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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Dem Gefühl oder der Vernunft folgen bei der Partnersuche?

Eine der Fragen, die Menschen ständig bewegt haben und immer noch bewegen, ist der Unterschied, ob wir uns auf unser Fühlen verlassen sollten, oder besser auf unsere Vernunft.

Wir finden darauf Antworten aller Art, von „Geist und Gefühl sind Gegner“ bis zu „Geist und Gefühl sind Teile desselben Lebens, also gehören sie zusammen.“ So weit das, was wir vielleicht in einem akademischen Zirkel hören würden.

Wir und das Animalische

Wir wissen mittlerweile recht gut, dass Gefühle etwas Animalisches sind, und die Wissenschaft sagt uns auch, dass wir nicht unbedingt die Herrinnen und Herren unserer eigenen Gefühle sind. Vielmehr sind die Gefühle, die wir wahrnehmen, folgen der biochemischen Steuerung unseres Organismus.

Welchem Gedanken folgt IHR?

Ich wende mich nun an diejenigen unter euch, die auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin sind. Folgt ihr überhaupt Gefühlen? Und falls „ja“, welchen Gefühlen folgt ihr? Was tut euer Geist dabei? Wägt ihr eure ökonomischen Vorteile ab? Handelt ihr nach dem „Bauchgefühl“? Und wenn ihr dem Bauchgefühl traut, wie zeigt sich das bei euch?

Ja, erstens bin ich wirklich neugierig darauf. Und ja, zweitens stelle ich diese Fragen ganz bewusst an euch, damit ihr euch selbst Gedanken darüber machen könnt.

Die Theorie? Sie ist nicht ganz so grau, wie ihr vielleicht meint, sondern sie schillert in allen Farben. Und sie sagt im Endeffekt: Wir sind das Produkt aus erlernten und verinnerlichten Gefühlen, die wir immer aus Neue erproben - und diese Gefühle verbinden sich dann mit der „einen“ Entscheidung für oder gegen den Partner.

Und jetzt wird es wirklich Zeit für eure Gedanken.
Schreibt mir dazu bitte via:


Haben wir zwei Seelen in der Brust?

Die Lust wird eingemischt ...
Ein „deutscher Mann“ hat sie – behauptet jedenfalls Dr. Faustus durch Goethes Feder, nicht ohne ein „ach“ einzufügen. Doch auch vergangene Kulturen haben schon gewusst, dass mehr als eine „Seele“ in der Brust „wohnt“. Der griechische Gott Janus zeigte sie sogar, indem ihm ein Januskopf gegeben war.

Der Zwiespalt ist menschlich

Der Zwiespalt war einst durchaus bekannt, schien sogar echt menschlich zu sein und wurde besonders im Bereich der Künstler, Dichter und Denker verortet. In der Blüte des Bürgertums verschwand jeder Zwiespalt hinter der Fassade des Wohlanstands. Hinter den Mauern der Bürgerhäuser allerdings trieb er dann heftige exotische Blüten. Fast alle von uns haben irgendwann einmal die Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ gelesen. In ihm wird die Persönlichkeit noch durch eine Droge gespalten. Man schrieb das Jahr 1886 – lange, bevor der Begriff „Schizophrenie“ entstand. Erst seit 1908 wurde dieses Wort verwendet, und es dauert noch etliche Jahre, bevor man diese Diagnose bei „Patienten“ verwendete.

Ist der Zwiespalt eine Frage für die Psychiatrie?

Indessen ist der Zwiespalt nicht etwa in den Bereich der Psychiatrie abgewandert. In den eigenen Gefühlen ein „sowohl als auch“ festzustellen, hat schon nahezu jeden Menschen getroffen. Das gilt besonders für unsere Lüste und Begierden.

Werfen wir einen kurzen Blick darauf: Wir können über unsere sexuellen Lüste nicht ausschließlich „willentlich“ entscheiden. Es gibt keinen grünen Knopf für „loslassen“ und einen roten für „stoppen“. Wenn unser biochemisches „System“ anfängt, Lustdrogen zu produzieren, dann will es etwas damit erreichen. Und um dies auch durchzusetzen, versucht es, unser Denken vorübergehend auszuschalten. Nun können wir eine Weile „dagegenhalten“ und uns sagen: „Tu es nicht, das könnte Folgen haben.“

Jekyll und Hyde - vereint sind sie menschlich

Jedes Mal, wenn wir das tun, bringen wir „Jekyll und Hyde“ in uns wieder in Einklang, aber sie verschwinden deshalb nicht aus unserem Potenzial an Gefühlen. Denn wir bleiben ja ein Teil der Natur und die sagt uns: „Wenn du deine Lust erfüllen willst, musst du auch ein Risiko eingehen.“

Der „Zwiespalt“ zwischen dem drängenden Trieb, der heut oft als „Notgeilheit“ bezeichnet wird, und der Tugend es Verzichts, wurde von Jahren noch ausschließlich Männer zu geschrieben. Inzwischen „deckeln“ auch Frauen ihre Sexualität nicht mehr und bekennen sich dazu, ihre Lüste ausleben zu wollen.

Die Natur hat meist die stärkeren "Argumente"

Wie die Konflikte „Natur gegen Vernunft“ in unserer Psyche ausgehen? In Wahrheit wissen wir das nicht. Die Natur hat normalerweise die stärkeren „Argumente“, weil sie nicht einfach mal aus Jux damit beginnt, sexuell erregende Botenstoffe ins Blut zu pumpen. Bekanntermaßen sind diese sehr wirksam, und deshalb benötigt der Geist viele gute Argumente, um diesen Ansturm jetzt nicht zuzulassen.

Und weil dies so ist … werden wir uns mal dazu entschließen, uns von den Wogen der Natur mitreißen zu lassen. Und ein anderes Mal werden wir abrupt und verwirrt auf die Bremse treten.

Wie immer alles ausgeht – mal strahlen unsere Augen vor Glück, „es“ getan zu haben, mal bilden sich danach Sorgenfalten. Und wenn wir „es“ nicht taten? Dann fragen sich einige, was sie wohl versäumt haben und andere rühmen sich, standhaft geblieben zu sein.

Menschen haben eben innere Konflikte. Stellen wir uns den Konflikten, Zwiespälten, Lüsten und Ängsten. Einen besseren Rat weiß ich nicht.

Bild: Henri Caruchet, Auschnitt, Illustration von 1904.