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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die Beziehung - oder warum es nicht damit klappt und wie doch

Eine Beziehung zu jemandem zu haben, ist ein komplexes Räderwerk - so hätte man wohl zu Blütezeiten mechanischer Wunderwerke gesagt. Jedenfalls bedeutet es, sich mal mehr zu synchronisieren, und mal weniger. Einmal wirst du die ganze Kraft brauchen, um selbst etwas zu schaffen, dann wieder wirst du zusätzlich die Kraft, Ausdauer, Gefühlswelt oder den Ideenreichtum deines Partners benötigen. Und natürlich ist da noch mehr - Sinnlichkeit, Intimität, Frivolität. Und das ist nur der oberflächliche Teil der Partnerschaft. Ohne Probleme, ohne Sorgen um den Arbeitsplatz, ohne den Wechsel des Aufenthaltsorts, ohne Kinder, Eltern und Schwiegereltern. Ohne Verlockungen und Seitenblicke.

Die Beziehung ist also nicht frei von Risiken und Unwägbarkeiten.

Wir könnten nun sagen: „Je perfekter ein Paar von Anfang an harmoniert, umso fester wird die Beziehung.“

Das ist die Hoffnung, der viele anhängen. Doch es könnte auch eine Illusion sein.

Das Gemeinsame - kein Geschenk des Himmels

Denn „das Gemeinsame“ wird uns nicht geschenkt. Bei den üblichen Verlegenheitsfragen nach dem Musikgeschmack oder dem Lieblingsbuch wird unterstellt, dass es „gemeinsame Interessen“ gibt. Das gemeinsame Fühlen und Handeln entsteht aber nur dadurch, dass man es „auch tatsächlich macht“.
Ein noch typischeres Beispiel ist die Intimität: Sie kennt keine Theorie, und sie entsteht auch nicht schon dadurch, dass man einmal miteinander schläft. S, wie das gemeinsame Kulturverständnis nicht dadurch entsteht, einmal in ein Konzert zu gehen.

Kurz: Das Gemeinsame entsteht dadurch, dass man es tut.

Sprechen über Banales udn Fernes - ohne Bezug zur Realität

Ich beobachte, dass Heteropaare viel von ihrer Oberfläche erzählen. Dann gehen sie in eine ferne Zukunft, also in individuellen Traumwelten. Stimmt meine Traumwelt mit der des/der anderen überein? Wird er/sie mich heiraten? Will er/sie Kinder, wann und wie viele?

Dagegen wäre nicht einmal etwas einzuwenden, wenn beide dabei nicht von ihren Traumwelten redeten, sondern bei den Realwelten blieben, also dem, was ihnen jetzt oder in ein paar Monaten möglich ist. Das wäre der Bereich, über den sich reden ließe - aber genau der wird ausgeblendet.

Auf diese Weise geben Paare der Beziehung von vorn herein nur eine geringe Chance. Das Wichtige für die Beziehung wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Es wird nicht im „Irgendwo“ sondern in der Realität stattfinden. Meist (vor allem beim Online-Dating auf Entfernung) werden tief greifende Entscheidungen notwendig sein: Wohnort, Arbeitsplatz, Finanzen, mögliche Absprachen über den Tagesablauf und vieles mehr.

Wer das nicht begreift, sollte gar nicht erst ein Date einplanen. Dem Rest von euch wünsche ich Mut und Zuversicht.

Offener Brief an DIE Frauen (oder doch an eine?)

Liebe Frauen,

Jeder von uns führt das Leben, das er führen kann – nicht alle von uns führen das Leben, das sie führen möchten. Kurz: Das Leben kann für jeden von uns hart sein.

Wir nehmen uns heraus, Meinungen über Frauen zu haben. Nicht über „die Frauen“, sondern über dich – dich dort und auch dich dahinten, die du jetzt distanziert am Bildschirm sitzt.

Das ist genau das, was ihr auch tut: Keine von euch weiß, wie „die Männer“ sind. Aber ihr wisst, wie der Mann neben euch ist, oder der Mann, dem ihr häufiger begegnet und dem Mann, der euch von einer Parkbank aus beobachtet. Also hört auf, von „den Männern“ zu reden – ihr machst euch lächerlich.

Ich lese aufmerksam:

Nur weil wir als Frauen existieren, heißt das nicht, dass wir … euch … etwas schulden. Wir sind auch Menschen und versuchen nur, unser Leben ohne Einmischung zu leben.

Hey, IHR schuldet UNS nichts. Aber WIR schulden EUCH auch nichts. Schuldverhältnisse entstehen durch Interaktionen, und die geschehen zwischen Individuen. Nicht zwischen „DEN Frauen“ und „DEN Männern“.

Wenn ich euch als DU gut finde, finde ich euch gut, und ich sage das. Und ich frage mich nicht, was IHR darüber denkt, wenn ich EUCH gut finde. Ich habe eine Meinung über konkrete Personen, nicht über EUCH. Und ich habe ein Recht, diese Meinung zu vertreten. Selbstverständlich beurteile ich dich, die du dort hinter dem Bildschirm sitzt oder die du mir im Warenhaus oder im Büro begegnest. Es ist mein gutes Recht, dies zu tun, und oft ist es eine Notwendigkeit. Und Achtung: Dabei spielt keine Rolle, ob du eine Frau oder ein Mann bist.

Und ach, was lese ich da? Ich habe „nett“ zu Frauen zu sein, wörtlich:

(Nur) … ein netter Kerl zu sein macht dich zu einem netten Kerl.

Um Himmels willen … ich bin nicht euer Haustier. Kein Mann (nun ja, kaum einer) will es sein. Wenn ihr einen „netten Kerl“ wollt, dann schafft euch einen Hund an. Und falls ihr einen Partner wollt, sei er Frau oder Mann, dann ertragt bitte schön, dass diese Person nicht allzeit „nett“ ist, sondern ein Mensch mit Ecken und Kanten.

Das gilt übrigens in jede Richtung: Kaum jemand will einen Menschen, der vor allem „nett“ ist – wegen der Langeweile, die von „netten“ Menschen auf Dauer ausgeht.

Am Ende lese ich:

Frauen muss nicht gesagt werden, was sie tun sollen, wie sie sich anziehen sollen, wie sie sich verhalten sollen und wie sie sich fühlen sollen. Wir schulden Männern nichts.

Wer sagt EUCH denn das? Männer? Ein Mann? Frauen? Eine Frau? Influencer(innen)? Redakteurinnen von Frauenzeitschriften? Freundinnen?

Ich bin mal gar nicht nett und sage zum Schluss dies:

Wer sich ständig darüber beklagt, wie er von anderen gesehen wird, sollte über sich nachdenken – nicht über die anderen. Falls es dich betrifft und zu dem Schluss kommst, dass bei dir alles OK ist – dann lebe damit, dass die Welt nicht so ist, wie du sie gerne hättest. Und der Satz richtet sich an Frauen wie an Männer.

Es schreibt euch: der Mann, der sagt, was er wirklich denkt – und nicht das, was ihr gerne hören würdet.

Gebhard Roese

Geschrieben als Antwort auf diesen Blogbeitrag, aus dem die Zitate stammen.