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Cassys Kritik der „50 Shades of Grey“: lesenswert

Selbstverständlich kann man Bücher auch lesen ...
Man könnte sich ja mal die Frage stellen, warum die „Shades of Grey“ so erfolgreich geworden sind – und sicher, man könnte sie so beantworten:

1. Frauen lesen sowieso Romantikkitsch am Band.
2. Die Wollust der Frauen, stets im Hinterkopf, wurde endlich salonfähig.


Cassy geht aber über diese – zugegebenermaßen sehr simple – Erklärung hinaus. Sie zeigt noch einmal auf, wie das Buch (oder die Trilogie) entstanden ist. Denn eine normale Literaturgeburt war es nicht.

Zitat:

Denn wer ein klein wenig Ahnung von der Branche hat, weiß, dass jeder große Verlag unter „normalen“ Umständen Miss Leonard das Manuskript links und rechts um die Ohren geschlagen hätte. Gesetzt den Fall, einer hätte es überhaupt gelesen.


Der „normale Weg“, das Manuskript viel zu vielen arroganten Verlegern und besserwisserischen Lektoren zu überlassen, kam bei den „50 Shades of Grey“ erst gar nicht zum Tragen. Man benötigt, so führt Cassy aus, eine „Fanbase“ – aber die hat nicht jede Autorin.

Und so bleibt – nach reiflicher Überlegung - eben nur der Schluss (Zitat):

In einer Zeit, in der „Bauer sucht Frau“, „Der Bachelor“ oder „Frauentausch“ ihren festen Zuschauerstamm haben, wird es auch eine Nachfrage nach seichter Literatur geben. Irgendwo hatte ich mal den Ausdruck „Urlaub vom Gehirn“ gelesen. Das trifft es meines Erachtens genau auf den Punkt.


In meinen Kopf ist derzeit noch ein Satz des Volksmunds gefangen, den ich hier heute mal rauslassen will: „Esst mehr Scheiße – Millionen fliegen können nicht irren.“

Alle Kritik, die je darüber geschrieben wurde, ändert aber nichts am Erfolg entsprechender Unsinns-Serien, Volksverdummungen und Nebelkerzenwürfe.

Nur eines stört mich bei alledem – da lesen die Damen diese romantisierte Juxpornografie mit ihren Readern in allen Bahnabteilen, doch offiziell halten alle die Fassaden ihrer Wohlanständigkeit hoch. Sich zugleich öffentlich zu empören und vor innerer Geilheit zu lechzen, war schon immer eine bevorzugte Spielart konservativer bürgerlicher Damen. Aber aber es zeugt nicht gerade von persönlicher Integrität und öffentlicher Aufrichtigkeit.

Wer Erfolgsgeschichten liebt (und ich gestehe, sie ebenfalls zu mögen), der kommt an den „50 Shades of Grey“ eben nicht vorbei. Und: Wiederholbar ist der Erfolg vermutlich nicht. Bleibt zu fragen: Wer dreht das nächste große Ding? Eine Hausfrau aus Grönland? Vielleicht –wenn sie über eine entsprechend „Fanbase“ verfügt.