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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Haben wir zwei Seelen in der Brust?

Die Lust wird eingemischt ...
Ein „deutscher Mann“ hat sie – behauptet jedenfalls Dr. Faustus durch Goethes Feder, nicht ohne ein „ach“ einzufügen. Doch auch vergangene Kulturen haben schon gewusst, dass mehr als eine „Seele“ in der Brust „wohnt“. Der griechische Gott Janus zeigte sie sogar, indem ihm ein Januskopf gegeben war.

Der Zwiespalt ist menschlich

Der Zwiespalt war einst durchaus bekannt, schien sogar echt menschlich zu sein und wurde besonders im Bereich der Künstler, Dichter und Denker verortet. In der Blüte des Bürgertums verschwand jeder Zwiespalt hinter der Fassade des Wohlanstands. Hinter den Mauern der Bürgerhäuser allerdings trieb er dann heftige exotische Blüten. Fast alle von uns haben irgendwann einmal die Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ gelesen. In ihm wird die Persönlichkeit noch durch eine Droge gespalten. Man schrieb das Jahr 1886 – lange, bevor der Begriff „Schizophrenie“ entstand. Erst seit 1908 wurde dieses Wort verwendet, und es dauert noch etliche Jahre, bevor man diese Diagnose bei „Patienten“ verwendete.

Ist der Zwiespalt eine Frage für die Psychiatrie?

Indessen ist der Zwiespalt nicht etwa in den Bereich der Psychiatrie abgewandert. In den eigenen Gefühlen ein „sowohl als auch“ festzustellen, hat schon nahezu jeden Menschen getroffen. Das gilt besonders für unsere Lüste und Begierden.

Werfen wir einen kurzen Blick darauf: Wir können über unsere sexuellen Lüste nicht ausschließlich „willentlich“ entscheiden. Es gibt keinen grünen Knopf für „loslassen“ und einen roten für „stoppen“. Wenn unser biochemisches „System“ anfängt, Lustdrogen zu produzieren, dann will es etwas damit erreichen. Und um dies auch durchzusetzen, versucht es, unser Denken vorübergehend auszuschalten. Nun können wir eine Weile „dagegenhalten“ und uns sagen: „Tu es nicht, das könnte Folgen haben.“

Jekyll und Hyde - vereint sind sie menschlich

Jedes Mal, wenn wir das tun, bringen wir „Jekyll und Hyde“ in uns wieder in Einklang, aber sie verschwinden deshalb nicht aus unserem Potenzial an Gefühlen. Denn wir bleiben ja ein Teil der Natur und die sagt uns: „Wenn du deine Lust erfüllen willst, musst du auch ein Risiko eingehen.“

Der „Zwiespalt“ zwischen dem drängenden Trieb, der heut oft als „Notgeilheit“ bezeichnet wird, und der Tugend es Verzichts, wurde von Jahren noch ausschließlich Männer zu geschrieben. Inzwischen „deckeln“ auch Frauen ihre Sexualität nicht mehr und bekennen sich dazu, ihre Lüste ausleben zu wollen.

Die Natur hat meist die stärkeren "Argumente"

Wie die Konflikte „Natur gegen Vernunft“ in unserer Psyche ausgehen? In Wahrheit wissen wir das nicht. Die Natur hat normalerweise die stärkeren „Argumente“, weil sie nicht einfach mal aus Jux damit beginnt, sexuell erregende Botenstoffe ins Blut zu pumpen. Bekanntermaßen sind diese sehr wirksam, und deshalb benötigt der Geist viele gute Argumente, um diesen Ansturm jetzt nicht zuzulassen.

Und weil dies so ist … werden wir uns mal dazu entschließen, uns von den Wogen der Natur mitreißen zu lassen. Und ein anderes Mal werden wir abrupt und verwirrt auf die Bremse treten.

Wie immer alles ausgeht – mal strahlen unsere Augen vor Glück, „es“ getan zu haben, mal bilden sich danach Sorgenfalten. Und wenn wir „es“ nicht taten? Dann fragen sich einige, was sie wohl versäumt haben und andere rühmen sich, standhaft geblieben zu sein.

Menschen haben eben innere Konflikte. Stellen wir uns den Konflikten, Zwiespälten, Lüsten und Ängsten. Einen besseren Rat weiß ich nicht.

Bild: Henri Caruchet, Auschnitt, Illustration von 1904.

Die Hingabe in der Literatur

Trotz aller Hingabe ist der Vogel ausgeflogen ...
Die Hingabe in der Literatur - oft nur ein fragwürdiges Synonym für den Geschlechtsakt.

Zunächst will ich euch sagen, dass ich stets versuche, mich in meinen Artikeln völlig der Kunst des Schreibens hinzugeben. Ob mir das immer gelingt, mag zweifelhaft sein. Sicher aber ist, dass ich viel über die Wörter in Erfahrung bringe, die ich verwende. Heute ist es die Hingabe.

Hingabe als "Preisgabe", selbstloses Geschenk oder eigener Genuss?

Ich habe mir überlegt, was das Wort „Hingabe“ für einen Schriftsteller bedeuten könnte und mir einen Text schreiben lassen, der keinen literarischen Anspruch hat, sondern das Wort mehrfach ventiliert, sodass es verschieden Bedeutungen annimmt. (1)

Ihrem ersten wirklichen Liebhaber hatte sie sich hingegeben, ohne lange nachzudenken. Ihre Mutter meinte, sie habe sich an ihn verschenkt, weil sie das größte Gut einer Frau dabei preisgegeben hätte. Indessen hatte ihre „Hingabe“ an einen Mann dazu geführt, dass sie darüber nachdachte, wie es wäre, sich wirklich ganz der Lust hinzugeben, die sie zumindest einen Moment lang gespürt hatte. Sie fragte sich, wieso sie überhaupt etwas „von sich gab“, wenn sie sich dem Manne „hingab“, und sie überlegte, wie es wohl wäre, lediglich in der Lust zu versinken. Nein, es wäre kein Hinnehmen, auch nicht einfach ein Aufnehmen – eher wäre es schon ein Eintauchen in die Wollust des Leibes, wenn alle anderen Wahrnehmungen schwänden.


Ist es möglich, sich passiv hinzugeben?

Es ist möglich, aber dennoch fragwürdig, von einer „aktiven“ und einer „passiven“ Hingabe zu sprechen. So schreiben die Autorinnen gerne von der „passiven“ oder „willenlosen“ Hingabe im Sinne einer „Hinnahme“ des Unvermeidlichen – und schon sind sie in eine Falle geraten: Hingabe enthält das Wort „Gabe“, das seinerseits einen Willensakt beinhaltet. Die „Hingabe“ im also im Grunde ausschließlich ein Akt des Willens: Etwas von sich selbst zu geben oder zu schenken, aber auch sich selbst mit dem ungeteilten Genuss zu beschenken.

Hingabe als Synonym für "Geschlechtsakt"

Das Wort „Hingabe“ wird in vielen Liebesromanen in höchst eigenartiger Weise benutzt. Einige Autorinnen versuchen damit, den Liebesakt „als solchen“ weiträumig zu umschiffen. Bei den ganz Vorsichtigen beginnt die Hingabe bereits mit dem Entschluss, sich irgendwie ineinander zu verkuscheln. Manchmal schmilzt der innere Widerstand wie Gelee, und mit ihm erwischt das Gefühl dann auch das Herz. Bei anderen muss die Seele eingebracht werden, die „von der Lust ergriffen“ wird, um dann ihrerseits die Hingabe auszulösen.

Völlig unklar: die Gefühlslage

Damit es keinen Zweifel gibt, was wirklich geschieht, muss die Hingabe noch mit „völlig“ oder „willenlos“ geschmückt werden. Dabei wird die Hingabe oft schon erwähnt, bevor die Dame „ihre Lust verspürt“. Wobei die Motive höchst zweifelhaft sind. Mal wird behauptet, die Frau gäbe sich hin wie einst Eva – dann erwartet die Frau durch ihre Hingabe, dass der Mann ihr das Glück schenken und sie heiraten würde. Die Gefühlslage bleibt dabei unklar – mal wird das Verlangen erwähnt, das den Körper erbeben lässt, dann wieder entsteht aus der Hingabe eine „plötzliche Leidenschaft“. Und gelegentlich gibt sich die Frau einfach hin, weil sie wissen will, wie sie sich danach fühlt. Auch die klassische Version wird noch veröffentlicht – in ihr gibt sich die jungfräuliche oder jedenfalls unerfahren Frau dem hin, was offenbar unerlässlich ist – und wundert sich, dass sie auf ein „ungebremstes Begehren“ des Gatten trifft.

Um Texte zu zitieren, die für viele andere steht, nehme dich diese Beispiele (2):

Ich gab mich völlig hin und spürte dabei meine immer größer werdende Lust.


Oder etwas länger, aber ähnlich banal:

Ich gab mich diesem Mann völlig hin. Meine lange unterdrückte Sehnsucht nach einem männlichen Körper überwältigte mich, und die unglaublichen Empfindungen, die ich dabei hatte, ließen meinen Körper erschauern.


Man muss nicht literarisch gebildet sein, um festzustellen, dass beide Texte nicht das Geringste aussagen. Die Hingabe wird dabei zu nichts als einem Hohlwort. Die Lust wird „nachgeliefert“, klingt aber nun völlig blutleer, und die Gefühle werden so flach abgehandelt, als hätten beide Damen gesagt: „Und dann schaltete ich die Waschmaschine in den Schleudergang, sodass der Zahnputzbecher erzitterte.“

Aussagen und Hingabe, einfach und doch differenzierter

In differenzierten Texten wird die Hingabe dann aktiver, bewusster und offener angesprochen. Dann gibt sich die Frau beispielsweise hin, weil sie dem Mann angehören will – und nicht etwa die „Frau für eine Nacht“ sein. Das klingt zumindest glaubwürdig. In einem anderen Text wird der Autorin klar, dass es den „Moment ohne Rückkehr“ gibt, und sie schildert die Hingabe knapp nüchtern als „Ausschalten des Gehirns.“ Wieder eine andere Autorin erwähnt, dass sich ihre Figur im Grunde jedem Mann „hingeben“ könne – er müsse ihr nur gefallen. Immerhin erklärt der knappe Satz, wie diese Frau ihre „Hingabe“ versteht.

Klartext: Wenn die „Hingabe“ ein Prozess ist, dann sollte er mit allen Steigerungen und möglichen Hemmungen sinnlich beschrieben werden – sei es in gedanklichen Konstruktionen oder in unmittelbaren Gefühlen.

Selbstverständlich kann man die Hingabe auch kühl abhandeln, aber dann ist die Rede von Frauen, die gegenüber der zufälligen Leidenschaft bereits abgestumpft sind. Oder eben von solchen, die mit ihrer Hingabe und anderen vorgetäuschten Emotionen eine Art Handel betreiben.

Das Fazit: "Hingabe" nur benutzen, wenn das Wort wirklich passt

Fassen wir zusammen: Das Wort „Hingabe“ für den „Vollzug des Geschlechtsakts bei Frauen“ ist antiquiert und sollte nur noch verwendet werden, wenn es in die Zeit passt, in der die Geschichte handelt. Die „passive Hingabe“ existiert nicht, auch wenn sie von vielen Autorinnen angeblich so beschrieben wird. Wenn sich jemand „passiv hingibt“, dann nimmt er etwas hin, was er für unvermeidlich hält. Zudem ist „Hingabe“ keine einzelne Handlung, sondern ein Prozess, der sich beschreiben lässt.

(1) Textkonstruktion, um unterschiedliche Bedeutungen des Wortes zu veranschaulichen, von Isidora Fecekazi.
(2) Umschreibungen (abgewandelte Texte, um die Nachforschung zu erschweren) aus tatsächlich existierenden Texten.
Bild: Aus "La Vie Parisienne" von 1911 (Ausschnitt) Künstler: fabiano.

Die absolute Hingabe

Einst eine Erwartung, heute umstritten: die Hingabe
Was eine Hingabe eigentlich bedeutet, ist im Deutschen nicht völlig klar. Grimms Deutsches Wörterbuch (1) sagt aus, dass die Hingabe“ nach „neueren Quellen“ die „Hingebung in Liebe“ bedeute. Ursprünglich war die Hingabe eines Gutes gemeint, im Extremfall die Hingabe der Freiheit. Im weiteren Sinne überwiegen aber Bezüge, die mit der Liebe zur Kunst oder zu einem Menschen zusammenhängen. So wurde in Teilen Deutschlands auch die Verlobung der Frau als „Hingabe“ bezeichnet. Ein anderer Begriff dafür wäre das ebenso altertümliche Wort „die Preisgebung“(2). Das Wort „Hingabe“ wird nicht immer positiv bewertet, und im 19. Jahrhundert lesen wir gar, dass „Prostitution die gewerbsmäßig betriebene Hingabe“ sei.

Sich hemmungslos hingeben?

Was bedeutete es nun, sich jemandem „hemmungslos“, „absolut“ oder „völlig“ hinzugeben?

Die Redensart kommt in modernen, schnell dahingeschriebenen Liebesromanen vor. Nachdem die Partnerin in irgendeiner Weise sexuelle erregt wurde, gibt sie sich ihm/ihr unvermittelt „völlig hin“.

Hemmungslose Geilheit ?

Gemeint ist zumeist, dass ihre Geilheit auf einem Punkt angekommen war, an dem sie an nichts anderes mehr dachte, als befriedigt zu werden. Das heißt: alle Gedanken an die Begleitumstände, und damit auch alle eventuell vorhandenen Bedenken waren plötzlich verschwunden. Mit ihnen vergingen dann auch die eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Die völlige Hingabe ist – wenn sie nicht gespielt wird oder durch romantische Verzückung mental gestützt wird – eine Folge des Einsatzes körpereigener Drogen, also an sich etwas völlig Natürliches. Die Natur drängt ihre Geschöpfe, einen einmal eingeleiteten Geschlechtsakt in jedem Fall zu vollenden und versucht daher, den Rückzug in jedem Fall zu vereiteln.

Einfache Formel für die Hingabe


Oder, sehr einfach:


Je weniger der Geschlechtsakt durch Gedanken „gestört“ wird, umso größer ist die Möglichkeit der „absoluten Hingabe“.

Die Hingabe als ideologische Unmöglichkeit

Aus der Sicht der „Neusprech-Bewegung“, die für „soziale Korrektheit“ sorgen will, ist die die Lust, sich hinzugeben, ein Tabu. Die Vertreter dieser Philosophie sehen im Geschlechtsakt einen gleichberechtigten, durchgängig bewussten Prozess. Jede Form von Asymmetrie wird dabei ausgeschlossen, und Hingabe wird in diesem Zusammenhang mit „Unterwerfung“ gleichgesetzt. Erstaunlich dabei ist, wie Menschen in ihrem Lusttaumel noch „psychische Prozesse“ oder gar Feinheiten des „neuen Lust-Knigges“ wahrnehmen wollen. Und um es zu verdeutlichen: Hier ist nicht von SM-Aktivitäten die Rede, sondern von der reinen, unverfälschten Begierde gewöhnlicher Paare.

Psychologie und Esoterik als Helfer für die Hingabe?

Manche Psychologen sagen, die Hingabe sei ein „psychischer Prozess“, der erlernt werden könne, weil die Hingabe etwas mit „Urvertrauen“ zu tun habe. Das mag stimmen, wird aber zur Farce, wenn es mit zu viel esoterischem Unsinn ummantelt wird. Natürliche Prozesse wie die Hingabe kann man durch psychische Hemmungen, falsches Lernen, verinnerliche Ideologien, Ängste vor den Folgen oder Gedankenkonstruktionen verhindern. Es mag verschiedene Meinungen dazu geben, wie sie sich auflösen lassen – doch sicher nicht dadurch, dass man behauptet, man müsse neue veränderte psychische oder esoterische Methoden entwickeln, um dies zu tun.

Männer, analer Zugang und SM-Spiele

Nicht ausschließlich Frauen, auch Männer haben gelegentlich Vorbehalte unterschiedlicher Art, sich „absolut hinzugeben“, und sie drücken sich je nach Art und Veranlagung so aus, dass sich der Penis nicht versteift oder die Ejakulation gehemmt ist. Die größten Vorbehalte haben Männer immer dann, wenn sie selbst (anal) penetriert werden sollen – das betrifft auch heterosexuelle Männer, die sich auf Rollenspiele oder Pegging einlassen.

Hingabe gleich Kapitulation?

Hingabe, das Hingeben oder Aufgeben, auch die „Kapitulation“, wie man wörtlich übersetzt im Englischen sagen würde, sind Reizwörter, weil sie in einem Zusammenhang mit Macht, Aufgabe der Macht und sogar Ohnmacht verwendet werden. Die Forderung, sich hinzugeben, ist deshalb ehrenrührig, der Wunsch, sich hinzugeben, aber durchaus vorhanden und ein Beweis des Selbstbewusstseins. Denn nur derjenige oder diejenige wird sich lustvoll hingeben, der/die weiß, dass der nächste Tag wieder die Person hervorbringt, die man zuvor darstellte.

Lösung: sich der animalischen Natur bewusst werden

Es gilt also, wie so oft in der Liebe, sich seiner animalischen Natur bewusst zu sein und sie mit der Lust und der Realität verbinden zu können. Das ist allemal hilfreicher als jede Diskussion um die Berechtigung der Hingabe.

Es ist eine große Aufgabe – möglicherweise eine, die viele Jahre in Anspruch nimmt – und wohl dem, der dabei eine einfühlsame Partnerin oder einen entsprechenden Partner hat.

(1) Bei Grimm - nachlesen.
(2) Preisgebung ist noch stärker als "Hingabe" mit dem Begriff "sich als Beute hingeben" verbunden. Weitere Gedanken zur Hingabe und zum Konflikt um den Wortgebrauch in DIE ZEIT.
Bild: Buchillustration,oberer Teil des Bildes, ca. 1925

Die Lust an der Hingabe

Hingabe - wenn, dann ganz und gar ...
Mag sein, dass du nie passiv warst. Bist du eine Frau? Und du warst nie passiv? Hast dich nie hingegeben, weil du verliebt oder notgeil oder betrunken warst? Und du lügst wirklich nicht? Und … hättest du es dir gewünscht? Niemals?

Ein Mann ist nie passiv, oder warst du es doch schon einmal? Nicht einmal, weil dich jemand bedrängt hat, weil du neugierig warst oder so betrunken, dass du leicht zu überzeugen warst, dich einfach hinzugeben?

Will es dir Natur so?

Die Klischees sind tief verankert. Man sagt, die Natur wolle es so. Frauen seien auf lustvolle Hingabe ausgerichtet, Männer hingegen auf sinnliches Drängen. Wer dem Klischee entspricht, wird entweder akzeptiert oder aber abgelehnt. Wer es allerdings übertreibt, wird verachtet oder gar geächtet. Darüber erdte dann möglicherweise "die ganze Welt".

Wer Klischees erfüllt, lebt unbeachtet, kann sich rühmen, ein gestandener Bürger oder eine brave Bürgerin zu sein.

Weiblich - hingebungsvoll oder fordernd?

Ach, wie war das? Du bist weiblich und hast keine Lust, dich einfach hinzugeben? Du willst Männer reizen, verführen, sie sexuell erschöpfen, solange, bis die Prostata sich nicht mehr füllt und die Hoden schmerzen? Oder sagen wir mal: Du willst selbst verführt werden, um dabei auf Lustwolken zu schweben und dich dabei völlig und erschöpfend hinzugeben? Das kannst du. Aber rede bitte nicht öffentlich darüber. Man wird sich alles nennen, was das Repertoire an Beleidigungen hergibt.

Das Klischee männlicher Sexualität - Hingabe, oder sexuelle Ekstase?

Nimm mal an, du seist männlich. Oder bist du es gar? Und nun denk mal, du hättest keine Lust, dauernd Affentänzchen auszuführen, um eventuell in einem Bett zu landen, das schon etliche Männer mit der umworbenen Frau geteilt haben. Nein, du willst verführt werden. Ob die Frau zunächst dafür sorgen soll, dass sich dein Penis regt oder ob du es liebst, wenn sie deine Rosette bespielt? Willst du, dass du dich gegen ihre Zärtlichkeiten nicht wehren kannst? Weil du dich einfach restlos hingeben möchtest? Oder willst du verführen, dich selbst an einer Frau erschöpfen, deiner animalischen Lust freien Lauf lassen – mit einer Frau, die sich ebenfalls die völlige, erschöpfende Hingabe wünscht? Manchmal wirst du es so haben können – die Lust an der Hingabe. Aber sprich niemals öffentlich darüber. Die Menschen werden sich das Maul über dich zerreißen. Mal wirst du ein brutaler Macho sein, mal ein verachtungswürdiges Weichei.

Echte Hingabe - da muss manches Klischee überwunden werden

Klischees zu folgen, ist einfach und nicht sehr aufregend. Sie zu überwinden, erfordert hingegen Mut. Sinnliches Drängen? Das kann jeder Mann, und fast jeder versucht es auch. Und gespielte Hingabe? Es gibt kaum eine Frau, die es nicht schon versucht hat.

Und echte Hingabe? Sie erfordert ein starkes Selbstbewusstsein. Was dachtest du?