Skip to content
  Werbung

Die Wechselbäder der Gefühle

Am Morgen danach ...
Wechselbäder der Gefühle - und was die Liebe damit zu tun hat

Wechselbäder sind ein Bestandteil der Naturheilkunde, und sie bestehen aus einem Wechsel zwischen warmen und kalten Fußbädern. Informationen darüber finden sich überall in Gesundheitsratgebern, auch im Internet.

Was meinen wir eigentlich mit „Wechselbädern der Gefühle?“

Die „Wechselbäder der Gefühle“ wurden aus dem Begriff abgeleitet, und sie stehen überwiegend für schnell aufeinanderfolgende Gefühle, die als Gegensätze empfunden werden. Und über sie finden man in der Literatur ausgesprochen wenig. Sie sind weder beliebt, noch gelten sie als heilsam. Im Gegenteil: Wechselbäder der Gefühle werden gefürchtet.

Muss das so sein? Können wir Widersprüche in uns aushalten? Und wie gehen wir mit Widersprüchen der Gefühle um, die wir durch andere erleben?

Die Liebe eignet sich vorzüglich als Beispiel für wechselhafte Gefühle, weil sie uns gelegentlich nahezu betäubt, dann aber wieder mit der Realität konfrontiert. Um zu lieben, müssen wir einen Teil unserer Beliebigkeit aufgeben, müssen und dem Regiment bestimmter Gefühle unterwerfen. Die Natur hatte nicht vor, uns dies zu ersparen.

Näherung und Zurückweisung

Die meisten Menschen beklagen, dass andere mit den Mitteln von „Näherung und Zurückweisung“ arbeiten. Das kann in Manipulation münden: dann wird Wohlverhalten mit Näherung belohnt, während unerwünschtes Verhalten mit Zurückweisung bestraft wird.

Obgleich solche Verfahren verpönt sind und als ethisch fragwürdig gelten, werden sie von nahezu allen Menschen gelegentlich angewendet – vom Kindesalter bis zum Erwachsenenalter. Dabei ist es nicht immer böser Wille, der die Menschen antreibt, sondern Gewohnheit. Solange es funktioniert, Menschen über die Emotionen zu beeinflussen, solange wird es versucht.

Heiß und Kalt

Der Volksmund will wissen, dass jemandem „heiß und kalt“ werden kann, wenn er plötzlich mit persönlichen Versäumnissen oder Fehlern konfrontiert wird. Dabei erlebt er dann kurzfristig widersprüchliche körperliche Gefühle. Wenn wir die Liebe mit einbeziehen, dann gibt es viele Momente, in denen wir einerseits ein Wagnis eingehen, andererseits davon eine Lust erwarten. Oder einfacher: Der erste und jeder weitere Geschlechtsverkehr ist ein Wagnis, das wir in Kauf nehmen, um unsere Lust zu erfüllen.

Schmerz und Lust

Schmerz und Lust sind zwei der intensivsten Gefühle, zu denen wir fähig sind. Mal schließen sie einander aus, mal gehen sie zusammen. Dabei geht es meist darum, wie viel Schmerz oder Entbehrungen jemand erträgt, um die Liebe zu gewinnen. Der Satz klingt, als wäre er dem 19. Jahrhundert entnommen, er ist aber immer noch gültig. Ein Beispiel wäre, ob du die Wechselbäder der Gefühle aushältst, deinen Lover einige Tage intensiv körperlich zu lieben, um ihn dann für Wochen oder Monate zu entbehren. Das Wort „Liebesschmerz“ ist zwar nicht mehr populär, aber es beschreibt recht gut, wie eine unerfüllte, fragwürdige oder ferne Liebe an den Menschen der Vergangenheit gezehrt hat.

Hingabe und Beherrschung

Moderne Menschen leben mit der Forderung, sich einerseits jemandem völlig hinzugeben, um sich im nächsten Moment wieder vollständig zu beherrschen. Und nicht wenige tun sich schwer dabei – allein der Begriff der „völligen Hingabe“ kommt in ihrem Vokabular nicht vor. Inzwischen leben wir in einer Gesellschaftsordnung, die uns ermöglich, unterschiedliche Rollen anzunehmen und wieder abzulegen. Tun wird dies, so erleichtert es den Umgang mit uns selbst wie auch mit anderen. Doch an dieser Stelle kommt uns eine ältere Kultur in die Queere: Wir sollen authentisch sein, und dies über viele, viele Jahre.

Parallele Empfindungen oder serielle Empfindungen?

„Gemischte Gefühle“ zu haben ist der gängige Ausdruck für „parallele“ Empfindungen, also sich in sehr kurzen Wechseln „heiß und kalt“ zu fühlen. Dazu gehört auch, Lust und Schmerz parallel zu empfinden, wie es etwa bei lustvollen Schlägen der Fall ist. Wie dies jemand „verarbeitet“, ist nicht völlig klar – und es bedarf auch keiner Klärung, weil jeder selbst dafür verantwortlich ist, den Gefühlsmix aufzusuchen. „Wechselnde Gefühle“ hingegen sagen aus, dass wir zunächst ein Gefühl der Lust haben, dann aber ein schmerzvolles Fühlen erwarten - oder umgekehrt. Wenn wir dies wirklich klären wollten, müssten wir über die Psyche spekulieren – und das ist ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.

Ein Nachwort zur Lust am Schmerz

Falls du, lieber Leser, doch etwas über die Schmerzlust erfahren wolltest: Ich bitte dich, zu warten. Wir schreiben über alles, was die Liebe betrifft, so objektiv wie möglich, was nicht bedeutet, dass wir keine Meinungsbeiträge zulassen würden. Und wir werden demnächst auch über die Lust am Schmerz schreiben.

Bild: Illustration von R. Lacourière, Oberteil einer Zeichnung, ca. 1925

Die Lust, von einer schönen Frau bestraft zu werden

Strafen durch Erniedrigung - zum Beispiel durch den "Dominakuss"
Jeder, der Lust auf etwas Sinnliches, Verbotenes verspürt und diese Begierde auch durchsetzt, muss damit rechnen, heftig gerügt oder gar betraft zu werden. Da ist es fast gleichgültig, ob man dem Schwesterchen die Schokolade maust, einen verbotenen Blick auf nackte Brüste der Mitschülerinnen erhascht oder beim heftigen Masturbieren auf der Couch von der Tante erwischt wird.

Auf Masturbation folgte oft die Rutenstrafe

Nicht alle Menschen haben eine Internatserziehung genossen, und viele können sich gar nicht vorstellen, dort wegen nächtlichen Onanierens später von einer Erzieherin öffentlich mit Ruten geschlagen zu werden. (1) Auch wer es nicht erlebte, wird schon einmal dem Gedanken gefolgt sein, was wohl passieren würde, wenn eine schöne Erzieherin, Lehrerin, Vorgesetzte oder gar Verwandte plötzlich in dem Raum auftauchen würde, in dem die „Selbstbefleckung“ stattfindet. Und mancher, der sich nicht sicher ist, ob dieses Tun möglicherweise eben doch frevelhaft oder schädlich sei, wird davon träumen, Abbitte zu tun, beschimpft zu werden oder eben – gezüchtigt zu werden.

Sich abfinden, dennoch sündigen oder die Züchtigung provozieren?

Häufig in Fantasien: selbstbewusste, elegante Herrin
Es wird berichtet, dass sich junge Männer nicht nur mit dem Ritual der Züchtigung abfanden, sondern sich bewusst „erwischen“ ließen, um in den Genuss der Schläge zu kommen. Die Schläge und Demütigungen löschen nicht nur die Schuld aus, sie sind auch eine Möglichkeit, körperliche Nähe zu Frauen zu bekommen. Und wenn diese Frauen gar noch schön und selbstbewusst sind, so ergibt sich daraus jenes wundersame Prickeln, das Schmerz, Demut, Sinnlichkeit und Lust vereint.

Plausible Erklärung: die körperliche Nähe der Frau genießen?

Oh, Sie fragen sicherlich, ob dies „normal“ sei. Oder vielleicht haben Sie schon entschieden, dass es „pervers“ ist. Wenn Sie bei Freud nachlesen, werden Sie beim Lustschmerz, der während der Pubertät entsteht, nicht fündig - bei Pawlow schon eher. Denn wenn es unmöglich ist, die Lust pur von einer Dame kredenzt zu bekommen, es aber möglich erscheint, ihren körperliche Nähe in Verbindung mit Schmerz zu genießen, dann liegt im Grunde nahe, sich für die zweite Möglichkeit zu entscheiden.

Züchtigungen während der Pubertät als Auslöser?

Nahezu alle Männer, die in der Literatur vorkommen und die Lust an der schmerzvollen Demütigung bis ins Erwachsenenalter beibehalten haben, sprechen von solchen Frauen. Meist handelt es sich nicht um entfernte Verwandte, Nachbarinnen, Erzieherinnen oder andere Personen, die sich zur Züchtigung berechtigt fühlten. Und gelegentlich waren es sogar gleichaltrige, kräftige junge Frauen, die sich ein Vergnügen daraus machten, den lüsternen Jüngling zu züchtigen oder zu demütigen.

Der Wunsch nach Züchtigung - nichts als Nostalgie?

Die körperliche Züchtigung klingt heute wie eine nostalgische Maßnahme, die nicht in moderne Konzepte der Erziehung passt: Doch die Spiele, in denen Lust gegen Demut angeboten wird, sind nach wie vor populär. So mancher junge Mann glaubt dem schönen, lustvollen Mädchen, dass sie ihm Lüste gewähren würde, wenn er sich nur genügend krümmte. Das ist kein „Schnee von gestern“, denn noch heute gibt es Frauen im Internet, die diese Idee perfektioniert haben.

Die Gründe für lustvolle Züchtigungen bleiben rätselhaft

Welche Motive es sonst geben mag, sich lustvoll züchtigen zulassen, ist ein Rätsel. Manche Beobachter meinen, es sei heute eben so, dass niemandem mehr Schranken gesetzt würden, und dass insbesondere mächtige Männer öffentlich weder Schwächen noch Reue zeigen dürften. Die Abstrafung in einem einschlägigen Haus von einer Dame, die weiß, wie man mit derartigen Gelüsten umgeht, liegt dann zwar nicht nahe, ist aber dennoch plausibel.

Zweifel an der Identität durch Schläge löschen?

Es mag auch sein, dass während der Züchtigung Zweifel an der eigenen Identität gelöscht werde. Und wenn wir in die Gesichter mancher Manager schauen, die wie zu groß gewordene Jungs aussehen, dann beschleicht uns vielleicht der Verdacht, dass sie gerne unmündige Bubis wären, die mal ordentlich versohlt werden wollen.

Und selbst, wenn wir all dies glauben – dann ist immer noch die Frage, warum es unbedingt eine schöne Frau sein muss, die den Herrn übers Knie legt oder ihn an der Hundeleine durchs den Salon kriechen lässt. Wobei wir getrost anmerken dürfen, dass diese beiden Methoden eher zu den harmloseren Wünschen der schmerzgeilen Männer gehören.

(1) Einer Schilderung von Georges-Arthur Goldschmidt entnommen.