersprechen sich Intellekt und Sätze wie „84 % erwarten von der Liebe intellektuellen Austausch.“ Ich rate dennoch dazu, von „der Liebe“ nicht unbedingt intellektuellen Austausch zu erwarten. Körperflüssigkeitsaustausch ist wahrscheinlicher und bei Weitem weniger kontrovers. Übrigens ist erstaunlich, wie viele Menschen sich überschätzen: 84 Prozent der Frauen sind willens und bereit, sich ernsthaft „intellektuell“ auszutauschen? Dann blieben ja nur 16 Prozent, die über Kitschliteratur, Nachbarn, Spielfilme, Mode, Astrologie und Diät reden würden.

Glück im Beruf und und glückliche Beziehung

Wie schön, dass 68 Prozent unserer Frauen nach einer glücklichen Beziehung streben (2014) – allerdings wollten 2011 noch „42 Prozent nicht heiraten“, um das Ziel zu erreichen. Klar: Die Ehe ist kein Garant fürs Glück. Merkwürdig ist es aber doch, dass deutsche Frauen glücklich werden wollen, ohne zu heiraten. Wie schön, dass 2011 angebliche 74 Prozent der Frauen ihr „Glück“ im Beruf fanden. Dann waren sie wenigstens mit irgendetwas glücklich.

Die Kompromiss-Beziehung

Die Frauen, die keine Kompromiss-Beziehung eingehen wollen, werden niemals eine Beziehung eingehen – denn Beziehung und Kompromisslosigkeit schießen einander aus. Wenn zutrifft, dass 69 Prozent der Frauen so denken, dann blieben noch 31 Prozent für Beziehungen übrig – mieser Prozentsatz, wie ich meine. Oder aber: Das Wort „Kompromiss“ hat inzwischen eine feminisierte Bedeutung. Bisher war ein Kompromiss (Duden) eine „Übereinkunft durch gegenseitige Zugeständnisse.“ Wieder einmal zeigt sich: Gehirn einschalten lohnt sich, bevor man (frau) Demoskopen auf den Leim geht.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Ja, ja – da „glauben“ Frauen zu 62 Prozent an „Liebe auf den ersten Blick“. Glauben ist Privatsache, nur sollten diese Frauen wirklich der Überzeugung sein, dass die Liebe auf den ersten Blick eine Tatsache ist, Auffassung sein, ist gleichfalls eine Renovierung des Gehirns angesagt. Mal rein rechnerisch: Wie viele „Verliebtheiten“ und „Bauch-Schmetterlinge“ verwandelten sich bei Ihnen in Liebe, und wie viele nicht?

Es ist Frauentag – und ich sage Ihnen mal etwas dazu: Nach meiner unmaßgeblichen Überzeugung können Frauen gar nicht so einfältig sein, wie es die Umfragen suggerieren.

Kann frau/man das auch anders sehen? Ja. Die „WELT-Kolumnist(en)/innen N. Erdmann, A. Eube und J. Hackober waren jedenfalls von der Aussage, „84 % erwarten von der Liebe intellektuellen Austausch“ ganz fasziniert und riet Männern, sich doch mal eher darum zu kümmern, wörtlich:

Viele Männer unterschätzen das Potenzial ihrer Worte und intellektueller Anregungen - und bei 84 Prozent lohnt es sich, diesen Bereich doch mal zu berücksichtigen!


Tja – und in diesem Sinne verlasse ich den „Weltfrauentag“, an dem ich auch sonst noch viel Unsinn gehört habe – das meiste von der GroKo, die so tut, als habe sie Frauen mit ihrer dämlichen Quote glücklich gemacht. Und da frage ich mich dann doch: Wie blöd muss man eigentlich sein, um das zu glauben?

Quellen (unter anderem) Pressemitteilungen:

Weltfrauentag 2015: 10 Fakten über Frauen. 2014: Zehn Fakaten über Frauen. 2011: (ich will mich nicht wiederholen) Die "anderen" Fakten.

Presse-Artikel (und Zitat): Welt ICON.
(1) Angegeben wurden nur Werte über 60 Prozent.

Die gefühlte Benachteiligung der deutschen Frauen

Und ich hatte niemals die freie Auswahl ...


Die gefühlte Benachteiligung der deutschen Frauen - ein kritischer Beitrag zum Frauentag, zur Frauenquote und zum "Fühlen" einer Benachteiligung.

Gleiches Recht für alle, gleichen Lohn für alle, Gleichbehandlung für alle. Wer könnte etwas dagegen haben?

Doch was sagt uns die IG Metall (1) zum Frauentag?

Nun ist die gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte beschlossen. Das wurde aber auch Zeit. Doch zufrieden sind Frauen noch lange nicht. Damit in Deutschland endlich Chancengleichheit herrscht, brauchen Frauen bessere Entwicklungsmöglichkeiten in den Betrieben, in der Gesellschaft und in den Familien.


Da ist es wieder, dieses Wort – Chancengleichheit. Ist sie denn nicht vorhanden? Die Gewerkschaft hat eine Umfrage gestartet, um dabei festzustellen, dass die „gefühlte Chancengleichheit“ nicht zum Tragen kommt. Glaubt man diesen Zahlen, so sind „78 Prozent der Befragten“ der Meinung, dass Frauen „bei der Entlohnung und bei der Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft“ nach wie vor benachteiligt wären.

Die "empfundene Benachteiligung" der Frauen

Frauen sind also „gefühlt benachteiligt“, ohne wirklich benachteiligt zu sein. Sie empfinden sich als chancenlos, obgleich sie alle Chancen haben.

Wie kann man dies verstehen? Eine mögliche Erklärung wäre ein bekanntes Akademiker-Phänomen: Wenn ein Akademiker nach langen, mühevollen Schul- und Studienjahren endlich einen Abschluss hat, erwartet er, für seine unendliche Mühe belohnt zu werden. Doch er stellt manchmal fest: Es ist schwer, im studierten Fach Fuß zu fassen. Aber die Meinung, durch das Studium einen Anspruch erworben zu haben, ist weit verbreitet.

Anspruchshaltung und falsche Erwartungen

Von vielen partnersuchenden Frauen weiß ich, dass sie ähnlich denken: Sie glauben, über alle Ressourcen zu verfügen, die sie als Partnerin attraktiv machen – gegeben von der Natur, der Erziehung, der Ausbildung und einer gewissen Schönheits- und Stillarbeit an sich selbst. Als Ergebnis ihrer Mühen erwarte sie, einen Anspruch auf einen Partner „auf Augenhöhe“ zu haben.

Der „gefühlte Anspruch auf etwas“ zieht sich durch die gesamte deutsche Gesellschaft - und er betrifft Frauen wie Männer. Doch das ist nicht entscheidend. Wichtiger ist, wie Frauen und Männer damit umgehen. E ist niemals toll, einen „Korb“ zu bekommen, und die Frage nach dem „welche Gründe gab es dafür?“ sollte viel öfter gestellt werden. Aber ist sie einmal gestellt und beantwortet worden, liegt der Ball wieder im Feld der Spielerin oder des Spielers. „Gefühlte Benachteiligungen“ zählen im Leben nicht.

Sind Frauen im freien Wettbewerb chancenlos?

Denn wenn jemand darauf beharrt, solche Ansprüche durchzusetzen, wirkt er auf Dauer nichts als entnervend. Führungspositionen oder besonders qualifizierte Stellen werden in Betrieben nicht ausschließlich nach in Zahlen messbaren Kriterien vergeben. Das heißt: Niemand kann einfach seine Abschlüsse und deren Benotung auf den Tisch legen und sagen: Ich kriege den Job, weil ich um ein paar Zehntelpunkte „besser“ bin als der andere. Denn in die Auswahl für den neuen Job gehen ganz andere Kriterien ein, beispielsweise, wie man sich zuvor in Grenz- und Stresssituationen bewährt hat. Ein Anspruch? Niemand hat im Leben einen Anspruch – alle sind aufgefordert, vorzuzeigen, was sie können und wie sie ihre Arbeiten allein und im Team ausführen. Übrigens siegen dabei oftmals Frauen.

Frauenquoten, Gleichheitsansprüche aufgrund von Zahlen und Ansprüche an den Partner aufgrund der vermeintlichen Persönlichkeitswerte sind hierzulande allesamt ein Ausdruck davon, sich dem freien Wettbewerb der Kräfte nicht stellen zu wollen.

Was dies für die Gesellschaftsordnung bedeuten könnte, mag jeder für sich selbst herausfinden.