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Pornografie und Misogynie

Sehen ...
Für die einen ist klar, dass Pornografie des Teufels ist, für die anderen ist sie ein zwar nicht sonderlich erhebender, aber immerhin lustvoller Zeitvertreib. Der „Knackpunkt“, an dem sich die Geister scheiden, liegt in einem Detail: Führt die überwiegend für Männer gestaltete Pornografie zur Frauenverachtung oder hat sie keinen Einfluss auf die tatsächlichen Ansichten, die Männer über Frauen haben?

Realitäten und Fiktionen

Wir wissen längst, dass Erwachsene zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können – Tausende von Kriminal- und Liebeskitschromanen haben unsere Gehirne gestreift, ohne Spuren zu hinterlassen. Wobei die Reaktionen sehr unterschiedlich sind: Der eine stöhnt „das ist doch alles an den Haaren herbeigezogen“, der andere sagt: „ach, das sind eben eben Märchen für Erwachsene.“

Und die Pornografie? Sie durchstreift unsere Gehirne in ähnlicher Weise, bevor ein Teil ihrer Strömungen vermittels gewisser Botenstoffe in die Genitalien eindringt – und übrig bleibt … nichts.

Die moralische Panik, die über die Pornografie verbreitet wird, ist wesentlich von der Meinung geprägt: „Weil ich mich ekele, wenn ich diese Szene sehe, darf sie auch sonst niemand sehen.“ Wobei in Pornos deutlich weniger geschundene, gedemütigte und schwer verletzte Körper gezeigt werden als in Kriminalfilmen.

Kürzlich wurden einige hartgesottene Porno-Konsumenten (ja, sie waren Männer) gefragt, wie sie zur Gleichberechtigung der Frauen stehen – in durchaus unterschiedlichen Bereichen. Dabei stellte sich heraus, dass sie keinesfalls frauen- oder emanzipationsfeindlich sind – und diese Umfrage betätigte eine andere, noch neutralere Forschung, die an „gewöhnlichen“ Pornokonsumenten und Nicht-Konsumenten durchgeführt wurde.

Die Welt der Fantasien

Gewiss kann Pornografie einen negativen Effekt auf junge Menschen haben – doch die gleichen jungen Menschen haben einst auch Hexen, Teufel und böse Stiefmütter mit Mordgedanken ertragen müssen. Und sie dürfen weiterhin im Abendprogramm die mal sinnlich, mal abstoßend drapierten Überreste menschlicher Körper sehen.

Aus dieser Sicht ist es völlig sinnlos, Pornografie generell zu verdammen. Und mittlerweile gibt es einige Frauen, die produzieren oder hinter den Kameras stehen. Dabei handelt es sich oft um Frauen, die genau wissen, was die Lüste ihrer biologisch männlichen, biologisch weiblichen und andersgeschlechtlichen Menschen anspricht.

Wesentlich interessanter als jede visuelle Darstellung wären erotische Romane, die detailliert schildern könnten, was die Menschen wirklich fühlen, wenn sie aufeinander zu- und ineinander aufgehen. Davon gibt es noch viel zu wenige. Wenn ihr schon die Misogynie bekämpfen wollt – warum dann nicht mit dem sinnlichen Verlangen, das von Frauen ausgeht?

Warum das Fühlen nicht die beste Wahl ist

Die Meinung der „Zuständigen“ für Wohlbefinden schaukelt wie ein Eselsschwanz: Mal ist es gut, wenn wir alles Erfühlen, immer Mitfühlen und uns überhaupt von unseren Gefühlen leiten lassen. Dann sind Gefühle wieder ganz schlecht udn wir sollten lieber auf Tatsachen hören.

Gefühlt ist alles besser?

Ich habe mir während meines Lebens eine Menge darüber angehört: Gefühle sind immer ehrlich, immer gut, immer positiv, immer authentisch … und was dergleichen Gelaber mehr ist. Manche Therapeuten wollten uns allen (also nicht nur ihren Klienten) die Masken vom Gesicht reißen, andere „Zwiebeln schälen“, sprich uns entkernen, bevor nichts übrig bleibt als die bloß liegende Psyche. Und noch andere wollten, das wir uns gleich ganz ausziehen, weil wir nur ohne Kleider wirklich ehrlich sind und der Körper dabei „zum anderen spricht“.

Stop!

Warum wir bei Weiten zu viel "fühlen"

Wir fühlen heute öffentlich bei Weitem zu viel. Ich rede nicht von „privat“. Privat können Sie fühlen, was sie wollen, und solange es Ihnen oder anderen nicht schadet, können sie daraus, wohlgemerkt privat, die große Show machen. Typisch für öffentliche "Gefühle" ist leider die Politik – die wird mit „großen Emotionen“ belegt. Die SPD Mitglieder fühlen irgendetwas und empören sich über ihre Spitzenkandidaten, die sich hochjubel und runterputzen, wie gerade der Wind weht. Die CDU-Mitglieder sind etwas zurückhaltender, fühlen sich aber unwohl mit der Kanzlerschaft von Frau Merkel, und die FDP fühlt sich (ziemlich offensichtlich) nicht in der Lage, sich an Regierungen zu beteiligen. Bei den Grünen wird ohnehin viel zu viel gefühlt und die AfD fühlt irgendetwas, das sie für „deutsch“ hält, während die Linke sich weiterhin dem Sozialismus verbunden fühlt.

Man hört von Gefühlen, wenn von Armut und Reichtum die Rede ist, und natürlich – von Frauen und Männern, wo öffentlich nur noch gefühlt wird – überwiegend nicht mehr „wohlgefühlt“ wie es scheint.

Alles kann „gefühlt“ werden. Gesicherte Zahlen, Notwendigkeiten und Tatsachen werden abgewertet, Probleme zu stark erfühlt und Lösungen damit unmöglich gemacht.

Öffentliche Gefühle wallen - private Gefühle werden eingekesselt

Auf der anderen Seite werden die Liebe, die Lust und die Leidenschaft verkompliziert – private Gefühle, mit denen wir ja wirklich umgehen können, wie wir wollen. „Nein“, sagen die Leute, die sonst ja immer so viel in ihren Seelchen fühlen, „das könnt ihr nicht.“ Gerade von Männern wird verlangt, die innere Gedankenpolizei einzuschalten, bevor ein Satz gesagt oder gar geschrieben wird. Klar – wir müssen uns nicht dran halten – aber dann stehen wir morgen am Pranger der selbst ernannten „Mahner“.

Ganz generell ist es heute leider so: Die kollektive Seele darf hochkochen, das macht den Massen und auch der Presse offenbar viel Freude. Und jede und jeder darf öffentlich die Mimose geben, die so schrecklich viel fühlt, und dessen/deren Gefühle von anderen verletzt und gestört. Doch diejenigen, die durch öffentlich vorgetragene Gefühle angegriffen, beschimpft und verletzt werden – die müssen schweigen.

Fühlen ist nicht die beste Wahl - und schon gar nicht bei Problemen

Ganz klar: Fühlen muss wieder privater werden – und die Öffentlichkeit muss sich wieder anhand von stichhaltigen Argumenten orientieren und verlässliche Zahlen zurate ziehen. Unterschiedliche Meinungen müssen diskutiert werden, und Probleme müssen gelöst werden.

Wir sind in der Gefühlssackgasse. Egal, wer uns da hineingelockt hat – wir müssen da wieder raus – und zwar schnell.

Mythos zwei: Männer entwickeln beim Sex keine echten Gefühle

Es ist erstaunlich, wie oft im Zusammenhang mit Sex der Begriff „echte Gefühle“ verwendet wird. Er ist inzwischen so abgewertet wie „wahre Liebe“. Die Faustformel für den Mythos, Männer würden weder lieben, wenn sie Sex haben, noch würden sie wirklich intensiver Gefühle für die Frau entwickeln, lautet (1):

Eine Frau muss sich zuerst geliebt fühlen, um sich auf den Sex einzulassen, beim Mann hingegen führt die Liebe über den Sex.


Nicht nur von Vorurteilen besessene Frauen, auch Wissenschaftler verbreiten der Vorwurf, Männer würden „beim Sex“ keine echten Gefühle entwickeln, sondern von der Lust getrieben werden. Sie wollen wissen, dass Männer keine Gefühlssymbiose mit der Frau anstreben, sondern in Wahrheit nur an ihre Lustbefriedigung denken, die völlig unabhängig von der Person ist, die sie gerade beschlafen. Der Vorwurf wäre also: Frauen werden nicht „als Person“ geliebt, sondern als beliebige Sexualobjekte.

Dieser Vorwurf geht davon aus, dass der Mann beim Sex eine enge emotionale Bindung an die Person haben sollte, und diese Aussage basiert wieder darauf, dass Sex und Liebe untrennbar miteinander verbunden sein müssen.

Mythos "echte Gefühle"

Dafür gibt es allerdings nicht den geringsten Beweis, wie es überhaupt für das Vorhandensein „echter Gefühle“ beim Sex keinerlei Beweis gibt. Hier wird eine Idealvorstellung aus der Kultur auf Frau und Mann projiziert: Die Liebe führt zu besonders intensivem Sex. Besonders „kluge“ Sexualwissenschaftler wollen sogar herausgefunden haben, dass es ein doppeltes Paradoxon gibt – demnach müssen Frauen zuerst „gefühlt“ Liebe empfinden, bevor sie Sex schenken, während Männer erst „Sex ausführen“ müssten, um dann Liebe schenken zu können.

Mehr oder weniger Lust - und wieso eigentlich "echte" Gefühle?

Richtiger schient zu sein, dass Männer bei manchen Frauen während der sexuellen Spiele mehr Lust entwickeln, bei anderen aber weniger. Worauf das genau zurückzuführen ist, wissen wir nicht – aber wir dürfen annehmen, dass es an der Frau oder am Zusammenspiel zwischen Frau und Mann liegt. Und wir dürfen mit absoluter Sicherheit annehmen, dass sich Frauen wie Männer Illusionen über „echte“ Gefühle beim Sex machen. Sex ist – besonders in den Phasen höchster Ekstase – an kein eindeutiges Gefühl mehr gebunden. Wer das Gegenteil behauptet, möge es beweisen.

Männer würden gerne mehr fühlen - mehr Lust, vor allem

Die meisten Männer, so wage ich zu behaupten, fühlen sich etwas unwohl dabei, nur in Vaginen einzudringen und ihn Ihnen abzuspritzen. Wir wissen, dass manche Huren in Luxusbordellen diese Aussagen bestätigen würden. Und nur, weil Männer nicht darüber erden und nicht sagen, was sie fühlen oder gerne fühlen würden, heißt dies nicht, dass sie gefühllos sind.

Rein theoretisch könnte es sogar so sein: Während die Lust wächst und der Körper immer mehr auf sexuelles Begehren zusteuert, zieht sich das Fühlen immer mehr auf das Bekannte zurück. Also auf das, was in jeder der beiden Personen als „lustvolles Empfinden“ oder eben auch „sinnlich Fühlen“ angelegt wurde. Was im Klartext heißen würde: Beide leben „ihre Gefühle“ mithilfe des Körpers des/der anderen. (2) Diese Betrachtung ist keinesfalls abwegig, sondern kann überprüft werden. Wenn sie nicht wahr wäre, dann hätten Paare mit der innigsten Zuneigung zueinander den heftigsten, sinnlichsten und befriedigendsten Sex.

Eine ganz andere Frage wäre, ob Männer nicht „mehr fühlen“ möchten als das, was sie bei den Hubbewegungen in einer Vagina erleben dürfen. Das wäre freilich eine ganz ander Art der Betrachtung.

Immer wieder: Der Mythos von den "wirklichen" Gefühlen

Schließlich bliebe noch die Frage, was Männer denn nun „wirklich“ fühlen, bevor sie ihren Penis bemühen, während sie dies tun und nachdem sie Ejakulation und Orgasmus absolviert haben. Offenbar nutzen Männer dazu eine Art „geheimen Code“, den sie nicht einmal selbst entschlüsseln können. Denn soviel dürfte klar sein (3):

Nur, weil Männer ihre Gefühle nicht ausdrücklich äußern, sollten (Frauen) nicht einmal einen Moment daran denken, dass sie nichts fühlen oder nicht intensiv fühlen.


Oder aus männlicher Sicht: Männer nehmen die Gefühle auf, horten sie, vergleichen sie und kehren zu jenen Frauen zurück, bei denen sich sich wirklich wohlgefühlt haben.

Wenn ich Ihnen noch etwas ergänzen darf: Die meisten Männer wünschen sich intensivere und länger anhaltende Gefühle beim Sex, aber sie werden fast nie darüber reden – außer in Bordellen und zu Escort-Frauen.

mythos mannZum Thema: "Mythen über männliche Sexualität" erscheinen weitere Folgen

(1) Männerseite nach Zitaten aus "wissenschaftlichen" Werken.
(2) Mithilfe der Kybernetik ist dies ebenfalls beweisbar. Bei einem Paar, das zum ersten Mal gemeinsamen Sex hat, schöpfen beide emotional aus den Vorräten, die sie angesammelt haben und nicht aus dem gegenseitigen Fühlen.
(3) Psychology Today.


Wie ist es eigentlich, zu lieben?

Was ist los mit der Liebe?
Kaum ein Wort wir so strapaziert wie „die Liebe“. Besonders pervers gehen die Philosophen damit um, die „Liebe“ für sich (und den Rest der Menschheit) bereits als „Sozialkleister“ umdefiniert haben. Wenn die Liebe unter den Menschen weilt, herrscht Friede, Freude, soziales Miteinander und das gute Gefühl, wertvoll für die Menschheit zu sein.

Natürlich haben diese Leute kein Recht, die Liebe für sich zu vereinnahmen – es ist vielmehr die Rotzfrechheit selbst ernannter Eliten, Begriffe so zu definieren, dass sie in ihr Schema passen. Ob wir die ursprüngliche Bedeutung des Wortes oder seine vielen Definitionen anfragen: Die Liebe IST nicht, was sie IST, sondern sie wird erst durch denjenigen zum Begriff, der sie (aktiv wie passiv) erfährt. Da können sich die Spinner aus den Elfenbeintürmen auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln, oder Manuskripte vollkritzlen, so oft sie wollen, sie sind Betrüger am Begriff der Liebe. Denn allein das Individuum definiert die Liebe für sich - auf Biegen oder Brechen, und unabhängig davon, ob es damit richtig oder falsch liegt.

Wie ist es, zu lieben?

Demjenigen, der liebt, ist nicht bewusst, ob er damit etwas Sinnvolles für sich und andere tut. Und derjenige, der sich geliebt fühlt, ist auch dann nicht davon abzubringen, etwas Gute zu empfangen, wenn man ihm vor Augen führt, dass er dabei ausgebeutet wir. Dieses System von Sinnfragen, Erfüllung, Rausch, Betrug und Zweifeln geht durch alle Formen der Liebe – von der caritativen Liebe bis zu sexuelle Begierde. Ausgebeutet werden kann sowohl der ehrenamtliche Helfer wie auch die gutgläubige Zufallsbekanntschaft, und der Schmerz, geliebt zu haben und keinerlei emotionalen Gewinn daraus gezogen zu haben, überkommt gelegentlich alle, die ausdauern oder heftig geliebt haben.

Geliebt werden, weil man existiert

Man unterscheidet „im Grundsatz“ zwei Gruppen von Menschen, die sich „geliebt fühlen“: solche, die in ihrer Jugend geliebt wurden, weil sie existierten, ohne dass sie etwas für diese Liebe tun mussten, und soclhe, die geliebt wurden, wenn sie bestimmte Leistungen erbrachten. Die erste Gruppe hielt (und hält weiterhin) für selbstverständlich, geliebt zu werden. Angehörige dieser Gruppe wundern sich, wenn Ihnen die Liebe nicht gewährt oder gar entzogen wird. Im negativen Fall verzweifeln sie an sich und suchen professionelle Hilfe, im günstigen Fall finden sie jemanden, der sie bis zu einem gewissen Grad selbstlos liebt.

Geliebt werden, weil man dafür etwas tut

Die andere Gruppe weiß, dass sie für die Liebe etwas leisten muss – das heißt, sie muss emotionale Mittel oder Geldmittel aufwenden, um die Liebe stets aufs Neue zu gewinnen. Das kann bis zur Erniedrigung gehen oder (bei Männern) bis zum häufigen Bordellbesuch. Im schlimmsten Fall geraten sie an jemanden, der sie in emotionale, soziale, wirtschaftliche oder gar körperliche Abhängigkeit führt, im besten Fall finden sie jemanden, der einen günstigen „Kurs“ für die Liebe bietet oder die Emotionstaler gar 1:1 tauscht.

Irgendwo dazwischen – liebst auch du

Die meisten von uns werden sich irgendwo „dazwischen“ wiederfinden, weil wir nicht davon ausgehen konnten, jederzeit absolut selbstlos geliebt zu werden, uns andererseits aber auch nicht immer dafür anstrengen mussten. Spätestens ab der Pubertät wird ja nicht nur in „Emotionstalern“ bezahlt, sondern auch in „Gunsttalern“. Und so kommt zum Kursstand der Liebe auch noch ein weiterer Indikator für unser Ansehen: Bekommen wir Sex ohne Anstrengung oder müssen wir dafür „bezahlen“, indem wir uns anstrengen, verstellen, unterwerfen oder gar geldwerte Geschenke dafür hergeben müssen?

Liebe als Gefühl – nützlich und fragwürdig

All das ließe sich sehr einfach abhandeln, wenn wir nicht bei alldem Gefühle aktivieren würden, die uns den Kopf vernebeln. Denn wie es wirklich ist, zu lieben – das ist eine Angelegenheit, die im Kopf vor sich geht, dort bleibt und in Worte fast nicht zu fassen ist. Nur wenige Menschen lieben ihn, sie oder etwas aus einem bestimmten Grund. In Wahrheit bauen einfach eine zunächst einseitige Beziehung zu jemandem oder etwas auf. Es kann sich dabei um einen Menschen, ein Tier, eine Pflanze oder eine Antiquität handeln – das spielt zunächst keine Rolle, weil die Liebe ja noch einseitig ist. Vergegenwärtigen wir uns bitte, dass die Liebe zueinander etwas höchst Abstraktes ist – noch wesentlich abstrakter als „meine Liebe zum anderen“ oder „die Liebe des anderen zu mir“. Eigentlich ist es eine „Blackbox“, also ein Betrachtungsgegenstand, der nur durch die ein- und ausgehenden Aktionen beschrieben werden kann, dessen Inneres aber im Dunkel bleibt.

In Wahrheit – Liebe: ein Gefühl leichten Sinns

Wie ist es also, zu lieben? Die Liebe fordert uns. Sie zerrt an unseren Gefühlen, um sie in eine bestimmte Richtung zu zwingen, dun naturgemäß wehren wir uns gelegentlich dagegen. Am Ende unterliegen wir, wenn die Sehnsuchts- und Naturkräfte überwiegen. Wir geben uns der Liebe hin, stürmisch, unkeusch, tierisch und gelegentlich gar leichtsinnig.

Und wirklich zu lieben?

Oh ja, und wenn wir Glück haben, dann schwenkt uns die Liebe Sinn und Lebensqualität – aber erst sehr viel später.

Liebe – Absauger, Spender und Femmes fatales

femme fatale

Ein stabiler Mitmensch zeichnet sich vor allem dadurch aus, seinen Emotionshaushalt immer halbwegs in Ordnung zu halten. Hat man zu viel Gefühle, die hinaus wollen, so gibt man sie an die Umgebung so ab, dass niemand eine unverträgliche Überdosis bekommt. Hat man hingegen zu wenig, so versucht man eine Quelle anzuzapfen, die üblicherweise gerne ein wenig davon abgibt. Nur in der Liebe bricht zuweilen das Gefühlschaos aus – aber selbst diesen Ausnahmezustand der Natur können Menschen üblicherweise beherrschen.

Leider sind dazu nicht alle Menschen in der Lage. Mögen die allzu großzügigen Spender von Emotionen auch manchmal Unbehagen auslösen, so sind die eigentlich lästigen Mitmenschen die Sauger. Sie kommen, saugen und gehen und sagen deinen Freunden und Dir, du hättest noch lange nicht genug gegeben. Sie flehen, betteln und drohen, wenn du ihnen nicht sofort alles gibst, was sie gerade an Liebe benötigen.

Die weiblichen Exemplare der Gattung nennt man nicht ohne Grund „Vamp“ – Vampire also, Emotionssauger, Blutsauger, Gefühls-Abzocker. Früher nannte man sie auch „Femmes fatales“, eine Art von Frauen, denen man sich besser nicht nähern sollte, weil sei einen unheilvollen Einfluss auf die Männer hatten. Eigentlich sind die Femmes fatales nicht einmal Abzocker – sie tauschen ihre erotisch motivierende Gesellschaft gegen echte Gefühle, die ihnen entgegengebracht werden. Das alleine aber macht noch keine wirkliche „Femme fatale“ aus, denn auf diesen Tausch verstehen sich viele Frauen. Doch während „ganz normale Frauen“ die Kannen niemals leersaugen, die Liebe, Ansehen und gelegentlich auch ein neues Kleid garantieren, saugt die Femme fatale alles an Gefühlen ab, was verfügbar ist. Sie ist maßlos – und wenn sie alles aufgesaugt hat, was sie an Emotionen eines Menschen aufnehmen konnte, dann steigt sie über die Gefühlsleiche hinweg und sucht sich neue Opfer.

Wer einmal einem Menschen begegnet ist, der Gefühle absaugt und nie genug davon bekommt, weiß in den meisten Fällen, dass diese Menschen eine gewisse Faszination ausstrahlen, eine erotische Kraft, die unmittelbar unter die Haut geht. Es ist eine Mixtur aus vermeintlicher Stärke der Persönlichkeit, die in Wahrheit nur ein starkes Gerüst ist, und der erbärmlichen Schwäche, von den Emotionen anderer leben zu müssen.

Angesehen oder anerkannt sind sie kaum, die Blutsaugerinnen und Blutsauger. Das liegt zum Teil daran, dass sie oft gar nichts zum Tauschen haben: Nicht jeder Mensch, der sich von Emotionen andere nährt, ist eine erotisch interessante Persönlichkeit. Doch auch diejenigen, die ihre erotische Anwesenheit gegen echte Gefühle tauschen, werden schnell als Falschmünzer enttarnt: Sie können sich die angebliche erotische Kraft, die von ihnen ausgeht, anziehen und ausziehen wie ein Kleid: Sieht man sie des Nachts alleine in der Single-Wonung sitzen, verfallen sie oft wie Dracula im Sarg: Jede Faszination ist von ihnen gewichen.

Man wird selten zum Opfer eines Emotionsabsaugers, wenn man sich selbst und den Diebinnen und Dieben der Gefühle klare Grenzen setzt. Es ist besser, als „hartherzig“ angesehen zu werden, als eines Tages emotional am Boden zu liegen. Die Absaugerinnen und Absauger arbeiten so gut wie alle nach der Salami-Taktik: Gibt man ihnen eine kleine Scheibe, dann nehmen sie nach und nach die ganze Wurst. Wichtig ist aber auch, nicht nach den Lüsten zu gieren, die sie im Austausch anbieten, denn auch hier besteht sozusagen eine „umgekehrte Salamitaktik“: Erst großzügig geben, dann immer mehr einschränken.

Die Femme fatale und ihre Schwestern und Brüder sind eigentlich armselige, hilfebedürftige Menschen – aber auch Hilfe lässt sich „absaugen“. Helfer sind daher in Gefahr, selber hilflos zu werden, wenn sie einer Femme fatale helfen wollen.

Titelbild von © 2009 Sabrina Campagna