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Was lernte ich als Redakteur der Liebeszeitung (2)?

Teil zwei: Geschlecht, sexuelle Identifikation und Lust

Der gewöhnliche, gebildete und angeblich tolerante Mensch denkt, mit dem Etikett einer sexuellen Identität sei etwas Wichtiges für andere (selten für sich selbst) gewonnen. Möglicherweise sei es sogar ein bahnbrechender Schritt, um sich endlich eindeutig zu definieren.

Nun gibt es viel sexuelle Etiketten, und jedes Jahr wird ein neues erfunden. In den letzten Jahrzehnten war es vor allem die Homosexualität, zu der sich viele bekannten. Es ist, dies sei vorausgeschickt, ihr gutes Recht. Allerdings heißt dies nicht, dass sich die Rest-Menschheit nun zur Heterosexualität bekennen muss.

Nach der üblichen Definition ist homosexuell, wer ausschließlich von der erotischen Attraktivität des gleichen Geschlechts sexuell angezogen wird und die Sexualität auch ausschließlich so auslebt.

Heterosexuelle - Erfindung von Schwarz-weiß-Denkern?

Wenn man das übliche Schwarz-weiß-Denken zugrunde legt, müssten sogenannte „Heterosexuelle“ also ausschließlich der Attraktivität des anderen Geschlechts verfallen, nur von ihm erotische angezogen werden und nur mit ihm die eigene Sexualität ausleben können.

Man muss gar nicht die Forschung bemühen, um zu beweisen, dass es diese Ausschlüsse gar nicht gibt. Denn obgleich die meisten Menschen bevorzugen, sich dem anderen Geschlecht zuzuwenden, werden sie zugleich auch von anderen attraktiven Personen „angezogen“. Mithin finden sie Gegenstände oder Beobachtungen sinnlich, die sich weder als „weiblich“ noch als „männlich“ definieren lassen und sie geben sich oft und gerne – sich selbst hin.

Wenn Sie über Liebe, Lust und Leidenschaft schreiben, werden Sie neutraler in der Beurteilung von Personen, die sich nicht an die üblichen Konventionen halten, aber kritischer gegenüber sexuellen Sektierern. Denn normalerweise lässt sich verbindlich sagen: Die Sektierer igeln sich gegenüber der Restwelt ein und bilden Ideologien, während die Unkonventionellen eher die Mauern durchbrechen.

Innerhalb der „ganz gewöhnlichen“ Menschen ist nicht klar:

1. Homosexualität ist Homosexualität und unveränderbar.
2. Homoerotische Gefühle sind bei sogenannten "Heterosexuellen" verbreitet, unterschiedlich ausgeprägt und und sie wechseln in Art und Intensität.
3. Als „homosexuell“ eingestufte Praktiken sind zunächst nur sexuelle Praktiken – sie haben mit Homosexualität gar nichts zu tun.

Wer über die Liebe schreibt, muss nahezu alle Definitionen und Etiketten überwinden können und eine menschliche Sicht auf Menschliches gewinnen. Das fällt nicht immer leicht, aber es lohnt den Versuch.

Cisgender – ein Unwort mehr

Cisgender - das missbrauchte Wort
Einstmals waren wir Menschen, die sich mal ein Etikett aufklebten und mal nicht. Ein Polizist war ein Polizist – gut, das fällt ja auch wirklich auf. Aber ein Buchhalter war eben nicht nur ein Buchhalter. Er war Kunde, Fahrgast, Ehemann, Vater und vielleicht sogar – ein Freier.

Heterosexuell contra Homosexuell: unerwünschte Etiketten von der Wissenschaft

Dann begannen die Wissenschaftler, Etiketten zu verteilen. Eines der Etiketten, mit denen diese Forscher ihre Popularität steigerten, war „Homosexuell“ – das Wort galt als Durchbruch bei der Etikettierung von Männern, die Männer lieben, wurde aber später auch für Frauen verwendet. Zuvor hatte man andere Begriffe, wie die „Mannmännliche Liebe“ oder „Konträre Sexualempfindung“, der Mann, der Männer liebte, wurde auch als „Urning“ (1) bezeichnet.

Nachdem sich homosexuelle Frauen und Männer zusammenschlossen, wurde immer wieder ein Begriff gesucht, um sich von den „anderen“ abzusetzen. Und in diesem Zusammenhang musste dann auch ein gemeinsamer Name für sich selbst gefunden werden. Ebenso wie ein „wissenschaftlicher“ Begriff für die „Anderen“, die man nicht einfach als „Normalos“ oder „Stinos“ durchgehen lassen wollte.

Dioning, Heterosexueller, Cisgender

Schon früh wurde versuchsweise der Begriff „Dioning“ (1) für einen „Normalmann“ verwendet – sodass beide, also Urninge und Dioninge, auf der gleichen Stufe standen. Heute bezeichnet man alle Menschen (Frauen und Männer) als „Heterosexuell“, kurz auch „Heteros“. Oder einfacher: Alle Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft sind „Queer“, der Rest ist „Straight“.

Warum nun aber „Cisgender“?

Der Begriff existiert im Grunde nur innerhalb der LGBT-Gemeinde, um „andere“ von „Transgender-Personen“ abzugrenzen. Cisgender ist demnach jeder, der nicht Transgender ist. Und „Transgender“ ist ein Mensch (meist ein Mann, es kann aber auch eine Frau sein), der (die) sich nicht zu der Geschlechtsidentität bekennt, die bei der Geburt festgestellt wurde, sondern der (die) sich nach eigenem Dafürhalten „im falschen Körper“ befindet.

Cisgender als Modewort für Heterosexuell?

Der Begriff „Cisgender“ wird also als Gegenteil von „Transgender“ gebraucht – ob dies Sinn hat oder nicht, mag man bezweifeln. Unzweifelhaft aber ist die Tatsache, dass der Begriff von modern sein wollenden Autorinnen und Autoren für „nicht schwul“, „straight“ oder „heterosexuell“ verwendet wird.

Weil sich das Wort kaum übersetzen lässt, wird es in Deutsch genau wie im Englischen als „Cisgender“ verwendet. Heißt: Wir haben ein Unwort mehr, das im Grunde nicht akzeptabel ist und zudem von dem abweicht, was im Ursprung gemeint war: „Personen, die nicht transsexuell sind.“

(1) Nach Karl Heinrich Ulrichs

Warum die Menschen „Sex haben“ - vier Mal erklärt

Warum schnackeln, vögeln oder bumsen Menschen miteinander? Warum lassen sie sich sinnlich massieren oder lustvoll schlagen?

Unsere Idee, gleich eine ganze Serie darüber aufzutischen, kam uns bei einem einzigen Satz, der verkürzt so heißt:

(Masturbieren macht Männer einsam) … und viele haben dann gar keine Lust mehr, mit der eigenen Frau zu schlafen.


Nehmen wir mal das „Eigene“ heraus, das höchst anzüglich ist, dann heißt dies nicht mehr und nicht weniger als: „Na ja, also Masturbieren ist wirklich toll – da kann man echt darauf verzichten, das Affentänzchen mit einer Frau aufzuführen.“

mann plus frau
Der Mann: Warum schläft er mit Frauen?

Der nächste Schritt war (für uns naheliegend): Gibt es denn keine anderen Gründe, mit einer Frau zu schlafen, als „in sie hineinzumasturbieren“ ohne Gefühle zu zeigen? Und wir haben mal „Orgasmus, Sex und Lust“ fein säuberlich getrennt – sollte man immer tun, wenn man über den Austausch von Körperkontakten redet.

Tatsächlich fanden wir sieben der möglicherweise 77 Gründe, mit einer Frau zu schlafen.

frau plus mann
Die Frau: Warum schläft sie mit Männern?

Und weil wir immer versuchen, in der Liebeszeitung auch die „andere Seite“ zu verstehen, haben wir die gleiche Recherche (ja, es war eine Recherche, was dachtet ihr?) auch mal bei der Gegenseite zu versuchen.

Dabei kamen dann ebenfalls sieben Gründe heraus, warum eine sogenannte "heterosexuelle" Frau mit einem ebenfalls "heterosexuellen" Mann schlafen könnte.

Warum "heterosexuell" zu sein nichts ausschließt

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Und war uns das schon genug? Nein, natürlich nicht, denn gerade fiel das Wort: „Heterosexuell“. Und da ist doch die Frage: Welche sexuelle Aktivität ist denn „typisch heterosexuell“? Sagen wir’s salopp: „Heterosexuell“ ist ein Wort aus dem Repertoire von „Neusprech“, das weder ein wissenschaftlich exakter Begriff ist noch eine präzise sprachliche Definition beinhaltet. Es wurde erfunden, um nicht den Begriff „Normal“ verwenden zu müssen, der Homosexuelle als „Unnormale“ ausgrenzen würde. Und doch benutzen wir den Begriff "heterosexuell" so selbstverständlich, als wüssten wir genau, was „heterosexuell“ ist. Wir ordnen uns damit in ein Schema ein, das weder wissenschaftlich noch sprachlich korrekt ist, dem wir aber alle unterworfen werden. Die Autorin Hanne Blank hat dies ausführlich, logisch und beinahe unangreifbar dargelegt.

frau und frau
Warum Hetero-Frauen sinnliche Lüste zu Frauen entwickeln

Und also haben wir geforscht, was sogenannte „heterosexuelle“ Menschen dennoch mit dem gleichen Geschlecht in die Federn treibt – und fanden zunächst bei den Frauen (die offenbar auskunftsfreudiger sind) mehr glaubwürdige Beiträge als bei den Männern. Natürlich wissen wir seit Langem, dass Frauen miteinander offenkundig zärtlicher umgehen als Männer, und die Forschung sagt uns, dass die Hemmschwelle, Frau-Frau-Affären zu beginnen, relativ niedrig ist. Sieben Gründen, warum eine Frau das Bett mit einer anderen Frau teilen könnte, waren schnell gefunden.

mann und mann
Der Hetreo-Mann - scheu, was seine Gefühle anbelangt

Blieben noch die Männer – Hürden überall, weil Männer überwiegend verschweigen, welche sinnlichen Gelüste sie haben – egal, wann, wo und mit wem. Zunächst fanden wir nur drei Gründe, warum Männer gelegentlich Lust auf Männer bekommen, bevor wir dann noch einmal das Netz durchpflügt haben und auch auf die geforderten „sieben Gründe“ kamen. Einschränkend müssen wir sagen: die Anzahl der Fundstellen war nicht wirklich ausreichend, aber uns scheint, das Bild ist plausibel.

Warum also schlafen Menschen miteinander?

Das generelle Fazit können wir so zusammenfassen: Begehren, Lust und Neugierde, gekoppelt mit der Gelegenheit, sind die Hauptgründe für jede Art von erotischen Körperkontakten – und zweifellos auch die schönsten.

Und übrigens: Ihr könnt alle euren Senf dazugeben. Wir wollen wissen, was ihr meint, und ob unsere Recherchen sich mit euren Erfahrungen decken.

Wenn du dir nix merken kannst, musst du mehr vögeln

Bist du jung, so zwischen 18 und 29, weiblich und heterosexuell? Dann haben wir hier einen hervorragenden Tipp: Wenn du dich oft vögeln lässt, kannst du dir so Worte wie „Miatrotzbrocken“ (und so was Ähnliches) besser merken. Aber keine Gesichter. Das macht aber nix, weil du die Kerle ja sowieso nicht wiedertreffen willst, oder?

Geht aber nur bei PIV-Sex. (2) Das ist echtes Vögeln mit eintauchen.

(1) (Zitat) Results showed that frequency of PVI was positively associated with memory scores for abstract words, but not faces.(2) - "Penis in Vagina"

Frauen lieben und doch Sex mit Männern haben?

Der Titel „Frauen lieben und doch Sex mit Männern haben?“ ist bewusst redundant gewählt. Wenn eine Frau andere Frauen liebt, aber üblicherweise Sex mit Männern hat, fällt dies kaum auf. Zumal der Begriff „Lieben“ nebulös und der Begriff „Sex haben“ zumindest interpretierbar ist.

Im Fokus der Forscher stehen stets Männer, die üblicherweise Frauen lieben – und sich selbst als heterosexuell bezeichnen. Was bringt diese Männer dazu, sexuelle Kontakte mit anderen Männern einzugehen?

Psychology Today“, will es wissen und beruft sich auf eine Studie aus dem Jahr 2010.

Das Hauptargument der Männer, die sich weder prostituierten noch eine andere Entschuldigung hervorbrachten, war demnach eine Art lustvoller Reflex, den man auch als Neugierde bezeichnen könnte – oder als Triebabfuhr – je nach Interpretation.

Weiterhin stellte PSYCHOLOGY TODAY fest, dass weitere Studien belegen, heterosexuelle Männer würden zu ihrer ´Hetero-Identität“ stehen, wenn …

… es wenig oder gar keine emotionale Verbindung mit ihrem Sexpartner geben hätte.
… es gab kein Interesse an der Person und keine Bindung an sie.
… die Aktivität fand nur gelegentlich statt im Vergleich mit Sex-Kontakten zu Frauen.


Allerdings wirft diese Betrachtung viele Fragen auf. Zunächst wäre zu berücksichtigen, welche sexuelle Kontakte überhaupt stattgefunden haben.

Dann wäre die Frage, ob die Kontakte als lustvoll oder erregend empfunden wurden, was wesentlich interessanter wäre als die Frage, wie sich die Männer „identifizieren“.

Nehmen wir an, diese Männer wären in ein richtiges Plüsch-Bordell gegangen. Dann könnte man feststellen: „Diese Männer bezeichneten sich nicht als Hurenböcke, weil sie keine emotionale Verbindung zu ihren Geschlechtspartnerinnen hatten und sich in keiner Beziehung mit ihnen befanden. Und weil sie häufiger ihre Ehefrauen vögelten als Huren.“

PSYCHOLOGY TODAY heute führt in dem kurzen und letztendlich nichtssagenden Artikel insgesamt sieben Studien auf, die den dürftigen Textaufguss wissenschaftlich untermauern sollen.

Weil wir den Anfang redundant gehalten haben, soll’s auch der Schluss sein. Wahrscheinlich würde man eine Frau, die mit einer anderen Frau intime Berührungen geteilt hat, zunächst danach befragen, ob sie dabei Lust empfunden hat – und nicht, ob sie sich weiterhin als „heterosexuell“ einstuft.