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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Die Woche: Züchtigungen, Gefühle und Geschlechtertausch

Eines der Ziele der Liebeszeitung besteht darin, Hintergründe von Liebe, Lust, Leidenschaft und ähnlichen Themen einfach, aber nicht banal darzustellen. Und: Wir weigern uns, uns in den Dienst von Interessengruppen zu stellen. Ich weiß, dass dies einmal behauptet wurde – aber es ist Bullshit. Die Liebeszeitung ist liberal und weltoffen - und das bleibt sie auch.

Lust an der Züchtigung ... was wir wissen, was noch fehlt ...

Die „Lust an der erotischen Züchtigung“ ist einer der Versuche, die wir letzte Woche unternahmen. Da wäre noch mehr möglich gewesen – aber meine Leser(innen) sind derzeit stur und kommuniziere nur wenig. Die guten Quellen, die ich habe, sind rar, was hauptsächlich daran liegt, dass viele Blogger(innen) und Autorinnen eher „Züchtigungsmärchen“ veröffentlichen als intensive Gefühlsschilderungen.

Warum Kitschgefühle unterhaltsamer sind als echte Gefühle

Das Erforschen von „wahren“ Gefühlen ist schwer, und die Literatur gefällt sich oft darin, Klischees von Gefühlen zu vermarkten. Der Grund: Kitschgefühle sind immer eindeutig, und sie erzeugen gewaltige Emotionen. Echte Gefühle sind oft mehrdeutig, sie zeigen die Abgründe der Psyche und sie regen zum Nachdenken an. Wer Ordnung in seine Gefühle bringen will, muss aber zwangsläufig den Verstand einschalten. Darüber schreibe ich diese Woche.

Die Küchenpsychologie - ein Rückschritt für die Emanzipation

Apropos Psyche: Die Küchenpsychologie heißt so, weil sie weiblich dominiert ist. Das sollte emanzipierte Frauen wirklich zu denken geben, wenn sie über „Psychologie“ reden, die keine ist. Wie wäre es, ernsthaft an die Feinheiten oder gar Wirrungen der menschlichen Psyche zu gehen? Warum ich das schreibe? Weil in Frauenzeitschriften immer wieder über „Beziehungsunfähigkeit“ geschwafelt wird.


Geschlechtervielfalt - wirklich so wichtig?

Derzeit sind unsere geschwätzigen Gazetten voll von Geschlechter-Definitionen. Ausgelöst werden sie von LGBT*-Community und ihrem akademischen Überbau. Sie will, dass möglichst viele Menschen wissen, was jeder der inzwischen unendlichen Geschlechtervarianten bedeutet. Nützt uns dieses Wissen? Ich bezweifle es. Wäre es nicht ungleich interessanter, sich ganz „binär“ mit der Psyche des anderen Geschlechts auseinanderzusetzen oder seine Rolle anzunehmen? Und läge es nicht näher?

Marginalien und Interna

Einen geringen, aber bedeutenden Teil der Inhalte der „Liebeszeitung“ bekomme ich aus Fragen, die an mich gestellt wurden. Diesmal war es die „Beziehungsunfähigkeit“, die mich veranlasste, noch ein wenig auszuholen.

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die Unterhaltung hier ein bisschen zu kurz kommt. Das liegt vor allem an der Qualität der Unterhaltungsbeiträge. Alles, was ich in den letzten vier Wochen an erotischen Geschichten las, wirkte leblos und zudem völlig banal. Interessanter war schon, was unsere Großväter sich angeschaut haben: diverse Varianten von Damenhöschen, Strapsen, Strümpfen und Präsentationen von Oberschenkeln. Aber all dies gilt heute wohl als „frauenfeindlich“ und kann selbst bei der Veröffentlichung unter „Zeitgeschehen“ noch missverstanden werden.

Na und? Damals war damals. Die Reise zurück in die Zeit der 1950er-Jahre, der 1920er-Jahre oder gar der viktorianischen Epoche kann noch viel frivoler sein. Und dann wird es wirklich unterhaltsam. Und schrecklich-schön „unzüchtig“.

Bis dann … ich muss im Juli etwas „kürzertreten“. Doch ich habe weiterhin Lust auf mein Magazin und ich hoffe, ihr habt auch Lust, diese Zeitung in Zukunft zu lesen.

Ein schönes Wochenende für alle.

Aus der Küchenpsychologie: Beziehungsunfähigkeit

Psychologischer Deckmantel für Geschlechterklischees des 19. Jahrhunderts?
Urteile sind schnell gefällt – Tatsachen oder Beweise sind deutlich schwerer zu finden. Oh nein, ich bewege mich nicht im Umfeld der Kriminalromane. Ich wurde mit der Nase auf die Küchenpsychologie gestoßen.

„Beziehungsunfähigkeit“ existiert nicht als exakter, für alle verbindlicher Begriff. Er ist eine Zuweisung und zugleich eine Abwertung. Ein Mensch, der keine Beziehungen eingehen kann? Das kann nur einer (oder eine) sein, der (die) nicht „alle Tassen im Schrank hat“.

Die Frauenpresse und die Verbreitung von Klischees

Schon früher ein Thema?
Die Frauen-Presse ist voll davon, die Behauptung fortzutragen, jemand sei „beziehungsunfähig“ – das Internet quillt davon über. Ich las sogar weitere Zuweisungen, die ebenso abenteuerlich sind: Oftmals wird der „geringe Selbstwert“ angeführt, der nach und nach zum psychologischen Fetisch wird, dann wieder ist die Welt voller Narzissten, und meist sind sie „männlich“. Und immer wieder werden „Experten“ genannt, die solche Thesen bestätigen. Die „Brigitte“ wusste sogar „Elf Sätze“(1), mit denen sich „beziehungsunfähige Männer verraten“. Männer, wer sonst? Frauen sind offenbar vom Naturell her beziehungsfähig. Dies ist nur eines der vielen Beispiele, mit der Frauenzeitschriften Geschlechterklischees verfestigen, um ihre Leserinnen bei der Stange halten. Und weil das so ist, werden „Zuweisungen“ von weiblich orientierten Medien an Männer nie aufhören.

Unabhängig davon gibt es nicht den geringsten Beweis für „generelle“ Beziehungsunfähigkeit. Sich noch nicht binden zu wollen, vorläufig weder heiraten zu wollen noch Kinder zu haben sind keine glaubwürdigen Argumente für einen psychischen Defekt. Es ist vielmehr ein legitimer Ausdruck der persönlichen Freiheit, den durchaus auch Frauen für sich in Anspruch nehmen.

Ich kann wenig dazu tun, dass die Küchenpsychologie mit den anderen Küchendämpfen verschwindet. Und diejenigen, die es könnten, denken gar nicht daran, es zu tun. Unabhängig davon taucht jeden Tag ein neuer „Experte“ auf, der (oder die) „weiß“, woran es liegt, dass „wir“ heute so gut wie beziehungsunfähig sind.

(1) Frauenzeitschrift Brigitte (lediglich ein Beispiel von vielen Frauenmedien)
Bild: Illustration für das Buch "Mann und Weib". Anzeige aus etwas der gleichen Zeit.