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Die Verbreitung von Sexting und die Presse



Der SPIEGEL brachte heute folgende Meldung über Sexting, die auf den ersten Blick sehr nachdenklich macht;

„Mehrere Studien, unter anderem von einer nationalen Kampagne zur Verhinderung ungewollter Teenager-Schwangerschaften, US-Jugendschutzorganisationen, von MTV und der Nachrichtenagentur AP bestätigten in den letzten Monaten die Existenz und relativ weite Verbreitung von Sexting.“

Die Existenz von Sexting wurde und wird von kaum jemandem bezweifelt – mal schnell den BH abnehmen mit der im Handy eingebauten Kamera ein Bild schießen und an den Geleibten schicken – das ist zwar nicht unbedingt ladylike, aber man ist ja auch noch keine Lady. Offenbar waren die heutigen Redakteurinnen und Redakteure nie jung und nie übermütig, sonst würden sie vermutlich gar nicht erst an der „Existenz“ solcher Bilder zweifeln – sie sind mindestens so alt wie das eigene Fotolabor oder die Polaroid-Kamera – nur dass solche Dinge in den 1950er und 1960er Jahren nur wenige Menschen hatten – und zugegebenermaßen, so schnell war auch der BH damals noch nicht unten, wie dies heute der Fall ist.

Kommen wir mal zur „relativ weiten Verbreitung“, dann ist natürlich die Frage, was für SPIEGEL-Redakteure „relativ weit“ ist und was sie mit „Verbreitung“ meinen. Das Senden und Erstellen war jedenfalls nach der im Spiegel erwähnten US-amerikanischen Studie ganz und gar nicht „weit verbreitet“ – ganze vier Prozent der befragten Teenager gehörten zu den „Versendern“.

So kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, als würden solche Meldungen schnell als Sensationen aufgebauscht – zulasten der Jugend, die in den USA ja weit weg ist und die sich ohnehin einen feuchten Kehricht darum scheren wird, was Pew Research über sie ermittelt hat. Oder habt ihr, die ihr heute Erwachsen seid, euch etwa darum gekümmert, was euch die Moralapostel an angeblichen Fakten über euch selbst in die Ohren gedröhnt haben, als ihr noch die „verdorbene Jugend“ wart?

Foto & copy; 2008 by by Yuliya Libkina