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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das lästige Gendern und die "Romance Gender Gap"

Das lästige Gendern und die „Romance Gender Gap“ beschäftigt sich nicht allein mit dem „Vergendern“ der Sprache, sondern auch damit, gewisse Ideologien nachhaltig in die Sprache einzubauen. Neuerdings gib es noch einen PR-Trick: Man nutzt den Begriff „Gender Gap“ , um die PR für seine Dating-App zu verbessern. Offenbar mit Erfolg.

Was ist eigentlich eine "Gap"?

„Mind the Gap“ kennst ihr wahrscheinlich, wenn ihr in London mal U-Bahn gefahren seid. Denn zwischen der letzten Trittstufe (beim Aussteigen) und dem Bahnsteig befindet sich auf vielen U-Bahnhöfen eine Lücke.

So weit, so gut. Das Wort „Gap“ wird auch benutzt, wenn es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, dann heiß es „Gender Gap“. Leider hat auch der gender-ideologisch begründete Unterstrich den gleichen Namen bekommen.

Ein Unterstrich als Transportmittel für eine Ideologie

Gehen wir zunächst mal dem Strich nach: Wer schreibt „Lehrerinnen und Lehrer“ ist ein gebildeter Mensch, der allerdings viel Mühe auf Geschlechtergerechtigkeit verwendet. Wer hingegen schreibt „Lehrer_innen“, der will entweder zeigen, dass es eine sprachliche Gleichstellung zwischen Lehrerinnen und Lehrern gibt oder auch das Gegenteil beweisen. Das bedeutet: Beide lehren zwar, aber es gibt zwischen ihnen Unterschiede. Das ist zwar ein Teil der ideologischen Verblendung, die derzeit von Soziologen und Soziologinnen ausgeht, steht aber tatsächlich so im Internet. (Zitat, 1)

Der Gender-Gap ist ein Unterstrich, der zwischen Wortstamm und weibliche Endung gesetzt wird. Er schafft eine Lücke zwischen Männern und Frauen und damit Raum für die Vielfalt der Geschlechter.

Und als ob dies die Ideologie nicht schon genügend unterstreichen würde,, fährt der Autor (oder die Autorin) der Webseite fort:

Der Gender-Gap hat eine politische Bedeutung: Er soll stören, irritieren und zum Nachdenken anregen über die Binarität von Mann und Frau.

Nun gut, ich könnte das ja mal ignorieren: Ideologen sind zwar lästig, richten mit ihrer Selbstherrlichkeit oder Selbstfraulichkeit auch nicht allzu viel Schaden an.

Und was hat mich bewegt, diesen Artikel dennoch zu schreiben?

Die Gender-Gap mal ohne Unterstrich - was heißt denn das Wort?

Die Gender-Gap in einer neuen Variante – und nun müssen wir mal weg vom Strich und hin zu den Unterschieden. Da sind wir beim Duden ganz gut aufgehoben, der schreibt (Zitat, 2):

Signifikanter Unterschied zwischen den sozialen Geschlechtern im Hinblick auf Lebensbedingungen, Einkommen, Verhalten, Fähigkeiten, Interessen u.Ä.

Die Definition stammt, wie unschwer zu erkennen ist, ebenfalls aus der Soziologie. Ich bin gespannt, wie der Duden-Benutzer mit dem Satz „Signifikante Unterschiede zwischen den biologischen Geschlechtern“ umgehen würde.

Die APP und die "Gender Romance Gap"

Das alles war nur der Anfang, denn nun hat sich eine „App“ des Begriffs bemächtigt, noch das Wort „romantisch“ hinzugefügt und es für die eigene PR benutzt.

Das heißt dann: „Gender Romance Gap“ oder auch ohne „Gender“ nur „Romance Gap“. Die Frauenzeitschriften, die immer auf alles fliegen, was als „Dating Phänomen“ vermarktet werden kann, erklären es anhand der Unterlagen, die sie von den Betreibern der App bekommen haben. Im Prinzip ist dies sogar ein Akt der Aufklärung, denn die App-Betreiber beschreiben die „Romance Gap“ als (Zitat,3, Übersetzung):

Die Diskrepanz im Verhalten, das von männlichen … Personen und weiblichen Personen beim Dating und in Beziehungen erwartet wird, oder von Personen, die sich als „männlich“ oder „weiblich“ darstellen. Dieses Phänomen könnte Liebessuchende davon abhalten, beim Dating oder in Beziehungen ihr authentisches Selbst zu sein.

Das ist nun wirklich ein Satz, über den wir mal nachdenken könnten – und sollten. Wir kennen Oberkellner, denen man ansieht, dass sie sehr bewusst das Schauspiel aufführen, Oberkellner zu sein. Oder Sparkassenfilialleiter, die aussehen und sprechen, als sein sie ein Klischee eines „Bankbeamten“. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass ein Mann dem Klischee entsprechen will, von dem er glaubt, dass Frauen dementsprechende Männer lieben. Und für Frauen gilt, dass sie beim Dating in der Jugend ganz bewusst eine Rolle spielen sollten, die dem Mann gefällt (nicht nur in den USA).

Falscher Begriff oder unsinnige Erläuterungen?

Und, hallo liebe Frauenzeitschriften: Nein, es handelt sich nicht um einen Dating-Trend, sondern um ein Verhalten, um jemandem gefallen zu wollen. Deswegen eine Rolle zu spielen, ist für viele Menschen ein Teil ihres Lebens – und kein Trend. Ich denke, Bewerber (mal ohne _innen) werden ein Lied davon singen können – und Personalleiter(innen) auch.

Wenn heute jemand sagt: „Die Romance Gap muss unbedingt abgeschafft werden“, dann ist er (sie?) einem Irrtum zum Opfer gefallen. Erstens ist diese Lücke kein Trend, sondern war schon immer eine Form der Selbstdarstellung, und zweitens kann man so etwas nicht „abschaffen“, sondern bestenfalls für sich selbst ändern.

Übrigens steht beim sogenannten „Dating“ nur die Person für sich selbst ein – sie kann also so viel oder so wenig schauspielern wie sie will und sich „anpassen“ oder auch nicht.

Und bevor ich es vergesse: Wer nach wie vor nach „Gentlemen“ sucht, wie so viele Frauen, der ist mitten drin im Rollenklischee – oder in der Märchenwelt.

Zitat (1) Genderleicht
(2) Duden
(3) Bumble.


Hinweis zur Rechtschreibung: Der Duden empfiehlt eine andere Schreibweise für "Gender-Gap", nämlich "Gendergap" und sieht "Gap" als männlich an. Ich hatte mich mal für weiblich entschieden (die Lücke), was laut Duden aber falsch ist.

Das Weibliche im Mann und die "Wissenschaften"

Das Weibliche im Mann und die „Wissenschaften“ beruht auf den - meiner Ansicht nach höchst fragwürdigen - Forschungsergebnissen eines Wissenschaftlers, der bereist in das Online-Lexikon "Wikipedia" Eingang fand.

Bist du ein Mann? Dann hat ein US-amerikanischer Professor eine Neuigkeit für dich: Wenn du nicht ruppig genug bist und deine Männlichkeit herauskehrst, dann hast du etwas Weibliches in dir.

Nun ist die unwahrscheinlichste Annahme überhaupt, dass Männer nur „männliche“ Eigenschaften haben und Frauen ausschließlich weibliche. Im Kern haben wir beide Anlagen, bei Mann eben ein wenig mehr Männliche und bei der Frau eben ein wenig mehr Weibliche.

Die Queer-Theorie wird immer mehr zum „Maßstab“

Die Queer-Theorie hat uns alle ein bisschen „queerer“ gemacht. Und deswegen sind alle Jungs, die Freude an „weiblichen“ Interessen haben, nun (Wikipedia-Formulierung) „Hetero-Tunten“, oder nach der englischen Bezeichnung eben „Straight Sissy Boys“ – wobei „Sissy“ ein ebensolches Schimpfwort ist wie „Tunte“. Außerhalb der Queer-Theorie würde man dies als „blanken Unsinn“ bezeichnen, aber seit die sogenannten „Heterosexuellen“ fast ausschließlich aus der Sicht der Queer-Theorie beurteilt werden, müssen wir offenbar jeden Unsinn „schlucken“.

Einsatz für „Quere“ Menschen heißt: Du bist eigentlich auch „Queer?“

Du setzt dich dafür ein, dass Queere Menschen anerkannt und integriert werden? Wenn du ein Mann bis, dann heißt du ab sofort: „Social-justice straight-queer“. Mit anderen Worten: Wenn du sie verteidigst, hast du selbst solche Anteile. Was im Umkehrschluss heißt: Ein echter Mann will nichts mit „Schwulen“ zu tun haben. Ich frage mich, ob man den gleichen Unsinn auch Frauen zuschreiben würde, die sich für die Rechte homosexueller Frauen einsetzen.

Praktiken werden mit sexuellen Identitäten verwechselt

Wenn du dich nicht als homosexuell bezeichnest, aber mit einigen Praktiken kokettierst, wirst du zum „Elective straight-queer“. Das heißt, dass durchaus Praktiken magst, die als „schwul“ gelten, du dich aber emotional nicht zu Männern hingezogen fühlst. Dieses Thema klingt höchst brisant, ist aber völlig trivial. Denn eine sehr große Anzahl von Männern weiß durchaus, was „Pegging“ bedeutet und welche Gefühle Männer dabei haben können. Niemand hat etwas dagegen, wenn Typen mit „stahlharter Männlichkeit“ darauf verzichten – aber es hat wirklich wenig mit „Queer-Sein“ zu tun. Auch hier ergibt sich die Frage: Würde man jemals einer Frau solch ein Attribut zuweisen, wenn sie – beispielsweise – den Cunnilingus aktiv ausübt? Oder ihn lieber von einer Frau empfängt als von einem (unrasierten) Mann?

Die freie Wahl der sexuellen Praktiken als Verschärfung?

Wenn du das noch ein bisschen ausbaust, gehörst du schließlich zu den „Committed straight-queers- das sind jene, die Praktiken, die als „nicht-heterosexuell“ gelten, in ihr Sexualleben integriert haben. Das trifft nur auf wenige Männer zu, aber auch sie verdienen keine Etikettierung.

Mode und Körperpflege – typisch weiblich?

Die nächste Kategorie kennen wir nur zu genau: Ein durchschwitztes, oft gewaschenes und nicht gut sitzendes T-Shirt samt billigster, schon leicht fleckiger Jeans ist das, was der echte Mann tragen sollte. (Vergaß ich die Feinripp-Unterhosen?). Wenn du es nicht tust, kommst du in Verdacht, metrosexuell zu sein oder eben ein „Stylistic straight-queer“, die bunten Klamotten trägt, sich für Kunst interessiert und Körperpflegemittel verwendet. Merke: Ein richtiger Mann boxt, spiel Fußball und stinkt ab dem späten Nachmittag nach Schweiß. Tust du es nicht, steht dir bald auf der Stirn geschrieben, dass du ein Weichling oder Sitzpinkler bist. Oder mit anderen Worten: Ein Mann, der nicht auf das gängige Männlichkeitsideal passt.

Schattensexualitäten als Veranlagung?

Ei, ei – aller guten Dinge sind sechs. Nun folgt noch der Schattenmann. Der ist „eigentlich das Ideal eines Menschen, weil er keinem Klischee folgt. Oder im Sinne von Wikipedia: Männer, die sich zwischen Anpassung und Nicht-Anpassung an klassische männliche Rollenbilder befinden, ohne eine bewusste Entscheidung treffen zu können oder zu wollen, im Neo-Soziologen-Schnack „Males living in the shadow of masculinity“. Das heißt so ungefähr: Männer, deren Männlichkeit im Schatten lebt, aber nicht in den Vordergrund gestellt wird.

Wer sich als "echter Kerl" erweisen will, der hat nichts "Weibliches"?

Na, Mann, hast du dich als „echten Kerl“ vorgefunden? Dann bist du eisern „Hetero“ und PiV ist die einzige Art, in der du dich sexuell betätigst. Du sagst überall, dass du nichts gegen Schwule hast, aber wandelt sich der Satz so, dass du Schwule hasst. Natürlich hast du nie von einem Mann geschwärmt, nie seine Nähe genossen und deine Dreier (real oder in der Fantasie) waren immer MFF-Dreier. Dir hat niemand jemals auch nur einen Finger in den Anus gesteckt (auch keine Frau) und schon gar keine Plugs, Dildos oder so. Du liebst es, in Jeans oder gar im Trainingsanzug herumzulaufen, und du trägst Feinripp. Falls du ein „Schlipsträger“ bist, besitzt du zwei Krawatten und vier einfarbige Oberhemden. Du stets immer deinen Mann und weißt genau, was für einen Mann gut und richtig ist. Klar, dass du auch weißt, wie Frauen zu sein haben … oder?

Das Problem der Definition entstand mit dem Begriff "Heterosexualität"

Wie ich schon mehrfach erwähnt habe, entstand das Problem, Heterosexualität ständig neu definieren zu müssen, aus Abgrenzungsproblemen der Psychologen und Sozialwissenschaftler. Man kann sagen: Sobald die „Heterosexualität“ als Begriff erfunden wurde, musste sie ständig neu definiert werden. Da dies sogenannten „Heterosexuellen“ darin gar nicht interessiert sind, weil sie sich nicht angesprochen fühlen, versuchen Personen der sogenannten „Wissenschaften“, die selbst erzeugte Verwirrung durch neue Begriffe zu stützen – und damit abermals neue Verwirrungen hervorrufen.

Und eine Frage bleibt: Würde man die gleichen „Erkenntnisse“ auf sogenannte Hetero-Frauen übertragen können? Wäre beispielsweise eine natürlich wirkende Frau, die sich weder schminkt noch betont modisch daherkommt, schon eine „non-stylistic straight-queer“ Person? Ist eine Installateurin schon ein Tomboy, weil sie sich für mehr für Technik interessiert als für Spitzenunterwäsche?

Oder ganz generell: Würde man eine sexuell selbstbewusste Frau, die einige durchaus sinnliche herb-männliche, verdeckte Eigenschaften hat, als „queer“ bezeichnen?

Vermutlich nicht.

Die Forschung: Hier eine Kurzfassung.
Die Interpretation im deutschen Wikipedia-Lexikon.
Das Thema erweitert und mit Kritikpunkten versehen: Englisches Wikipedia. Zusätzlich empfehle ich das Buch "Straight" von Hanne Blank, Boston 2012.

Warum wir keine Hetinnen und Heten sind und uns auch nicht so nennen lassen sollten

Die Begriffe „Heten“ und „Hetinnen“ sind Beleidigungen. Klar kann man das verstehen - aber es bleibt dabei. Ohne „wenn“ und „aber“. Man mag argumentieren, diese Unwörter seien die Revanche der Homosexuellen auf die Bezeichnungen „Homo“ und/oder „Lesbe“. Und vor allem muss man zeigen, wie man sich abgrenzt - von den „Hetinnen“ und „Heten“, diese Leute, die immer noch „binär“ denken oder sich gar für „normal“ halten. Und es sollen auch diejenigen sein, die „Schwule“ insgeheim verachten oder ihnen nicht die gewünschte Ehre erweisen. Und wenn die „Stinos“ dann noch Verständnis aufbringen oder gar wissen wollen, wie es einem Menschen in seinem „Schwulsein“ ergeht, dann dann wird ihnen vorgeworfen, heuchlerisch zu sein oder unangemessen zu fragen.

Der Ursprung: Wissenschaftliche Überheblichkeit

Es gilt, etwas zu klären - nämlich warum es Heterosexuelle gibt und wie diese übergriffige Klassifizierung zustande kam.

Die eigentliche Ursache für den höchst oberflächlichen Begriff „heterosexuell“ liegt in der Wissenschaft. Sie suchte seit dem 19. Jahrhundert ein Etikett für die „mannmännliche Liebe“ und erfand Urninge, die ein Gegenüber brauchten: Dioninge. Da sind die heutigen „Heterosexuellen“, die erst etikettiert wurden, nachdem die Wissenschaft das Kunstwort „Homosexuelle“ erfand. Das neueste Etikett für das, was einst „Heterosexuell“ hieß, ist heute „Cis“ - wieder erfunden und verbreitet von der „Wissenschaft“. Nachdem man allerlei sexuelle Ausrichtungen unter dem Begriff „Queer“ zusammengefasst und etikettiert hatte, brauchte man auch noch einen Sammelbegriff für die anderen. Und die waren dann eben „Cis“.

Paradoxerweise weisen sich Homosexuelle zwar als solche aus, wollen aber nicht, dass die „Heten“ über ihre Homosexualität oder ihr „Leben an sich“ reden. Sie sagen uns Sätze, die wir nicht sagen sollen, legen uns Fragen in den Mund, die wir gar nicht fragen wollten.

Die sogenannten "Heten" als Störer

Und falls wir bösen, bösen Heten dann doch noch fragen, was denn so los ist bei denen, die anders lieben, wird gleich als die Schubkarre davorgestellt:

Wenn es kein Problem wäre, würden homosexuelle Männer nicht andauernd von Heten hören, dass ihr Arsch aber in Ruhe gelassen wird. Es würden lesbische Frauen nicht ständig von hetero Frauen erzählt bekommen, dass sie ja auch schon mal eine andere Frau geküsst haben. Und vor allem müssten sich queere Menschen nicht ständig so eine Sülze anhören.

Müssen wir, die wir uns im Grunde gar nichts definieren wollen, eigentlich ständig als „Heterosexuelle“, „Heten“ oder „Hetinnen“ beschimpfen lassen? Wenn sich „Homosexuelle“ so nennen wollen - dann sollen sie sich so nennen. Und meinetwegen auch „Queer“. Aber wir sollten ihnen klar ansagen: Nur, weil ihr „Queer“ seid, sind wir noch lange nicht „Cis“. Wir können und wollen uns definieren, wie sich Menschen eben definieren. Und wir sollten wirklich aufhören, uns Namen geben zu lassen, nur weil gerade mal wieder ein Sozialforscher von sich reden machen wollte.

Alle sollen sich nennen, wie sie wollen - solange sie sich das Etikett selbst aufkleben

Also mal Tacheles: Die queeren Mitmenschen sollten tun, was sie für gut und richtig halten, und sich meinetwegen definieren, wie sie wollen. Aber sie sollen bitteschön aufhören, die anderen definieren zu wollen. Das ist ein Übergriff, und somit von vornherein - eine Frechheit. Und das gilt selbst dann, wenn man bereits in Kreuzworträtseln nach dem „Gegenteil von Homosexuell“ fragt.

Zitat aus: Netzpolitik.
Sehe auch: Verfälschungen: Heterosexualität.

Die Woche: Züchtigungen, Gefühle und Geschlechtertausch

Eines der Ziele der Liebeszeitung besteht darin, Hintergründe von Liebe, Lust, Leidenschaft und ähnlichen Themen einfach, aber nicht banal darzustellen. Und: Wir weigern uns, uns in den Dienst von Interessengruppen zu stellen. Ich weiß, dass dies einmal behauptet wurde – aber es ist Bullshit. Die Liebeszeitung ist liberal und weltoffen - und das bleibt sie auch.

Lust an der Züchtigung ... was wir wissen, was noch fehlt ...

Die „Lust an der erotischen Züchtigung“ ist einer der Versuche, die wir letzte Woche unternahmen. Da wäre noch mehr möglich gewesen – aber meine Leser(innen) sind derzeit stur und kommuniziere nur wenig. Die guten Quellen, die ich habe, sind rar, was hauptsächlich daran liegt, dass viele Blogger(innen) und Autorinnen eher „Züchtigungsmärchen“ veröffentlichen als intensive Gefühlsschilderungen.

Warum Kitschgefühle unterhaltsamer sind als echte Gefühle

Das Erforschen von „wahren“ Gefühlen ist schwer, und die Literatur gefällt sich oft darin, Klischees von Gefühlen zu vermarkten. Der Grund: Kitschgefühle sind immer eindeutig, und sie erzeugen gewaltige Emotionen. Echte Gefühle sind oft mehrdeutig, sie zeigen die Abgründe der Psyche und sie regen zum Nachdenken an. Wer Ordnung in seine Gefühle bringen will, muss aber zwangsläufig den Verstand einschalten. Darüber schreibe ich diese Woche.

Die Küchenpsychologie - ein Rückschritt für die Emanzipation

Apropos Psyche: Die Küchenpsychologie heißt so, weil sie weiblich dominiert ist. Das sollte emanzipierte Frauen wirklich zu denken geben, wenn sie über „Psychologie“ reden, die keine ist. Wie wäre es, ernsthaft an die Feinheiten oder gar Wirrungen der menschlichen Psyche zu gehen? Warum ich das schreibe? Weil in Frauenzeitschriften immer wieder über „Beziehungsunfähigkeit“ geschwafelt wird.


Geschlechtervielfalt - wirklich so wichtig?

Derzeit sind unsere geschwätzigen Gazetten voll von Geschlechter-Definitionen. Ausgelöst werden sie von LGBT*-Community und ihrem akademischen Überbau. Sie will, dass möglichst viele Menschen wissen, was jeder der inzwischen unendlichen Geschlechtervarianten bedeutet. Nützt uns dieses Wissen? Ich bezweifle es. Wäre es nicht ungleich interessanter, sich ganz „binär“ mit der Psyche des anderen Geschlechts auseinanderzusetzen oder seine Rolle anzunehmen? Und läge es nicht näher?

Marginalien und Interna

Einen geringen, aber bedeutenden Teil der Inhalte der „Liebeszeitung“ bekomme ich aus Fragen, die an mich gestellt wurden. Diesmal war es die „Beziehungsunfähigkeit“, die mich veranlasste, noch ein wenig auszuholen.

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die Unterhaltung hier ein bisschen zu kurz kommt. Das liegt vor allem an der Qualität der Unterhaltungsbeiträge. Alles, was ich in den letzten vier Wochen an erotischen Geschichten las, wirkte leblos und zudem völlig banal. Interessanter war schon, was unsere Großväter sich angeschaut haben: diverse Varianten von Damenhöschen, Strapsen, Strümpfen und Präsentationen von Oberschenkeln. Aber all dies gilt heute wohl als „frauenfeindlich“ und kann selbst bei der Veröffentlichung unter „Zeitgeschehen“ noch missverstanden werden.

Na und? Damals war damals. Die Reise zurück in die Zeit der 1950er-Jahre, der 1920er-Jahre oder gar der viktorianischen Epoche kann noch viel frivoler sein. Und dann wird es wirklich unterhaltsam. Und schrecklich-schön „unzüchtig“.

Bis dann … ich muss im Juli etwas „kürzertreten“. Doch ich habe weiterhin Lust auf mein Magazin und ich hoffe, ihr habt auch Lust, diese Zeitung in Zukunft zu lesen.

Ein schönes Wochenende für alle.

Frauen, Männer und eine zweifelhafte Wissenschaft

Grüße von der haarigen Verwandtschaft
In meinem jungen Jahr war ich ein kühner Verfechter der Gleichheit zwischen Frauen und Männern. Bereits in der Kybernetik verwurzelt, wenngleich noch kein IT-Spezialist, wusste ich: Die Gehirne von Frauen und Männern arbeiten in genau gleicher Weise.

Das taten sie und das tun sie bis heute. Das Gehirn ist voller Prozesse, die vollständig automatisiert ablaufen. Die meisten nehmen wir nur dann wahr, wenn eine Störung auftritt. Damals war noch unbekannt, in welchem Maße die Natur mit Neurotransmittern arbeitet, um bestimmte Körperreaktionen zu befeuern. Das ändert aber nichts an der Tatsache: Der Teil des Gehirns, der unser Denken prägt, funktioniert bei Frauen und Männern gleich. Die „Ansteuerung“, auf die wir wenig Einfluss haben, ist etwas unterschiedlich - sie ist eine Folge unseres Säugetier- und Primatenerbes.

"Gleichheit" bei Frauen und Männern - das heikle Thema

In der Zeit, von der ich gerade berichte, gab es erste erste intensive Diskussionen darüber, wie es denn um die Gleichheit zwischen Frau und Mann stünde, und es gab Vorträge dazu. Die Diskussionen fanden unter einem intellektuellen, akademischen Dach statt, das weitgehend von Studenten beherrscht wurde.

Nachdem nun alle (und ich auch) für Gleichheit plädierten, stand eine Ärztin auf, stellte sich vor und sagte:

Ich kann beim besten Willen nicht bestätigen, dass Frauen und Männer gleich sind. Kein Arzt dieser Welt wird dies im Ernst behaupten“.

Es gab, wenn ich mich recht erinnere, eine kurze Stockung in der vergeistigten Auseinandersetzung. Ich musste lange darüber nachdenken, aber wir war sofort klar, dass sich die Realität des Seins nicht mit der Theorie der Wissenschaft vertrug.

Das Leben erklären ohne natürliche Grundlagen?

Erst viel später erfuhr ich, dass viele Geisteswissenschaftler ihr eigenes Leben niemals in die Theorie einbeziehen, ja, dass sie glauben, es verfälsche die wissenschaftliche Arbeit. Sehe ich mir an, wie sich viele Philosophen, Soziologen und Psychologen ausdrücken, so wird klar, dass sie sich selbst gar nicht meinen – und uns im Grunde genommen auch nicht. Und ja, es gibt Ausnahmen. Redliche, nachdenkliche Menschen, die sich sogar in einer verständlichen Sprache ausdrücken können. Personen, die wissen, dass sie nur einen Baustein der Wahrheit beforschen.

Nachdem ich all dies gesagt habe (und ihr es hoffentlich gelesen habt), fiel mir ein Satz in die Hände:

Jeder weiß, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind, außer Soziologen.

Da ich die Nase immer noch auf dem Boden habe, weiß ich, dass dieser Satz heute nicht mehr „durchgeht“. Ich habe die „anderen Geschlechter“ nicht erwähnt und die sexuellen Ausrichtungen der Frauen und Männer nicht berücksichtigt. Und – ich halte dies auch nicht für nötig. Es darf geben, was es gibt, aber wir sind wahrhaftig biologische Wesen – und keine Gehirngeburten der Soziologie oder Psychologie.

Die Empörung der Geisteswissenschaften

Viele Geisteswissenschaften leiden bis heute an der Einstellung, die Biologie habe mit dem, was sie beforschen, nichts zu tun. Sie hatten sich schon erfolgreich gegen die „Übergriffe“ der Kybernetik gewährt, die sie für eine Wissenschaft hielten, die „an der Technischen Hochschule“ ihren Platz hat. Das empörte sie schon damals. Und nun wollen die Naturwissenschaftler erklären, was es mit dem „Menschsein“ auf sich hat? Bis heute zweifeln Soziologen/Soziologinnen, dass es überhaupt möglich sei, das Menschsein aus der Evolution heraus zu erklären und biologischen Faktoren einen Stellenwert zuzumessen.

Soziologie - die Parallelwelt

Stattdessen erfindet man eine Parallelwelt, in der Leben kann, wer sich auf skurrile Theorien einlässt, aber kaum jemandem zuhört, der in den Realität lebt. Dort wird das „Ende der Liebe“ proklamiert, und der Autor wird mit Lob überschüttet, dort wird die angeblich „binäre“ Geschlechterzuweisung verbal totgetrampelt - und die Presse applaudiert. Dort werden neue Sprachregelungen erfunden und kritiklos übernommen. Ja dort - wo man unter sich ist und sein eigenes Süppchen kochen kann.

Nein - das tun nicht alle Soziologen. Aber diejenigen, die es nicht tun, gehen auch nicht auf genügend Distanz zu den Ideologen und gesellschaftlichen Spalter(innen).

Frauen und Männer - gleich, aber nicht in jeder Weise

Ich will für heute schließen. Aber ich denke, ich werde das Thema noch oft aufgreifen - und den zitierten Satz, der zwar auch schon vor etwa 30 Jahren geschrieben wurde, finde ich sehr bemerkenswert. Wer ihn nicht mag, kann ihn auch so umformulieren:

Jeder hat schon erfahren, worin sich Frauen und Männer unterscheiden - es ist nicht schwer, wenn man nur eines tut: am Leben teilzunehmen. Dann ist es auch einfacher, die Gemeinsamkeiten zu entdecken und mit den Unterschieden zu leben.

Im Grunde, daran zweifle ich keinen Moment, sind wir klug genug, um unsere eigenen Erfahrungen zu machen.

Zitatenquellen:

Erstes Zitat: Ungenannte Ärztin während einer Diskussion in Stuttgart, frühe 1970er Jahre.
Zweites Zitat: The Ape That Understood the Universe", Cambridge 2018., Nach Buss und Schmitt, 1993.
Dritte Hervorhebung (kein Zitat) vom Autor (Gebhard Roese).
Bild © 2020 by Gebhard Roese