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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

NNN - wenn die "Nüsse" ruhig gestellt werden

Schützet eure Nüsse
Nachdem der November nun schon lange vorbei ist und der Winter erste Spuren hinterlassen hat, will ich eine Abkürzung erläutern, die hierzulande so gute wie unbekannt ist: „NNN“.

Das bedeutet im Langtext zunächst mal „No Nut November

Oh, was haben die Nüsse mit dem November zu tun? Geht es gar um Aschenbrödel, das mit drei Nüssen ausgestattet den Prinzen eroberte?

Nein, nein, nein gar nicht.

Es ist so etwas wie ein Fastenmonat für Männer - nur dass dieses Fasten darin besteht, die „Nüsse“ nicht zu beanspruchen, sprich: den Hoden keine Chancen zu geben, Samenfäden in Mengen zu produzieren und zu vergeuden.


Als Gründe werden zum Beispiel genannt,


1. Zu viel masturbiert zu haben..
2. Süchtig nach Pornos zu sein und sich zu enthalten.
3. Keine Energien mehr durch Masturbation zu verschwenden.
4. Männlicher zu werden.
5. Den Testosteronspiegel zu erhöhen.



Ob das alles funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Zudem wäre die Frage, ob während dieser Zeit „gewöhnlicher“ Geschlechtsverkehr betrieben werden darf oder ob auch für ihn das Gebot der Abstinenz gilt.

Historisch erläutert es eine Mittelalterexpertin (englisch). Und es hat wirklich nichts zu tun mit dem beliebten Thema der „Keuschhaltung von Männern“. Es ist nur eine Herausforderung an sich selbst.

Männer und Sperma

Verlockung, Begierde, Enthaltsamkeit
Das Wesen der Männer ist nicht Sperma. Offenkundig sind einige übel gelaunte Keuschheitsbefürworter dieser Meinung - jene, die jetzt „November ohne Nüsse“ („NNN“) feiern. Das Wesen des Mannes ist auch nicht Enthaltsamkeit. Und es wird nicht geheiligt durch den berühmten Plastikwasserhahn, der angeblich Keuschheit gewährleisten soll.

Wirrköpfe, Begierden und Wahrheiten

Mag sein, dass die Begierde, der Schaum vor dem Mund oder der Speichel, der aus den Lefzen läuft, beachtlich zunimmt, wenn der Mann „keine Frau hat“.

Einige Wirrköpfe (und darunter eben auch die Anhänger des „Novembers ohne Nüsse“ überschätzen die positiven Eigenschaften der Enthaltsamkeit. Ja, sie kann interessant sein, wenn Männer (oder auch Frauen) sich wie die Terrier in die Wissenschaft oder eine andere Erkenntnis verbeißen.

Ich zitiere mal eine Mittelalterexpertin, die ich als kompetent ansehe (1).

Wie mittelalterliche Menschen glauben diese Leute, dass das Wesen der Männlichkeit Sperma ist. Sie denken, dass es in ihnen aufbewahrt werden muss, um sich selbst vital, aufmerksam und rational zu halten. (Sie glauben …) wenn Menschen nicht ejakulieren, können sie diese Energie speichern und an anderer Stelle in ihrem Leben ausdrücken.

Nein, das können sie nicht. So interessant Sperma auch sein mag - die Begierde entsteht im Gehirn, nicht in den Hoden. Und ein Mann, der aus ideologischen Gründen oder gar „unter Zwang“ am Sex gehindert wurde, kann, wenn die Begierde durchschlägt, kaum noch zwischen menschlichen Emotionen und animalischer Geilheit unterscheiden.

Brauchen wir notgeile Männer?

Was machen Männer, die „notgeil“ und rücksichtslos sind? Sind sie etwa erstrebenswert? Dient ihr Verhalten der Gesellschaftsordnung? Sind sie überhaupt erwünscht, außer als zahlende Gäste im Bordell (und vielleicht nicht einmal dort)?

Oh, ich rede nicht vom Lockdown, Lockdown Lite oder völligem Kontaktverbot. Aber ich bin ganz sicher, dass es auf Dauer ähnliche Folgen hat wie das voraussichtliche Verhalten jener Männer, die Dezember wieder ihre Nüsse in Frauen entleeren wollen. Irgendwelche Frauen. Hauptsache, Frauen.

Wie schrieb noch die Mittelalter-Expertin? (1):

Die unglücklichere Seite des ganzen Debakels ist die in diesen Ideen enthaltene Frauenfeindlichkeit.

Auf den Kopf getroffen. Die „NNN-Bewegung“ ist eine maskuline Provokation, die sich über die Hoden definiert. Und das ist nicht gut für das Zusammenleben von Frauen und Männern in dieser Gesellschaftsordnung.

(1) Zitate: Dr Eleanor Janega in ihrem Blog.
Bild: Scherzpostkarte, Wien um 1900