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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die Reaktionen der Haut des anderen genießen

Mal mit Bürste, mal ohne - das Symbol für OTK-Spanking regt Männer an
Was bewegt eigentlich eine Frau, wenn sie einen Mann züchtigt? Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn die meisten Frauen, die sich der Züchtigung verschrieben haben, sind Profi-Dominas. Befragt man sie, so sagen sie oft, was Männer gerne hören wollen. Zum Beispiel, dass es ihr Lebensstil ist. Das erschient dem Beobachter stets merkwürdig. Eine Masseurin, eine Krankenschwester oder eine Wurstverkäuferin würde niemals sagen, dass sie ihren Beruf mit in den Alltag nimmt.

Eine der besten Antworten, die wir hörten, war „weil es mir eine Genugtuung bedeutet, wenn der Mann restlos zufrieden mit meiner Behandlung ist.

Der Genuss der Rolle - ein Schlüssel zur Dominanz?

Interessant ist auch die Variante, das mit der Unterwerfung verbundene Rollenspiel zu genießen. Ganz bin die Rolle zu schlüpfen, die ganze Strenge ausspielen zu können – das scheint durchaus ein Zustand zu sein, der glaubwürdig ist.

Ein Teil, so erzählte eine Domina, sei das Lesen der Körpersprache unter den extremen Bedingungen einer Spanking-Sitzung. Zitat:

Der Körper zeigt von Natur aus Reaktionen. Ich beobachte stets, wie der Körper zu mir spricht. Ich kann die kleinen Schauer sehen, die über die Haut wandern und das Zittern beobachten. Und natürlich höre ich auch das verhaltene Stöhnen und Wimmern. Bei Männern ist wirklich interessant, wie sie versuchen, ihre Tränen zurückzuhalten.

Ein bisschen Genugtuung ergibt sich offenbar auch aus anderen Komponenten. Zum Beispiel, wenn der Mann sich überwinden muss, aus der sozialen Alltagsrolle auszusteigen und sich zu unterwerfen. Oder die Scham abzulegen, sich vor einer Frau auszuziehen.

Dominanz und das wahre Leben

Das Buch
Was wirklich in einer Frau vorgeht, die dominiert, beschreibt Adrianna Taylor sehr eindrücklich in ihrem Buch „The Story Of Control“. Sie hat Freude an Psycho-Spielen und genießt die Macht, die sie dabei über ihre Klienten hat. Und sie ist alles andere als eine Bilderbuch-Domina, die emotionslos ihren Job verrichtet. Leider ist das Buch derzeit in Deutschland nicht erhältlich, aber die Kritiker waren damals (2014) voll des Lobes.

In einem Punkt sind sich alle einig – für eine Frau, die in der Dominanz vor allem ein „einträgliches Rollenspiel“ sieht, ist es schwierig, eine echte Liebesbeziehung einzugehen. „Die meisten Männer“, so der Tenor, „haben kein Verständnis dafür, dass ich diesen Beruf ausübe.“

Und mit diesem Zitat verlasse ich euch für heute.

Ach, noch eine Frage an euch, nur für das Protokoll: Was würde euch Freude daran machen, einen Mann „übers Knie zu legen“?

Recherche: Internet-Quellen, Interviews, Bücher.

Bild: Comic-Symbol für den Wunsch, "übers Knie gelegt zu werden"

Das Ungewöhnliche in Dir

Was, wenn das Undenkbare in dir aufblitzt?
In dir steckt das Gewöhnliche wie das Ungewöhnliche. Man muss kein Psychotherapeut sein, um zu wissen, dass alles, was du an Gedanken zulässt, nur die Spitze eines Eisbergs ist. Du kontrollierst dich selbst. Deine Umgebung kontrolliert dich. Dein Leben fällt dir leichter, wenn du unauffällig bist.

Und doch muss ich dich fragen: Was machst du, wenn das Undenkbare dich berührt? Wenn Gedanken in dir aufkeimen, die du zugleich fürchtest und liebst?

Es gibt kaum etwas „Undenkbares“ in der Liebe unter Erwachsenen. Die Gedanken schwimmen in uns wie die Fische im Meer. Wenn wir ihnen nicht begegnen wollen, weichen wir ihnen aus. Und wenn wir es doch wollen?

Und du weißt, wer du bist?

Du glaubst, zu wissen, wer du bist. Jeder glaubt es, die Wissenden wie die Unwissenden, die Ehrlichen wie die Falschmünzer.

Doch wer bist du, wenn dich das Undenkbare in dir berührt oder gar überfällt? Lässt du es zu? Gibst du dich dem hin, was an deiner Seele zerrt? Oder wirst du hart wie Marmor und wehrst alles ab, weil du fürchtest, was hinter den Mauern deiner Wohlanständigkeit liegt?

Hier folgt kein Rat. Aber nachdenken könntest du schon mal darüber, oder?

(Nach einigen Gedanken von Adrienne Maree Brown)