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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die Folgen der sexuellen Etiketten

Als Schlampe etikettiert werden - ein Albtraum ...
Neulich wurde ich gefragt, was ich von der „Hypersexualisierung der Gesellschaft“ halte. Ich erinnere mich vage, dass meine Großmutter Frauen mit sexuellem Appetit verachtete und sie als „mannstoll“ bezeichnete. Damen der besseren Gesellschaft nannten so etwas „Nymphomanie“, und sie galt als „widernatürlich“ für eine Frau. Heute liest man in frivolen Annoncen noch oft „naturgeil“. Das ist die Anmach-Version des Wortes „nymphoman“.

Wer das Etikett aufgepappt bekommt, wird, falls Frau, schnell zur Schlampe. Das ist bedauerlich, denn sexuelle Appetit ist nicht krankhaft, und die eigene Schönheit in den Vordergrund zu rücken, ist noch keine Zurschaustellung.

Und nur nebenbei: „Hypersexualisierung der Gesellschaft“ ist ideologischer Bullshit, wie er leider viel zu oft von Soziologinnen und Soziologen vertreten wird. Doch was ist mit den anderen Etiketten?

Unter jungen Frauen ist "lesbisch" oft ein Beschämungs-Etikett

Eines der unter jungen Frauen oft verwendetes Etikett ist „lesbisch“. Nach der Lesart naiver Menschen ist jede Frau lesbisch, die schon mal eine Frau geküsst, befriedigt oder geliebt hat. Die beste Relativierung, die ich hörte, ist: „Es ergab sich eben so.“, oder mit hintergründigem Lächeln: „Manches ist mit Frauen einfach schöner.“ Wenn davon die Rede ist, ist Sex oder Lust gemeint – nicht eine Lebenspartnerschaft.

Sex ist eine sehr private Angelegenheit

Menschen halten – mit Recht – vieles für privat, und sie plaudern es niemals aus.

Und wie ist es mit dem Etikett: „Pervers“? Je dümmer und ideologisierter derjenige ist, der das Wort in den Mund nimmt, umso falscher ist das Etikett.

Wer S/M praktiziert, wird meist negativ etikettiert

Typisch ist dies für D/S-Beziehungen (1) . Über sie regen sich vor allem konservative und klerikale Kreise auf, und auch in der breiten Öffentlichkeit ist nicht empfehlenswert, darüber zu sprechen. Warum kaum jemand darüber redet, nicht einmal mit Freundinnen oder Freunden? Aus dem gleichen Grund, warum niemandem gerne ein anderes Etikett aufgezwungen wird. Denn sobald das Etikett auf eurer Stirn pappt, werden ihr darüber definiert. Man spricht euch anders an, will wissen, was dabei geschieht – denn neugierig sind alle, auch die Menschen, die euch im innersten Herzen verachten.

Eine Sexbloggerin mit „Kink“ (2) schrieb kürzlich:

(Gespräche beginnen oft mit dem Hinweis) …, dass ich eine Sexbloggerin und „pervers“ bin, also nehmen sie an, dass ich sicher alles nachvollziehen kann. Und sie mögen, dass ich sie deswegen nicht verurteile. Ich bin ganz sicher eine Person,, mit der man solche Dinge teilen kann, aber ich möchte nicht darauf reduziert werden. Und ich bin auch nicht immer beim Thema. Nur weil ich in einer D/S-Beziehung bin, heißt das nicht, dass das Einzige, woran ich zu jeder Zeit denke, Sex ist.

Das Beispiel zeigt deutlich, was passiert, wenn jemand in irgendeine Weise etikettiert wird: Auch an sich durchaus vernünftige Menschen beziehen sich dann auf das, was ihr oder ihm zugeschrieben wird. Wer seine Lust auf eine andere Art auslebt, als üblich, wird automatisch in den „Expertenkreis für das Absonderliche“ eingereiht.

Nur der Einzelne weiß, was er wirklich fühlt

In Wahrheit weiß nur jede(r) Einzelne, was ihn wirklich bewegt. Was seine/ihre Lust auslöst, wie er/sie die Lust genießt oder erträgt und welchen emotionalen Gewinn er/sie damit erzielt. Und wer genügend selbstbewusst und nicht „sexsüchtig“ ist, muss dergleichen auch nicht teilen.

(1) D/S Dominant-Submissiv, auch BDSM, S/M oder vulgär "Sadomaso" etikettiert.
(2) Die Zitatenquelle ist der Redaktion bekannt, Wir verlinken nicht auf Sexblogs.
Bild: Nach einem historischen Foto, Archiv Liebesverlag.

Was konkret ist denn nun eigentlich ein „Kink“?

Gestern habe ich über den Begriff "Kink" und seine Übersetzung ins Deutsche geschrieben. Falls du dich nun gefragt hast: "Ja, und was bezeichnen die Leute denn eigentlich als Kink oder kinky?", dann findest du hier die Antwort - verblüffend einfach und recht unspektakulär.

Vor einigen Jahren wurde ein Journalist gefragt, was denn eigentlich ein Kink ist. Statt 21 oder 26 „Kinks“ zusammenzustellen, um Leserinnen anzulocken, schrieb er (oder sie) sinngemäß:

Wenn eine sexuelle Handlung nicht als sexuelle Norm angesehen wird, dann ist es ein „Kink“. Dabei kommt es darauf an, in welcher Zeit oder in welchem Kulturkreis wir uns befinden. Doch für uns selbst ist es etwas, das wir wirklich genießen, aber nicht unbedingt brauchen.


Woraus wir lernen können: Der Kink ist das Pünktchen auf dem „i“ oder das Sahnehäubchen auf der Kirschtorte. Und wir erfahren auch, dass ein Spruch für die Lust heute so gültig ist wie vor ungefähr 80 Jahren, als das Jimmy Lunceford Orchester den Song „It Ain’t what you do“ aufnahm, in dem diese drei Zeilen vorkommen:

Oh 't ain't what you do it's the way that you do it
'T ain't what you do it's the time that you do it
'T ain't what you do it's the place that you do it

(Sinngemäß: Geht nicht drum, was du tust, sondern um die Art, wie du’s tust, wann du’s tust und wo du’s tust.)

Wer von seinem „Kink“ so fasziniert ist, dass er danach süchtig wird, hat deutlich schlechtere Karten, denn eine suchtähnliche Abhängigkeit ist immer gefährlich, weil sie zur Selbstaufgabe führen kann.

Mir ist bewusst, dass viele Menschen mit solchen Definitionen nicht zufrieden sind, weil sie entweder zu den „Edelmenschen“ gehören, denen jede Abweichung verdächtig vorkommt. Oder weil sie andererseits Angehörige einer Szene sind, die genau das Gegenteil tut: den „Kink“ zu verherrlichen. Doch geht es wirklich um sie?

Ich denke, dass Extremisten niemals objektiv sein können. Und deshalb geht nicht um sie, sondern um die Freiheit, so leben zu können, wie man wirklich will.

Der Kink und der Spleen

Alles Kinky, oder?
Der Spleen ist englisch und ist es auch nicht. Wenn wir in Deutschland sagen, ein Gentleman habe einen „Spleen“ (1) dann meinen wir, er habe eine Art „Schrulle“ oder „Marotte“, oder, wie man auch sagte, eine „fixe Idee“. in Vulgär-Deutsch vielleicht auch eine Macke oder eine „Schnapsidee“.

Jedenfalls - und dies steht fest - ist es im Englischen bestenfalls eine Art „Anfall des Geistes“ oder eben eine „Laune“. Hättet ihr das gewusst? (2,3)

Der „Kink“ - wer knickt da eigentlich was?

Das Wort „Kink“ ist unzweifelhaft ein Bestandteil der englischen Sprache, und fast alle Übersetzungen beginnen mit „Knick“. Wieder kommt die Schrulle ins Spiel oder man spricht von „einer ungewöhnlichen sexuellen Vorliebe“. Nur - so übersetzt ist der Begriff zu lang und zu umständlich. Es ist sozusagen die Lexikonform, die wir auch im Webster finden: Ein unkonventioneller sexuellen Geschmack oder ein solches Verhalten.

Die neutralste Definition fand sich übrigens in Longmans Dictionary of Contemporary English“. (4) Dort heißt es zunächst ohne sexuellen Bezug: „Eine Verdrehung in Dingen, die normalerweise gerade sind“. Daraus erklärt sich der Wortgebrauch „etwas Merkwürdiges ... im Persönlichkeitsbild“. Und für „kinky“ im sexuellen Sinne: „Jemand, der merkwürdige Wege geht, um sexuell erregt zu werden.“

Die üblichen Übersetzungen an Beispielen

Linguee (5) geht gar nicht erst den Weg ins 21. Jahrhundert, sondern übersetzt altbacken, „eine Perversion“ - das ist mit Sicherheit „voll daneben“. Andere bemühen sich gar nicht erst, das Wort Kink (6) im sexuellen Sinne zu definieren. Lediglich, wenn man zu „Kinky“ wechselt, sagt Ponds: „Sex der anderen Art“ und ergänzt: „sexy (auch mit Fetisch o.Ä.) Auch LEO macht beim Kink schlapp, definiert „kinky“ aber als „pervers“. Wer sich ein bisschen durchwühlt, bekommt dann aber doch noch im Forum passende Übersetzungsvorschläge (7).

Und wie übersetzt man nun?

„Ungewöhnlich“ klingt nach meiner Auffassung ganz plausibel für „kinky“. und wenn jemand einen Kink hat, dann mag er „das Besondere“ - das reicht, wenn der Zusammenhang mit der Sexualität ohnehin gegeben ist. Wenn eine Dame „kinky“ im Bett ist, dann hat sie also „besondere Wünsche“. Meist aus der Sicht des anderen.

Übersetzungen kosten bekanntlich umso mehr Mühe, je mehr der Begriff „umschrieben“ werden muss. Deswegen kommen die "besonderen Wünsche" nicht in Frage. Manchmal wäre das Wort „Leidenschaften“ nicht schlecht, etwa hier:

Jeder (den ich dazu hörte) hatte unterschiedliche Meinungen, aus denen seine Leidenschaften und Lebenserfahrungen sprachen.

Wie wird das Wort im sexuellen Zusammenhang benutzt?

Es scheint also nicht immer nötig zu sein, explizit auf die „Abweichung“ hinzuweisen, wenn im Kontext ohnehin klar ist, dass es sich um Lüste oder Leidenschaften handelt.

Wenn nicht „jargongerecht“ übersetzt werden muss, kann auch die Umschreibung durchaus ein Mittel sein, um Modebegriffe wie „kinky“ zu vermeiden. Ich nenne mal ein Beispiel mit dem Satzbeginn „She is kinky in bed ...“

Im Bett ist sie ungewöhnlich begehrlich und fordert mich dabei zu Handlungen heraus, die ich mir nicht einmal im Traum vorgestellt hätte.

Übersetzer von Literatur achten mehr auf das Milieu, in dem der Begriff gebraucht wird: Sind es Feinde der Abweichler, so werden sie vermutlich „abartig“ oder „pervers“ meinen, sind es „Insider“, so benutzen sie bewusst das Wort „Kink“ für ihre Neigung, und man könnte es durchaus in der Originalsprache verwenden. Alle anderen sind jedoch meiner Meinung nach frei, das Wort so zu übersetzen, dass es in den Kontext passt. Denn letztlich ist „Kink“ kaum mehr als ein Etikett, das sich bestimmte Autoren „aufkleben“.

Wo ist „kinky“ denn überhaupt angebracht?

Ohne Zweifel ist „kinky“ ein Modebegriff. Wenn sich jemand in diesem Jargon ausdrückt, will er sagen, dass er „dazu gehört“, also auf keinen Fall „straight“ ist, was letztlich heißt: „Ich will keinen Blümchensex“. Doch „nicht straight“ oder „nicht vanilla“ zu sein in seinen sexuellen Wünschen heißt auf keinen Fall, etwas Genaues darüber zu sagen.

(1) Grimm
(2) Webster 1913
(3) Webster 1828 (1928)
(4) Longmans, Ausgabe 1995)
(5) Linguee
(6) Pons
(7) Leo (im Forum)

Die Sache mit dem „Kink“ – oder: Was ist noch normal?

Lust ... wenn sie gut tut und niemandem schadet
Der Artikel: "Die Sache mit dem „Kink“ – oder: Was ist noch normal?" wendet sich nicht an Menschen, die mit hängender Zunge und Schaum vor dem Mund ihre Lüste durchsetzen wollen, sondern an alle, die Freude an der Lust haben.

Im Deutschen finden wir das Wort „Kink“ eigentlich nicht – außer in der Sprache der Seeleute. Im Englischen kommt das Wort ständig vor, und es könnte mit „bizarr“ übersetzt werden, aber dann wäre „bizarr“ wirklich alles, was über Blümchensex hinaus geht. Und so bizarr ist es nun wieder nicht, erotisch ein bisschen zu experimentieren.

Ist es nun eine Frage der Sichtweise? Eigentlich schon. Nur hat das Volk da so seine Bedenken.

Menschen, die anderen nachhaltig schaden, müssen geächtet werden

Die Anzahl der Menschen, die lustvolle Abweichungen vom „Üblichen“ genießen, steigt. Leider steigt dabei aber auch die Zahl der Spinner und der Leute, die anderen wirklich Schaden zufügen wollen. Dazu gehören alle, die ihre Süchte und Vorstellungen mit psychischer und physischer Gewalt durchsetzen wollen – sie verdienen unsere Ächtung. Der liberale Umgang mit der Sexualität hat ihren Preis. Und der ist: Wir grenzen uns klar und unmissverständlich von allem ab, was nicht im völligen Einverständnis unter Erwachsenen erfolgt.

Falls du jetzt denkst: In der guten alten Zeit war dies doch selbstverständlich … dann irrst du. Der vollständige Schutz anderer vor sexuellen Übergriffen ist neuen Datums.

Der Januskopf der "guten Bürger"

Heute haben wir eine merkwürdige Situation: Heimlich wird von „guten Bürgerinnen und Bürgern“ immer noch angenommen, man könne andere psychisch oder physisch erpressen, um in den Genuss von erotischen Vergünstigungen zu kommen. Zugleich aber sehen gerade die „guten“ Bürger auf andersfarbige, andersdenkende und andersfühlende Menschen mit der Verachtung des „Gutsherren“ herab.

Anders zu fühlen ist immer noch ein Stigma

Aus diesem Grund ist es immer noch ein soziales Stigma, „anders zu sein“, „anders zu fühlen“ oder „anders zu lieben“. Und beim Lieben sogar dann noch, wenn alles einvernehmlich, lustvoll und völlig legal ist.

Der Mann - Erfinder der "Kinks"?

Viele glauben ja, dass Leute mit einem „Kink“ ausschließlich männlich wären und dass sie ihre Lüste ausschließlich bei sogenannten „Dominas“ oder gewöhnlichen Huren ausleben würden. Doch inzwischen haben viele Menschen einen unkonventionellen Lebens- und Beziehungsstil – in Gruppen, in Paarbeziehungen und sogar solo. Lediglich ein Grund treibt sie in die Hände derjenigen Frauen, die sich ihre Dienste finanziell vergüten lassen: Weil sie keine entsprechenden Partner(innen) finden, die ihre Wünsche goutieren. Verständlich oder nicht – es ist der Markt, der ihre Wünsche nicht toleriert, nicht die Moral.

Wenn etwas zur Sucht wird, ist es immer gefährlich

Andererseits ist es wirklich empfehlenswert, die sexuelle Sucht, das Lechzen und das Streben nach ganz bestimmten Situationen nicht zu weit zu treiben. Das kann zu innerer Unruhe und zu Leichtsinn führen. Besser ist allemal, sich einige wundervolle Situationen auszudenken, die beide Partner genießen können. Wenn das nicht möglich sein sollte, können sich die Partner wechselweise intime Wünsche erfüllen, die nicht „üblich“ sind. Manche und mancher findet mit der Zeit sogar Freude daran.

Das "harte" Spiel ist viel seltener als gedacht

Wenn jemand glaubt, es müssten immer die „harten“ Spielvarianten sein, liegt er falsch. Echte, heftige Schläge, schmerzvolle Fesselungen oder andere, aus Büchern und Filmen bekannte Szenarien sind Ausnahmen. Zu den „Kinks“ gehört eben auch die Liebe zu Füßen und Zehen sowie Händen und Fingern. Es gibt konventionelle Spieler(innen), die mal wieder Petting oder Trockensex erleben wollen, Kostümliebhaber(innen), die ihn oder sie in Unform sehen wollen, und Wäschefanatiker und Brustliebhaber. Etwa zwei Drittel der Menschen träumt von Spielen mit der Erotik, und die Hälfte würde sie auch tatsächlich spielen, wenn Diskretion gewährleistet wäre. Geht man auf ein Drittel herunter, und berücksichtigt man alle geheimen Wünsche, so fallen wirklich absonderliche Wünsche darunter.

Gedanken sind frei - wirklich

Wollt ihr euch auf das rutschige Parkett begeben? Gedanklich ist es gefahrlos. Was ihr vermeiden solltet? Euch in Abhängigkeit zu begeben. Sie entsteht am schnellsten, wenn euch jemand spontan etwas Tolles verspricht, was normalerweise nur möglich ist, wenn man sehr vertraut miteinander ist.

Wir gehen die Sache mal durch, wenn ihr wollt- und wir beginnen nicht mit Schlägen, Fesselungen und was sonst schone graue Schatten geworfen hat. Sondern mit einem vergleichsweise harmlosen Thema, das vor Jahren allerdings noch Staub aufgewirbelt hätte: Darf die Frau das Tempo der Lust bestimmen? Darf sie also „oben liegen“?

Was ist eigentlich „kinky“ und wie geht man damit um?

Situation: Erotisch, Kink: Erziehungs-Rollenspiel
Eigentlich kommt das Wort „Kinky“ vom „Kink“, dem „Knick“ im sexuellen Verhalten. Das kann ich vornehmer ausdrücken, und dann sage ich: „sexuell einige Facetten zu haben.“ Wieder sind wie beim „Knick“ oder den „Ecken“. Und nun könnet ich sagen: Diamanten glänzen erst richtig, wenn sie Facetten haben und Menschen sind sexuell erst richtig interessant, wenn sie sexuelle Facetten haben. Und dann sind sie eben für uns „kinky“.

Was ist „kinky“ denn wirklich?

Was „wirklich“ kinky ist, kommt darauf an, wie wir die Welt sehen. Für manche von uns ist eine sexuelle Vorliebe „ganz normal“, für den Nächsten ist sie „eigenartig“ und für den Dritten „ekelhaft“.

Forscher wollen dies vor einiger Zeit genau wissen und befragten Menschen nach ihren geheimen „kinks“, also nicht nach denen, die sie ausleben. Das Ergebnis war absolut verblüffend und für viele „ungeheuerlich“. Oralsex in beiden Varianten wurden von mehr als 70 Prozent der Frauen und Männer heimlich ersehnt, und die sexuelle Dominanz beziehungsweise Unterwerfung spielte bei über 50 Prozent der Befragten eine entscheidende Rolle – auch diesmal gut verteilt über Frauen und Männer.

Was ist also so verwerflich daran? Genau genommen gar nichts. Was über 50 Prozent der Menschen heimlich ersehnen und nicht ausdrücklich verboten ist, kann nicht „krank“ sein.

Die meisten „Kinks“ sind geheim – und bleiben es auch

Wenn wir eine verbindliche Aussage treffen wollen, dann müssen wir die Menschen fragen, die sich mit ihren geheimen Lüsten wohlwollend identifizieren, ob sie nun ausgelebt werden oder nicht.

Seht ihr – und genau das können wir gar nicht, denn eine geheime Lust zu verspüren heißt noch nicht, sie auch „anzunehmen“, und sie anzunehmen, heißt noch nicht, sie heimlich zum Lustgewinn einzusetzen (zum Beispiel mithilfe der Fantasie zu masturbieren). Und selbst dies bedeutet keinesfalls, sie auch im realen Leben jemals ausüben zu wollen.

Das real Leben hat eigene Gesetze

Ihr solltet dabei bedenken, dass es im „realen Leben“ immer noch viele Moralhüter gibt, die jeden Menschen mit „krausen Gedanken“ verachten. Das ist der Hauptgrund, diese Gedanken nicht weiter in die Realität hineinzutragen. Es mag sogar sein, dass wir uns gelegentlich unserer eigener Gedanken schämen. Und dies so sehr, dass wir sie nicht einmal im Ansatz ausprobieren würden.

Vertrautheit, Öffnung oder Rotlichtmilieu?

Ob wir es dennoch versuchen, hängt davon ab, ob wir es uns körperlich, psychisch und sozial „leisten“ wollen. Wer sich beispielsweise nur einem einzigen, vertrauten Partner in seiner ganzen körperlichen und psychischen Nacktheit offenbaren will, wird weder in SM- noch in Swinger-Kreisen verkehren wollen. Und wer darüber hinaus die Orte professioneller Prostitution oder Domination hasst, wird auch keine entsprechende Dienstleistung in Anspruch nehmen wollen.

Was sagen uns die die Erotik-Blogger(innen)

Selbst die einschlägigen Bloggerinnen halten sich zurück, wenn es ans „Eingemachte“ geht. Sie geben zwar zu, bestimmte Vorlieben zu haben, sonst würde man sie kaum lesen, aber sie halten sich damit zurück, wie sie ihre „Kink“ ausleben. Teils, wie sie sich nicht „nackt bis auf die Knochen ausziehen“ wollen, teils aber auch, weil dann bestimmte Inhalte der Zensur anheimfallen würden.

Hier ein Beispiel einer Bloggerin (jüngst erschienen, nacherzählt)

Was mich antreibt, ist die Neugierde. Es ist wichtig, zu sehen, was andere bewegt, warum sie sich in Lüste hineinsteigern und wie sie sich dabei fühlen. Ich halte mich für eine sehr selbstbewusste Person, und ich überlege mir oft, was ich an Lust benötige oder was mir gefällt. Natürlich weiß ich, was mir schon immer gefallen hat, und worauf ich immer noch abfahre. Aber ich habe mich auch weiterentwickelt. Und auch heute noch lerne ich mehr über mich und entdecke etwas an mir, das meine Seele berührt und meinen Körper begeistert.

So kann man es sagen: Wenn wir als Person etwas nicht mehr als „kinky“ empfinden, dann geht es in den Bereich des „Normalen“ über, sei es gedanklich oder real. Und wie der damit umgeht, muss wahrlich jeder selbst wissen.

Das Fazit – was ist „kinky“?

„Kinky“ sind Menschen, die sexuelle Facetten haben. Was als Facette gilt, ist kultur- und zeitabhängig, wenn aber mehr als 50 Prozent der Menschen denken, es sei normal, sich solches zu wünschen, dann ist es auch normal. Wenn sich jemand bewusst ist, „kinky“ zu sein, dann ist das in Ordnung und niemand sollte sich deshalb schämen. Das Ausleben allerdings ist immer mit gewissen Barrieren verbunden, die meist aus Scham und Angst vor sozialem Abstieg oder Ehrverlust bestehen.