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Von Schlampen und wertvollen Frauen

Egal, wie klug sie ist - sie gilt als Schlampe, wenn sie erotische Vorzüge hat


Zu Anfang schreibe ich einfach mal einen Satz auf: Er kann aus der Kunst, dem Handwerk oder einem anderen Bereich stammen – und jeder wird ihm zustimmen:

Ich kann wunderschöne Dinge tun – und jeder hätte sie gerne von mir erworben.

Sagt dies eine zeitgenössische Bestseller-Autorin, dann lobt man sie nicht so sehr anhand der vielen „schönen“ Dinge, die sie tat und kaum anhand ihrer Bereicherung der deutschen Sprache. Sondern sehr wahrscheinlich anhand ihrer Auflage, die oft zu phänomenalen Einkünften führt. Dabei macht es nichts, wenn der Zuckerguss aus den Seiten hervorquillt, wie Spermafontänen in pornografischen Filmen. Gelobt sei, was Tränen hervorruft.

Sollte eine Frau denselben Satz über ihre Liebeskünste oder ihre strenge Dominanz sagen, so wenden wir uns ab – zumeist empört. „Liebeskünste?“ Was ist denn das? Normalerweise wird diese Frau auch nicht anhand ihrer Einkünfte oder ihres Erfolgs am Markt der Liebe gemessen. Sie ist bereist abgewertet, wenn sie entdeckt, dass sie es einem Mann „besonders schön macht“.

Macht’s der Handwerker mit Herz und Hand, Lust und Verstand, so loben wir ihn. Macht’s die lustfähige Frau ebenso, unabhängig davon, ob sie Lust schenkt oder vermarktet, so nennen wir sie eine Schlampe.

Eigentlich darf man das nicht einmal denken, geschweige denn schreiben. Das Herz (nicht das richtige Herz), sondern Amors verkitschtes Herzchen ist „für die Liebe“ zuständig, die Brust, um den Säugling zu nähren und der Unterleib, um die Ausscheidungen abzuleiten.

Und weil das alles so ist, gelten Frauen mit verheißungsvollen Stimmen, sinnlichen Mündern oder sanften Händen eben nur dann etwas, wenn sie in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten.

Gramse bleibt Gramse - jetzt noch schärfer und ungerechter.
Bild: Historische Fotografie aus einem Männermagazin