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Ost-West Paare und die Einheit

Zur dreißigsten Wiederkehr der "Einheit" habe ich mich entschlossen, etwas Persönliches beizutragen - und zugleich zu erklären, dass es eigentlich ganz normal ist, über "Grenzen hinaus" zu heiraten.

In der Soziologensprache bin ich ein „westdeutsch sozialisierter“ Mann, der mit einer „ostdeutsch sozialisierte Frau“ in einem der „neuen Bundesländer“ lebt. Und wie ich vernehme, gehöre ich damit zu den „etwa 17 Prozent“ der „gemischtdeutschen“ Paare, die so leben.

Das ist Soziologendeutsch, und ich identifiziere mich keinesfalls damit. Niemand ist „ostdeutsch“ oder „westdeutsch“ sozialisiert, auch wenn es diese Unterschiede geben mag. Tatsache ist, dass es in den frühen Jahren der BRD noch viele Ehen gab, in der sich der Mann als Verdiener, die Frau als Hausfrau zu qualifizieren hatte. Das ist allerdings „Schnee von gestern“, seit die Frauenemanzipation durch Ausbildung und Weiterbildung in Riesenschritten vorangekommen ist. Heute wollen Frauen überall im Land möglichst gute Berufsabschlüsse vorlegen, weil dies die Voraussetzung für wirtschaftliche Unabhängigkeit bietet.

Ost-West-Paare - ist das wirklich etwas Besonderes?

Wie sind eigentlich Ost-West-Paare? Ähnlich den Nord-Süd-Paaren sind sie vor allem flexibel in der Wahl ihres Aufenthaltsorts. Das gibt der Soziologe, den ich zitiere, durchaus zu, indem er sagt:

Man muss ... aber auch bedenken, dass die Ost-West-Paare keinen Querschnitt der Bevölkerung bilden: Ihre Beziehungen setzen Binnenmigration voraus, und Binnenmigranten sind in der Regel hochgebildete Personen, vor allem die Frauen haben eine höhere Berufs- und Erwerbsorientierung als der Durchschnitt. Ost-West-Paare sind also insgesamt relativ modern.

Über die „Binnenmigranten“ habe ich herzlich lachen müssen. Das kling so wie im Behördendeutsch: „Wo befindet sich denn ihr Lebensmittelpunkt?“ Falls ihr gefragt werdet: Sagt dann bloß nicht „in mir“ - dann fühlt sich jeder deutsche Beamte verhohnepipelt. Ich bin übrigens mehrfach „migriert“, wobei ich die Anpassung an das Schwabenland als besonders schwierig empfand - schon wegen der Sprachbarriere. In Thüringen ist es einfacher.

Du von dort, ich von hier - Lebensrealität vieler Paare

Nord-Süd-Paare, Ost-West-Paare, multinationale Paare - die meisten von ihnen sind in der Tat zusammengekommen, weil sich ein Teil „vom Acker gemacht hat“ - oder auch beide.

Etwas Besonderes ist es wirklich nicht, ein Ost-West-Paar zu sein. Ob ich es empfehlen kann? Ja, ganz sicher. Nicht nur, weil ich froh darüber bin - sondern auch, weil es keine bessere Stütze für die Einheit gibt, als einen Menschen aus einem entfernten Bundesland zu heiraten.