Skip to content
  Eigenwerbung

Zählen und Abzählen … Partner und Orgasmen

Wer ab 40 Lebensjahren eine Partnerin oder einen Partner wählt, sollte davon ausgehen, dass er/sie schon einer hübschen Anzahl von Menschen „intim begegnet“ ist. Eine „notorische“ Anzeigenfrau (damals gab noch kein Online-Dating) erzählte mir, dass sie pro Anzeige zwischen 9 und zwölf Dates hätte, und dass davon zwei Drittel auch dann im Bett enden würden, wenn eine Beziehung ausgeschlossen sei. Die Aussage „wenn er nett ist, schlafe ich auch mit ihm“ hörte ich oft, und einmal sagte mir eine „Frau vom Lande“, es sei doch nur natürlich, dass man mit einem Mann ins Bett gehen würde – so viel Gelegenheiten dafür gäbe es schließlich nicht.

Wer will eigentlich die Zahlen wissen?

Fragt sich, warum um die Tatsache der zweckfreien Lust überhaupt so ein Brimborium gemacht wird. Besser wäre, nicht zu fragen, nichts zu offenbaren und das Thema, falls es dennoch aufkommen sollte, höflich abzulehnen.

Selbstverständlich hat es Sinn, danach zu fragen, ob der Partner schon einmal (oder mehrfach) verheiratet war. „Heiraten“ hat einen höheren Stellenwert als „mal jemanden gevögelt zu haben.“ Aber ein „Ereigniszähler für Intimbegegnungen“ ist weder als Diagramm über dem Lotterbett noch als Spreadsheet-Datei sinnvoll.

Tipp für Suchende: Geht davon aus, dass euer Date erfahren ist

Falls ihr dazu als Suchende/Suchender einen Tipp wollt. Geht einfach davon aus, dass euer Partner /eure Partnerin etliche Durchgänge mit unterschiedlichen Menschen bei sich ergebenden Gelegenheiten hatte. Es ist allemal besser, als wenn sie/er gar keine Erfahrungen hat.

Orgasmen zählen? Pro Tag oder pro was denn?

Und die Orgasmen? Über sie gibt es eine Theorie: Die schönsten, häufigsten und die meisten aufeinanderfolgenden Orgasmen gibt es in der Kombination von Klitoris, Vibration und Fantasien. „Wenn ich gut drauf bin, kann ich am Tag zweistellig kommen“ Hübsche Anzahl, nicht? Wenn zwischen dem ersten, zweiten und einigen weiteren Durchgängen lange Pausen liegen und die Fantasien aufgefrischt werden, kann es wirklich zweistellig werden, bestätigte gerade eine Bloggerin, die sich allerdings als Toy-Testerin outete. Und – es seien eine „Menge schmutziger Gedanken“ dazu nötig gewesen. Welche es waren, erklärte sie nur für den ersten vollen Zehner. Den Rest wollte sie wegen des „Einblicks in ihre Verdorbenheit“ nicht mit ihren Lesern teilen.

Frohe Ostern allerseits. Und wer gerade weder schmutzige Gedanken noch Toys zu Verfügung hat – auch Ostereier zu essen kann sehr lustvoll sein.

Neue Marketing-Masche: Pre-Dating

Die Marketing-Fritzen haben eine tolle Idee: Sie nennen den Frust der meisten suchenden Singles jetzt Pre-Dating. Das sind „Dates vor dem Date“, was ohnehin schon ein Blödsinn besonderer Art ist.

Die Wahrheit ist absolut ernüchternd: Pre-Dating hat mit „Dating“ nur sehr wenig zu tun. Es ist auch eigentlich keine Form der Partnersuche, sondern eine elende, quälende Abwarterei.

Die angeblichen "Informationen" werden von der Branche verbreitet

Die Presse greift so etwas begierig auf - und bezieht die Informationen, wie könnte es anders sein, aus dem Bereich des Online-Datings. Da wird schon mal eine PR-Medienfrau zitiert (1), die sagt;

Social Distancing hat die Art, wie wir daten, drastisch verändert. Ob es sich um ein erstes Video-Date oder das erste Treffen nach dem Lockdown handelt, wir sehen, dass Menschen Dating langsamer angehen und nach tiefergehenden Verbindungen suchen.

Man sollte dieser Art Presse-Fritzen und Presse-Gretels einmal sagen, dass man „Dating“ nicht langsamer oder schneller angehen kann, sondern nur intensiver oder weniger intensiv, gezielter oder weniger gezielt, emotionaler oder weniger emotional.

Klar - man kann etwas aus Marketinggründen sagen. Und Benutzer können etwas glauben, was jenseits der Realität liegt. Etwa zwei Drittel bis vier Fünftel aller Benutzer (2) sind ohnehin so realitätsfremd, zu glauben, Online-Dating würde ihnen ohne Einsatz von Klugheit und Umsicht helfen.

Alles, was man wirklich „abklären kann“, ist die Sicht auf die vergangenen fünf Jahre und die Vorschau auf die kommenden fünf Jahre. Alle andere ist „Rauschen“.

Und noch dies: „Tiefergehende Verbindungen“ entstehen aus bestehenden Verbindungen, die an Tiefe gewinnen - nicht aus sinnlosem Geschnatter.

(1) Zitat aus desired
(2) Ermittelt aus den Erfolgsquoten, sehr optimistisch betrachtet.

Nachhaltiges Dating und andere Sprüche

Immer alles "nachhaltig"?
Das gegenwärtige, sinnfreie Gerede über Online-Dating, das von vielen Medien unterstützt wird, zeigt einige Kernpunkte:

- Falschbehauptungen über das Kennenlernen.
- Dreiste Annahmen über die Entstehung von Beziehungen.
- „Psychologisches“ Expertentum, das jeder Grundlage entbehrt.


Ich kann nichts gegen die ständige Meinungsmache tun. Die Wahrheit ist gegenwärtig kein besonderes gefragtes Gut. Deswegen kann ich hier auch nur einige Sätze fallen lassen, die dem Mainstream widersprechen.

1. Singles drängen auf Begegnungen - emotional und körperlich.
2. Nur das Kennenlernen von Angesicht zu Angesicht ist wirkliches Kennenlernen.
3. Nur wenige Psychologen wissen, was Singles tatsächlich wollen.


Leider höre ich aus den Verlautbarungen der Presse immer wieder die Stimme des Kommerzes heraus: Kommt JETZT, zahlt JETZT, JETZT ist eine gute Zeit. Wer’s denn will, mag es wirklich tun. Aber ob es die beste Lösung ist? (1) Ich bezweifle dies aus vielen guten Gründen - und ich habe noch nicht alle erwähnt.

Das Stichwort aus Psychologie und Kommerz heißt gegenwärtig: „Nachhaltiges Dating“. Das klingt gut, sagt aber leider nicht das Geringste aus. Ich denke, das muss ich niemandem erklären, der sich beim Online-Dating kennengelernt hat und dann zusammengeblieben ist. Und für die weniger von Wissen behauchten: Dating heißt „jemandem Begegnen, um zu prüfen, ob er als Partner in Frage kommen könnte“. In diesem Zusammenhang von „Nachhaltigkeit“ zu sprechen, ist die blanke Rhetorik.

(1) Ich bin nach wie vor für Online-Dating mit Sinn und Verstand, und ich habe auch verstanden, dass die Mainstream-Presse oft keine anderen Quellen hat als das, was als "offiziell" gilt. Aber Behauptungen werden nicht wahrer, je häufiger sie wiederholt werden.

Wie die Pandemie Begierde in schnellen Sex wandelt

Das Date im Bett: Folge der Pandemie?
Frauen und Männer, die auf Sex nicht verzichten wollen, treffen weiterhin begehrlich Suchende, die ebenfalls vor Lust bersten. Sollten sie nicht. Tun sie aber.

Sagte ich „Frauen und Männer“? Oh ja, und ich kann das per Zitat belegen:

Auf Sex möchte ich nicht verzichten. Klar, mir geht es dabei auch um Nähe, aber vor allem um Bestätigung. Begehrt zu werden hilft mir dabei, mich selbstbewusst und schön zu fühlen.
Eine nette Umschreibung, aber das Ziel ist eben, die Begierde in Lust zu wandeln und die Lust in Selbstbestätigung.

Mir scheint, die schnellen Verabredungen werden gar nicht erst als „Beziehungsversuche“ getarnt, wie es im konventionellen Online-Dating üblich ist. Und ich bekomme die Bestätigung dafür, denn die „Situationen, in denen es zu One-Night-Stands kommt, sind natürlich seltener geworden.“

Darf ich lächeln? Die Situationen sind „natürlich“ seltener geworden? Kam man (ob Frau oder Mann) früher etwa häufiger in die Versuchung, sogleich heftig der Lust zu frönen? Offenbar war das so. Wieder lese ich:

Für verbindliche Dates braucht man Bars, Theater und Kinos.

Die also braucht man? Und eine Flasche Wein, zu zweit gebechert, reicht gerade mal für die Befriedigung aktueller Gelüste, wobei nicht der Wein gemeint ist?

Nun gut – ich muss das alles nicht verstehen. Aber mich beschleicht immer mehr der Verdacht, dass die „neue Notgeilheit“ mit allerlei Ausreden einhergeht. Mit und ohne Pandemie.

Zitate: ze.tt.
Grafik: Historisch, anonym.

Die Woche: Lustiges, Unsinniges - und der Penis

In dieser Woche gab es viel Unsinn zu lesen, vor allem über Singles und Partnersuche. Die Damen und Herren Redakteure versuchten, die letzten Krümel aus dem leeren Nachrichtentopf über die Liebe 2020 herauszurutschen. Neben den „Senioren“ (mal ab 50, mal ab 60) waren es vor allem die Online-Dating-Branche, die mit einer „Studie“ auf sich aufmerksam machen wollte. Da kommen die Guten ins Töpfchen (nämlich zum betulichen Online-Dating mit Chats und Trallala) und die Schlechten ins Kröpfchen, weil sie einander unvorsichtigerweise tatsächlich physisch begegnen. Oder habe ich das wieder mal falsch verstanden?

Singles und Paare in der Pandemie

Lustig wurde es in einem Artikel, den ich die Woche über gar nicht erwähnt hatte – wie ist es bitte, JETZT auf Partnersuche zu sein, oder noch simpler „Wie flirtet man in Mund-Nasen-Schutz-Zeiten?“

Interessant war auch das schnörkellos-selbstbewusste Interview mit einer schweizerischen Paartherapeutin.

Das „rein Sexuelle“ haben wir auf den Penis reduziert. Über ihn wird viel gesprochen, und hätte er Ohren – er würde protestieren.

Unser etwas vergessenes Thema „Singles“ wurde mit einem mehr als eigenartigen Zungenschlag unters Volk gebracht. Nachdem der Titel extrem irreführend war, erwies sich, dass die CIS-Leute alle nicht wissen, was Singles brauchen. Ich vermute, dass du, lieber Leser, CIS bist. Also weißt du’s auch nicht, oder?

Wahre Liebe, unwahre Liebe – ich kanns nicht mehr hören, ehrlich. Und ich fand wirklich noch einen Menschen in einem Forum, der sich aufblies: Wir würden „verlernen“ wie echtes Dating geht, wenn wir Online-Dating betrieben würden. War eine Einzelmeinung, aber sie wohnt immer noch in vielen Köpfen.

Sektierer und Sperma-Männerbünde

Das dumme Geschwätz dieser Woche kam nicht nur von Corona-Leugnern und anderen Sektierern, sondern auch von einer merkwürdigen Männergesellschaft, die beschlossen hat, ihre Prostata nicht zu bemühen, solange wir den November schreiben. Erst hatten wir darüber nur eine Satire gebracht, doch später wurde uns die wahre Natur dieser merkwürdigen Gestalten bewusst: Eigentlich sind sie erklärte Frauenfeinde. Es handelt sich offensichtlich um Männer, die sich über ihr Sperma definieren. Sprich nicht gerade für sie.

Der „Tagesspiegel“, sonst von uns gerne zitiert, brachte reißerisch einen Artikel über eine neue Dating-App für Teenies. Über solche Apps wäre wirklich zu reden – und zwar sehr kritisch. Aber nicht auf diese Weise.

Leider auch Pandemie ...

Wir selbst (seufz) hatten es nicht besser als alle anderen: Null Themen, die wirklich diskussions- oder mitteilungswürdig waren. Darüber schrieben wir dann auch … musste mal sein.

Ich verstehe sehr gut, warum sich Menschen in der Pandemie zurückziehen. Aber das gilt für persönliche Begegnungen. Warum sie sich auch sonst so zaghaft äußern, will mir hingegen nicht in den Kopf.

In jedem Fall - bleibt gesund und behaltet euren Verstand. Den braucht ihr in jedem Fall weiterhin.