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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Wenn Lust und Liebe unter die Haut gehen

Wenn die Sinne vernebelt werden, reagieren Psyche und Körper
Weißt du am Ende dieses Monats, was „dir unter die Haut geht“? Wenn es etwas Erotisches ist: Musst du dazu berührt werden? Oder reicht es, die Membrane deiner Psyche zum Schwingen zu bringen? Schämst du dich gerne? Empfindest du psychische und körperliche Sensationen, wenn dir jemand eine besondere erotische „Behandlung“ vorschlägt?

Ich hoffe, du weißt es und bist drauf vorbereitet, wenn du Abenteuer suchst.

Was geht uns psychisch „unter die Haut“?

Unter die Haut geht den meisten Menschen, wenn sie sich in einer erotischen Situation unvermutet bei hellem Licht entkleiden müssen.

Kommt hinzu, dass sie dies vor Publikum tun sollen, so geht es den meisten Menschen psychisch unter die Haut. Das „Publikum“ kann zum Beispiel aus einer weiteren Person bestehen - aber durchaus auch aus mehreren Personen. Weißt du, wie es dir ergehen wird?

Im Bereich der Gefühle geht dir am meisten „unter die Haut“, wenn du deine Schamgrenzen oder Befürchtungen fallen lassen musst, bevor du deine Lüste erfüllt bekommst. Das ist besonders bei Unterwerfungs- oder Geschlechterrollenspielen der Fall. Deshalb raten alle Fachleute, sich keinem Fremden anzuvertrauen, wen man dergleichen plant. Recht viele Menschen sind entsetzt, wenn sie beispielsweise Finger, Zehen oder Sohlen küssen sollen - von intimeren Körperteilen einmal ganz abgesehen. Wenn du nicht darauf vorbereitet ist, kann dies Panik auslösen.

Und was geht körperlich „unter die Haut“?

Unter die Haut gehen - psychisch-physische Fantasie als Traumsequenz
Lassen wir den Penis und die Vagina noch eine Weile unter Verschluss, denn bevor uns ein Penis, ein mechanischer Gegenstand oder dergleichen unter die Haut geht, gibt es noch allerlei Oberflächenreize.

Extrem unter die Haut gehen sexuelle Praktiken, bei denen höchst unwohnliche Hautkontakte verwendet werden, zum Beispiel das Kitzeln, als Steigerung das Zwicken. Schon aus ältesten Liebes-Lehrbüchern kennen wir das „Beißen“ und „Kratzen“ als Stimulanz. Wahrscheinlich habt ihr davon gehört, dass es zur Steigerung solcher Empfindungen auch Instrumente gibt, die deutlich intensiver stimulieren und bisweilen auch bereits schmerzen.

Unter die Haut gehen ungewohnte Kälte („Eiswürfel“), extreme Hitze („Kerzenwachs“), erhebliche Vibrationen (kein Geheimnis, oder?) und Reizströme. Wer schon einmal „hautreizende Substanzen“ wie Chilisoße oder Ingwer auf die Haut aufgebracht hat, weiß vermutlich auch, dass diese Stoffe eine längere, ziemlich intensive Wirkung haben. Doch auch das Benetzen der Kleidung mit Wasser geht bereits „unter die Haut“, wie manche von euch sicher noch aus Partyspielen wissen.

Wer sich fragt: „Warum machen die das?“ Wird kaum eine kluge Antwort bekommen. Wir befinden uns in der Wunderwelt der Lüste, in der physische Sensationen und selbst erzeugte Drogen ihre Tänzchen aufführen. Für den Verstand ist da kaum noch Platz.

Unter die Haut kann auch gehen, was nicht als "Sex" gilt

Das alles geht also „unter die Haut“, bevor sich der Körper überhaupt öffnet. Wobei sich mal wieder zeigt, dass erotische Lüste nicht nur dadurch einstehen, dass man wörtlich „in der Haut des/der anderen steckt“. Manche Paare versuchen ganz bewusst, sich allein durch äußere Berührungen oder einfache Körperküsse „aufzuheizen“ und sogar bis zu Orgasmen zu bringen.

Körper und Psyche verletzlich darbieten - Chance und Gefahr

Jedes „Ankratzen“ der Psyche wie auch des Körpers birgt Risiken in sich, das wissen alle Erwachsenen, die sich ständig solchen Lüsten hingeben. Das betrifft sowohl den Körper wie auch die Psyche. Der Mensch, der danach verlangt, trägt das Risiko ebenso wie jeder, der ihm solche „Gunst“ gewährt. So weit der Körper betroffen ist, gibts es klare Merkmale und Reaktionen, die auf Gefahren Hinweisen. (1) Da die Psyche allerdings keine unmittelbaren Schrammen zeigt, und des einen Wohl bereits des anderen Wehe ist, kann nur der Empfänger sagen, ob er sich noch im Wohlfühlbereich befindet oder nicht.

Der Volksmund und die Liebe, die unter die Haut geht

Wenn etwas so weit unter die Haut geht, dass der gesamte Tag ins rosarotes Licht getaucht wird, ist gewöhnlich das „Verliebtsein“ dafür verantwortlich. Cole Porter hat das Lied 1936 für ein Musical geschrieben, die bekannteste Version stammt zweifellos von Frank Sinatra. Der ausgesprochen beliebte Song handelt davon, verliebt zu sein und keine Macht mehr über sich selbst zu haben, um dieses Gefühl loszuwerden. Hildegard Knef hat einmal eine deutsche Version versucht, die folgenden Text (mit Refrain) enthielt:


Aber dann kommst Du und ich bin im Nu
schon verlor'n, bevor ich mich fand.
Denn du hast mich ganz in der Hand.

Nüchtern ausgedrückt, spricht Cole Porte (wie auch Hildegard Knef) dabei die Befangenheit der verliebten Menschen an, die rationalen Argumenten nicht zugänglich sind.

Eigentlich müssen Verliebte auch nicht erklären, warum sie mehr oder weniger befangen von ihren Gefühlen sind. Die Natur hat es so eingerichtet, weil sie einen Nutzen darin sieht, den Verstand der Menschen eine Weile zu vernebeln. Das ist wirklich alles, was man daran erklären kann.

(1) Wer Bedenken hat, sollte in jedem Fall einen Mediziner befragen.
Bild oben: Liebespaar auf romantisch-erotischer Postkarte, Datum unbekannt.
Bild Mitte: Traumsequenz des Kratzens, Künsterentwurf.
Hinweis: Auffällig ist, dass Suchmaschinen die "ganz gewöhnlichen Besonderheiten" der Lust weitgehend ignorieren. Eine Diskussion über das erotische Kratzen findet ihr auf "Panet Liebe". Für andere (seriöse) Quellen wäre ich dankbar.

Der Tag des Kusses

Küss, wen du willst, wenn er (sie) dich auch will
Zum Tag des Kusses werden viele Menschen wieder ihre mehr oder weniger weisen Worte finden. Verlorene Worte, denn jeder Kuss spricht für sich selbst.

Doch viele Singles entbehren die wundervolle Lust, geküsst zu werden - in diesen komplizierten Zeiten noch viel mehr als zuvor.

Und deshalb: Wer einen Geliebten oder eine Geliebte hat, der sollte diese Person heute intensiv küssen ... und um sinngemäß mit Georg Kreisler zu sprechen:

Er möge sie küssen in einem fort … hier … und hier … und dort.

Nein, das ist kein wörtliche Zitat. Es ist angelehnt an den Text von "Das Mädchen mit den drei blauen Augen".

Grafik nach einem Foto eines ungenannten Autors

Der unhygienische Kuss anno 1920

Der angeblich sichere Kuss - 1920
Wir schlagen uns wacker, wenngleich etwas verwirrt und abgekämpft durch Epidemien und Pandemien. Damit ihr etwas zu lächeln habt, zeige ich euch hier eine Anzeige von ca. 1920. In einer wissenschaftlichen Zeitung jener Zeit erschien dazu ein etwas ironischer Artikel, und zwar in der Ausgabe 96/1920 der Zeitschrift „Popular Science Monthly“ (Seite 198). Auszug aus dem Text:

Text (unten, Auszug)

Wissenschaftler warnen uns, dass Küsse unhygienisch sind - transportieren sie doch alle Arten von gefährlichen Krankheitskeimen. Viele von uns tragen das Risiko, doch manche von uns gehören zu den Vorsichtigen, die sich um den umsichtigen und reinen Kuss bemühen. Einer von ihnen hat dieses Kuss-Filter entwickelt, ... das Netz ist mit einer antiseptischen Substanz bedeckt, dass alle keime im Nu tötet.

Der Text im Original


Quelle zum Nachlesen: Babel.

Leila, für die eine Nacht erwähle mich …

So recht wusste niemand etwas mit dem Text dieses Tangos anzufangen. Aber man ahnte, dass es sich nicht um eine ganze einfache Liebeserklärung an die schöne Orientalin handelte. Schließlich hauchte der Sänger im Mittelteil „Küsse mich – quäle mich“. Ach, war das schön frivol, nicht wahr?

Letztendlich entsprang dies ganz einfach der Liebeslust und Liebesqual, die man einer „Femme fatale“ zutraute. Dergleichen galt durchaus als romantisch und dabei höchst exklusiv – schließlich musste man sich eine „Femme fatale“ leisten können. Denn vergessen wir nicht: Diese Damen galten damals als lustvolle Verderbnis.