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Mitunter die Hose runter

Ein etwas ungewöhnliches Geschenk zu Weihnachten - die Rute
Wir wissen ja nicht, wo sich der Knecht Ruprecht sonst so herumtrieb, aber „eitel gute Kinder“ vermutete er in der Stadt, oder sagen wir, in den bürgerlichen Familien, in denen Bravsein erste Kinderpflicht war. Mädchen macht einen Knicks, bevor sie ihr Weihnachtsgedicht „aufsagten“, und von jungen wurde ein „Diener“ verlangt. Und so blieb die Rute des Knechts, die des Nikolaus oder die des Weihnachtsmannes, dann im Sack, und sie traf nicht auf „den Rechten“, denn der wurde nur bei den Schlechten malträtiert, und zwar so:


Ei, ei, für trotzgen Kindermut
Ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?


Wir erkennen, dass Jungen gemeint waren, denn nur ihnen zog man die Hosen herunter, wenn man sie für ihren „trotzigen Kindermut“ strafte – gesenkter Kopf, entblößtes Gesäß.

Der Weihnachtsmann, Nikolaus oder Ruprecht waren ja Gestalten aus einer fremden Welt – und sie ersparten dem Vater, selbst zur Rute zu greifen. Zumal Ruten erst einmal geschnitten und gebündelt werden mussten. Und wie wir hörten (und lasen), konnte eine einzelne Rute bestenfalls für etwa 20 Schläge genutzt werde. Danach sei sie zu zerschlissen, um die erwünschte Wirkung einer flächigen, schmerzhaften Rötung zu erzeugen.

Vielleicht ist die Rute aus der Mode gekommen, weil niemand mehr den Aufwand betreiben will, sie zu schneiden, zu binden und zu wässern? Nein, werdet ihr sagen, die Erziehungsmethoden seien inzwischen verfeinert worden. Und überhaupt hätten Rutenschläge niemanden verbessert. Und schon das Thema aufzugreifen, also ... wie pervers ist denn das?

Wie oft die Jünglinge in jener Zeit „die Rute bekommen“ haben, ist in Vergessenheit geraten. Ebenso wie die Legende von einem rot berockten, allwissenden, weißbärtigen Mann, der gerecht zu strafen und zu belohnen weiß.

Nur in der Fantasie einzelner Autorinnen und Autoren lebt sie weiter … und wird jedes Jahr zur Weihnachtszeit neu befeuert. Möge da doch ein Mann kommen, der Gerechtigkeit walten lässt und die guten Taten großzügig belohnt und die bösen Taten schmerzvoll sühnt. Nun gut – oder eine Frau, schließlich leben wir im 21. Jahrhundert.

Im Text wurde - ausgewiesen und verborgen - ein Weihnachtsgedicht von Theodor Strom zitiert.
Das Bild ist ein nachgbarbeiteter Auszug aus "La Vie Parsienne", das Original ist von Hérouard.

Weihnachten - Zeit ohne Erotik - oder doch nicht?

Wen die Englein singen ...
Weihnachten und Erotik passen in diesem Jahr irgendwie nicht zusammen. Die üblichen Verdächtigen sind nahezu alle in Krisen gefangen, haben mit sich selbst zu tun, sind im Aufbruch oder zehren gerade von ihren letzten Kräften. Es ist gerade so, als würde man sich auf den Winterschlaf vorbereiten – oder wenigstens die Winterruhe.

Weihnachten und Jungfräulichkeit?

Weihnachten und Jungfräulichkeit wurde neulich von einem Professor aus Zürich ventiliert. Es gibt so viele Begriffe dafür, dass selbst ich manchmal verblüfft bin: „Unschuldig sein“ zum Beispiel. Von „keinen Mann erkannt worden zu sein“ bis zur „Unbefleckten Empfängnis“ lesen wir es beim Evangelisten Lukas, und die Kirchenväter nickten mit ihren weisen, rauschebärtigen Köpfen. „Rein“ zu sein, eben unbefleckt, sei das Ideal, klar, und wer dennoch vor der Fleischeslust getrieben sei, solle bitte heiraten. Gut, das war die zweite Wahl.

Romantik, süß lächelnde junge Frauen und knackige Weihnachtsmänner

Aber – sehr erotisch ist das Thema nun wieder nicht. Wer „Weihnachten“ sagt, will Romantik, Kerzen, Lametta und klebrige Stollen, Christkinder, Lucias und Weihnachtsmänner. Da bietet kaum jemand etwas, außer mal ein hübsches Gesicht, das aus dem nachthemdartigen Gewand hervorguckt und hold lächelt. Ähnlich ist es bei Weihnachtsmännern: Wer sich den roten mit Kunstpelz besetzten Mantel wegdenkt und den Bart virtuell entfernt, wird vielleicht einen hübschen, schlanken Studenten entdecken, der zum Vernaschen einlädt.

Der Heiden Weihnachten

Heidnische Weihnachten, die es laut Katholizismus gar nicht gibt, bringt wilde, raue Gestakten hervor – ein paar sind noch als Begleiter des Nikolaus übrig geblieben. Richtige Kerle, hart und von der Dauer wie der Winter. Wilderotische Frauen gibt es nicht in den Raunächten, nur sogenannte „Archetypen“ aus der Esoterik. Ich las von der „dunklen Mutter“ als Urkraft der Natur, der Blutschwester und auch der Geliebten/Liebenden. Also, sehr erotisch klingt das auch nicht.

Germanen, Römer, Esoterikerinnen

Da wäre dann noch die Wintersonnenwende. Germanen waren ja angeblich nicht lüstern, was ich sehr bezweifle. Römer allerdings schon. Sie feierten die Saturnalien, und die waren in der Tat wilderotisch. Manche Frauen glauben, dass sakrale Erotik diese Tage krönen sollte – nur braucht man dafür einen Haufen Deko und einen Mann. Vielleicht geht’s ohne Mann, aber sicher nicht ohne Liebestempel.

Auf der profanen Seite glotzen mich – wirklich – in meiner Gratiszeitung ziemlich spärlich angezogene Damen mit rot-weißen Mützchen an. Ganz hübsch für diejenigen, die’s mögen. Unschuldsblicke aus einem Outfit heraus, dass eher an Bordelle oder häusliche Verführungsversuche erinnert?

Wer’s mag, mag’s mögen. Und wenn ihr meint, das alles hätte mit Weihnachten nichts zu tun, dann habt ihr auch Recht. Tannenbaum, Säcke und Ruten aber eigentlich auch nicht. Oder vielleicht doch?

Anmerkungen zum erotischen Nikolaus

Süßer Nikolaus
Schon bemerkt? Demnächst ist wieder Nikolaus. Es ist möglich, dass die Erwachsenen, die früher einmal liebevolle oder bedrohliche Gestalten in roten Mänteln mit Wattebärten sahen, abnehmen. Mr. Wattebart ist nicht mehr so „in“, und seine Begleiter hat er auch zumeist verloren. Brauchtum, so heißt es dann, sei das mit Nikos Klaus ohnehin nicht, eher Aberglaube und sozial völlig inkorrekt.

Der Nikolaus mit dem Janusgesicht

In vielen Norddeutschen Gegenden, vor allem in Städten, kommt der Nikolaus sowieso mit einem Janusgesicht, weil er zum Richter über Gut und Böse ernannt wurde – und zugleich auch den Strafvollzug ausführte. In anderen Gegenden ist dafür sein „Geselle“ zuständig, der Knecht Ruprecht, der noch unter vielen Markennamen grassiert, in Österreich vor allem als Krampus.

Wie kommt die Erotik zum Nikolaus?

Und alle Jahre wieder versuchen Menschen, erotische Nikolaus-Geschichten zu schreiben. Sie wenden sich entweder an jene, die den Nikolaus als wonnigen Brummbär kennenlernten, der Süßes bringt – oder an die anderen, die den Nikolaus als Tag der Abrechnung mit der Rute, dem Sack oder anderen peinlichen Begebenheiten fürchten. Oder eben alternierend an beide Emotionen: die Lust und den Schmerz.

Der „bürgerliche“ Nikolaus oder einer seiner Gesellen ist dafür prädestiniert: Es ging ja immer darum, „brav“ zu sein und vom Nikolaus dafür belohnt oder – falls nicht – eben auch bestraft zu werden, und sei es nur symbolisch.

Der letzte gerechte Richter von drauß' vom Walde

Bei Erwachsenen erwacht merkwürdigerweise daraus eine Fantasie: Das ganze letzte Jahr, ja vielleicht das ganze Leben, war eine Mixtur aus „brav sein“ und „böse sein“, und am Ende wurde beides weder honoriert noch bestraft. Wer sollte es auch tun? Der moderne Mensch ist für sein Tun und Unterlassen – so weit er sich an die Gesetze hält – allein verantwortlich.

Die einzige Instanz, die in der Kindheit über alles informiert war, sogar über die kleinen Geheimnisse, war der weißbärtige Herr, der es möglicherweise gar noch verlas. Jede Überschreitung von Vaters Verboten und Mutters weisen Ratschlägen war ihm bekannt, und auch jede gute Tat. Und er richtete gerecht, dieser Nikolaus.

Wenn Nikolaus und Nicola erotische Wunschgestalten werden

Wo ist nun die Verbindung zur Literatur, oder gar zur erotischen Literatur? Und wieso wirken Geschichten über sinnliche Kontakte zu Nikoläusen heute noch, obgleich der pelzbewehrte Mann auf Durchreise kaum noch Äpfel und Rutenschläge verteilt?

Einige kluge Menschen sagen, es sei der Wunsch nach dem Lohn für gute Taten und der Strafe für böse Handlungen, der den Menschen heute fehle. Die Personalchefin, die Entlassungen vornehmen muss, obgleich sie den sozialen Abstieg der Mitarbeiter erkennt, fühlt sich schuldig, obgleich sie nicht daran schuld ist. Und der Betriebsratsvorsitzende, der wenigstens noch diesen oder jenen retten konnte, wird nicht belohnt, sondern beschimpft, weil er nicht mehr erreicht hat.

Genau an dieser Stelle kommen die Träume von Gerechtigkeit, Lob und Strafe hervor. „Gib mir endlich die Liebe, die ich verdiene – oder die Strafe.“ Doch wer soll es tun? Eine Escort-Frau für diejenigen Männer, die Freude gebracht haben? Da ragt doch jeder gleich: Wie kannst du an so etwas denken – solche Frauen sind doch (…). In die Klammern kannst du diene Gedanken einsetzten. Oder eine sogenannte „Domina“ für die Männer, die sich schuldig fühlen und dafür mal zu Tränen gebracht werden wollen?

Und was wäre eigentlich, wenn Frauen sich mit ähnlichen süßen und sauren Gedanken herumquälen würden?

Da ist Mr. Rauschebart genau richtig, solange er alle Rollen einnehmen kann – und in der Fantasie ist dies immer möglich – jedenfalls bei Frauen.

Männer malen sich vielleicht eine „Nicola“ aus, die unter dem roten Mantel sündhaft tolle Dessous trägt, oder die statt mit einem Jutesack mit einem Peitschenkoffer auftritt.

Das Geheimnis der Nikolaus-Erotik liegt - in einem Geheimnis

Und die Geschichten vom erotischen Nikolaus? Je geheimnisvoller der Fremde auftritt, und je weniger erkennbare Spuren er hinterlässt, umso lustvoller kann die Story von der erotischen Begegnung mit Nikolaus und Nicola werden.
Am besten er (oder sie) bleibt nicht bis zum nächsten Morgen. Dann kann der fremde Reisende auf immer unerkannt bleiben – und deine Leserinnen und Leser können spekulieren, wie viel von der Story Realität oder Traum war.

Nichts Erotisches vom Nikolaus

Eigentlich wäre alles ganz einfach ...
Heute war also Nikolaus. Habt ihr etwas Süßes bekommen oder hofft ihr heute Nacht noch darauf, dass der Nikolaus euch beschert? Tut euer Po schon weh, weil ihr nicht artig wart? Oder liegt die Rute schon bereit, weil ihr doch noch hofft, endlich für eure Missetaten bestraft zu werden? Oh, ich denke da an dich, die du gerade so heiße Wangen bekommen hast und an dich, die immer noch ganz verzückt guckt, wenn sie an die letzte Weihnachtsfeier denkt. Seid ihr mit euren Ausreden bei euren Ehemänner durchgekommen? Habt ihr eine Freundin gehabt, die für euch gelogen hat? Oder hat euer ständiger Mitbewohner am Ende doch noch die verräterische Tankquittung gefunden oder weiß er gar längst alles? Oder hättet ihr es ihm lieber lieber gebeichtet, den Stockschilling bezahlt oder so etwas?

Ich denke da immer an eine Freundin, die sagt: „Es ist mein gutes Recht, mal fremd zu vögeln, schließlich ist er ja viel zu faul, um es mir mal richtig schön zu machen.“

Na ja. Der Ehemann weiß es immer zuletzt. Aber der Nikolaus, der weiß doch alles, da könnte der doch einfach die bösen Ehebrecher bestrafen, und dann wär's gut?

Ob das ein Nikolaus-Thema ist – ich weiß ja nicht. Die Anzahl der bösen Mädchen und unbotmäßigen Knaben, die mal die Rute bekommen haben, fällt ja von Jahr zu Jahr. Und wenn wir da wirklich Geschichten erfinden, in denen der Po noch nach Strich und Faden mit einer Reisig-Rute gefetzt wird, dann kommen wir ja selbst in den Ruf, die heißen Rutenschläge geliebt zu haben.

Das wär’s doch: Einfach sagen, „ja, ich nehme mir das Recht raus, fremdzugehen“, und jedes Mal, wenn ich’st tu, bekomme ich die Rute. So, wie im „Mädchenpensionat“. Na ja, wenn’s da überhaupt die Rute gab.

Schmoll. Irgendwie kann ich nicht mitreden. Und deswegen, ihr lüsternen Knaben und Mägdelein, wird’s heute nicht mit einer erotischen Nikolausgeschichte. Aber vielleicht schaffe ich ja noch eine über den bösen Gesellen vom Nickel, diesem Knecht Ruprecht. Der stülpt mir vielleicht seinen Kartoffelsack über und … mhhh, habe ich euch etwa mauschig gemacht? Zappelt ihr schon mit den Beinen bei dem Gedanken? Ich hab’s doch gewusst. Schade, wenn dann weit und breit kein Nikolaus, kein Ruprecht und kein Krampus zu sehen ist.

Die unglaubliche Geschichte von Jasmin, Nikolaus und Ruprecht

Wo züchtigt man die Bösen, wenn es keine Pferdeställe mehr gibt?

Prolog

Sunnerklus, de gode Mann, kloppt an alle Dören an, lüttje Kinner gifft he wat, grode Kinner steckt he in ́ Sack..

Der geneigte Leser, mehr aber noch die geneigte Leserin, mag sich wundern, warum das alte Duo aus dem braven Nikolaus und seinem schlagfreudigen Knecht Ruprecht nur noch selten öffentlich auftritt. Die Ursache liegt darin, dass in den 1970er Jahren eine Maid namens Jasmin C. den Nikolaus veranlassen wollte, sie in den Sack zu stecken. Zugebunden bis obenhin sollte jener Sack sein, und wenn er wieder geöffnet wurde, sollte Ruprecht dastehen, um ihr mit einer frisch geschnittenen Birkenrute die Unarten auszutreiben. Es steht unzweifelhaft fest, dass die Maid Jasmin ein gewisses Vergnügen von ihrer Züchtigung erwartete. Aber ach … na, wenn Sie wissen wollen, was damals in einer mittelgroßen Stadt im Weserbergland geschah, dann müssen Sie schon weiterlesen. Wir haben uns die unglaubliche Story von Jasmin C. selber erzählen lassen, und wir zweifeln nicht daran, dass sie uns die lautere Wahrheit erzählte.

Unsere Geschichte beginnt, als Nikolaus und Ruprecht entdeckten, dass es in der Wohnung von Jasmin K, ledig, 26, keine kleinen Kinder zu bescheren gibt. Da Jasmin dennoch auf der Liste stand, dämmerte es Nikolaus, dass sie eine fast vergessene Tradition fortführen sollten: Das einbinden von großen, naseweis gewordenen Maiden in Jutesäcke, um sie später ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Nikolaus versucht sich zu erinnern

Nikolaus sah erst Jasmin an, dann seinen Knecht: „Wir haben schon lange kein Mädchen mehr in den Sack gesteckt“, sagte er nachdenklich. „Bist du sicher, dass du noch weißt, wie es geht?“ Sein Knecht blickte verächtlich zurück: „Wenn einer von uns Alzheimer bekommt oder die Krätze oder die Schweinepest, dann bist du es, Nicki, mein Läuschen. Doch insgeheim dachte er dass er nun an den letzten verbliebenen Sack, den sie seit Jahren mitschleppten. Er war, soweit konnte sich Ruprecht noch erinnern, für einige naseweise „große Mädchen“ bestimmt, die man in den Sack zu stecken hatte, wenn sie dem Nikolaus eine Nase drehten oder ihm gar die hübschen Brüste entgegenstreckten. Schließlich war der Mann die Reinkarnation eines Heiligen, da hatten die Mädchen zu erschauern und die Köpfchen zu senken. Hatte er nicht damals (nun ja, das ist lange her) drei Jungfrauen davor bewahrt, in ein Bordell verkauft zu werden? Nein, nein, niemand muss dem Nikolaus dafür die Füße küssen, aber etwas Respekt konnte man doch erwarten, oder etwa nicht?

Passt die zierliche Jasmin in Ruprechts Jutesack?

Wie war das also mit dem Sack? Ruprecht, der bekanntlich aus anderem Holz geschnitzt war als der sanfte, bedächtige Nikolaus, nahm mit den Augen Maß, taxierte die Körperlänge, die Hüfte, die Oberweite und das Gewicht der Jasmin und sagte schließlich: „Könnte passen.“

„Meinst du wirklich?“, sagte Jasmin, die den Röntgenblick des lechzenden Knechts wohl bemerkt hatte, „ich bin 26, Herr Ruprecht, und ziemlich zierlich, wie Sie wohl sehen. Dazu 175 Zentimeter in der Länge und nicht sehr voluminöse in der Breite, doch bin ich etwas breiter in den Hüften und an den Brüsten … und 69 Kilo leicht, wenn Sie das noch wissen müssen für Ihre Berechnungen …“

Nun wissen die Nikolausisten unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass der tappige Ruprecht weder lesen noch schreiben konnte, und dass er mit „Zentimetern“ oder „Kilogramm“ so viel anfangen konnte wie der Frosch mit dem Fahrrad. Aber er tat so, als schreibe er dies alles fleißig auf.

Nikolaus räusperte sich. „By the way, Ruprecht, altes Trampeltier“, mischte er sich ein, „wohin bringen wir die Metz überhaupt und … was machen wir dort mit ihr?“ „Tango tanzen“, sagte Ruprecht - es war das Erste, was ihm so einfiel, doch dann verbesserte er sich: „Soweit ich mich erinnere, haben wir sie früher immer in den Stall gebracht, und sie dort mit der Rute traktiert … wegen der moralischen Aufrüstung.“

Nikololaus grummelte etwas in den Bart, bevor er sagte: „Die haben hier überhaupt keine Ställe mehr, sondern Garagen. Und außerdem habe ich mein Strafbuch vergessen … und hast du etwa eine Rute?“

Jasmin, die bisher amüsiert zugehört hatte, ergriff nun das Wort: „Aber ihr Herren könntet doch einfach eine Missetat erfinden, und eure Hände sind doch stark genug, um mich zu züchtigen?“

Das war zu viel für Nikolaus, dem offenbar erst jetzt klar wurde, was Jasmin von ihnen beiden erwartete, und er polterte: „Wir erfinden keine Missetaten, wir sühnen sie - und es kommt nicht infrage, dass dieser hässliche Schrat einen nackten Weiberhintern schlägt.“ Mit dem „Schrat“ meinte er unzweifelhaft Ruprecht, der die Beschimpfung seines Kompagnons stoisch ertrug.

Doch Jasmin ließ nicht locker: „Hört mal, ihr Scheißkerle, das ganze Jahr, warte ich auf euch, damit ihr mir die Leviten lest … und nun kommt ihr mit gar nichts hier an außer mit einem alten Sack?“

Wer sich vorher auszieht, passt besser in den Sack - oder auch nicht

Dabei sah Jasmin insbesondere den Nikolaus intensiv an, der offensichtlich gerade damit kämpfte, ob er dem Ruprecht die einzige Trophäe gönnen sollte, die er auf der weiten Reise einheimsen konnte. Schließlich nahm er einen großen Schluck Rum und sagte beiläufig: „Na, wenn die Deern das unbedingt will und du auch Bock auf Einsacken hast, dann nehmen wir sie eben mit.“

Nun begann Jasmin zu strahlen, und sagte keck in Richtung Ruprecht: „Soll ich mich ausziehen, bevor du mich in den Sack steckst?“, und während sie die noch sagte, öffnete sie den Verschluss ihres Rocks und ließ ihn achtlos herunter. „Mehr?“

Trotz seines Alters war Ruprecht immer noch in der Lage, zu erröten, wenn sich eine Frau auszog. Und nachdem er abwechselnd Jasmin, den Nikolaus und den Sack beäugte, fand er schließlich: „Am besten, du ziehst dich bis auf die Unterwäsche aus – dann kann in den Sack besser über dich stülpen.“

Schnell zog Jasmin die wenigen Kleidungsstücke aus, die man allgemein als Oberbekleidung ansieht, trat dann vor Ruprecht und sagte mit sinnlichem Lächeln:: „Gefalle ich dir du Lustgreis?“ Ruprecht blieb die Luft weg, einerseits wegen der frivolen Dessous, anderseits wegen des Wortes „Lustgreis“, und nun trat auch noch Nikolaus dazu und sagte streng: „Du kannst nicht so nackt bleiben, meine Kleine, wirklich nicht. Du siehst ja aus, als hättest du genau an dem Ort gearbeitet, vor dem ich die jungen Frauen bewahren wollte.“ Dabei deutete er auf die schwarzen Strapse und die Nylons, die daran befestigt waren: „Das ist ein No-Go, wirklich. Damit verstoßen wir gegen die nikolausige Ethik, mein Fräulein … und überhaupt. So kommen wir nicht mal bis zur Straße, geschweige denn zum Eselkarren.“

Jasmin prustete vor Lachen. „Die Strapse hab‘ ich nur für euch angezogen, damit ihr mir auch glaubt wie verdorben ich bin – und ihr mir hübsch den Hintern verstriemt – und sie bleiben solange dran, bis dieser Ruprecht die Rute herausholt. Dann sehen wir mal weiter, Herr Nikolaus.“

Nikolaus stülpt den Sack über Jasmin

„Gib mal den Sack“. Nikolaus nahm ihn einfach dem Ruprecht ab, stülpte ihn der verdutzten Jasmin über den Kopf und zog ihn über die Brüste und die Hüfte nach unten. Oh je … der Sack hätte vielleicht einer jungen Magd zu Zeiten Friedrichs des Großen aufnehmen können, aber keine Frau aus dem 20. Jahrhundert – jedenfalls reichte ihr der Sack mal gerade bis über die Oberschenkel. Das hatte natürlich auch Ruprecht gesehen, der gleich zeterte: „So ist das auch nicht gedacht. Sie muss mit den Füßen zuerst in den Sack, dann wird er über den Kopf gezogen und dann zugeschnürt.“

Über so viel Blödheit musste nun sogar Nikolaus den Kopf schütteln. „Hey, Ruppy … wenn er so herum nicht passt, dann passt er andersherum auch nicht“, harschte er seinen Knecht an, der nun nachzudenken schien. Schließlich kam er zu dem Ergebnis, dass ein Sack, der über den Kopf gezogen nur bis zu den Oberschenkeln reichte, auch anders herum nicht den ganzen Körper einhüllen würde, und dass in diesem Fall sogar der Kopf oben herausgucken würde, und das sagte er dann, etwas geknickt auch seinem Chef.

Die Vorschriften sprechen gegen den Transport der Maid im Sack

Nikolaus sah in die aktuellen Vorschriften für den Transport von Maiden auf Eselkarren, die er einst mit dem König von Preußen ausgehandelt hatte, und fand nichts über den Transport. Was eigentlich logisch war, da die Maiden damals in Ställen oder auf Dachböden gezüchtigt wurden. Die Straßenverkehrsordnung der Neuzeit sagt auch nichts aus, und ob ein roter Lappen, an Kopf oder Fuß der Maid befestigt, ausreichen würde, um den Anforderungen der Obrigkeit zu genügen?

„Scheißvorschriften“, sagte Nikolaus schließlich. Und, an seinen Knecht gewandt, „wo willst du sie eigentlich hinbringen? Und falls dir wenigstens das noch einfällt: Wo hast du eigentlich deine Rute? “

Ruprecht kippte seine Kiepe um, doch außer abgelaufenen Parkscheinen und ein paar Heftchen, deren Aussehen und Inhalt wir hier schamhaft verschweigen, kam nichts zum Vorschein: „Hab ich vergessen“, sagte er schließlich. „Haben wir auch seit mindestens zwölf Jahren nicht mehr gebraucht.“

„Dann brauchen wir sie auch mit mitzunehmen“, sagte Nikolaus sichtlich erleichtert, dem die ganze Prozedur längst auf den Sack ging. „Die bedürftige Maid soll sich wieder ankleiden, und du bringst mal dein krankes Hirn in Ordnung, Ruppy!“

Nikolaus und Ruprecht als frustrierte Quasselköpfe - und eine enttäuschte Maid

Als sich nun erwies, dass der Sack weder in der einen noch der anderen Richtung den schönen Körper der Jasmin ganz zu verhüllen vermochte, und nachdem das Problem des Transports ebenso unlösbar erschien, wie die Beschaffung geeigneter Ruten, saßen eine Frau und zwei alte Männer ratlos auf dem Fußboden. Sie betrachten einander mit Blicken unterschiedlicher Art und dachten sich ihren Teil. „Ihr seid vielleicht zwei Weihnachtsmänner“, sagte Jasmin schließlich, „keine Ahnung, was ihr machen wollt, kein richtiges Werkzeug, und zudem seid ihr notorische Säufer, Dummbacken und Quasselköppe.“

Indessen ist Betroffenheit, wie jedermann weiß, nicht der Stärke der Menschen, die Gutes tun. Und so protestierte Nikolaus zuerst prahlte mit seinen guten Taten und dem vielen Gold, dass er früher mal in die Fenster der Maiden geworfen hatte, und griff schließlich seinen Knecht an: „Erst seit ich mit dem da herumzottel, geht alles schief.“Der will das Böse aus dem Leib herausschlagen, und in Wirklichkeit …“ Nikolaus musste einen weiteren tiefen Schluck Rum nehmen, bevor er das Wort aussprach: „… ist der Knecht nicht als eine alte Pottsau, der auf die Brüste der Maiden schielt ….“

Frust bei Jasmin, ein weinender Nikolaus und eine Trennung

Inzwischen hatte auch Jasmin die Nase gestrichen voll von den beiden Pennern, bemerkte aber noch keck: „Wenn dein Knecht die Sache mit dem Einsacken und der Rute im Griff hätte, wär’s ja schön geworden – aber mal ehrlich: Ihr seid beide Versager.“

Daraufhin weinte der Nikolaus bitterlich, trank den Rest des Rums aus der Flasche in einem Zug aus und sagte schließlich voller Zorn: „Ich werde diesen dreckigen Lustgreis einfach herauswerfen und nur noch Gutes tun.“

Der Nikolaus setzte diesen Vorsatz auch sogleich um, verließ das Haus und setzte sich in die „Bar zum Kakadu“, wo er die anwesenden Damen mit den Resten des Konfekts beglückte, die er aus den Falten seines Süßigkeiten-Sacks hervorgrubelte. Er erinnerte sich, dass er einst noch Goldstücke in die Fenster warf und schämte sich plötzlich, dass er heute nur noch Konfekt verteilte, der die Damen sicherlich nicht retten würde. „Such is life“, dachte er bei sich und entschuldigte sich innerlich damit, dass auch dem Nikolaus heutzutage nicht mehr alles möglich ist, zumal mit dem vielen Rum, der ihn mittlerweile müde gemacht hatte. Den Ruprecht, der ihm zuerst nachgelaufen war, sich dann aber im Pflaster verstolperte, sah man noch eine Weile in der Nähe des Flusses, wo er unanständige Lieder schmetterte, deren unflätiger Inhalt auch am andern Ufer noch zu hören gewesen sein soll.

Und was wurde aus der holden Maid, die darauf gehofft hatte, wenigstens einmal im Leben die Freuden einer echten Rute, geschlagen von einem wahrhaftigen Ruprecht, zu empfinden?

Man sah sie in den nächsten Tagen oft im Birkenwald, wo sie fleißig Zweige schnitt, denn diese Geschichte hat eine späte Moral: Gute Werke verlangen vor allem gute Werkzeuge. Und eine Hand, die sie zu führen weiß, würde sich schon finden. Es gibt ja auch noch den Weihnachtsmann, der ein paar Wochen später seine Runde macht.

Epilog

Seit diesem Ereignis trennen sich die Wege von Nikolaus und Ruprecht, und in den meisten Gegenden sieht man den bärtigen Rotmantelkauz nur noch solo – ohne Ruprecht, ohne Esel und ohne die Flasche hochprozentigen Rums. Ruprecht soll jetzt irgendwo unter den Brücken schlafen – sagen die einen. Die andern sagen, eine schöne Maid hätte ihn gezähmt und würde ihn dann und wann noch ausleihen. Und wieder andere behaupten, er sie nach Österreich ausgewandert, um die dortige Krampus-Szene aufzumischen. Als falsch erwies sich hingegen die Behauptung, der Ruprecht würde jetzt als „Teufel im Käfig seiner Begierde“ von Jasmin auf dem Jahrmarkt gezeigt werden.

Jedenfalls muss auch der Sunnerklus alias Nikolaus anderwärts einen neuen Mann fürs Grobe angeheuert haben. In Holland nennt man den Begleiter den Schwarzen Peter, und bei den Alpenscheinis den Krampus. Wie das Verhältnis der Herren zueinander ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Manchmal ist es besser, nichts Genaues zu wissen.