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Frauen, mir kommen die Tränen!

„Frauen müssen beim Online-Dating emotional mehr riskieren“, titelt WAZ-Redakteurin Caroline Rosales. In ihrem Artikel wird das Wort „emotional“ dann oft mit „finanziell“ ergänzt, und die Emotionen werden mit „mehr Risiko“ und „mehr leisten“ ergänzt.

Belegt werden solche kühnen Behauptungen durch eine gewisse Moira Weigel, die – wie kann es anders sein – ein Buch geschrieben hat.

Ach, du liebes Lieschen, und woran bemisst sich der Aufwand?

Schönheitspflege von heute und Psyche-Spielchen von damals

Wir finden zunächst, dass der Aufwand finanziell enorm ist: Schönheitspflege, Frisur und Sport werden erwähnt. Und die Emotionen? Oh ja, wir lesen, dass es früher einmal (in den USA, versteht sich) „ungeschriebene Regeln“ gab, wie sich ein Mädchen emotional zu verhalten habe, nämlich in „nicht leicht zu haben“ zu machen.

Mit Männern schlafen, um der Clique zu gefallen?

Und nun? Zur Abwechslung wir dann mal die Psychologin Sandra Konrad zitiert, die (natürlich) ebenfalls ein Buch geschrieben hat. Und die soll sinngemäß erklärt haben, dass „sich sogar junge Frauen schon in der Pflicht (fühlen), Sex zu haben, um in der Clique mitreden zu können.“

Mein Gott, Agathe, die Puppe kotzt! Die emotionale Leistung liegt also darin, gegen die eigene Überzeugung mit dem Mann gleich beim ersten Date „Sex zu haben“, um in ihrer Clique damit prahlen zu können? Mir kommen die Tränen ...

Hört auf euch selbst, und vergesst die Berater

Ich glaube, wie sollten dreierlei vergessen: redaktionelle Artikel über Online-Dating in der Tagespresse, die Auffassungen der Psycho-Branche und das, was wir sonst an Ratgeberliteratur kaufen können.

Und stattdessen?

Verlasst euch auf euch selbst, eure eigenen Gefühle und Bedürfnisse – und tut um Himmels willen all das, was ihr wirklich tun wollt. Beim „Dating“, in der Liebe und überall sonst.

Ich las dazu die WAZ.
Anmerkung: Die WAZ verhindert auf ihrer Webseite, dass ihr diesen Artikel lesen könnt, ohne Abonnent zu sein. Obgleich dies inzwischen viele deutsche Verleger tun, halte ich es dennoch für eine Unsitte, die den freien Zugang zu Nachrichten und Informationen behindert.

Psychologie des Online-Datings in 17 Thesen?

Muss man nun über 17 Brücken gehen, 17 Regeln beachten oder sich 17 „psychologischen“ Faktoren beugen, um Erfolg bei der Partnersuche zu haben?

Ich habe für euch alle 17 Tipps gelesen – ja, „Tipps“, den in ihnen steckt so viel Sinn wie ihn der Alltag nun mal beinhaltet, also von allem ein bisschen, ob mit Psychologie oder ohne.

Punkt eins: Partnersuche ist Partnersuche - kein Verschiebespiel

Eines sollte klar sein – wer auf Partnersuche geht, sollte wissen, dass er auf Partnersuche geht – und nicht glauben, dass Links-rechts-Verschiebungen etwas mit Partnersuche zu tun haben. Und da stimme ich den „Psycho-17“ einer Partnerbörse zu: Partnersuche setzt einen Beziehungswunsch voraus.

Das Eingemachte - was darf sich verändern udn wie soll es werden?

Wirklich ans „Eingemachte“ geht allerdings nur ein Punkt der gegenwärtig kursierenden 17 „psychologischen“ Faktoren:

Du solltest wissen, was was du beibehalten willst und was sich für dich verändern darf. Es ist genau dieser Punkt (Nummer neun bei der 17-P-Befragung, dem zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. (1) Wenn es dich betreffen sollte: Wenn du einen Partner gefunden hast, gibt es auf jeden Fall Veränderungen. Einige hast du gewollt und einkalkuliert, andere ahnst du nicht einmal. Die meisten sind – hoffentlich – positiv für dich und deinen Partner/deine Partnerin. Aber einige belasten auch, oder sie lösen Konflikte aus.

Die beste Lösung - die offene Partnersuche

Wenn du dies berücksichtigst, kannst du die beste Lösung wählen, nämlich die nach allen Seiten offene Partnersuche. Das einzige Kriterium: Deine zukünftige Partnerin oder dein zukünftiger Partner muss zu den Lebensbedingungen passen, die du auf keinen Fall verändern willst.

„Das ist alles?“, wirst du vielleicht fragen. Und ich sage: Ja, das ist alles. Was sonst noch wichtig sein könnte, ergibt sich, wenn du dich mit ihr (ihm) triffst. Dann ist deine soziale, intellektuell und emotionale Erfahrung gefragt – und sonst gar nichts.

(1) Zitat von Punkt Neun laut Pressemitteilung Gleichklang:

Ein Partner ist kein Zusatz, den man bestellen und dann sein Leben einfach weiterführen kann. Partnerschaft erfordert immer Veränderungen. Erfolgreich sind diejenigen, die für sich herausarbeiten, was tatsächlich beibehalten werden sollte und was verändert werden kann.

Den ersten Schritt macht die Frau – wer sonst?

Der erste Schritt ins kalte Wasser fällt oft schwer
Der Gedanke, dass Männer den ersten Schritt machen müssen, um mit einer Frau in Kontakt zu kommen, liegt wie Blei in den Köpfen der Frauen - und es behindert die Partnersuche enorm. „SIE“ darf sich (gerade jetzt im Sommer) im durchsichtigen Sommerkleid, mit einem Bikinioberteil und einem Minirock, mit offener Bluse ohne BH oder sonst wie aufreizend präsentieren. SIE darf Flirt-Gesten aussenden, die jeder Hure Konkurrenz machen würden. Aber eines darf „SIE“ nicht: Ihn anquatschen.

Das Prinzip sexy sein und warten - ein Blödsinn

Und das Prinzip funktioniert überhaupt nicht. Weder bei der Partnersuche in freier Wildbahn noch online.

Und wenn du’s trotzdem so machst?

Ich zitiere hier mal:

Auf diese Weise wird dich kein normaler Mann ansprechen. Das „Beste“, was dir passieren kann: Dich schleppt einer von diesen abscheulichen Macho-Typen ab. Aber die taugen nie was im Bett.


Wenn du eine Frau bist und „draußen“ gefunden werden willst, dann fliegen immer die Typen auf dich, die darauf warten, dass jemand WIE DU hereinkommt: Nämlich jemand, der sich freut, angequatscht zu werden. Die Typen wollen dich eigentlich gar nicht – sie wollen nur wissen, ob sie dich haben können, und wenn sie dich haben können, dann vögeln sie dich und das war es.

Der kulturelle Blödsinn: Der Mann als Initiator der Lust


Dazu wieder ein Zitat:

Aus kultureller Sicht gelten Männer als Aggressoren und Initiatoren, aber dies ist ein künstlich konstruiertes Rollenverhalten. Es passt so gut wie nie – weder auf Männer noch auf Frauen.


Na schön – das Märchen: Männer sind die Initiatoren, Frauen sitzen still auf Barhockern und warten, bis sie angequatscht werden – das hat nie funktioniert. Frauen, die Männer gezielt anflirten, haben wenigsten die Hoffnung (und die Chance) dass „der richtige Mann“ angelockt wird. Frauen, die nur „sexy“ in Bars herumsitzen, müssen damit rechnen, dass sie die bereits erwähnten PUAs und andere Wühlkistenschnüffler mitnehmen.

Und wie ist es online?

Immer noch glaubt der größere Teil der Frauen, sie müssten „irgendwie gefunden werden“ – und das werden sie auch – von dem Äquivalent der Männer, die in Bars darauf warten, irgendeine Frau zu vernaschen. Je nach Art des Online-Datings geht das mal fixer und mal dauert es länger – aber das Prinzip ist das Gleiche: Die Männer, die mit dem Lasso unterwegs sind, fangen sich genau die Frauen ein, die gefunden werden wollen. Mal hartnäckig, mal mit sinnlichen Gedichten, mal mit Humor.

Online kannst du etwas nicht einsetzen, was dir in feier Wildbahn nützt: Körpersprache. Aber du kannst sorgfältig wählen, mit wem du dich triffst. Und wenn du erst einmal ein Treffen vereinbart hast, ist immer noch Zeit und Gelegenheit, dien ganzes Repertoire einzusetzen, um ihn für eine Nacht, ein paar Monate oder ein ganzes Leben zu fesseln.

Oh – ich merke gerade – wir müssen noch über Flirt-Gesten reden. Sie gehen überall. Von der Kollegin zum Kollegen, von der Verkäuferin zum Kunden und überall sonst, wo Menschen einander aus irgendwelchen Gründen ohnehin begegnen.

Zitate von Jen - leider nicht verlinkbar.
Bild: Buchillustration von 1919

Forschung an Alleinerziehenden – die Bestraften vom Partnermarkt?

Ei, ei .. da haben Forscher aus der Schweiz aber mal heftig zugelangt, indem sie über eine nicht näher spezifizierte Studie schreiben, dass Alleinerziehende auf dem Partnermarkt „gestraft“ würden.

Insbesondere zeige ihre Studie, dass Alleinerziehende im Verhältnis zu kinderlosen Singles im Partnermarkt bestraft werden und dass diese vor allem auf weibliche Alleinerziehende zuträfe.


Worauf die Forschung letztlich hinausläuft? Darauf, Partneragenturen (Online-Dating-Vermittler) mit besseren „Matching-Algorithmen“ zu versorgen? Es könnte sein, denn seit einigen Monaten versuchen verschiedene tatsächliche und vermeintliche Experten, uns mit KI-Thesen vollzulabern. Sehr auffällig ist, dass dazu fast immer angeblich „völlig neue Methoden“ zum Einsatz kommen, die es zwar gibt, von denen aber zweifelhaft ist, ob sie relevant sind. Forscher, die so vorgehen, behaupten generell, dass beim sogenannten „Data Mining“ Fakten und Zusammenhänge übersehen oder nicht genügend berücksichtigt werden.

Was einerseits bedeutet, dass sie den Daten vertrauen, über die sie verfügen, und zweitens, dass es tatsächlich relevante Informationen gibt, die traditionelle Systeme nicht erkannt haben. Im Grunde geht es also gar nicht um Fakten, sondern um eine Art Spiel, wie man Daten auf unterschiedliche Weise ausquetschen kann.

Muss das Kaninchen absolut aufs Fahrrad?

Wie nun das Kaninchen aufs Fahrrad kommen soll, weiß ich nicht. Die Partnersuche bei Alleinerziehenden mit Kindern, die ständig im Hause leben, ist hinreichend bekannt. Und neue Algorithmen helfen da genau gar nichts, weil sich die Passung erst klärt, wenn die Liebe größer ist, als die vorhandenen Hürden – also erst dann, wenn man einander längst kennengelernt hat.

Quelle: Alexandria.

Der ideale unterwürfige Mann?

Wer ist der ideale unterwürfige Mann? Manchmal muss ich lachen: und immer öfter dann, wenn mehr oder weniger professionelle Ladys, die keine sind, ihren Beruf loben, der eigentlich keiner ist: die Dominatrix.

Und ja, diese Dame hat Ansprüche an den Mann, der sich bitte zur Unterwerfung anbieten soll. Zum Beispiel diese. Er sollte …:

- ... einen guten, festen Job haben.
- … ausgezeichnet auftreten, sei es bei einer Anfrage oder persönlich.
- … einwandfreie Rechtschreibung beherrschen.
- … Bezahlung anbieten, ohne dass die Dame danach fragt.
- … auf keinen Fall notgeil sein.
- … gut gekleidet sein.
- … Ein gutes Benehmen an den Tag legen.
- … weder Ehefrauen noch Kinder haben.

Das Bild dieser Dame zeigt eine eher scheue, unsichere Person, die aber nach Eigenangaben schon manches in der Erotik-Unterhaltungsbranche versucht hatte.

Der „Forderungskatalog“ sieht in meinen Augen ähnlich aus wie beim Online-Dating, wenn ich mal von „Bezahlung anbieten“ absehe.

Ist das wirklich der ideale unterwürfige Mann? Ich habe Gründe, es nicht anzunehmen. Er ist vielleicht ein nützlicher, unterwürfiger Idiot.